Die Bedeutung von betrieblichen Kennzahlen in den Bereichen Liquidität und Rentabilität


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorgehen

2 Kennzahlen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Kennzahlenarten
2.2.1 Berechnung
2.2.2 Sachverhalt
2.2.3 Zeitbezug

3 Kennzahlensysteme
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Arten von Kennzahlensystem
3.3 Beispiele
3.3.1 Du Pont- System of Financial Control
3.3.2 Balanced Scorecard
3.3.3 Weitere Kennzahlensysteme

4 Liquidität
4.1 Begriffsdefinition
4.2 Verschiedene Liquiditätskennzahlen
4.2.1 Liquiditätsgrade
4.2.2 Cash Flow
4.2.3 Working Capital

5 Rentabilität
5.1 Begriffsdefinition
5.2 Verschiedene Rentabilitätskennzahlen
5.2.1 Allgemeine Rentabilität
5.2.2 Umsatzrentabilität
5.2.3 Eigenkapitalrentabilität
5.2.4 Gesamtkapitalrentabilität
5.2.5 Return on Investment
5.3 Leverage Effekt

6 Korrelation

7 Literatur

1 Vorgehen

Diese Arbeit betrachtet zunächst das Informationsproblem innerhalb eines Unternehmens und bietet Kennzahlen als Lösungsvorschlag an. Es folgt eine Betrachtung von Kennzah- len und die Kategorisierung und Gliederung selbiger. Anschließend wird die Beziehung verschiedener Kennzahlen mithilfe von Kennzahlensystemen behandelt und zwei knapp vorgestellt.

Es folgt eine Beschreibung von Liquidität und Rentabilität. Zu beiden Begriffen gibt es einen Definitionsansatz sowie eine kurze Darstellung der unternehmerischen Relevanz. Innerhalb beider Kapitel werden beispielhaft einige Kennzahlen vorgestellt und erörtert.

Die Arbeit schließt mit einer Analyse zum gegenseitigen Einfluss zwischen Liquidität und Rentabilität im betrieblichen Alltag.

2 Kennzahlen

Die Grundlage von unternehmerischen Entscheidungen sind Informationen. Primäre Quel- le dieser Informationen ist das betriebliche Handeln. Die tägliche Flut von Daten ist so groß, dass die Unternehmensleitung nicht alles individuell wahrnehmen und bewerten kann. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto aufwendiger ist es, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Die Lösung für dieses Problem lautet Aggregation. Daten müssen verdichtet werden, um Übersicht und neue Informationen zu schaffen.1

2.1 Begriffsdefinition

Grundsätzlich sind Kennzahlen Zahlen, die unternehmensbezogene Informationen verdichtet darstellen. Abseits dieser Gemeinsamkeit existieren zwei Definitionsgrundlagen. Eine enge und eine weite Form. In der engen Form gelten nur Quotienten als Kennzahlen, während die weitere Form auch absolute Zahlen zulässt.2

Grund für den Ausschluss absoluter Zahlen ist die Annahme, dass diese kein selbstständiger Erkenntnisgewinn begleitet. Gemäß dieser Form können neue Informationen und somit Erkenntnis erst durch den Bezug auf eine andere Zahl entstehen.3 Eine sehr abstrakte Definition von Kennzahlen liefern Staudt et al.:

”KennzahlisteineZahl,dieinBezugaufdasErkenntniszielrelevantistund damit im Vergleich zu anderen Zahlen einen besonderen Aussagewert hat, unabhängig von ihrer quantitativen Struktur.“4

Ein Merkmal von Kennzahlen ist demnach, dass sie immer gebildet werden, um eine spezielle Information (also zusätzliches, zweckorientiertes Wissen5) zu erlangen und kon Kennzahlen krete Fragen zu beantworten. Diese Fragen leiten sich aus den Unternehmenszielen ab und prüfen beispielsweise Umsatz und Gewinn, aber auch Zahlungsfähigkeit oder Rendite. Mithilfe von Kennzahlen treffen Unternehmen Entscheidungen und bewerten ihre wirtschaftliche Situation.6 Die den Kennzahlen entnommenen Informationen sind somit ein Faktor des wirtschaftlichen Erfolges eines Unternehmens.7

Umsatz und Gewinn zählen zu den absoluten Kennzahlen und viele Unternehmen fokussieren sich in ihrem Handeln auf diese Zielgrößen. Aufgrund dieser großen Praxisrelevanz gilt für diese Arbeit im Folgenden die Definition von Bürgi:

”UnterKennzahlenwerdenrelativeundabsoluteZahlenverstanden,dieknapp und überschaubar über betriebliche Sachverhalte informieren.“8

2.2 Kennzahlenarten

Kennzahlen können zu jedem betrieblichen Sachverhalt gebildet werden. Zu großes Ausschweifen bei der Gliederung von Kennzahlen führt somit schnell zu Strukturlosigkeit und Willkür bei der Auswahl der Bewertungskriterien.9Diese Arbeit beschränkt sich deshalb auf wenige, häufig anzutreffende Gliederungsmerkmale.

