Dietrich Bonhoeffer. Das Schicksal des Tegeler Briefschreibers und die letzten Stationen seines Lebens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
60 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Biographie Dietrich Bonhoeffers - Leben, Persönlichkeit und Schicksal

1. Zeittafel - 1906 bis

2. Die Situation und Haltung des Tegeler Briefschreibers - April 1943 bis Oktober
2.1 Kurzer Einblick: Bonhoeffers Erläuterungen bezüglich dem Gefängnis und dessen Zelle(n) in seinen Briefen aus Tegel
2.2 Die Bewacher - Das Personal - die Kommandanten
2.3 Die Bewachten - die Untersuchungshäftlinge im WUG Tegel
2.4 Die Verpflegung der Gefangenen und des Personals im WUG Tegel - Bonhoeffers Pakete

3. Bonhoeffers Familie - Ihre Zusammengehörigkeit, Stütze und Hilfe
3.1 Zusatz: Einige wenige Einblicke in die Komplexität der Verhöre

4. Die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Untersuchungshäftlinge im WUG Tegel und die Sonderstellung Bonhoeffers
4.1 Allgemeine Beschäftigungslage und Bonhoeffers Arbeit und -shaltung
4.2 Bonhoeffers Tagesablauf und -programm
4.3 Der Briefverkehr zwischen D. Bonhoeffer, seiner Familie und E. Bethge
4.4 Bonhoeffers Besuche aufgrund der Sprecherlaubnis im WUG Tegel

5. Bonhoeffers Haltung zu seiner Situation im Tegeler Gefängnis

6. Bonhoeffers Stationen nach dem gescheiterten Attentat 1944 bis zum Ende

7. Die letzten Stunden seines Lebens - der Transport nach Flossenbürg - der Gedächtnisgottesdienst

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Dieser Hausarbeit mit dem Thema ` Dietrich Bonhoeffer: Das Schicksal des Tegeler Briefschreibers und seine Haltung in den letzten Stationen seines Lebens` beinhaltet die Auseinandersetzung mit der Biographie von D. Bonhoeffer, seinem Leben, Denken und auch mit einigen seiner theologischen Ansichten und Arbeiten, wobei der thematische Schwerpunkt auf der 1 ½ - jährigen Tegeler Haftzeit und seinem Tod liegt. Die Grundlagen für die Bearbeitung des Themas bilden größtenteils die zwei Bücher mit dem gleichen Herausgeber, E. Bethge, `Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse.` und ` Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.`.

Im Aufbau habe ich neben der kurzen Darstellung seiner wichtigsten biographischen Daten sein Gefangenendasein im WUG Tegel mittels Beschreibungen und Zitaten von und Erläuterungen zu seiner Situation im Tegeler Gefängnis und diesem an sich, seiner Zelle, den Bewachern und den Untersuchungshäftlingen, der Personal- und Häftlingsverpflegung; über Ausführungen und Zitaten zu Bonhoeffers stützender Familie und über seinen engen und für ihn bedeutsamen Freund E. Bethge; hin zu Darstellungen und Zitaten von seinem Tagesablauf- und programm und den Beschäftigungsmöglichkeiten, die für ihn, neben dem Briefe schreiben, den Verhören, den Besuchen, dem Engagement für die Mithäftlinge und der Beschäftigung mit den Bewachern und Kommandanten, aus seiner theologischen, literarischen oder dichterischen Arbeit bestand. Im letzten Viertel der Hausarbeit habe ich in einem Kapitel seine Haltung zu seiner Situation im Gefängnis zusammenfassend und erweiternd noch einmal dargestellt; im Weiteren grob die letzten biographischen Daten der letzten Stationen seines Lebens nach dem gescheiterten Attentat 1944 bis zum Ende zitiert und zuletzt noch einmal ausführlicher die letzten Stunden seines Lebensweges, seinen Tod mit Rückbezügen auf seine diesbezüglichen Haltung im Laufe seines Lebens und den Gedächtnisgottesdienst, ihm zu ehren, ausgearbeitet. Zum Aufbau ist noch folgendes hinzuzufügen: Die einzelnen Kapitel bzw. Abschnitte sind größtenteils jeweils mit einem einleitenden und oftmals auch abschließenden zitierten Auszug aus seinen Briefen oder aus der Biographie bestückt; sie dienen zur Einstimmung auf das Folgende, oder als Zusammenfassung bzw. Abschluss von dem ausgearbeiteten Abschnittsschwerpunkt, oder als Hinführung und Verbindungsstück zu dem nächsten Teil. Die eingebrachten Haftbriefe habe ich versucht nach inhaltlichen Zusammenhängen und chronologisch richtiger Reihenfolge zu verarbeiten, wobei die einzelnen Kapitel nicht den Anspruch der Vollständigkeit haben. Was die Anzahl der Zitate angeht, so sind diese durchaus so beabsichtigt, denn ich möchte damit zum Einen Bonhoeffers fesselnden Schreibstil und seine Ausdrucksweise dokumentieren, der durch die eigene Wortwahl sicher verloren gehen würde, oftmals kann man sein Geschriebenes auch nicht treffender formuliert als er es schon getan hatte; zudem läuft man Gefahr, seine Briefe zuweilen nicht in seinem Sinne zu deuten und umzusetzten, was mir doch sehr wichtig war; zum Anderen sprechen seine aufgeschriebenen Worte auch vielfach für sich. So habe ich Zitate manchmal unkommentiert stehen lassen, ihnen jedoch einen erläuternden Rahmen gegeben. Zu den Kapiteln ist noch weiter anzumerken, dass sie zwar jeweils für sich stehen, sich jedoch auch manchmal gewollt mit anderen überschneiden und gegenseitig ergänzen.

