Hat sich die G20 als eigenständiger Akteur des Global Governance etabliert?

Eine Analyse auf Basis der Erklärungen von Washington, London und Pittsburgh während der Weltwirtschaftskrise 2008/2009


Seminararbeit, 2015
63 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Veranschaulichung der bedeutendsten Termini
2.2 Aufbau und Entwicklung der G20 - Wie aus der Weltfinanzkrise die G20 als zentrales Forum für Global Governance entstand

3 Methodisches Vorgehen
3.1 Vorstellung der Stichprobe
3.2 Operationalisierung und Ergebnisse
3.2.1 Deduktive Bestimmung der Oberkategorien
3.2.2 Induktive Festlegung der Unterkategorien
3.2.3 Das Vorgehen bei der Auswertung der Kategoriensysteme
3.3 Quantitative Ergebnisse
3.4 Qualitative Ergebnisse
3.4.1 Washington Deklaration
3.4.2 London Deklaration
3.4.3 Pittsburgh Deklaration

4 Interpretation der Ergebnisse

5 Fazit/Kritik

Literaturverzeichnis

Anlagenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mitgliedsstaaten der G

Abbildung 2: G20-Anteil der Bevölkerung und des BIP am Gesamtwert

Abbildung 3: Kategoriensystem der Maßnahmen

Abbildung 4: Verteilung der gefundenen Maßnahmen auf die Deklarationen

Abbildung 5: Verteilung der Maßnahmen nach Grad der Verbindlichkeit

Abbildung 6: Verteilung der Maßnahmen nach Grad der Konkretisierung

Abbildung 7: Verteilung der Maßnahmen nach den Oberkategorien

1 Einleitung

''Die Welt steht am Scheideweg.

Es ist eine ernsthafte, lange nicht da gewesene Krise. […]

Wir wollen Ergebnisse, die die Welt verändern.''

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel[1]

Dieses Zitat von der deutschen Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel, vor dem G20 Gipfel in London im Jahre 2009 verdeutlicht die weitreichenden Folgen, welche die Finanzkrise für den gesamten Globus mit sich brachte und nur mit Hilfe von Maßnahmen zu bekämpfen ist.

Diese Vereinbarungen wurden später durch die G20 u.a. in den Erklärungen von Washington, London und Pittsburgh niedergeschrieben und sollen in der Seminararbeit analysiert werden. Aus dieser Analyse soll dann ermittelt werden, ob sich die G20 im Bereich des Global Governance – welches das Thema des dazugehörigen Seminares war – und während der Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise als Akteur etabliert hat. Dementsprechend beschäftigt sich die Arbeit mit der folgenden Fragestellung:

Hat sich die G20 als eigenständiger Akteur des Global Governance etabliert?

Eine Analyse auf Basis der Erklärungen von Washington, London und Pittsburgh während der Weltwirtschaftskrise 2008/2009

Zunächst wird im zweiten Kapitel dargestellt aus welchem Grund die G20 entstand und wie sie sich durch die Weltfinanz- bzw. Weltwirtschaftskrise zu einem zentralen Forum des Global Governance entwickelte. Weiterhin werden die wichtigsten Fachtermini definiert, sodass der Leser im Verlauf der Arbeit die Fachbegriffe deuten kann und der Lesefluss erhalten bleibt.

Das theoretische Konstrukt, auf dem die Arbeit aufbaut, wird im dritten Teil der Arbeit beschrieben und soll einen Überblick über die Vorgehensweise geben.

Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit den Ergebnissen der drei verschiedenen Deklarationen, welche auf den G20-Gipfeln während der Weltfinanz- bzw. Weltwirtschaftskrise von 2008-2009 von den Staats- und Regierungschefs verabschiedet wurden. Dabei soll, durch die in den Dokumenten dargestellten und beschriebenen Maßnahmen, verdeutlicht werden, was für globale Konsequenzen nach sich gezogen und welche internationalen Organisationen mit einbezogen wurden. Im letzten Kapitel soll eine kritische Würdigung der G20 sowie der Deklarationen durchgeführt und die Ausgangsfrage beantwortet werden.

2 Theoretische Vorüberlegungen

2.1 Veranschaulichung der bedeutendsten Termini

In dieser Arbeit soll geklärt werden, ob sich die G20 zu einem eigenständigen Akteur des Global Governance etabliert hat. Für die Beantwortung dieser Frage, werden die drei Deklarationen, welche während der Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise veröffentlicht wurden, zur Hilfe gezogen. Aus diesem Grund ist es für das Verständnis dieser Arbeit wichtig im Vorhinein die bedeutendsten Begriff zu definieren und zu erläutern. Aus diesem Grund sollen die Begriffe Global Governance, Akteur, Deklaration, Sofortmaßnahmen, kurzfristige Maßnahmen und mittelfristige Maßnahmen und etablieren erklärt werden.

Für Global Governance existiert eine Vielzahl an Bedeutungen. Neben einer Verwendung als analytisches Konzept gibt es auch die Möglichkeit diesen Begriff aus einer differenzierten Perspektive zu betrachten und einem spezifisch wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs entstehen zu lassen.[2] In dieser Arbeit wird unter Global Governance, als das von Mürle und der Commission for Global Governance (CGG) bezeichnete spezifische politische Programm verwendet, dem es um eine normativ angemessene Reaktion auf die im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung verlorene Gestaltungsmacht nationalstaatlich organisierter politischer Systeme geht.[3] Dabei beschreibt Mürle, dass „im Kern mehr Kooperation staatlicher und nicht-staatlicher Akteure[n]“ gefordert wird.[4] Jedoch bleiben die Nationalstaaten die Hauptakteure des Global Governance-System.[5]

Der Akteur wird als „Handelnder, an einem bestimmten Geschehen Beteiligter oder als handelnde Person“ definiert.[6]

Ferner kann eine Deklaration als „[feierliche, öffentliche] Erklärung grundsätzlicher Art, die von einer Regierung, einem Staat, einer Organisation oder von mehreren Staaten oder Organisationen [gemeinsam] abgegeben wird“ definiert werden.[7]

Die Definitionen für Sofortmaßnahmen, kurzfristige Maßnahmen und mittelfristige Maßnahmen spielen auf die Unterkategorien des Kategoriensystems an, in der die Maßnahmen nach diesen drei Punkten unterteilt sind. Dabei wird in der Kategorisierung dieser Arbeit die folgende Zeiteinteilung verwendet. Sofortmaßnahmen bzw. kurzfristige Maßnahmen können in einen Zeitraum von bis zu einem Jahr umgesetzt werden und mittelfristige Maßnahmen innerhalb von einem bis fünf Jahren.[8]

Des Weiteren bedeutet etablieren, „einen sicheren Platz innerhalb einer Ordnung oder Gesellschaft [zu] gewinnen“.[9] Ob dies der G20 gelungen ist wird im weiteren Verlauf analysiert.

