Unterhaltungsindustrie vs. Filesharing - Sind Klagen und Kampagnen gegen Tauschbörsennutzer gerechtfertigt?


Seminararbeit, 2004
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Filesharing - Bedrohung für einen breiten Film- und Musikmarkt?

2. Umsatzeinbruch in der Unterhaltungsbranche?
2.1. Die Musikindustrie
2.2. Die Filmindustrie

3. Maßnahmen der Industrie gegen Filesharing
3.1. Rechtliche Schritte
3.2. „Aufklärung“

4. Positive Effekte des Filesharing
4.1. Nutzen für die Unterhaltungsindustrie
4.2. Nutzen für Künstler

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Filesharing – Bedrohung für einen breiten Film- und Musikmarkt?

"Es ist wie eine böse Krankheit, wie sich das illegale Kopieren ausbreitet", sagt Christina Weiss, Beauftragte für Kultur und Medien beim Bundeskanzler[1], und bezieht sich dabei auf die sogenannten Online-Tauschbörsen, in denen auch urheberrechtlich geschützte Werke, vor allem Film- und Musikdateien, zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen. Dass seit der Gründung des ersten Filesharing-Dienstes Napster im Jahr 1999 immer mehr Internet-Nutzer eine immer größer werdende Menge an Musikstücken und Kinofilmen aus einer wachsenden Anzahl von Peer-to-Peer-Netzwerken (P2P)[2] beziehen, bezeichnet die Film- und Musikindustrie[3] als den eindeutigen Grund ihrer schwindenden Einnahmen. Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft beklagt, dass der „Musikabsatz stark einbricht“ und sieht die Vielfalt der Musikkultur gefährdet.[4] Juristische Schritte, sowohl gegen Tauschbörsenbetreiber, als auch deren Nutzer, die Entwicklung neuer Kopierschutzmechanismen für CD und DVD, das Einrichten eigener, kostenpflichtiger Downloadseiten sowie eine breit angelegte Kampagne zur Information der Öffentlichkeit über Urheberrecht sollen dem entgegenwirken.

Doch ist die Industrie durch Tausch[5] von Musik und Filmen tatsächlich in ihrer Existenz bedroht? Wird es in Zukunft wegen fehlender Mittel für die Nachwuchsausbildung eine schmalere Palette von Film- und Musikangeboten geben? Sind die Maßnahmen gegen private Nutzer von Filesharing-Diensten richtig und adäquat? Und gibt es möglicherweise andere Gründe für die vielbeklagten Umsatzrückgänge?

Mit Hilfe von aufgrund der Aktualität des Themas größtenteils im Internet veröffentlichtem Material möchte ich diesen Fragen in der vorliegenden Hausarbeit nachgehen.

2. Umsatzeinbruch in der Unterhaltungsbranche?

2.1. Die Musikindustrie

„Die Schäden, die die Musikwirtschaft durch illegale Internetangebote erleidet, sind immens“, schreibt der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft auf seiner Website und geht von 600 Millionen unbezahlten Downloads im Jahr 2003 allein in Deutschland aus[6]. Die Recording Industry of America (RIAA) gibt zu, dass das Ausmaß des Schadens für die Musikindustrie schwer auszurechnen ist – „difficult to calculate but not hard to envision. Millions of dollars are at stake.“[7] Diese Größenordnungen relativieren sich jedoch bei genauerer Untersuchung. So betrug der Wert der verkauften Musikprodukte in den USA 2003 ca. 11,05 Milliarden Dollar.[8] Dieser fiel zwar geringer aus als in den Jahren zuvor, aber höher als beispielsweise 1997 mit 10,79 Milliarden Dollar. Erlöse aus bezahlten Downloads sind in den Zahlen für 2003 noch nicht enthalten. Beim Vergleich mit 1997 ist außerdem zu berücksichtigen, dass die Musikbranche in den 90er Jahren überdurchschnittlich hohe Gewinne erzielte, bedingt durch den Umstieg der Konsumenten von LP und MC auf die CD.

Wegen des geringer als in den Vorjahren ausgefallenen Rückgangs bei den Umsätzen spricht die Musikindustrie nun vom „Turnaround“ und führt diesen auf Maßnahmen gegen illegales Kopieren und Filesharing-User zurück.[9]

Dies ist jedoch anhand von Nutzerzahlen nicht nachzuvollziehen. Zwar verzeichnet die Tauschbörse KaZaA einen Popularitätsrückgang. Die Gesamtzahl an Usern in Tauschbörsen steigt jedoch stetig an. Im Juni 2004 waren weltweit durchschnittlich 8,3 Millionen Filesharing-Benutzer gleichzeitig online, gegenüber 6,8 Millionen im Vorjahreszeitraum.[10] Trotzdem erzielte die australische Musikindustrie im Gründungsland der immer noch meistgenutzten Tauschbörse KaZaA einen Verkaufsrekord im Jahr 2003.[11]