Hintergründig ziehen sich auch verschiedene Fragen durch die Hausarbeit, so beispielsweise die, wie er mit seiner Lage, seinem Schicksal und seinen Mitmenschen in der Haft umgegangen ist; wer oder was ihm geholfen hat, seine Situation durchzustehen und ihn aufrecht zu halten; was ihn beschäftigte, sowohl in Gedanken wie auch konkret u.v.m.

Den zeitlichen Rahmen der Haftbriefe und die damit verbundenen äußeren Geschehnisse habe ich wohl im Hinterkopf gehabt, jedoch nicht immer in meine Überlegungen mit einbezogen, es kann allerdings der folgenden Einteilung von E. Bethge entnommen und je nach angegebenem Datum der Briefe diesen gegebenenfalls zugeordnet werden.

Bonhoeffers Zeit in Tegel läßt sich in drei Abschnitte bzw. in vier Phasen gliedern. Den ersten Abschnitt von April bis Juli 1943 nehmen die Roederschen Verhöre ein, es ist die Phase der Ermittlungen; es endet mit einer Anklageerhebung. Den zweiten Passus vom August 1943 bis zum April 1944, auch als die Phase des Wartens und des unaufhörlichen Hoffens auf den Prozess(termin) bestimmt. Im dritten Abschnitt vom April 1944 bis zum September 1944, der auch die sogenannte Phase des Überdauerns bis zum Umsturz von April - Juli 44 einschließt und in die letzte Phase nach dem gescheiterten Attentat von Juli 1944 - Feb. 1945 hineinreicht, willigte Bonhoeffer in die Taktik des Versandenlassens ein. Diese Zeit löste bei ihm eine neue und konzentrierte Schaffensperiode, meist bezogen auf die Theologie, aus. Der dritte Abschnitt, und damit auch die letzten zwei Phasen, endet nach dem Zossener Aktenfund mit einem Fluchtplan und der Überführung in das Gestapogefängnis der Prinz - Albrecht - Straße.[1]

Die Biographie Dietrich Bonhoeffers - Leben, Persönlichkeit und Schicksal

„Es scheint, als sei die Einheit dieser Schritte des reich Begabten, vom Theologen zum Christen und zum Zeitgenossen, das Besondere in Bonhoeffers kurzem Lebensgang, vielleicht auch gerade in dieser Reihenfolge.“ [2]

1. Zeittafel - 1906 bis 1943

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Die Situation und Haltung des Tegeler Briefschreibers - April 1943 bis Oktober 1944

„Aus den achtzehn Monaten aus dieser Zelle besitzen wir mehr Zeugnisse von Bonhoeffers Hand als aus anderen Perioden seines Lebens, Zettel, Briefe, Arbeiten und literarische Versuche.“[4]

Am Nachmittag des 5. April 1943 gegen vier Uhr wurde Dietrich Bonhoeffer von Oberstkriegsgerichtsrat Roeder und dem Gestapokommissar Sonderegger in der Marienburger Allee abgeführt und ins Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin - Tegel[5] gebracht.[6] Dort lebte Bonhoeffer 1 ½ Jahre, zuerst eine Nacht in einer Zugangszelle, dann in einer Isolierzelle im dritten Stock, und später verlegte man ihn in die Einzelzelle 92 auf dem ersten Stockwerk bis er am 8.10.1944 nach dem Fund der Zossener Akten ins Hausgefängnis des RSHA[7] gebracht wurde.[8]

Es dauerte ein halbes Jahr, bis Bonhoeffer einen Haftbefehl erhielt, solange war er ohne Mitteilung über die Dauer und den Grund seiner Haft.[9]