Nachdem in diesem Kapitel die G20 kurz vorgestellt und die Begrifflichkeiten geklärt wurden, wird im nächsten Teil der Arbeit das methodische Vorgehen näher erläutert. Dazu wird zu Beginn des Abschnittes die Stichprobe, welche als Grundlage für die Analyse dient, kurz vorgestellt. Im Anschluss daran wird die Operationalisierung beschrieben und die Ergebnisse aufgezeigt.

2.2 Aufbau und Entwicklung der G20 - Wie aus der Weltfinanzkrise die G20 als zentrales Forum für Global Governance entstand

Die G20 ist seit 2009 „das zentrale Forum für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit.“[10] Die teilnehmenden Länder bestehen aus den weltweit größten Industrie- und Schwellenländern. „The G20 membership comprises a mix of the world’s largest advanced and emerging economies, […].“[11] Dieser Gruppe gehören, wie in Tabelle 1 zu sehen, folgende Länder an:

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Abbildung 1: Mitgliedsstaaten der G20.[12]

Insgesamt repräsentiert dieser Zusammenschluss rund zwei Drittel der Weltbevölkerung sowie 75% des Welthandels und 80% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: G20-Anteil der Bevölkerung und des BIP am Gesamtwert.[14]

Neben den Mitgliedsstaaten werden zu den Veranstaltungen der G20 weitere unterschiedliche internationale Organisationen, Staaten und Regionalorganisationen eingeladen. In den letzten Jahren waren dies unter anderem der Internationale Währungsfond (IWF), die Welthandelsorganisation (WTO), die Vereinten Nationen (UN), Spanien (seit 2014 permanenter Gast), die Afrikanische Union und der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN).[15]

Die G20 entstand nicht erst während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009, sondern schon zehn Jahre früher, als Reaktion auf die Finanzkrise in Asien im Jahre 1999.[16] Dabei fand das erste Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure am 15./16.12.1999 in Berlin statt.[17] Die Mitglieder der G20 legen für ihre Treffen eine Agenda fest und die Präsidentschaft wird rotierend koordiniert, so dass jedes Land den Vorsitz einmal einnehmen wird. Weiterhin dient die Plattform den Mitgliedsstaaten als „Austausch auf höchster politischer Ebene.“[18]

Im Anschluss an das Treffen in Berlin fand bis 2007 jährlich zwischen Oktober und Dezember, ein Treffen statt. Mit Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 durch die Verengung der US-Subprime-Krise und dem Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers, welche die Politiker in aller Welt in Aufruhr brachte, wurde der erste Gipfel, bei dem nun auch die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten teilnahmen, durchgeführt. Zwischen 2008 und 2014, also in den letzten sechs Jahren, fanden neun Zusammenkünfte statt.[19] Des Weiteren nehmen seit dem auch die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten an den Veranstaltungen teil.[20] Dabei kam der G20 bei der Reaktion auf die globale Finanzkrise eine Schlüsselrolle zu.[21] Dieser Funktion ist sich die G20, durch das Versprechen umfassender „Re-Regulierungen des Finanzsektors und den Abbau globaler Ungleichgewichte“, bewusst.[22] Dementsprechend mussten Maßnahmen getroffen werden, um den schweren Turbulenzen auf den Finanzmärkten entgegenzuwirken. Zwischen 2008 und 2009 sank sowohl die weltweite Wirtschaftsleistung um 0,5%, das Handelsvolumen mit Waren und Dienstleistungen um 10,9% als auch die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) um 38,7%.[23]

Aus dieser Krise entstand eine enorme Herausforderung für die nationale Wirtschaftspolitik und sie stellte Grundprinzipien der internationalen wirtschaftspolitischen Steuerung in Frage. Aus diesem Grund wurde es notwendig Maßnahmen zur Rettung von Banken und zur Ankurbelung der Wirtschaft zu ergreifen.[24]

Welche Maßnahmen die G20 ausgearbeitet haben und wie die Deklarationen, in denen diese stehen, analysiert werden können, folgt in den Kapiteln 3 und 4. Zunächst werden erst einmal die wichtigsten Begriffe dieser Arbeit definiert.

3 Methodisches Vorgehen

3.1 Vorstellung der Stichprobe

In dieser Arbeit soll eine Analyse der drei G20-Deklaration aus den Jahren 2008 und 2009 Aufschluss geben, ob sich die G20 als eigenständiger Akteur des Global Governance etabliert hat. Dazu sollen nachfolgend die Deklarationen von Washington, London und Pittsburgh vorgestellt werden.

Die Deklaration von Washington wurde am 15. November 2008 von den Staats- und Regierungschefs der G20 verabschiedet. Das Dokument, das von der G20 zur Verfügung gestellt wird, besteht aus zwei Teilen mit insgesamt zehn Seiten.[25] Im Ersten Teil wird zu Beginn über die Entschlossenheit zur gemeinsamen Zusammenarbeit, die notwendigen Reformen im Finanzsystem der Welt und über die in den letzten Monaten ergriffenen Maßnahmen gesprochen. Im Anschluss werden kurz die Ursachen der aktuellen Krise genannt, bevor im weiteren Verlauf die bisher ergriffenen und noch zu treffenden Maßnahmen etwas ausführlicher beschrieben werden. Weiterhin werden Grundsätze für die Reform der Finanzmärkte dargelegt und das Engagement für eine offene Weltwirtschaft betont.[26]