Eine Studie der Harvard Business School[12] belegt mit empirischen Mitteln, dass der Einfluss von Filesharing auf Absätze statistisch nicht von null unterscheidbar ist. Dafür wurde ein Datensatz, der 0,01% der weltweiten Downloads von August bis Dezember 2003 repräsentiert, mit CD-Verkaufszahlen in den USA in Beziehung gesetzt. Das Ergebnis steht im Widerspruch zur These der Plattenindustrie, jeder heruntergeladene Song wäre ohne Filesharing im Laden erworben worden. Der Studie zufolge sind selbst nach pessimistischsten Schätzungen mindestens 5000 Downloads nötig, um einen einzigen CD-Kauf zu ersetzen.

Bei der Analyse der Verkaufszahlen, welche die Musikindustrie für 2003 und 2004 vorgelegt hat, und unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der späten 90er Jahre, die vor allem vom Umstieg der Konsumenten von älteren Medien auf die CD und den damit verbundenen Mehreinnahmen geprägt waren, lässt sich die These vom immensen Umsatzeinbruch durch Filesharing im Musikbereich also nicht bestätigen. Auch die empirische Studie der Harvard-Universität konnte keinen statistischen Zusammenhang zwischen CD-Verkäufen und Filesharing feststellen.

[...]


[1] Krempl, Stefan: Ächzen und Stöhnen im System des "geistigen Eigentums". In: Heise Online http://www.heise.de/tp/deutsch/special/copy/16000/1.html. 3.11.2003 (Zugriff 22.09.2004)

[2] direkter Austausch von Dateien zwischen Usern, wobei keine Inhalte, sondern allenfalls ein Index auf einem Zentralrechner gespeichert werden

[3] ich beschränke mich in dieser Hausarbeit auf die Betrachtung von Musik- und Filmindustrie, da diese am sichtbarsten in der Öffentlichkeit auftreten. Produkte anderer Industrien, u.a. Software, E-Books und Bilder stehen jedoch ebenfalls zum Download über P2P-Netze bereit

[4] Pressemitteilung der Deutschen Landesgruppe der IFPI e.V. / Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V: Phonowirtschaft startet auch in Deutschland Verfahren gegen illegale Musikanbieter in sogenannten "Tauschbörsen" http://www.ifpi.de/news/news-380.htm. 30.03.2004 (Zugriff 22.09.2004) [Im Folgenden zitiert als Pressemitteilung IFPI: Phonowirtschaft startet Verfahren]

[5] „Tausch“ soll hier die Möglichkeit des simultanen Up-und Downloads von Dateien bezeichnen

[6] Pressemitteilung IFPI: Phonowirtschaft startet Verfahren

[7] RIAA: Online Piracy and Electronic Theft. http://www.riaa.com/issues/piracy/online.asp. 2003 (Zugriff 9.9.2004)

[8] RIAA: 2003 Yearend Statistics. http://www.riaa.com/news/newsletter/pdf/2003yearEnd.pdf (Zugriff 22.9.04)

[9] Schotzger, Erwin: US-Musikindustrie hofft auf Turnaround. Verkäufe 2003 in den USA nur um 0,8 Prozent gesunken. In: pressetext.austria. http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=040102006. 2.1.2004 (Zugriff 22.9.2004)

[10] Wilkens, Andreas: Online-Tauschbörsen sind beliebter denn je. In: Heise online. http://www.heise.de/newsticker/meldung/49023. 12.07.2004 (Zugriff 22.9.2004)

[11] Wilkens, Andreas: Australische Musikindustrie verbucht Verkaufsrekord. In: Heise online. http://www.heise.de/newsticker/meldung/46083. 29.03.2004 (Zugriff 22.9.2004)

[12] Oberholzer, Felix; Strumpf, Koleman: The Effect of File Sharing on Record Sales. An Empirical Analysis. http://www.unc.edu/~cigar/papers/FileSharing_March2004.pdf. März 2004 (Zugriff 22.9.2004)

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Details

Titel
Unterhaltungsindustrie vs. Filesharing - Sind Klagen und Kampagnen gegen Tauschbörsennutzer gerechtfertigt?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Publizistik und Kommunikationswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V30753
ISBN (eBook)
9783638319478
ISBN (Buch)
9783638796767
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterhaltungsindustrie, Filesharing, Sind, Klagen, Kampagnen, Tauschbörsennutzer
Arbeit zitieren
Sebastian Heinrich (Autor), 2004, Unterhaltungsindustrie vs. Filesharing - Sind Klagen und Kampagnen gegen Tauschbörsennutzer gerechtfertigt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30753

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