Nachdem die Aufnahmeformalitäten einwandfrei abgeschlossen waren, brachte man Bonhoeffer die erste Nacht vom 5. auf den 6. April in eine Zugangszelle, die er ein Jahr später, mit Einbezug der Bewacher und Mithäftlinge, in einem Haftbericht folgendermaßen beschrieb[10]: „[...]; die Decken auf der Pritsche hatten einen so bestialischen Gestank, daß es trotz der Kälte nicht möglich war, sich damit zuzudecken. Am nächsten Morgen wurde mir ein Stück Brot in die Zelle geworfen, [...]. Der Kaffee bestand zu einem Viertel aus Kaffeesatz. Von außen drangen [...] jene wüsten Beschimpfungen der Untersuchungsgefangenen durch das Personal, [...]. Es wurde ihnen bedeutet, daß niemand mit mir sprechen dürfe. [...].In der ersten Nacht in meiner Zelle konnte ich wenig schlafen, da in der Nebenzelle ein Häftling mehrere Stunden hintereinander laut weinte,[...]; es hat sich jedoch in all den folgenden Monaten nur noch einmal wiederholt.“[11]

Nach dieser Nacht wurde Bonhoeffer in den obersten Stock auf die Abteilung der Isolierzellen gebracht, wo sich die an Händen und Füßen Gefesselten und zum Tode Verurteilten befanden. Von dieser Isolierzelle berichtete er, dass niemand ohne besondere Genehmigung zu ihm durfte, ihm der Schriftverkehr, die halbe Stunde im Freien, sowie Zeitungen und Rauchwaren verwehrt wurden. In den ersten Wochen war er daher der völligen Isolation ausgeliefert, nur der Essensempfang und das Herausstellen des Kübels waren erlaubt.[12] Diese strenge Isolation brachte Bonhoeffer gedanklich an den Rand des Todes, so formulierte er auf einem Zettel aus den ersten Wochen folgendes: „`Selbstmord, nicht aus Schuldbewußtsein, sondern weil ich im Grunde schon tot bin, Schlußstrich, Fazit.`“[13] Solche aufgeschriebenen Gedanken wurden aus der folgenden Häftlingszeit nicht mehr gefunden. Begründet wurde das Geschriebene aufgrund der Angst, dass er den harten Verhören und den möglicherweise kommenden Mißhandlungen nicht standhalten könne und so eventuell draußen weiter an der Sache arbeitende Freunde ans Messer lieferte.[14]

Al s die ersten 12 Tage vergangen waren, kamen Bonhoeffers verwandtschaftliche Verhältnisse im Gefängnis an den Tag, woraufhin sich alles veränderte, denn nun galt ihm eine bevorzugte Behandlung[15]: Er wurde in eine weitflächigere Zelle verlegt, die täglich gesäubert wurde, seine Essensrationen sollten vergrößert werden, was er allerdings durch die Rücksicht auf die anderen Mithäftlinge ablehnte, er wurde täglich persönlich vom Hauptmann zum Spaziergang abgeholt und daraufhin auch vom Personal mit besonderer Höflichkeit behandelt.

2.1 Kurzer Einblick: Bonhoeffers Erläuterungen bezüglich dem Gefängnis und dessen Zelle(n) in seinen Briefen aus Tegel

„Langgestreckt auf meiner Pritsche

starre ich auf die graue Wand.

Draußen geht ein Sommerabend,

der mich nicht kennt,

singend ins Land.

[...]

Schlafe ein wenig!

Stärk Leib und Seele, Kopf und Hand!

[...]

Bis nach blutroter Nacht

dein Tag anbricht -

halte stand!

[...]

Ich höre, ich höre,

wie Stimmen, wie Rufe,

wie Schreie nach rettenden Planken,

der wachenden, träumenden Leidensgefährten

nächtlich stumme Gedanken.

Ich höre unruhiges Knarren der Betten,

ich höre Ketten.

[...]

Langgestreckt auf meiner Pritsche

starre ich auf die graue Wand.

Draußen geht ein Sommermorgen,

der noch nicht mein ist,

jauchzend ins Land.

Brüder, bis nach langer Nacht

unser Tag anbricht,

halten wir stand!“[16]