Im zweiten Teil der Washington-Deklaration wird ein Aktionsplan vorgelegt, um die Grundsätze für eine Reform umzusetzen. In diesem Plan wird auf die bereits im ersten Teil kurz beschriebenen noch zu ergreifenden Maßnahmen nun detaillierter eingegangen. Dieser Aktionsplan dient der Analyse der Maßnahmen in Kapitel 4 dieser Arbeit.[27]

Die Deklaration von London, welche am 2. April 2009 veröffentlicht wurde, ist ähnlich aufgebaut wie die Erklärung von Washington. Zu Beginn des Dokumentes wird wiederum die aktuelle Lage beschrieben, die offene Weltwirtschaft proklamiert und die grundsätzlichen Verpflichtungen in sechs Stichpunkten zusammengefasst.[28] Weiterhin sagen die Regierungschefs, dass durch gemeinsames Handeln die Weltwirtschaft aus der Rezession geführt und verhindert werden kann, dass eine solche Krise noch einmal entsteht.[29] Im Anschluss wird auf circa sieben Seiten ausführlich über die zutreffenden Maßnahmen, welche im Analyseabschnitt intensiv besprochen werden, eingegangen.[30] Am Ende des Dokumentes wird die Beharrlichkeit und Unaufschiebbarkeit betont sowie die Vereinbarung für ein weiteres Treffen im Jahr 2009 schriftlich festgehalten.[31]

Das in der Deklaration von London festgehaltene, weitere Treffen 2009 fand in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania statt und wurde mit der Verabschiedung der Deklaration von Pittsburgh vom 24./25.September.2009 abgeschlossen. Diese Erklärung ist von der Seitenanzahl her die umfangreichste von allen in dieser Arbeit betrachteten Dokumente. Dabei ist diese Erklärung, wie die Washington-Deklaration, in zwei Teile unterteilt. Im ersten Teil wird, wie in allen beschriebenen Deklarationen, die aktuelle Lage der Weltwirtschaft beschrieben, wie sie bisher gegen die Krise vorgegangen sind und was sie erreicht haben.[32] Ferner wird aufgezeigt, dass ein Eindruck von Normalität zwar herrscht, dieser aber nicht zu Einbildung führen sollte, da die Erholung der Wirtschaft noch lange nicht erreicht ist und weiterer Anstrengung bedarf.[33] Weiterhin wird kurz auf die festgelegten Maßnahmen von Pittsburgh eingegangen, jedoch nicht näher beschrieben.[34]

Die genaue Beschreibung der Maßnahmen wird erst im zweiten Teil der Deklaration vorgenommen.[35] Hier folgen auf 26 Seiten genaue Beschreibungen unter anderem für die Stärkung der internationalen Aufsichtsstrukturen für den Finanzsektor, die Modernisierung unserer internationalen Institutionen, um der modernen Weltwirtschaft gerecht zu werden oder für mehr Unterstützung für die Schwächsten.[36]

Weiter wird in diesem Abschnitt nicht auf die Maßnahmen eingegangen, da dies Inhalt der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ist, welche im folgenden Teilkapitel erläutert wird, bevor die Ergebnisse im 4. Kapitel der Arbeit beschrieben werden.

3.2 Operationalisierung und Ergebnisse

3.2.1 Deduktive Bestimmung der Oberkategorien

Um innerhalb dieser Forschung einen Einblick in die von der G20 kommunizierten Maßnahmen während der Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise zu gewinnen, wurde sich im ersten Schritt mit dem entsprechenden Material vertraut gemacht. Dabei handelt es sich um die Deklarationen der G20 aus ihren Gipfeln in Washington 2008, London 2009 und Pittsburgh 2009, welche durch die G20 auf Ihrer Homepage veröffentlicht werden.[37] Weiterhin publizierte die Bunderegierung zu den beiden Gipfeln im Jahr 2009 eine deutschsprachige Arbeitsübersetzung.[38]

Als Orientierung zur deduktiven Bestimmung der Oberkategorien dienten die von Mayring[39] im Rahmen seiner qualitativen Inhaltsanalyse aufgestellten Regeln, die im Folgenden beschrieben werden.

Im Mittelpunkt der qualitativen Inhaltsanalyse steht ein Kategoriensystem mit Ober- und Unterkategorien, nach denen das Material ausgewertet wird. Sie werden nach inhaltsanalytischen Regeln bestimmt und innerhalb der Inhaltsanalyse genau definiert. Zur Festlegung der Oberkategorien wurde in dieser Arbeit theoriegeleitet deduktiv vorgegangen. Vorher abgestimmte, theoretisch begründete Auswertungsaspekte wurden an das Material herangetragen. Die Oberkategorien legte der Verfasser im Vorfeld fest und definierte sie.[40] Hauptaugenmerk der Überlegungen lagen hierbei auf den Maßnahmen, welche von den G20 zur Bekämpfung der Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise durchgeführt werden sollten. Die Oberkategorien der qualitativen Inhaltsanalyse lauten also:

1. Maßnahmen zur Stärkung der Transparenz und Verantwortung
2. Maßnahmen zur Verbesserung von Regulierung und Aufsicht
3. Maßnahmen zur Förderung der Integrität der Finanzmärkte
4. Maßnahmen zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit
5. Maßnahmen zur Stärkung und Reformierung der internationalen Finanzinstitutionen
6. Maßnahmen zur Gewährleistung einer gerechten und nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung für alle
7. Maßnahmen zum Widerstand gegen Protektionismus und zur Förderung des globalen Handelns und der Investitionen
8. Maßnahmen zur Energiesicherheit und zum Klimawandel

In einem nächsten Schritt wurde eine regelgeleitete Interpretation der Texte durchgeführt, um eine Zuordnung der Kategorien zu Textstellen zu realisieren[41], denn „[d]er qualitative Analyseschritt besteht [bei der qualitativen Inhaltsanalyse] darin, deduktiv gewonnene Kategorien zu Textstellen methodisch abgesichert zuzuordnen.“[42] Alle relevanten Maßnahmen und die dazugehörige Deklaration und Seite wurden schließlich erst markiert, um sie wie folgt weiter bearbeiten zu können.

