Die Respektierung von Kulturgut in bewaffneten Konflikten. Pflichten von Staaten und der Ausnahmetatbestand der „militärischen Notwendigkeit“


Hausarbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

§ 1 Einführung und Umriss der Problematik

§ 2 Rechtliche Analyse der Staatenpflichten
A. Vertragliche Verpflichtungen
I. Die Haager Landkriegsordnung von 1907
II. Die Haager Konvention von 1954.
III. Die Zusatzprotokolle zu den Genfer Konventionen.
IV. Das Zweite Zusatzprotokoll zur Haager Konvention
V. Zur grundsätzlichen Wirkung der Verträge
B. Völkergewohnheitsrechtliche Verpflichtungen..

§ 3 Fazit

§ 1 Einführung und Umriss der Problematik

Die Geschichte der Zerstörung von Kulturgütern bei bewaffneten Konflikten ist genauso alt wie die Geschichte der bewaffneten Konflikte selbst. Bereits in der Antike gehörte die Zerstörung des kulturellen Erbes eines Volkes zu beliebten und häufig genutzten Taktiken der kriegsführenden Parteien.1 Diese Handlungen trugen durchaus einen vorsätzlichen Charakter. Zum einen galt es den Gegner zu demoralisieren und zu erniedrigen; zum anderen ging es der Siegermacht darum sich selbst durch Raub und Plünderung zu bereichern, was zu dieser Zeit, bis in die Zeit der Aufklärung, zum Recht des Siegers gehörte.2

Erst mit der Idee des Nationalstaates und der damit einhergehenden Professionalisierung des Krieges entwickelten sich langsam gewisse Regeln des Kampfes, welche unter anderem auch das in Privatbesitz befindliche Kulturgut des Staates schützten, wodurch eine Distanzierung vom Kriegsbeuterecht stattfand.3 Die allgemeine opinio juris verschob sich zu Gunsten der Kulturgüter der beteiligten Staaten, welches von nun an geschont werden sollte.4 Daraus entwickelten sich schließlich moderne Vertragswerke, die die Staaten unmittelbar dazu verpflichten das Kulturgut bei bewaffneten Konflikten zu respektieren und zu schonen. Somit fand der internationale Kulturgutschutz den Einzug ins ius in bello, das im Falle von bewaffneten Konflikten geltende Kriegsvölkerrecht. Die Elemente des Kulturgutschutzes schlagen sich in der Haager Landkriegsordnung (im Folgenden HLKO)5 und in den Zusatzprotokollen zu den Genfer Konventionen (im Folgenden ZP I6 und II7 GK) nieder. Darüber hinaus existiert ein eigenständiges Vertragswerk, welches den Schutz von Kulturgütern bei bewaffneten Konflikten regelt - die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954 (im Folgenden Haager Konvention)8 mit den dazugehörigen Haager Protokollen von 1954 und 1999 (im Folgenden HP I9 und HP II10 ).

Trotz dieser Vorkehrungen kam es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu Angriffen auf das Kulturgut, was einen nicht ersetzbaren Schaden zur Folge hatte.11 Der Wille der Staaten, festgelegte Regeln bezüglich des Kulturgutschutzes zu befolgen, scheint unzureichend zu sein. Ferner legen alle Regelwerke einen Ausnahmetatbestand fest, welcher den Angriff auf geschütztes Kulturgut erlaubt, sofern die militärische Notwendigkeit dieses erfordert. Dies könnte sich ebenfalls negativ auf den Schutz auswirken, in dem eine undefinierte Rechtfertigungsmöglichkeit entsteht. Es kommt zu einem Spannungsfeld zwischen dem gewollten und geforderten Kulturgutschutz und der, in einem bewaffneten Konflikt unausweichlichen, militärischen Notwendigkeit.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung von Staatenpflichten im Bezug auf Kulturgutschutz bei bewaffneten Konflikten sowie deren Schutz- und Bindungswirkung. So dass am Ende die Frage beantwortet werden kann: „Welchen rechtsverbindlichen Pflichten sind die Staaten im Bereich des Kulturgutschutzes bei bewaffneten Konflikten unterworfen?“. Besonderes Augenmerk soll bei der Untersuchung der Pflichten auf die Respektierungspflicht gelegt werden, um das o.a. Spannungsfeld besser untersuchen zu können.

Schwerpunktmäßig soll das Spannungsfeld zwischen dem Kulturgutschutz und der militärischen Notwendigkeit untersucht werden. Fraglich ist hierbei: „Wie kann das Spannungsfeld rechtlich so aufgelöst werden, dass die Staaten ihren Verpflichtungen zum Schutz des Kulturguts bestmöglich nachkommen können?“.