In den anfänglichen Ausführungen wurden allgemeine Fakten und Daten auch über das Gefängnis und die verschiedenen Zellen beschrieben. Eine andere Zugangsweise sind die Tegeler Briefe, in denen Bonhoeffer durch die ganze Haftzeit hindurch immer wieder das WUG und die Zelle beschrieb und das, was beides in ihm auslöste, mitteilte. Anhand von wenigen Zitaten aus einer Vielzahl von Briefen soll sein Empfinden in dieser Enge und das Zellendasein an sich ansatzweise verdeutlicht werden.: . . . „Überhaupt wird man hier in der Zelle äußerlich und innerlich auf die einfachsten Dinge des Lebens zurückgeführt; [...]. Aber vielleicht leidet auch der Verstand etwas unter der Enge, in der man lebt?“[17]. . . „In diesen Tagen spüre ich zum ersten Mal die Wärme; noch ist sie hier in der Zelle noch nicht lästig, besonders da ich mich ja wenig bewege. Aber das Verlangen nach frischer Luft wächst.“[18]. . . „Mir geht es weiter gut. Ich bin 2 Stock tiefer gelegt worden wegen der Luftgefahr.“[19]. . . Erstaunlich ist neben alltäglichen Empfindungen und Erkenntnissen in der Zelle auch seine Übertragung der Bedingungen dieser in ein Bild bzw. ein Symbol, auch wenn er es gleich danach wieder abtut: „So eine Gefängniszelle ist übrigens ein ganz guter Vergleich für die Adventssituation; man wartet, hofft, tut dies und jenes - letzten Endes Nebensächliches - die Tür ist verschlossen und kann nur `von außen` geöffnet werden. [...]; glaube nicht, daß einem hier viel an Symbolen gelegen ist!“[20] Noch in der Adventszeit beschrieb Bonhoeffer in einem Brief vom 17.12.43 an seine Eltern eine weitere außergewöhnliche Deutung bezüglich Weihnachten und dem Gefängnis und drückt darüber hinaus tägliche Eindrücke von Zuständen, Gefühlen und Erfahrungen aus dem Gefängnisleben aus, das in weiteren Kapiteln sortiert von mir ausgeführt wird: „Wahrscheinlich wird in diesem Hause hier von Vielen ein sinnvolleres und echteres Weihnachten gefeiert werden als dort, wo man nur noch den Namen des Festes hat. Daß Elend, Leid, Armut, Einsamkeit, Hilflosigkeit und Schuld vor den Augen Gottes etwas ganz anderes bedeuten als im Urteil der Menschen, daß Gott sich gerade dort hin wendet, wo die Menschen sich abzuwenden pflegen, daß Christus im Stall geboren wurde, weil er sonst keinen Raum in der Herberge fand, - das begreift ein Gefangener besser als ein anderer und das ist für ihn wirklich eine frohe Botschaft, und indem er das glaubt, weiß er sich in die alle räumlichen und zeitlichen Grenzen sprengende Gemeinschaft der Christenheit hineingestellt und die Gefängnismauern verlieren ihre Bedeutung.“[21]

Was die Beleuchtung in den Zellen anging, so hatten die Häftlinge, nachdem die Sonne untergegangen war, öfters wegen der Trägheit und des Personals, stundenlang kein Licht, obwohl es ihnen rechtlich zustand, weil es einfach nicht eingeschaltet wurde. Wagte sich dann ein Gefangener deswegen bemerkbar zu machen, so wurde aus Zorn und Grausamkeit das Licht bis zum nächsten Morgen nicht eingeschaltet. Den Häftlingen war es obendrein auch erst nach dem Zapfenstreich erlaubt, sich auf ihre Pritschen zu legen, was für sie die Folge hatte, dass sie sich ins unheimliche Dunkel setzten mussten.[22] „Das ist innerlich sehr zermürbend und erzeugt nur Bitterkeit.“[23]

2.2 Die Bewacher - Das Personal - die Kommandanten

„Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich spräche mit meinen Bewachern

frei und freundlich und klar,

als hätte ich zu gebieten.“[24]

Schon in den ersten Tagen der völligen Isolation in seiner Isolierzelle stellte Bonhoeffer nicht nur den unverschämten, widerlichen Ton, der u.a. in wüste, üble Beschimpfungen ausartetet, sondern auch die ungerechte Behandlung der Untersuchungshäftlinge und die üblen Praktiken durch das Personal fest[25]: „Der wesentliche Eindruck, der bis heute derselbe geblieben ist, bestand darin, daß hier der Untersuchungshäftling bereits als Verbrecher behandelt wird und daß praktisch für den Gefangenen keine Möglichkeit besteht, sich bei ungerechter Behandlung zu seinem Recht zu verhelfen [...], da Beschwerdemachen des Gefangenen rein theoretisch ist.“[26]

Nachdem wie oben beschrieben nach zwölf Tagen die verwandtschaftlichen Verhältnisse Bonhoeffers heraus kamen, wurde er nicht mehr wie jeder andere Mithäftling behandelt, sondern genoss eine bevorzugte, privilegierte Behandlung durch das Personal und die Kommandanten.[27] Das bewies auch wieder, dass das Verhalten und der Umgang des Personals bezüglich des Gefangenen durch dessen private Besitzverhältnisse, Zigaretten und Versprechungen für die Zukunft positiv beeinflusst werden konnte.[28] „Dieselben Leute, die sich an anderen Gefangenen austoben, begegnen mir mit kriecherischer Höflichkeit.“[29]. . . „Die Wachmannschaft bestand aus langgedienten, mit allem Wassern gewaschenen, zum Felddienst untauglichen Gefreiten und Unteroffizieren.“[30]