3.2.2 Induktive Festlegung der Unterkategorien

Die Maßnahmen, die aus den einzelnen Deklarationen zu entnehmen waren und den Oberkategorien zugeordnet wurden, fasst der Autor zunächst in einem Dokument zusammen.[43] Im Anschluss wurden die Paraphrasen, nach der Bestimmung des Abstraktionsniveaus, generalisiert und geordnet, um eine Reduktion realisieren zu können. Diese diente der qualitativen Inhaltsanalyse insoweit, dass aus dem Material heraus induktiv Unterkategorien entwickelt werden konnten, um diese später erneut zu analysieren und auszuwerten. Dabei wurde sich auf die Unterscheidung der Maßnahmen in der Deklaration von Washington bezogen, welche eine Differenzierung der Maßnahmen nach Sofortmaßnahmen und mittelfristigen Maßnahmen vorsah.[44] Da diese Unterscheidung nicht ausreichte wurde im weiteren Verlauf der Kategorienbildung zu der Kategorie der Sofortmaßnahmen noch die kurzfristigen Maßnahmen hinzugefügt. Die Maßnahmen wurden nach den Fristigkeiten wie in 2.2 definiert eingeordnet. Maßnahmen bei denen kein explizites Zeitfenster angegeben wurden, sind den mittelfristigen Maßnahmen zugeordnet. Zum Zwecke möglichst hoher Genauigkeit wurde ein Kodierleitfaden entwickelt, der neben den Ober- und Unterkategorien noch Definitionen, Ankerbeispiele sowie Kodierregeln enthält.[45] Da diese Arbeit vom Autor alleine geschrieben wird, kann eine Reliabilität, nicht gewährleistet werden.

3.2.3 Das Vorgehen bei der Auswertung der Kategoriensysteme

Nach deduktiver Oberkategorienbildung entstand das folgende Kategoriensystem[46].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Kategoriensystem der Maßnahmen.[47]

Die Kategorien wurden weitgehend qualitativ ausgewertet. Einige quantitative Aspekte wurden dennoch einbezogen. Ansonsten wurden die einzelnen Erklärungen miteinander verglichen, analysiert und interpretiert. Gemeinsamkeiten und Unterschiede wurden herausgearbeitet, Gründe für das Auftreten einzelner Kategorien gesucht und Zusammenhänge hergestellt. Die Maßnahmen wurden, neben der in der Tabelle eingeteilten Unterkategorien weiterhin noch in verpflichtend oder unverbindlich eingeteilt. Dabei wurden als verpflichtend nur die Maßnahmen ausgewählt, die in ihrem Wortlaut die Phrasen „wir verpflichten uns“, „wir sagen zu“, „wir setzen uns ein“ oder „wir werden“ beinhalten, da diese eine verbindliche Charakteristik haben. Als unverbindlich wurden die restlichen Maßnahmen deklariert. Unter anderem jene, die das Verb „sollten“ zum Inhalt haben. Ebenso wurde eine Unterscheidung bezüglich der Konkretisierung der Maßnahmen durchgeführt. Maßnahmen die beschrieben haben, welchem Zweck die Aktionen dienen oder wen diese Maßnahme helfen bzw. betreffen sollen, wurden mir konkret deklariert. Die restlichen Maßnahmen wurden als unkonkret gekennzeichnet. In den folgenden beiden Unterkapiteln werden die quantitativen sowie qualitativen Ergebnisse dargestellt.

3.3 Quantitative Ergebnisse

Zu Beginn der Ergebnisauswertung sollen ein paar zahlenmäßige Erhebungen dargestellt werden, bevor im Unterkapitel 3.4 die qualitative Ergebnisbeurteilung folgt.

Nach der in Abschnitt 3.2 beschriebenen Vorgehensweise und Charakterisierung zur Identifikation der Maßnahmen in den Deklarationen können folgende quantitative Ergebnisse beschrieben werden.

Insgesamt wurden in den drei betrachteten Deklarationen 101 Maßnahmen für die Bewältigung der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise erkannt. Die größte Anzahl der Maßnahmen konnte dabei in der Deklaration von Washington mit 47 gefunden werden. Die beiden Erklärungen von London und Pittsburgh teilen sich die restlichen 54 Maßnahmen gleich auf, sodass sie auf jeweils 27 Nennungen von Maßnahmen kommen. (Abbildung 1)

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Abbildung 4: Verteilung der gefundenen Maßnahmen auf die Deklarationen.[48]

Weiterhin wurden wie ebenfalls in Kapitel 3.2 beschrieben die Maßnahmen in verpflichtende und unverbindliche Maßnahmen unterteilt. Dabei kann als Ergebnis gesagt werden, dass die Anzahl der unverbindlichen Maßnahmen kontinuierlich von Deklaration zu Deklaration sinkt und die verpflichtenden Maßnahmen sukzessiv steigen. Die Deklaration von Washington erhielt mit 46 Maßnahmen fast ausschließlich unverbindliche Maßnahmen. nur eine Aktion konnte, nach der beschriebenen Vorgehensweise, als verpflichtend bezeichnet werden. Während auch die Erklärung von London, mit 18 unverbindlichen zu 9 verpflichtenden Maßnahmen, einen Überhang an nicht bindenden Bestimmungen hatte, so wartet die Pittsburgh Deklaration mit einem Überschuss an verpflichtenden Maßnahmen auf. Von den 27 beschriebenen Aktionen sind mit einer Anzahl von sechs nur ungefähr 22% aller Maßnahmen nicht bindend. Dementsprechend werden bei 21 Maßnahmen die Wortlaute „wir verpflichten uns“, „wir sagen zu“, „wir setzen uns ein“ oder „wir werden“ verwendet. (Abbildung 2)

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Abbildung 5: Verteilung der Maßnahmen nach Grad der Verbindlichkeit.[49]

Eine weitere Einschätzung der Maßnahmen folgte in die Unterscheidung konkret bzw. unkonkret. Dabei ist zu sehen, dass die Maßnahmen in Washington und London von der Anzahl und der prozentualen Aufteilung her mehrheitlich konkret ausgefallen sind. So konnte in Washington mit 32 konkreten Maßnahmen und 15 unkonkreten ein Verhältnis von 2:1 und in London mit 24 konkreten und 3 unkonkreten Maßnahmen ein Verhältnis von 8:1 erreicht werden. Dies zeigt deutlich, dass in diesen beiden Erklärungen die Beschreibung welchem Zweck die Maßnahmen dienen deutlich höher ist, als bei der Pittsburgh Deklaration, in der die Anzahl der konkreten und unkonkreten Maßnahmen annähernd gleich sind. (Abbildung 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Verteilung der Maßnahmen nach Grad der Konkretisierung.[50]

Als letztes quantitatives Ergebnis wird in dieser Arbeit die Verteilung der Maßnahmen nach den Oberkategorien beschrieben. Die Maßnahmen der Deklarationen von Washington, London und Pittsburgh sind auf jeweils fünf von insgesamt acht verschiedene Oberkategorien verteilt. In Abbildung vier ist diese Verteilung dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Verteilung der Maßnahmen nach den Oberkategorien.