2.2.1 Berechnung

Grundsätzlich lassen sich Kennzahlen nach der Art ihrer Berechnung in absolute und relative Zahlen aufteilen.

Absolute Zahlen (oder Grundzahlen) stellen immer eine Anzahl oder Ausprägungen auf einer metrischen Skala dar.10 Sie werden durch Addition (Bilanzsumme), Subtrakti- on (Gewinn) und Multiplikation (Umsatz) gebildet oder sind bereits als direkt mess- oder zählbare Basiszahlen verfügbar.11 Falls zwei oder mehr Zahlen zu einer absolu- ten Kennzahl zusammengesetzt werden, müssen diese in derselben Rechengröße messbar sein. Weitere Beispiele für absolute Kennzahlen sind die Kapitalgrößen Eigen-, Fremd-, und Gesamtkapital, Lagerbestände oder der Forderungsbestand. Absolute Zahlen ha- ben für sich einen geringen zusätzlichen Aussagegehalt. Diese Zahlen rechtfertigen ihren Kennzahlen-Charakter durch häufige Verwendung in der Praxis, Verdichtung betriebli- cher Daten und Relevanz für diverse Stakeholder (z.B. Umsatz als Maßstab der variablen Vorstandsvergütung).

Relative Zahlen (oder Verhältniszahlen bzw. Quotienten) vergleichen stets zwei Werte miteinander und relativieren diese mit dem Ziel ihre Beziehung transparent zu machen. Sie werden durch die Division zweier Zahlen (diese können jeweils absolute oder relative Kennzahlen Zahlen sein) gebildet.12 Voraussetzung für die Anerkennung als Kennzahl ist auch bei Verhältniszahlen der Informationscharakter. Die besondere Schwierigkeit liegt hierbei darin, beide Ausgangszahlen in einen sachlich sinnvollen Zusammenhang zu bringen, sodass das Ergebnis eine eigene Aussage trifft.13

Relative Zahlen können wiederum in drei Kategorien eingeteilt werden:14

Gliederungszahlen sind Kennzahlen, die durch die Berechnung eines Anteils an einer Gesamtmasse gebildet werden. Hierzu wird eine Teilmasse (z.B. Eigenkapital) durch die Gesamtmasse (in diesem Fall das gesamte Kapital) dividiert. Gliederungszahlen ermöglichen, betriebliche Größen verhältnismäßig durch vereinfachte Darstellung (in Prozent-Schreibweise) in ihre Anteile aufzuspalten und somit einzelne Teilgrößen miteinander zu vergleichen.15

Beispielhafte Gliederungszahlen sind Eigen-, bzw. Fremdkapitalquote:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beziehungszahlen vergleichen zwei selbstständige Größen miteinander. Das größte Pro- blem bei Beziehungszahlen ist es, einen sachlogischen Zusammenhang beider Größen zu finden. Hintergrundwissen zum Ausgangsmaterial ist erforderlich, um keine fehlerhaften Schlussfolgerungen abzuleiten.16

Ein Beispiel für eine Beziehungszahl ist der Verschuldungsgrad, also der direkte Vergleich von Fremd- und Eigenkapital ohne Bezug zum Gesamtkapital:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Indexzahlen (oder Messzahlen) setzen Werte, die gleicher Art aber sachlich getrennt sind (z.B. Produktpreise in verschiedenen Perioden), in Beziehung zueinander. Häufig wird hierzu auf einen Basiswert (z.B. Perioden-Durchschnittspreise) zurückgegriffen, an dem andere Werte gemessen werden. Diese Art der Beziehung erlaubt die Analyse der relativen Änderung.17

2.2.2 Sachverhalt

Eine weitere Möglichkeit, Kennzahlen zu kategorisieren ist die Art des Sachverhaltes, den Sie beschreiben. Man unterscheidet zum Beispiel monetäre (z.B. Verschuldungsgrad) und nicht-monetäre (z.B. Kundenzufriedenheit) Kennzahlen. Letztere machen in der Praxis immerhin 20%18 aller Kennzahlen aus. Darüber hinaus unterscheidet man häufig nach Ursprung (Bilanz, Rechnungswesen, Statistik, externe Daten) und Inhalt (Finanz-, Produktions-, Personal- und Lagerwirtschaft) der Kennzahlen.19