Dietrich Bonhoeffer versuchte durch seine besondere Stellung bei den Schließern ein gutes Wort für eine bessere Behandlung aller anderen Untersuchungshäftlinge einzulegen, dieses mißlang allerdings, da sie ihm gegenüber alles zugaben und versprachen, sich jedoch kurz danach wieder genauso verhielten und handelten wie vorher.[31] Dagegen schien allerdings die ein oder andere scharfe Zurechtweisung von Seiten Bonhoeffers auch ein paar Mal genützt zu haben, so schrieb er z. B. in einem Brief vom 22.11.43, Monate bevor er den Haftbericht schrieb, an E. Bethge: „Ich habe hier schon ein paar Mal Leute, die sich nur die geringste Ungezogenheit erlaubten, ganz kolossal angepfiffen, sodaß [!]sie ganz verdutzt und von da an völlig in Ordnung waren.“[32]

Aus welchen Gründen er sich mit den Bewachern anlegte und es ihm auch ein wenig Spaß machte, beschrieb er noch im gleichen Brief: „Das macht mir dann richtig Spaß.[...]. Ganz wild kann ich werden, wenn ich hier erlebe, daß völlig wehrlose Leute ungerecht angebrüllt und beschimpft werden. Diese kleinen Quälgeister der Menschen, die sich dabei austoben können und die es eben überall gibt, können mich noch stundenlang in Aufregung versetzten.“[33]

Dietrich Bonhoeffer „scherte“ nicht das ganze Personal „über einen Kamm“, sondern unterschied durchaus in seinem `Haftbericht nach einem Jahr in Tegel` die oben beschriebenen rücksichtslosen, üblen Bewacher von der Anzahl an Schließern, die friedlich, sachlich und wenn möglich freundlich mit den Häftlingen umgingen, allerdings schrieb er auch, dass gerade diese eher in untergeordneteren Positionen eingesetzt wurden. Das hing sicher auch damit zusammen, dass die Brutalsten die Tonangebenden im Gefängnis stellten.[34] Unter anderem berichtet er auch von Paketen und Grüßen, die freundlicherweise öfters von einem Unteroffizier oder dergleichen überbracht wurden, was normalerweise nicht erlaubt war, aber durch seine bevorzugte Behandlung und durch die Menschlichkeit mancher Bewacher im Bereich des möglichen lag.[35] Darüber hinaus schrieb er über einen Unteroffizier Linke, den er auch in einem Brief vom 19.5.44 an R. und E. Bethge erwähnte, der sogar als Überbringer eines Briefes und damit sozusagen als ein Mittelsmann zwischen dem Gefängnis und der „Welt draußen“ fungierte, folgendes: „Der Überbringer dieses Briefes wird Euch zugleich meine herzlichen Grüße zum Tauftag und die Anweisung auf ein Patengeschenk [...] übermitteln.[...]. Erzähle ihm nur recht viel und laß ihn Notizen machen, damit ich alles erfahre. Er wird Euch auch von mir und meinem Leben hier gern erzählen.“[36]

Bonhoeffers Einfluss und `Beliebtheit` zeigte sich im Laufe der Zeit in vielen Taten seiner Bewacher, die sich sicher aus ganz unterschiedlichen Gründen so verhielten; so brachte ihm der Eine Konzeptpapier aus der Schreibstube, der Andere einen Geburtstagsstrauss, der Nächste bat um einen guten Rat für die eigenen Sorgen oder ein Gebet für eine ruhige Nacht oder nur um ein Gespräch, wieder andere holten Bonhoeffer mit einem Vorwand ins `Revier`, in dem sie dann Musik hörten , Schach spielten, was zu Bonhoeffers Lieblingsspielen gehörte, oder sich der Graphologie zuwendeten. Mit einigen Bewachern hatte Bonhoeffer ein stabiles Vertrauensverhältnis aufgebaut. Einer dieser Vertrauten war der oben erwähnte Unteroffizier Linke, sowie der Unteroffizier Holzendorf und der Unteroffizier Knobloch, mit dem Bonhoeffer unter anderem später nach dem gescheiterten Attentat seinen nicht durchgeführten Fluchtplan entwickelt hatte.[37]