Nachdem die quantitativen Ergebnisse kurz grafisch dargestellt wurden, folgt im kommenden Abschnitt die Auswertung der qualitativen Ergebnisse. Diese sollen Aufschluss geben, in wie fern sich die G20 im Global Governance etabliert hat.

3.4 Qualitative Ergebnisse

3.4.1 Washington Deklaration

In der qualitativen Analyse wurden die Maßnahmen, wie in Kapitel 3.1 und 3.2 beschrieben, in Oberkategorien und nach der Fristigkeit in die jeweiligen Unterkategorien, kurzfristige und Sofortmaßnahmen sowie mittelfristige Maßnahmen, eingeordnet und somit systematisiert.[51]

Die Deklaration von Washington zeigt Maßnahmen in fünf verschiedenen Oberkategorien. Diese sind Maßnahmen zur Stärkung der Transparenz und Verantwortung, Verbesserung von Regulierung und Aufsicht, Förderung der Integrität der Finanzmärkte, Stärkung der internationalen Zusammenarbeit und Stärkung bzw. Reformierung der internationalen Finanzinstitutionen.[52]

In der Erklärung von Washington wurde in der Oberkategorie Transparenz und Regulierung bei den kurzfristigen und Sofortmaßnahmen ein großes Augenmerk auf Leitlinien für die Bewertung von Wertpapieren und die Offenlegung von Schwachstellen nicht bilanzierter Positionen und komplexer Finanzinstrumente gelegt.[53] Die folgenden Maßnahmen sind aus dem englischsprachigen Arbeitspapier der Deklaration von Washington übernommen. Dabei ist die Seitenangabe auf dieses Arbeitspapier zurückzuführen.[54]

Dies ist durch die folgenden Maßnahmen gut zu erkennen:

Standardsetzer für Rechnungslegungsnormen sollten ihre Arbeit erheblich voranbringen, um Schwachstellen, in der Buchführung und in Offenlegungsnormen nicht bilanzierter Positionen, anzugehen. (Washington Action-Plan/S. 1)

Aufsichtsbehörden und Standardsetzer sollten die erforderliche Offenlegung von komplexen Finanzinstrumenten von Unternehmen an die Marktteilnehmer verbessern. (Washington Action-Plan/S. 1)

Mittelfristig liegt in dieser Oberkategorie der Schwerpunkt auf dem Setzen von Rechnungslegungsstandards, was durch die nachfolgenden Maßnahmen verdeutlicht wird:[55]

Die wichtigsten globalen Organe zur Standardsetzung von Rechnungslegung sollten einheitlich hochwertige globale Standards erarbeiten. (Washington Action-Plan/S. 1)

Regulierungs- und Aufsichtsbehörden sowie Standardsetzer, sollten untereinander und mit dem Privatsektor kontinuierlich zusammen arbeiten, um eine einheitliche Anwendung und Durchsetzung von hochwertigen Rechnungslegungsstandards zu gewährleisten. (Washington Action-Plan/S. 1)

In der zweiten Oberkategorie, Regulierung und Aufsicht, ist festzuhalten, dass es in der Deklaration von Washington bei den kurzfristigen und Sofortmaßnahmen zentral um die Erstellung von Handlungsempfehlungen, das Einhalten von Standards und Mechanismen durch Überwachung der Rating-Agenturen, die Sicherstellung von ausreichendem Kapital bei Finanzinstituten, die Leitlinienentwicklung zur Stärkung des Risikomanagements von Banken sowie um die internen Anreize von Banken zur Förderung der Stabilität geht.[56] Dies wird unter anderem anhand der folgenden Maßnahmen deutlich.

Die Behörden sollten sicherstellen, dass Finanzinstitute, adäquate Kapitalmittel zur Verfügung haben, die nötig sind, um das Vertrauen zu erhalten. Die internationalen standardsetzenden Gremien sollten verstärkte Eigenkapitalanforderungen für die Aktivitäten der Banken zur Verbriefung und Strukturierung von Krediten stellen. (Washington Action-Plan/S. 2)

Finanzinstitute sollten klare interne Anreize haben, die Stabilität zu fördern, und Maßnahmen zu ergreifen - durch freiwillige Anstrengungen oder Rechtsvorschriften – um Entschädigungssysteme zu vermeiden, welche durch die Belohnung von übermäßigen kurzfristigen Renditen oder Risikoübernahme entstehen. (Washington Action-Plan/S. 3)

Im Gegensatz dazu werden in den mittelfristigen Maßnahmen die Berichterstattung der nationalen und regionalen Behörden über ihre Regulierungssysteme gesprochen, um sicherzustellen, dass diese vergleichbar mit den internationalen Finanzsystemen ist. Weiterhin sollten nationale wie regionale Behörden ihre Abwicklungsgesetze überprüfen um ebenfalls sicherzustellen, dass diese den neuen Erfahrungen entsprechen. Ferner wären eine einheitliche Definition von Kapital sowie die Registrierung von Ratingagenturen, welche öffentliche Bewertungen liefern wünschenswert. Auch dieses ist anhand der beschriebenen Maßnahmen deutlich hervorgegangen.[57]