Die Arbeit behandelt ausschließlich das Verhalten von Staaten, private Akteure bleiben unberücksichtigt. Ebenso von der Betrachtung ausgeschlossen sind Fragen der Zurechnung, Staatenverantwortlichkeit und der Staatshaftung. Ferner werden nur Pflichten betrachtet, die unmittelbar in einem laufenden bewaffneten Konflikt zur Geltung kommen. Pflichten der Staaten vor einem Konflikt, sowie Pflichten während der Besatzung sollen nicht ausführlich analysiert werden.

§ 2 Rechtliche Analyse der Staatenpflichten

Zunächst sollen die Verpflichtungen der Staaten aus den einschlägigen Vertragswerken systematisch dargestellt und analysiert werden. Danach soll geprüft werden, welche Bindewirkung diese entfalten. Anschließend soll versucht werden Verpflichtungen zum Kulturgüterschutz in bewaffneten Konflikten aus dem Gewohnheitsrecht herzuleiten.

A. Vertragliche Verpflichtungen

Erste signifikante Kodifizierungen bezüglich des Schutzes von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten finden sich in den sogenannten „Lieber Codes“ von 1863.12 Diese haben massiv die HLKO beeinflusst. Die HLKO war seinerseits das erste multinationale Dokument zu dieser Thematik, welches bis heute Gültigkeit hat. Aufgrund der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs gab es mehrere Versuche die Regeln zu modifizieren bzw. zu erweitern. Beispiele hierfür sind etwa der „Roerich Pakt“ von 1935 oder die Haager Luftkriegsregeln, welche allerdings niemals volle rechtliche Bindungskraft entfalten konnten.13 Mit den humanitär- völkerrechtlichen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg entstand erstmals ein eigenständiges, multinationales Vertragswerk zum Schutz von Kulturgut - die Haager Konvention. Anschließend fanden die Regelungen auch in den beiden Zusatzprotokollen zu den Genfer Konventionen eine Berücksichtigung. Daher kann die Haager Konvention als das Hauptdokument in diesem Bereich gewertet werden.

I. Die Haager Landkriegsordnung von 1907

Die HLKO gehört innerhalb des humanitären Völkerrechts (HVR) zum sogenannten „Haager Recht“, welches vorrangig die Mittel und Methoden der Kriegsführung regelt.14 Sie enthält erste konkrete Kodifizierungen im Bezug auf den Kulturgutschutz, so auch konkrete Einzelpflichten.

1. Einzelpflichten

Im Allgemeinen schränkt Art. 22 HLKO zunächst die Wahl der Mittel der Kriegsführung ein. Weiterhin ist im Art. 23 Abs. 1 lit. g das Verbot der Zerstörung oder Wegnahme des feindlichen Eigentums zu finden, welches sich analog auch auf Kulturgüter erstrecken lässt, da diese eher nicht, wie es der Ausnahmetatbestand des genannten Artikels vorsieht,15 zum kriegswichtigen Gut gerechnet werden können. Auch aus dem Art. 25 HLKO, welcher den Angriff bzw. Beschuss von unvereidigten Städten, Dörfern und Wohnstätten verbietet, lässt sich eine Pflicht zur Schonung von Kulturgut ableiten. Es könnte zwar angenommen werden, dass die geistigen Väter der HLKO einen ganz anderen Zweck mit dem Art. 25 verfolgt hatten, nämlich eine sinnlose Zerstörung von zivilen Räumen zu verhindern. Dementgegen könnte jedoch behauptet werden, dass wenn Wohnstätten und einfachen Gebäuden, die nicht verteidigt werden, Schutz zugesprochen wird, dies dann per argumentum minori ad maius für Gebäude mit einem kulturellen Wert erst recht gelten müsste.

Die Respektierungspflicht für das Kulturgut im Speziellen ist im Art. 27 HLKO kodifiziert. Dort heißt es im Abs. 1:

Bei Belagerungen und Beschießungen sollen alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um die dem Gottesdienste, der Kunst, der Wissenschaft und der Wohltätigkeit gewidmeten Gebäude […] so viel als möglich zu schonen, vorausgesetzt, dass sie nicht gleichzeitig zu einem militärischen Zwecke Verwendung finden.

Zusätzlich behandelt der Art. 56 Abs. 1 HLKO, Kulturgüter als Privateigentum und verbietet jegliche Beschlagnahme, mutwillige Beschädigung oder Zerstörung dieser (Abs. 2). Ausdrücklich verboten werden auch Plünderungen (Art. 28 HLKO).