Kennzahlen können auch nach ihrem Bezugsort gegliedert werden. Demnach gibt es Kennzahlen, die für den gesamten Betrieb existieren und solche, die nur für einzelne Bereiche, Abteilungen oder Mitarbeiter Relevanz haben.20

2.2.3 Zeitbezug

Kennzahlen haben immer einen Zeitbezug. Ziel der Unternehmensführung ist es, stets auf dem neusten Stand zu sein und immer über aktuelle und korrekte Informationen verfügen zu können. Hier unterscheidet man drei Ausprägungen:

Strukturkennzahlen sind Schnappschüsse des Betriebszustandes und repräsentieren ak- tuelle Bestandswerte. Hierunter fallen u.a. Lager-, Auftrags- und Forderungsbestände. Strukturkennzahlen werden auch benutzt, um die (womöglich von Wechselkursen abhängige)

Vermögensstruktur eines Unternehmens zu beobachten.21

Ergebniskennzahlen geben immer ein Ergebnis für einen bestimmten Zeitraum an.22Da- bei wird ein Ergebnis entweder für sich dargestellt (z.B. Produktionsmenge) oder mit einer anderen relevanten Größe verbunden (z.B. Produktionsmenge pro Mitarbeiter).

Entwicklungskennzahlen versuchen Prognosen anhand existierender Daten aufzustellen. Diese können bezogen auf Zeitpunkte oder Intervalle sowie kontinuierlich gebildet wer- den. Zeitpunktbezogene Kennzahlen geben einen einzigen Wert an. Ziel ist es, nach Eva- luation dieses Wertes, mithilfe der persönlichen Erfahrung der entscheidednen Personen (z.B. nach einem extrem guten Ergebnis folgt häufig ein schwächeres oder umgekehrt) Prognosen aufstellen zu können. Intervallbezogene Kennzahlen beziehen sich auf Datenmaterial, das regelmäßig ermittelt wird. Hierbei werden mehrere Werte miteinander in Verbindung gebracht und verdichtet (bspw. durch Bildung von Mittelwerten). Kontinuierliche Kennzahlen beobachten einen Sachverhalt durch fortlaufende Erfassung. So sollen Ungenauigkeiten durch etwaige Ausreißer vermieden werden.23

Bei zeitraumbezogenen Kennzahlen müssen die Entscheidungsorgane im Unternehmen entsprechenden Sachverstand mitbringen, um diese Kennzahlen interpretieren zu können.

[...]


1Bürgi, A., Führen mit Kennzahlen, 1987, S.11

2Wissenbach, H., Betriebliche Kennzahlen, 1967, S. 23f

3Staudt, E., et al., Kennzahlen und Kennzahlensysteme, 1985, S.23

4Staudt, E., et al., Kennzahlen und Kennzahlensysteme, 1985, S.24

5Alpar, P., et al., Anwendungsorientierte Wirtschaftsinformatik, 2014, S.7

6Botta, V., Kennzahlensysteme als Führungsinstrumente, 1997, S.11

7Bürgi, A., Führen mit Kennzahlen, 1987, S. 11

8Bürgi, A., Führen mit Kennzahlen, 1987, S.13

9Wissenbach, H., Betriebliche Kennzahlen, 1967, S.52

10Buchner, R., Kennzahlenrechnung, 1985, S.67

11Botta, V., Kennzahlensysteme als Führungsinstrumente, 1997, S.16

12Botta, V., Kennzahlensysteme als Führungsinstrumente, 1997, S.16

13Buchner, R., Kennzahlenrechnung, 1985, S.69

14Buchner, R., Kennzahlenrechnung, 1985, S.71

15Buchner, R., Kennzahlenrechnung, 1985, S.71 - 73

16Buchner, R., Kennzahlenrechnung, 1985, S.76 - 79

17Buchner, R., Kennzahlenrechnung, 1985, S.79 - 94

18Gräf, J., et al., KPI-Studie, 2014, S.7

19Staudt, E., et al., Kennzahlen und Kennzahlensysteme 1985, S.28

20Wissenbach, H., Betriebliche Kennzahlen, 1967, S.51f

21Schott, G., Kennzahlen, 1988, S.24

22Schott, G., Kennzahlen, 1988, S.24

23Schott, G., Kennzahlen, 1988, S.24f

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von betrieblichen Kennzahlen in den Bereichen Liquidität und Rentabilität
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Quantitative Unternehmensplanung
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V307750
ISBN (eBook)
9783668060289
ISBN (Buch)
9783668060296
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kennzahlen, Liquidität, Rentabilität, ROI, Cash Flow, Kennzahlensysteme
Arbeit zitieren
Jan Schäfer (Autor), 2015, Die Bedeutung von betrieblichen Kennzahlen in den Bereichen Liquidität und Rentabilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307750

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