Es gab auch Zeiten, in denen sich nur vorübergehend das Verhalten des Personals, das noch nicht dem Einfluss Bonhoeffers unterlag, durch äußere Geschehnisse veränderte, z. B. die Zeit der schweren Luftangriffe, in der um den 1. Advent 1943 auch das Tegeler Gefängnis schwerer als bisher getroffen wurde: „Während sonst am Montag morgen das Geschrei und Geschimpfe auf den Gängen am wüstesten war, sind offenbar nach den Erlebnissen der vorigen Woche selbst die größten Schreier und Angeber recht kleinlaut geworden, eine sehr spürbare Veränderung.“[38] Eine andersartige Veränderung, jedoch auch durch die Alarme und Luftangriffe hervorgerufen, kann man einer Bitte eines Unteroffiziers an Bonhoeffer entnehmen, die er kurze Zeit später in einem Brief vom 2.Advent 1943 wieder an E. Bethge übermittelte: „Eben sagte der Uffz., der mich vom Revier in meine Behausung [so eigenartig benennt Bonhoeffer manchmal seine Zelle] brachte, als wir uns verabschiedeten etwas verlegen lächelnd, aber doch ganz ernst zu mir: `Beten Sie doch, Herr Pfarrer, daß wir heute keinen Alarm kriegen!`“[39] Was die Alarme anging, wunderte mich in einem späteren Brief von Bonhoeffer vom 7.5.44, dass er sich wohl nach der langen Haft an die Alarme gewöhnt oder eine Art der Verdrängung gefunden hatte, denn er ging im folgenden nach einem scheinbar schweren Luftangriff mit einem `So`...zur Tagesordnung über bzw. führte nach einem kurzen Satz über den Alarm sein vorher beschriebenes Thema fort: „Es gibt wenige Menschen, die Verschlossenheit recht zu würdigen verstehen,[...]. - Eben geht die Sirene; nachher weiter. So, es war wieder ziemlich dick [...].“[40] Ob das auch schon ein Zeichen der noch später von mir beschriebenen Gewöhnung oder Abstumpfung darstellte oder bedurfte es keiner weiteren Erläuterungen?

Im Hinblick auf die eben erwähnten Luftangriffe um die Vorweihnachtszeit, bei denen sich Bonhoeffer als besonders umsichtig erwies und die Leute im Gefängnis sich in seiner Nähe geborgen, beschützt und getröstet fühlten, zeigte sich u.a. wieder sein zunehmender Einfluss, wie auch beispielsweise in seiner Position als instruierter Sanitäter und in der persönlichen Ermutigung eines Hauptmanns zwecks eines Gutachtens für neue Schutzmaßnahmen nach diesen Attacken. Schon vor den Luftangriffen unterhielten sich Bonhoeffer und der Hauptmann öfters über die Verbesserung des Luftschutzes u.a., wobei der `einflußreiche Insasse` die daraus gewonnenen Erkenntnisse für die Familie, die Bewacher und Mithäftlinge nutzte[41]: „So entwickelten sich Kontakte im Haus, die Bonhoeffer nach allen Richtungen zugunsten der Bewacher wie der Mithäftlinge ausnutzte, um Zustände zu verbessern oder die Korruption einzudämmen. Er gewann einen tiefen Einblick in die Quälereien, Kriechereien und Begünstigungen, die in einer solchen Anstalt von der Schreibstube und von dem Küchenpersonal ausgehen.“[42]

Zusammenfassend stellt man dank den verschiedenen Zeugnissen von Bonhoeffer aus der Haftzeit im WUG Tegel, die ohne die Hilfe einiger Wachsoldaten wohl niemals so zahlreich ausgefallen wären, fest: „Der Häftling Bonhoeffer erschien diesen Männern über die Maßen interessant: ein Pfarrer, zunächst unter höchster Geheimstufe eingeliefert, der sich dann als Neffe des Stadtkommandanten entpuppt und bald vom Hauptmann Maetz persönlich spazierengeführt wird. So wurde dieser Häftling mit der Zeit zu einem einflußreichen Insassen des Hauses.“[43]

„Von Menschen gehetzt und gejagt,

wehrlos gemacht und verklagt,

unerträglicher Lasten Träger,

sind wir doch die Verkläger.“[44]

[...]


[1] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 911 - 912; vgl. auch Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 6 - 7

[2] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 5

[3] Wind, Renate: Dem Rad in die Speichen fallen, S. 220 - 222; Detailliertere Ausführungen finden sich beispielsweise in Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 1098 - 1099

[4] Vgl. oben Anm. 2, S. 930; Aus diesen Zeugnissen geht u.a. hervor: „Tegel erschloß Bonhoeffer jedoch auch neue Bereiche seiner Lebenserfahrung und seiner Theologie. Diese Bereiche sind es, die ihn in der Widerspiegelung der veröffentlichten Haftbriefe bekannt gemacht haben.“ (Zitat aus: Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 929)

[5] Diese alte Tegeler Haftanstalt wurde für die Mannschaftsdienstgrade genutzt. Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 897

[6] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Bilder aus seinem Leben, S. 204

[7] Oft auch als Haftkeller der Prinz - Albrecht - Straße benannt. Die Abkürzung RSHA steht für Reichssicherheitshauptamt.