2. Bewertung der Schutzwirkung

Aus der Systematik der HLKO lässt sich herauslesen, dass der Vertrag mit seinen Verpflichtungen dem Gedanken der Reziprozität folgt. Die Pflichten sind so konstruiert, dass sowohl dem Angreifer als auch dem Verteidiger gleichermaßen Verpflichtungen auferlegt werden. Sowohl in den allgemeinen Bestimmungen als auch im Art. 27 HLKO sind die Ausnahmetatbestande der militärischen Nichtnutzung als Voraussetzung für rechtmäßige Wirkung des Schutzes nachgeschoben. Diese rechtliche Konstruktion ist durchaus sinnvoll, denn auf diese Weise werden für beide Seiten Anreize geschaffen ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen.

Die Formulierung des Wortlauts des Art. 27 HLKO fällt hingegen schwach aus. So wird der Angriff oder Beschuss von Kulturgut nicht etwa verboten, sondern es wird lediglich eine soweit mögliche Schonung verlangt.16 Eine solche Formulierung hinterlässt Interpretationslücken, wodurch sich die Rechtsfolgen nicht klar ableiten lassen. Auch die Rechtfertigung seitens des Täters wäre im Zuge der Subsumtion schwer überprüfbar und daher einfach zu bejahen. Den militärischen Belangen wird durch diese schwache Formulierung indirekt ein versteckter Vorrang vor Kulturgüterschutz gewährt. Die Schutzwirkung wird dadurch reduziert.17

Eine weitere Schwäche ergibt sich aus dem persönlichen Anwendungsbereich der HLKO. Art. 2 HLKO legt fest, dass die Bestimmungen des Vertrags nur zwischen Vertragsmächten Anwendung finden und nur dann, wenn die Kriegführenden sämtlich Vertragsparteien sind. Diese sogenannte „Allbeteiligungsklausel“ sollte ursprünglich verhindern, dass ein Staat im Konflikt mit mehreren anderen Staaten, gegenüber einigen von ihnen vertraglich gebunden ist und gegenüber anderen nicht, was einen reellen Nachtteil für bestimmte Parteien darstellen würde.18

Daher kann festgestellt werden, dass die HLKO zwar einen großen Fortschritt im Bereich des Kulturgüterschutzes bedeutete, ihre Bestimmungen jedoch nicht konsequent genug waren. Hierfür sprechen auch die unmittelbar darauf folgenden Ereignisse des Ersten Weltkrieges, die durch zahlreiche Zerstörungen von Kulturgut gekennzeichnet waren.19

II. Die Haager Konvention von 1954

Die Haager Konvention ist das erste eigenständige Vertragswerk, welches sich ausschließlich der Regelung des Schutzes von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten widmet.20 Ihre Entstehung lässt sich im Wesentlichen auf die negativen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zurückführen. Dies spiegelt sich in den Bestimmungen der Haager Konvention wieder. Die Verluste in diesem Konflikt lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen. Zum einen wurden diverse Kulturgüter, sowohl unbewegliche als auch bewegliche, mutwillig zerstört. Zum anderen kam es vielerorts zu rechtswidrigen Wegnahmen an beweglichem Kulturgut.21 Diesem Umstand Rechnung tragend erweitert die Haager Konvention den Schutzbereich nicht nur auf bewegliches und unbewegliches Kulturgut, sondern universalisiert es insgesamt, in dem sie vom „kulturellen Erbe aller Völker“ spricht.22 Dieser Leitsatz ist insofern als ein großer Fortschritt zu werten, als dass die Haager Konvention nicht den älteren Ideen aus dem 18. Jahrhundert folgt und dem Kulturgut den Sonderstatus res extra commercium zuweist,23 wobei der Staat weiterhin als Eigentümer auftritt. Sondern sie erklärt das Kulturgut zum Welterbe der gesamten Menschheit, wobei der Staat als Treuhänder erga omnes anzusehen wäre.24 Diese Überzeugung der Vertragsparteien ist von entscheidender Bedeutung. Sie nimmt abermals Konfliktparteien beider Seiten in die Pflicht. Die verteidigende Seite wäre somit gegenüber der gesamten Staatengemeinschaft verpflichtet Vorkehrungen zu treffen, um der Schädigung vorzubeugen und darüber hinaus das Kulturgut nicht militärisch zu nutzen, ohne sich auf die Eigentumsrechte25 berufen zu können. Die angreifende Seite wäre in ihren Angriffsmöglichkeiten gehemmt, denn sie würde nun nicht einfach nur feindliches Eigentum, sondern das Erbe aller Staaten schädigen. Allein diese Tatsache ist geeignet um Konsequenzen für den entsprechenden Staat zu erzeugen und dementsprechend eine höhere Schutzwirkung zu erreichen.26 Daher könnte angenommen werden, dass die Haager Konvention eher der Überzeugung des „cultural internationalism“ folgt.27

Darüber hinaus legt die Haager Konvention konkrete Einzelpflichten ausschließlich für den Kulturgüterschutz fest. Diese sollen im Folgenden näher betrachtet werden.

