Kooperative Lehr- und Lernstrategien im inklusiven Unterricht

Eine Studie


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Kooperatives Lernen

3. Inklusiver Unterricht und kooperative Lehr- /Lernstrategien

4. Peer Tutoring

5. Praktische Ideen für die Unterrichtsgestaltung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetlinks

1. Einleitung

Inklusion ist seit der UN-Behindertenrechts-Konvention von 2009 Leitmotiv deutscher Schulen. Schüler1 mit besonderem Förderungsanspruch sollen nicht mehr in speziellen Förderschulen unterrichtet werden, sondern am allgemeinbildenden Schulwesen teilhaben, das Grundprinzip der inklusiven Schule ist demnach die umfassende Förderung aller Schüler.2

Die verwendeten Lernmethoden spielen im inklusiven Unterricht eine wichtige Rolle. Bisherige Unterrichtsstrukturen müssen sich im Hinblick auf die inklusive Schülerschaft verändern: Heterogene Lerngruppen benötigen Lernmethoden, die darauf ausgerichtet sind, einerseits alle Schüler zu fördern, andererseits auch auf die unterschiedlichen Stärken und Schwächen der Schüler einzugehen.

Durch die Veränderungen in der Schulpolitik können sich Lehrkräfte und Schulleitungen überfordert fühlen. Daher ist es erforderlich, Unterrichtsmethoden für den inklusiven Unterricht zu entwickeln und kritisch beurteilen zu können.

Kooperatives Lernen wird immer wieder ins Spiel gebracht, wenn es um die Frage nach geeigneten Unterrichtsformen für heterogene Lerngruppen geht. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit in einer inklusiven Schulklasse werden hierbei nicht als Hindernisse gesehen, sondern als Ressourcen genutzt.3

Dieses Zitat verdeutlicht, dass kooperative Lernformen sich in besonderem Maße für den Unterricht in inklusiven Lerngruppen eignen, da kooperative Lernmaßnahmen darauf ausgerichtet sind, Schüler mit unterschiedlichen Stärken zu fördern. Im Folgenden wird untersucht, inwiefern kooperative Lehr- und Lernstrategien den inklusiven Unterricht bereichern können. Hierzu werden die bisherigen empirischen Befunde präsentiert und Vorund Nachteile der kooperativen Lernformen abgewogen. Es wird besonders auf die Strategie des Peer Tutoring Bezug genommen.

Zunächst wird das Prinzip des kooperativen Lernens in seinen Grundzügen erläutert. Darauf aufbauend wird in Kapitel 3 dargestellt, inwiefern kooperative Lehr- und Lernstrategien im inklusiven Unterricht angewendet werden können. Hierbei werden größtenteils empirische Befunde angeführt, die kooperative Lernstrategien für den inklusiven Unterricht als geeignete Methoden anführen. Es wird dennoch auf die möglichen Grenzen und Probleme kooperativer Methoden für inklusive Lerngruppen hingewiesen.

Anschließend wird die Methode des Peer Tutoring skizziert und es wird kritisch hinterfragt, ob sich diese Methode für inklusive Lerngruppen eignet.

Letztlich werden, aufbauend auf den Ergebnissen der vorherigen Kapitel, praktische Ideen für die Unterrichtsgestaltung im inklusiven Unterricht vorgestellt.

In einem abschließenden Fazit werden die zentralen Befunde der vorliegenden Hausarbeit präsentiert.

2. Definition Kooperatives Lernen

„Eine kooperative Lernepisode kann nur wenige Sekunden oder mehrere Wochen oder Monate anhalten.“4

Wie der Name andeutet, handelt es sich beim Kooperativen Lernen um gemeinsame Prozesse im Unterricht. Der Begriff „Kooperation“ bezeichnet eine „politische, wirtschaftliche oder soziale Strategie, die auf Zusammenarbeit und Austausch mit anderen basiert und zielgerichtet den (möglichen) eigenen Nutzen auf den Nutzen der Kooperationspartner abstimmt.“5 Kooperatives Lernen ist ein langfristiges Konzept, „das aus methodisch durchdachten Arbeitsformen, Feedbacks und Gruppengestaltungsprozessen besteht.“6

Kooperatives Lernen ist keine Unterrichtsmethode, sondern vielmehr eine Unterrichtsstruktur, die durch eine Vielzahl von Methoden realisiert werden kann.7 Der Grundgedanke aller kooperativen Methoden ist, dass jeder Schüler aktiv sein soll, was die Lerneffektivität steigert. Bisherige Unterrichtsuntersuchungen haben erwiesen, dass im regulären Frontalunterricht durch die hohe Lehreraktivität jedem Schüler circa zwanzig Sekunden eigene Redezeit zustehen. Doch gerade die Schüleraktivität ist von enormer Wichtigkeit für den Lerneffekt des Schülers. Schüler speichern meist nur 5% der Informationen im Langzeitgedächtnis ab, die durch einen Vortrag vermittelt werden. Ähnliches gilt auch für den Lerneffekt beim Lesen eines Textes, hierbei werden nur 10% der Informationen gespeichert. Durch audio-visuelles Lernen, Demonstrationen und Diskussionen wird der Lerneffekt vergrößert, den nachhaltigsten Effekt erzeugt aber die unmittelbare Anwendung des Gelernten, sprich wenn Schüler selbst aktiv sind und beispielsweise Sachverhalte erklären (90% Lernerfolg).8

Durch kooperative Lernformen werden Schüler aktiv, jeder Schüler ist in den Lernprozess eingebunden und jeder Schüler wird dazu aufgefordert, die neu erworbenen Informationen zum weiteren Arbeiten zu verwenden und zu präsentieren.