[8] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 897; sowie vgl. oben Anm. 5, Bethge, S. 205; Die Zelle an sich war folgendermaßen: „Anderthalb Jahre lang lebte er in einem Raum von zwei mal drei Metern mit Pritsche, Wandbrett, Schemel und Kübel, einer Bohlentür mit Beobachtungsloch von außen nach innen und einem Lukenfenster über Kopfhöhe auf der gegenüberliegenden Seite.“ (Zitat aus: Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Bilder aus seinem Leben, S. 205)

[9] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 278 - 279

[10] Vgl. ebd., S. 278

[11] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 278 - 279

[12] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 278 - 279; sowie ebd., S. 897; S. 912

[13] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Bilder aus seinem Leben, S. 207

[14] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Bilder aus seinem Leben, S. 207; In der Folgezeit liest man in seinen Briefen bezüglich der Isolation beispielsweise „nur noch“, dass er nicht wusste, wie er sich, wenn er raus kam, wieder an die Menschen gewöhnen würde, weil er sich im Laufe der Zeit an die Isolation gewöhnt hatte und sich nach vielen Besuchen sogar wieder nach dem Alleinsein sehnte. (Vgl. oben Anm. 12, S. 295)

[15] Bonhoeffers Reaktion darauf war gespalten: „Es war für mich persönlich zwar sehr erleichternd, aber objektiv beschämend [...]“ (Vgl. oben Anm. 11, S. 279)

[16] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 383 - 389; Auszüge aus Bonhoeffers Gedicht `Nächtliche Stimmen in Tegel`. Aus dem vollständigen Gedicht kann man viel über das Zellendasein erfahren, es drückt vielfach aus, was ich im Folgenden in einzelnen Kapiteln ausführen werde. Ich lasse es als Eindruck uninterpretiert stehen, denn allein die Auslegung von diesem Gedicht würde noch eine Hausarbeit füllen.

[17] Aus einem Brief an seine Eltern vom 4.6.43; Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 63

[18] Ein Auszug aus einem Brief an seine Eltern vom 24.7.43; ebd., S. 94

[19] Aus einem Brief an seine Eltern vom 5.9.43; ebd., S. 122

[20] Ein Auszug aus einem Brief an E. Bethge vom 21.11.43; ebd., S. 154

[21] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 186

[22] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 282

[23] Aus dem `Haftbericht nach einem Jahr in Tegel` entnommen; vgl. oben Anm. 21, S. 282

[24] Vgl. oben Anm. 21, S. 381; Ein Auszug aus dem Gedicht `WER BIN ICH?`

[25] Vgl. oben Anm. 22, S. 278 - 279; vergleiche dazu auch Bonhoeffers Beschreibung in einem Brief an E. Bethge vom 18.11.43 in Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 147

[26] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 279 - 280

[27] E. Bethge drückte das folgendermaßen aus: „Auf einmal war Bonhoeffer eine Art Stargefangener.“ (Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 913)

[28] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 280

[29] Vgl. oben Anm. 26, S. 280

[30] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 949.

Unter ihnen waren nicht nur üble Schreier und auf ihren Vorteil bedachte Bewacher, sondern auch regimefeindliche Wachmänner.

[31] Vgl. oben Anm. 28

[32] Vgl. oben Anm. 26, S. 155; vergleiche dazu auch in Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 949

[33] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 155.

Wie er zudem mit Widrigkeiten jeglicher Art umgegangen ist und sie psychisch zu bewältigen versuchte, beschrieb er in einem Brief vom 5.12.43 an E. Bethge: „[...] einen leichteren Weg des `An den Widrigkeiten Vorbeidenkens` - das habe ich so ungefähr gelernt - und einen schwereren: sie bewußt ins Auge fassen und überwinden; das kann ich noch nicht.“ (ebd., S. 178)

[34] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 280

[35] Ebd., S. 254.