Jedes Land oder Region sollte über ihre Strukturen und Prinzipien ihrer Regulierungssysteme berichten und widerspiegeln, um sicherzustellen, dass es vergleichbar ist mit internationalen Finanzsystemen. Zu diesem Zweck verpflichten sich die G20 Mitglieder an der Teilnahme am Financial Sector Assessment Programm (ASAP), um nachfolgend von diesem zu berichten und damit unterstützen sie die transparente Bewertung der nationalen Regulierungssysteme der Länder. (Washington Action-Plan/S. 2)

Definitionen des Kapitals sollten harmonisiert werden, um konsequente Maßnahmen der Kapital- und Kapitalangemessenheit zu erreichen. (Washington Action-Plan/S. 2)

Die dritte Oberkategorie beinhaltet die Maßnahmen zur Förderung der Integrität der Finanzmärkte. In den kurzfristigen und Sofortmaßnahmen werden die Förderung und das Sicherstellen der Stabilität des Marktes sowie der Schutz der Märkte und Anleger vor Markmanipulation und Betrug angesprochen.[58] Verdeutlicht wird dies unter anderem durch folgende Aktionen:

Nationale und regionale Behörden sollten zusammenarbeiten, um den Informationsaustausch über nationale und grenzüberschreitende Bedrohungen für die Stabilität des Marktes zu fördern und sicherzustellen, dass nationale (oder regionale, soweit erhoben) gesetzliche Bestimmungen ausreichend sind, um diesen Bedrohungen entgegenzuwirken. (Washington Action-Plan/S. 4)

Nationale und regionale Behörden sollten auch geschäftliche Verhaltensregeln überprüfen, um Märkte und Anleger, besonders gegen Marktmanipulation und Betrug zu schützen und ihre grenzüberschreitende Kooperation zu stärken, um das internationale Finanzsystem vor verbotenen Schauspielern zu schützen. Im Falle von Fehlverhalten sollte es angemessene Sanktionen geben. (Washington Action-Plan/S. 4)

Die mittelfristigen Maßnahmen der Washington Deklaration beinhalten unter anderem die Implementierung von nationalen und internationalen Maßnahmen zum Schutz des weltweiten Finanzsystems auf regionaler Ebene und die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.[59] Die Erklärung nennt dazu folgende Maßnahmen.

Die nationalen und regionalen Behörden sollten nationale und internationale Maßnahmen implementieren, welche einen Schutz des globalen Finanzsystems, vor unkooperativen und nicht transparenten Zuständigkeitsbereichen, welche Risiken der illegalen Finanzaktivitäten sind, darstellen. (Washington Action-Plan/S. 4)

Die Financial Action Task Force sollte ihre wichtige Arbeit zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung fortsetzen, und wir unterstützen die Bemühungen der Weltbank im Bezug auf die UN Initiative zur Rückführung gestohlener Vermögenswerte (StAR). (Washington Action-Plan/S. 4)

Weiterhin können die Maßnahmen von Washington in die Oberkategorie Stärkung der internationalen Zusammenarbeit eingeordnet werden, welche kurzfristige und Sofortmaßnahmen zum Thema haben, die eine bessere Kooperation der Aufsichts- und Regulierungsbehörden vorsehen. Dies wird an folgendem Beispiel deutlich.[60]

Aufsichtsbehörden sollten zusammenarbeiten, um Aufsichtskollegien für alle großen grenzüberschreitenden Finanzinstitutionen zu etablieren, als Teil der Bemühungen um die Überwachung der grenzüberschreitenden Unternehmen zu stärken. (Washington Action-Plan/S. 4)

Mittelfristig wird eher auf die genauen Tätigkeiten der Kooperation eingegangen, wie aus dem Beispiel ersichtlich wird.[61]

Die Behörden sollten sicherstellen, dass vorübergehende Maßnahmen zum wiederherstellen von Stabilität und Vertrauen, minimale Verzerrungen haben und rechtzeitig in einer gut sequenzierten und koordinierten Weise abgewickelt werden. (Washington Action-Plan/S. 5)

Die letzte Oberkategorie die von den Maßnahmen aus Washington angesprochen wird ist die Stärkung bzw. Reformierung der internationalen Finanzinstitute. Diese beinhalten bei den kurzfristigen und Sofortmaßnahmen unter anderem den Ausbau des Financial Stability Forum (FSF), die Wiederherstellung des Zuganges zu Krediten und die Fortsetzung von privaten Kapitalströmen für Schwellen- und Entwicklungsländer sowie die Unterstützung von Ländern mit guter Leistungsbilanz.[62]

Das FSF sollte zu einer breiteren Mitgliedschaft der Schwellenländer ausgebaut werden. (Washington Action-Plan/S. 5)

Wir sollten Möglichkeiten erforschen, die es Schwellen- und Entwicklungsländern ermöglicht den Zugang zu Krediten wiederherzustellen und private Kapitalströme fortzusetzen, welche entscheidend für nachhaltiges Wachstum und Entwicklung, einschließlich der anhaltenden Investitionen in die Infrastruktur sind. (Washington Action-Plan/S. 5)

Mittelfristig werden, wie in den anführenden Beispielen zu erkennen sind, in dieser Oberkategorie Maßnahmen zur Reformation der Bretton-Woods Institutionen, unparteilichen Überwachungsprüfung aller Länder durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und Programme zum Kapazitätsaufbau für Schwellen- und Entwicklungsländer dargelegt.[63]

Wir unterstreichen, dass die Bretton-Woods Institutionen (IMF, Worldbank) umfassend reformiert werden müssen, so dass sie die verändernden wirtschaftlichen Gewichtungen in der Welt angemessener widerspiegeln und sich schneller auf die Herausforderungen der Zukunft einstellen können. (Washington Action-Plan/S. 5)

Der IWF sollte kräftige und unparteiische Überwachungsprüfungen aller Länder durchführen, als auch stärkere Aufmerksamkeit auf ihre Finanzsektoren und auf eine bessere Integration der gemeinsamen Bewertung des IWF-Programmes zur Bewertung des Finanzsektors legen. Auf dieser Grundlage würde die Rolle des IWF in Bezug auf die Makrofinanzpolitik gestärkt werden. (Washington Action-Plan/S. 5)

Wie die Kategorisierung der Maßnahmen der London Deklaration detailliert aussieht wird im kommenden Unterabschnitt dargelegt.