Die drei grundlegenden Prinzipien, auf die sich Kooperatives Lernen stützt, sind:

1. Lernen als sozialer Prozess.
Erst durch die Auseinandersetzung mit anderen Schülern wird Wissen gefestigt und soziale Kompetenzen werden erworben.
2. Schüler wollen gern in Kontakt mit ihren Mitschülern sein.
Besonders in der Schule haben die Schüler oft das Bedürfnis nach Interaktion mit ihren Mitschülern, dieses kann positiv genutzt werden, indem man sie in Kleingruppen strukturiert arbeiten und kommunizieren lässt.
3. Lernen durch Lehren.9

Die sozialen Kompetenzen, die erworben werden, sind vor allem die kommunikative und interaktive Kompetenz, Gemeinschafts- und Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kritik- und Entscheidungsfähigkeit sowie die Fähigkeit und die Bereitschaft zum selbstständigen, lebenslangen Lernen.10 Diese „social skills“ sind ebenso wichtig wie die sogenannten „academic skills“, die fachlichen oder sachlichen Lernziele.11

Anders als beim traditionellen Gruppenunterricht wird beim Kooperativen Lernen versucht, ein „echtes“ Team mit einer erkennbaren Identität zu entwickeln. Durch unterschiedliche Methoden wird der Zusammenhalt des Teams gestärkt; die Eigenverantwortlichkeit für Gruppenlernprozesse wird angeregt. Somit wird den Gruppenprozessen eine ähnliche Bedeutung wie dem eigentlichen Arbeitsprodukt zugestanden. Ein weiterer Unterschied zur regulären Gruppenarbeit ist außerdem, dass eine positive gegenseitige Abhängigkeit der Gruppenmitglieder erzeugt wird. Durch sensibel geplante Prozesse ist diese nicht willkürlich, sondern strukturiert. Somit wirkt sie sich auf die sozialen Interaktionsprozesse als auch auf die Arbeitsergebnisse günstig aus.12

Weiterhin werden beim Kooperativen Lernen die Gruppen heterogen gestaltet, damit sich die typischen Cliquen aufspalten. Beim Arbeitsprozess werden den Gruppenmitgliedern verschiedene Rollen zugesprochen, ein Schüler muss sich beispielsweise um das Arbeitsmaterial kümmern, ein anderer Schüler hat die Aufgabe, die Zeit zu managen. Die Gruppenmitglieder sollen sich helfen und sich gegenseitig ermuntern, damit jedes Mitglied die ihm zugesprochene Aufgabe erfüllen kann.13 Grundlage hierfür ist die Annahme, dass

Schüler nur dann Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen können, wenn diese

ihnen auch zugestanden wird.14

Anders als beim traditionellen Gruppenunterricht werden bei kooperativen Lerngruppen soziale Fertigkeiten nicht nur vorausgesetzt, sondern auch systematisch gelehrt, praktiziert und bewusst weiterentwickelt. Auch dem Lehrer wird dadurch eine wichtige Rolle zugesprochen, da er ein systematisches Feedback geben muss. Dies setzt voraus, dass er die Gruppe ständig beobachtet, seine Beobachtungen dokumentiert, Rückmeldungen gibt und, falls nötig, eingreift. Kooperatives Lernen verlangt also Lehrkompetenz.15

[...]


1 Im Folgenden wird aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung nur die männliche Form verwendet. Es sind jedoch stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint.

2 Vgl. Geist, S./ Schnack, J., Inklusion- Herausforderung und Chance. Zur Einführung in die Serie, 2012, S. 40

3 Avci-Werning, M./ Lanphen, J., Inklusion und kooperatives Lernen, 2013, S.150

4 Konrad, K./ Traub, S., Kooperatives Lernen, 2008, S. 7

5 Schubert, K./ Klein, M., Das Politiklexikon, 2011

6 Weidner, Margit, Kooperatives Lernen im Unterricht. Das Arbeitsbuch, 2003, S.10

7 Vgl. Mittendrin e.V., Eine Schule für alle: Inklusion umsetzen in der Sekundarstufe, 2012, S. 64

8 Vgl. Green, N./ Green, K., Kooperatives Lernen im Klassenraum und im Kollegium. Das Trainingsbuch, 2005, S.29

9 Vgl. Weidner, S. 33

10 Vgl. Green, S. 90

11 Vgl. Weidner, S. 29

12 Vgl. Weidner, S. 30 f.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. Borsch, Frank, Kooperatives Lehren und Lernen im schulischen Unterricht, 2010, S. 102 f.

15 Vgl. Brüning, L./ Saum, T., Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen, 2006, S. 54 5

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kooperative Lehr- und Lernstrategien im inklusiven Unterricht
Untertitel
Eine Studie
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V307485
ISBN (eBook)
9783668057708
ISBN (Buch)
9783668057715
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion, kooperatives Lernen, inklusiver Unterricht, lernstrategien, lehrstrategien, probleme, grenzen, peer tutoring
Arbeit zitieren
Jennifer Laabs (Autor), 2015, Kooperative Lehr- und Lernstrategien im inklusiven Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307485

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