Karl - Friedrich Bonhoeffer schrieb an seine Kinder im Juni 1945 in der `Rückschau des Überlebenden` folgendes über das Verhalten von Kommissaren und Pförtnern allgemein und über das Verhältnis von Bonhoeffer und seinen Bewachern in Tegel: „Oft kamen sie umsonst, oft mußten sie sich von niederträchtigen Kommissaren beschimpfen lassen, manchmal aber fanden sie auch einen freundlichen Pförtner, der menschlich dachte und einen Gruß ausrichtete, der außerhalb der vorgeschriebenen Zeit etwas abnahm oder Essen trotz Verbotes den Gefangenen gab. [...]. Nicht so schlimm hat es Onkel Dietrich gehabt, solange er in Tegel saß. Er stand sich dort gut mit dem Gefängnispersonal und der Gefängniskommandant war menschlich.“ (Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 442 - 443)

[36] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 329. E. Bethge beschreibt das Verhältnis von Bonhoeffer und seinen Bewachern so: „Vor allem gewann Bonhoeffer die Herzen einiger Wachsoldaten, die schließlich alles für ihn taten und die gefährlichsten Zwischenträgerdienste leisteten.“ (Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 913)

[37] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 950 - 952. Sicherlich kann man seine aufgeschriebenen Gedanken mit der Überschrift `Vertrauen` in dem Prolog `Nach zehn Jahren - Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943` gerade auch auf diese Vertrauensverhältnisse innerhalb der Mauern des Gefängnisses hin kommentieren und seine Arbeit, die seine Haltung, Ansichten und Erfahrungen widerspiegeln, mit seinem konkreten Handeln verknüpfen: „[...] Vertrauen, das immer ein Wagnis bleibt, aber ein freudig bejahtes Wagnis,[...] Vertrauen, wo es nur möglich ist, gestärkt und gefördert werden soll. Immer wird uns das Vertrauen eines der größten, seltensten und beglückendsten Geschenke menschlichen Zusammenlebens bleiben, und es wird doch immer nur auf dem dunklen Hintergrund eines notwendigen Mißtrauens entstehen. Wir haben gelernt, uns dem Gemeinen durch nichts, dem Vertrauenswürdigen aber restlos in die Hände zu geben.“ (Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 21)

[38] So schrieb Bonhoeffer in einem Brief vom 29.11.43 an E. Bethge: Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 167

[39] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 176. Vergleiche dazu auch den Brief an E. B. vom 9.3.44, der Bonhoeffers Beobachtungen zum Glauben seiner Mitgefangenen an `Übersinnliches`, gerade in den Zeiten der schweren Luftangriffe, beschrieb, siehe ebd., S. 259 - 260

[40] Ebd., S. 314

[41] Vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 950

[42] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 950

[43] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 949 - 950. Siehe dazu auch die Ausführungen des Professor Gaetano Latmiral nach dem Krieg über Dietrich Bonhoeffer, seine Sicht deckt sich größtenteils mit dem oben Geschriebenen (vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S.954 - 955), wobei folgendes zur Ergänzung des Gesamteindrucks dienen kann: „Die meisten waren anständig oder sogar gut. Ich glaube, daß der lange Aufenthalt Dietrichs unter ihnen darauf Einfluß ausgeübt hat [...].“ (Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 955)

[44] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung, S. 386: Ein Auszug aus seinem Gedicht `Nächtliche Stimmen in Tegel`. Auch E. Bethge nahm in seiner Biographie über Bonhoeffer diese Verse und dokumentierte sie damit, dass das die Haltung war, die D. Bonhoeffer seinen Besuchern glaubhaft machte. (vgl. Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Theologe, Christ, Zeitgenosse, S. 930). Zudem zeigen sie neben vielen anderen Zeugnissen „auch Zeichen quälender Bedrängnis und des Zornes, aber niemals Spuren von Wehleidigkeit und von Skrupeln über seinen Weg.“ (vgl. oben Anm. 43, S. 930)

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Dietrich Bonhoeffer. Das Schicksal des Tegeler Briefschreibers und die letzten Stationen seines Lebens
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Klassische theologische Texte. Entstehungsbedingungen - Interpretationsmodelle - Wirkungsgeschichte
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
60
Katalognummer
V307388
ISBN (eBook)
9783668063860
ISBN (Buch)
9783668063877
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Auszüge der schriftlichen Rückmeldung des Professors - Fachgruppe Theologie - im Jahr 2002: "...Es ist die beste Hausarbeit zu Bonhoeffer, die ich je gelesen habe. [...] Sie haben sich erkennbar tief in die Situation Bonhoeffers als Gefangener versetzt, da Sie in Ihrer Arbeit gerade die Punkte intensiv und ausführlich behandeln, die für einen Gefangenen so wichtig sind [...]. Und Sie haben das insofern völlig eigenständig gemacht, als Ihre Arbeit fast ausschließlich auf primären Quellen und nicht auf Sekundarliteratur beruht, Bethges Biografie ist dabei ein Sonderfall...."
Schlagworte
Dietrich Bonhoeffer, Gefangener in Tegel, Widerstand und Ergebung, Der Mensch D. Bonhoeffer, WUG Tegel
Arbeit zitieren
Daniela Hoßfeld (Autor), 2002, Dietrich Bonhoeffer. Das Schicksal des Tegeler Briefschreibers und die letzten Stationen seines Lebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307388

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