3.4.2 London Deklaration

Die Deklaration von London zeigt Maßnahmen in fünf verschiedenen Oberkategorien. Diese sind Maßnahmen zur Verbesserung von Regulierung und Aufsicht, Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, Stärkung bzw. Reformierung der internationalen Finanzinstitutionen, Gewährleistung einer gerechten und nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung für alle und zum Widerstand gegen Protektionismus und zur Förderung des globalen Handelns und der Investitionen.[64]

Im Vergleich zur Erklärung von Washington, konnten in der Deklaration von London nicht für jede Oberkategorie kurzfristige und Sofortmaßnahmen und mittelfristige Maßnahmen gefunden werden.[65]

Dementsprechend konnten der Oberkategorie Verbesserung von Regulierung und Aufsicht nur mittelfristige Maßnahmen zugeordnet werden. Diese beinhalten unter anderem die Schaffung eines neuen Rates für Finanzmarktstabilität (FSB), eine Umgestaltung der Regulierungssysteme um bestimmte Risiken zu identifizieren, die Umsetzung von Prinzipien des FSF und die Verbesserung des Kapitals im Bankensystem hinsichtlich gewisser Eigenschaften.[66] Die Folgenden Maßnahmen sind aus dem deutschensprachigen Arbeitspapier der Deklaration von London übernommen. Dabei ist die Seitenangabe auf dieses Arbeitspapier zurückzuführen.[67] Diese Maßnahmen können mithilfe der Kategorisierung wie folgt belegt werden.

„Wir kommen überein, einen neuen Rat für Finanzmarktstabilität (FSB) mit einem gestärkten Mandat als Nachfolger des Forums für Finanzstabilität (FSF) zu schaffen, dem alle G20-Staaten, die FSF-Mitglieder, Spanien und die Europäische Kommission angehören.“ (London/S. 5)

„Wir kommen überein, unsere Regulierungssysteme so umzugestalten, dass unsere Behörden in der Lage sind, makroprudentielle Risiken zu identifizieren und zu berücksichtigen.“ (London/S. 5)

Auch in der Oberkategorie Stärkung der internationalen Zusammenarbeit konnte nur eine mittelfristige Maßnahme hinzugefügt werden.[68] Diese beinhaltet

„eine Zusammenarbeit zwischen dem FSB und dem IWF mit dem Ziel auf den Weg zu bringen, frühzeitig vor makroökonomischen und finanzpolitischen Risiken zu warnen und die zu ihrer Bekämpfung erforderlichen Schritte zu unternehmen.“ (London/S. 5)

Im Gegensatz zu den ersten beiden Oberkategorien, in denen Maßnahmen der London Deklaration beschrieben wurden, können in der dritten Oberkategorie Stärkung bzw. Reformierung der internationalen Finanzinstitutionen sowohl kurzfristige und Sofortmaßnahmen, als auch mittelfristige Maßnahmen aufgezeigt werden. Die kurzfristigen und Sofortmaßnahmen haben, wie nachfolgend beschrieben, die Stimmrechts- und Vertretungsreform der internationalen Finanzinstitutionen und das unterbreiten von Vorschlägen für eine weitere Reform zum Thema.[69]

„Zu diesem Zweck verpflichten wir uns, die im Oktober 2008 vereinbarten Reformen der Weltbank umzusetzen. Wir sehen weiteren Empfehlungen zu beschleunigten Stimmrechts- und Vertretungsreformen auf unseren nächsten Treffen erwartungsvoll entgegen; diese Reformen sollen bis zu den Frühlingstreffen des Jahres 2010 vereinbart werden.“ (London/S. 8)

„Zu diesem Zweck haben wir aufbauend auf der gegenwärtigen Überprüfung des IWF und der Weltbank den Vorsitzenden ersucht, im Zusammenwirken mit den G20-Finanzministern in einen breit angelegten und alle Beteiligten einschließenden Konsultationsprozess einzutreten und bis zum nächsten Treffen Vorschläge für weitere Reformen mit dem Ziel zu unterbreiten, die Reaktions- und Anpassungsfähigkeit der internationalen Finanzinstitutionen zu verbessern.“ (London/S. 8)

[...]


[1] RHEINISCHE POST ONLINE: Merkel fordert konkrete G-20-Beschlüsse. „Die Welt steht am Scheideweg“. [http://www.rp-online.de/politik/ausland/die-welt-steht-am-scheideweg-aid-1.2300872; 26.03.2015].

[2] Vgl. MÜRLE, H.: Global Governance. Literaturbericht und Forschungsfragen. In: INEF Bericht, (1998) 32, S. 3 f.

[3] Vgl. ebd., S. 8 ff.

[4] Ebd., S. 10 f.

[5] Vgl. NUSCHELER, F.: Global Governance. In: FERDOWSI , M. A. (Hrsg.): Internationale Politik im 21. Jahrhundert. München: Wilhelm Fink Verlag, 2002, S. 80.

[6] DUDEN ONLINE: Akteur. [http://www.duden.de/rechtschreibung/Akteur; 05.04.2015].

[7] DUDEN ONLINE: Deklaration. [http://www.duden.de/rechtschreibung/Deklaration; 05.04.2015].

[8] Vgl. GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON: Fristigkeit. [http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/fristigkeit.html; 21.04.2015].

[9] DUDEN ONINE: Etablieren. [http://www.duden.de/rechtschreibung/etablieren; 23.03.2015].

[10] BUNDESREGIERUNG: Gruppe der Zwanzig. Die G20. [http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/G8G20/G20-uebersicht.html; 22.03.2015].

[11] G20: G20 Members. [https://g20.org/about-g20/g20-members/, 22.03.2015].

[12] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: BUNDESREGIERUNG: Gruppe der Zwanzig. Die G20. [http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/G8G20/G20-uebersicht.html; 22.03.2015].

[13] G20: G20 Members. [https://g20.org/about-g20/g20-members/, 22.03.2015].

[14] Eigene Darstellung in Anlehnung an: EUROSTAT und THE WORLD BANK.

[15] Vgl. BUNDESREGIERUNG: Gruppe der Zwanzig. Die G20. [http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/G8G20/G20-uebersicht.html; 22.03.2015].

