Im Mittelpunkt der Sturm und Drang-Poetik standen Emotionalität und Spontaneität des - vor allem lyrischen - Ausdrucks (Herders Begriff der „Urpoesie” war hier stilbildend). Bevorzugte Themen waren etwa der tragische Konflikt eines markanten Individuums mit der Gesellschaft oder dem Geschichtsverlauf sowie der Zusammenprall von Gefühl und Ehrenkodex.
Heinrich Leopold Wagner (1747-1779) zählt zu den wichtigsten Autoren des Sturm und Drang. Sein Drama Die Kindermörderin von 1776 reflektiert in besonderer Weise die gesellschaftlichen Verhältnisse und Anschauungen seiner Zeit. Ebenso transportiert es wie die Texte von Lenz deutlich auch Sozialkritik. Mit der gewählten Thematik und Intention zeigt sich Wagner als typischer Vertreter der Epoche des Sturm und Drang. Er verknüpft in seinem Drama sexuelle Verführung, verheimlichte Schwangerschaft und vollzogenen Kindsmord thematisch miteinander und arbeitet in der Aufklärung an der gesellschaftlichen Meinungsbildung mit.
Im Folgenden möchten wir sein Drama näher erläutern. Zunächst folgen biographische Angaben zum Autor, eine Inhaltsangabe des Stückes sowie dessen Wirkungsgeschichte; dann gehen wir in der sprachlichen Analyse näher auf Syntax, Lexik und Morphologie des Textes ein, um dann schließlich in einem Fazit wichtige Aspekte zusammenzufassen.
Gliederung
1 Einleitung
2 Zum Autor
3 Inhaltsangabe
4 Zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte
5 Sprachliche Analyse des Dramas
5.1 Zur generellen Stilistik
5.2 Zur Syntax des Textes
5.3 Zur Lexik und Morphologie
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich Leopold Wagners Drama „Die Kindermörderin“ vor dem Hintergrund der Epoche des Sturm und Drang. Das primäre Ziel besteht darin, die soziokulturelle Relevanz des Werkes sowie dessen sprachliche Gestaltung durch eine detaillierte Analyse von Stilistik, Syntax und Lexik zu beleuchten.
- Biografische Verortung von Heinrich Leopold Wagner in der Geniebewegung.
- Darstellung der Entstehungsgeschichte und der zeitgenössischen Rezeption des Dramas.
- Untersuchung der sozialkritischen Intention des Autors hinsichtlich der Ständeordnung.
- Sprachanalytische Betrachtung der Dialektverwendung und Fremdsprachenintegration.
- Analyse der rhetorischen Besonderheiten wie Aposiopesen und Parenthesen.
Auszug aus dem Buch
5.2 Zur Syntax des Textes
Die Sätze des Dramas sind gleichermaßen hypotaktisch wie parataktisch gestaltet. Bei Hypotaxen kann man auch tiefere Staffelungen finden. Besonders häufig finden sich solche Satzverknüpfungen durch Unterordnung in Passagen, die von Magister gesprochen werden, wie z. B.:
„Magister. [...] Gestern Nachmittags, wie ich auf dem Spiegel mien Gläschen Liqueur trank, um die Verdauung zu befördern, sah ich am Fenster das in den Hof geht, tween Officier, den von Linnois, den andern von Anhalt eine Parthie Piket miteinander spielen: - es gieng haarscharf! daß kann ich ihnen versichern; zu drey Livres die Parthie und alle honneurs bezahlt; ich setzte mich, da es mein Leibspiel ist, hinter den letzteren, der schon grimmig im Verlust war, und sah dem Ding ein Weilchen so zu; - mein Lebtag hab ich nicht mit so viel Unglück spielen sehn, allen Augenblick war so gesechzigt, oder geneuzigt, da war vor Gott Gnade! – seine Thälerchen flogen, sapperment! daß es nur eine Lust war. [...] (s. S. 39, Z. 40 ff)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Epoche des Sturm und Drang und die thematische Ausrichtung von Wagners Drama „Die Kindermörderin“.
2 Zum Autor: Biografischer Überblick über das Leben von Heinrich Leopold Wagner unter Berücksichtigung seines sozialen und beruflichen Umfelds.
3 Inhaltsangabe: Zusammenfassung der dramatischen Handlung und der soziokulturellen Konfliktsituation zwischen den Ständen.
4 Zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte: Darstellung der Publikationsgeschichte sowie der inhaltlichen Umarbeitungen des Stückes durch den Autor und Dritte.
5 Sprachliche Analyse des Dramas: Sprachwissenschaftliche Untersuchung der stilistischen, syntaktischen und lexikalischen Besonderheiten im Drama.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der sozialkritischen Intention und der modernen Sprachverwendung des Werkes.
Schlüsselwörter
Sturm und Drang, Heinrich Leopold Wagner, Die Kindermörderin, Sozialkritik, Kindsmord, Sprachanalyse, Dialekt, Syntax, Literaturwissenschaft, Geniebewegung, Ständeordnung, Epoche, Dramatik, Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Drama „Die Kindermörderin“ von Heinrich Leopold Wagner als ein repräsentatives Werk des Sturm und Drang, das gesellschaftliche Tabuthemen der Zeit thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die soziale Ungerechtigkeit, die Standesunterschiede, die Rolle der Frau sowie die sozialkritische Darstellung gesellschaftlicher Missstände in den 1770er Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der epochentypischen Thematik des Kindsmordes und der spezifischen sprachlichen Gestaltung des Textes aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die biographische Aspekte mit einer detaillierten Untersuchung der sprachlichen Struktur (Syntax, Lexik, Stilistik) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Darstellung des Dramas, eine historische Einordnung der Entstehungsgeschichte sowie eine tiefgehende sprachliche Analyse der Dialoge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sturm und Drang, Sozialkritik, Kindsmord, Dialektverwendung, Ständeordnung und die Geniebewegung.
Welchen Einfluss hatte der gesellschaftliche Kontext auf die Sprache im Drama?
Wagner nutzte bewusst Dialekte und unterschiedliche Sprachebenen, um die soziale Herkunft der Charaktere (Adel versus Bürgertum) sowie deren Standesunterschiede authentisch abzubilden.
Wie bewertet der Autor den gesellschaftlichen Stellenwert des Stücks im Fazit?
Wagner wird als moderner Autor gewürdigt, der durch sein Stück aktiv zur gesellschaftlichen Meinungsbildung beitrug und die unmenschlichen Zwänge der damaligen Zeit kritisch hinterfragte.
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- Susanne Lifka (Author), 2004, Heinrich Leopold Wagners Drama "Die Kindermörderin", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30775