[16] Vgl. GNATH, K.; MILDNER, S.-A.; SCHMUCKER, C.: G20, IMF, and WTO in Turbulent Times. Legitimacy and Effectiveness Put tot he Test. In: SWP Research Paper, 10 (2012), S. 9.

[17] Vgl. G20: MEETING OF G-20 FINANCE MINISTERS AND CENTRAL BANK GOVERNORS. Berlin, December 15-16, 1999. COMMUNIQUÉ. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Communique_of_Finance_Ministers_and_Central_Bank_Governors_Berlin_Germany_15_16_December_19991.pdf; 24.03.2015].

[18] GNATH; MILDNER; SCHMUCKER, a. a. O., S. 9.

[19] Vgl. G20: Past Summits. [https://g20.org/about-g20/past-summits/; 23.03.2015].

[20] Vgl. GNATH; MILDNER; SCHMUCKER, a. a. O., S. 9.

[21] Vgl. G20: About G20. [https://g20.org/about-g20/; 22.03.2015].

[22] DULLIEN, S.: Anspruch und Wirklichkeit der Finanzmarktreform: Welche G20-Versprechen wurden umgesetzt? Bewertung der Politikmaßnahmen nach der Finanzkrise 2008/9. In: IMK Study, 26 (2012), Kurzbeschreibung.

[23] Vgl. GNATH; MILDNER; SCHMUCKER, a. a. O., S. 5.

[24] Vgl. ebd., S. 5.

[25] Vgl. G20: Declaration. Summit on financial markets and the world economy. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Washington_Declaration_0.pdf; 15.03.2015].

[26] Vgl. ebd..

[27] Vgl. ebd..

[28] Vgl. G20: London Summit. Leader´s Statement. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/London_Declaration.pdf; 15.03.2015], S. 1.

[29] Vgl. ebd., S. 1.

[30] Vgl. G20: London Summit. Leader´s Statement. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/London_Declaration.pdf; 15.03.2015], S. 2 ff.

[31] Vgl. ebd., S. 9.

[32] Vgl. G20: Leader´s statement. The Pittsburgh summit. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Pittsburgh_Declaration_0.pdf; 15.03.2015], S. 1.

[33] Vgl. ebd., S. 1.

[34] Vgl. ebd., S. 2 ff.

[35] Vgl. ebd., S. 5 ff.

[36] Vgl. ebd., S. 5 ff.

[37] Vgl. G20: Past summits. [https://g20.org/about-g20/past-summits/; 23.03.2015].

[38] Vgl. BUNDESREGIERUNG: Übersicht der Gipfeldokumente der G7/G8/G20. [http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/G8G20/uebersicht-dokumente.html; 09.04.2015].

[39] Vgl. MAYRING, P.: Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim u.a.: Beltz Verlag, 8. Aufl., 2003.

[40] Vgl. MAYRING, P.: Qualitative Inhaltsanalyse. In: MEY, Günter; MRUCK, Katja: Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien, 2010, S. 603.

[41] Vgl. MAYRING, P.: Qualitative Inhaltsanalyse. In: MEY, Günter; MRUCK, Katja: Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien, 2010, S. 603.

[42] MAYRING, P.: Qualitative Inhaltsanalyse. In: Forum: Qualitative Sozialforschung., 1(2000) 2, Art. 20, S. 4.

[43] Siehe Anlage 1: Kodierleitfaden.

[44] Vgl. G20: Declaration. Summit on financial markets and the world economy. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Washington_Declaration_0.pdf; 15.03.2015].

[45] Siehe Anlage 1: Kodierleitfaden.

[46] Siehe Anlage 1: Kodierleitfaden.

[47] Quelle: Eigene Darstellung.

[48] Quelle: Eigene Darstellung.

[49] Quelle: Eigene Darstellung.

[50] Quelle: Eigene Darstellung.

[51] Siehe Anlage 1: Kodierleitfaden.

[52] Siehe Anlage 2: Kategorisierung.

[53] Vgl. G20: Declaration. Summit on financial markets and the world economy. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Washington_Declaration_0.pdf; 15.03.2015].

[54] Vgl. G20: Declaration. Summit on financial markets and the world economy. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Washington_Declaration_0.pdf; 15.03.2015].

[55] Vgl. ebd..

[56] Vgl. ebd..

[57] Vgl. G20: Declaration. Summit on financial markets and the world economy. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Washington_Declaration_0.pdf; 15.03.2015].

[58] Vgl. ebd..

[59] Vgl. G20: Declaration. Summit on financial markets and the world economy. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Washington_Declaration_0.pdf; 15.03.2015].

[60] Vgl. ebd..

[61] Vgl. ebd..

[62] Vgl. ebd..

[63] Vgl. G20: Declaration. Summit on financial markets and the world economy. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/Washington_Declaration_0.pdf; 15.03.2015].

[64] Siehe Anlage 2: Kategorisierung.

[65] Siehe Anlage 2: Kategorisierung.

[66] Vgl. G20: London Summit. Leader´s Statement. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/London_Declaration.pdf; 15.03.2015], S. 3 f.

[67] BUNDESREGIERUNG: G20-Erklärung London 2009. [http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/G8G20/Anlagen/G20-erklaerung-london-2009-de.html;jsessionid=D8BC49665B384AD791D7CF10FEA8B32B.s2t2?nn=393164; 15.02.2015].

[68] Vgl. G20: London Summit. Leader´s Statement. [https://g20.org/wp-content/uploads/2014/12/London_Declaration.pdf; 15.03.2015], S. 3.

[69] Vgl. ebd., S. 4 ff.

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Hat sich die G20 als eigenständiger Akteur des Global Governance etabliert?
Untertitel
Eine Analyse auf Basis der Erklärungen von Washington, London und Pittsburgh während der Weltwirtschaftskrise 2008/2009
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Internationale Organisationen und Globalisierung: Global Governance
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
63
Katalognummer
V307397
ISBN (eBook)
9783668058880
ISBN (Buch)
9783668058897
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weltwirtschaftskrise, Finanzkrise, G20, Global Governance
Arbeit zitieren
Konrad Steinwachs (Autor), 2015, Hat sich die G20 als eigenständiger Akteur des Global Governance etabliert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307397

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