1. Einzelpflichten der Haager Konvention

Der Art. 2 der Haager Konvention unterteilt zunächst den Schutz des Kulturgutes an sich in zwei Bereiche: Sicherung und Respektierung.

Die Sicherung des Kulturgutes wird durch einige Präventivpflichten geregelt. Der Art. 3 der Haager Konvention verpflichtet die Vertragsparteien zu Ergreifung von einigen Sicherungsmaßnahmen für Kulturgut schon in Friedenszeiten. Die Art und Weise der Durchführung überlässt die Konvention gänzlich den Staaten. Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Herangehensweise der Staaten an diese Aufgabe sowie die Vielfältigkeit des Weltkulturgutes erscheint diese Regelung sinnvoll. Ein kleines Kontrollinstrument ist in Form einer Berichtspflicht vorgesehen, welche im Art. 26 Abs. 2 Haager Konvention festgelegt ist.

Ebenfalls zu den Sicherungspflichten gehören Maßnahmen der Verbreitung und Bekanntgabe der Konventionsregeln. Hierbei kommt den militärischen Maßnahmen aus dem Art. 7 Haager Konvention zu, welche die Staaten dazu verpflichten, ihr militärisches Personal, als die tatsächliche ausführende Kraft im Feld, entsprechend einzuweisen und zu schulen.28 Im Abs.

1 wird nochmals betont, dass das Kulturgut aller Völker geachtet werden soll.

Die Respektierungspflichten der Haager Konvention bilden den primären Kern des Schutzes unmittelbar im Konflikt selbst. Der wesentliche Artikel ist der Art. 4. Dort heißt es im Abs. 1:

Die Hohen Vertragsparteien verpflichten sich, das auf ihrem eigenen Gebiet oder auf dem Gebiet anderer Hoher Vertragsparteien befindliche Kulturgut zu respektieren, indem sie es unterlassen, dieses Gut und seine unmittelbare Umgebung sowie die zu seinem Schutz bestimmten Einrichtungen für Zwecke zu benutzen, die es im Falle bewaffneter Konflikte der Vernichtung oder Beschädigung aussetzen könnten, und indem sie von allen gegen dieses Gut gerichteten feindseligen Handlungen Abstand nehmen.

Im Art. 4 Abs. 2 Haager Konvention findet sich der Ausnahmetatbestand von der Respektierungspflicht, um der militärischen Notwendigkeit gerecht zu werden:

Die in Absatz 1 dieses Artikels erwähnten Verpflichtungen sind nur in denjenigen Fällen nicht bindend, in denen die militärische Notwendigkeit dies zwingend erfordert.

Bemerkenswert sind ebenfalls das ausdrückliche Verbot des Diebstahls, der Plünderung und der Beschlagnahme (Art. 4 Abs. 3), sowie das Repressalienverbot (Art. 4 Abs. 4). Des Weiteren ist das Schutzkonzept der Haager Konvention nunmehr zweistufig aufgebaut. Neben dem allgemeinen Schutz für alle Kulturobjekte aus dem Art. 4 wird zusätzlich Sonderschutz für Kulturobjekte hoher Bedeutung gewährt.29 Die Bedingungen des Sonderschutzes sind streng formuliert und schwer zu erfüllen.30 Dadurch konnten bisher nicht allzu viele Kulturgüter diesen Status erreichen.31 Der Sonderschutz gilt nicht absolut. Auch hier sieht die Haager Konvention im Art. 11 Abs. 2 einen Ausnahmetatbestand vor. Demnach muss für die Aufhebung des Schutzes eine „unausweichliche militärische Notwendigkeit“ bestehen. Die Entscheidung, wann eine solche vorliegt, obliegt mindestens einem Divisionskommandeur (Art. 11 Abs. 2 S. 2).32 Zusätzlich besteht im Bereich des Sonderschutzes eine Kennzeichnungspflicht (Art. 10),33 im Gegensatz zum allgemeinen Schutz, in welchem dies nur eine Kannbestimmung ist (Art. 6).

[...]


1 Vgl. statt vieler Berndt (1998): Internationaler Kulturgüterschutz: Abwanderungsschutz, Regelungen im innerstaatlichen Recht, im Europa- und Völkerrecht; Köln/Berlin/Bonn/München, S. 10.

2 Vgl. Schmidt-Radefeldt (2007): Internationaler Schutz von Kulturgütern in bewaffneten Konflikten - Eine Einführung, UBWV, S. 401-402.

3 Vgl. Berndt (1998), S. 14.

4 Vgl. v. Schorlemer (1992): Internationaler Kulturgüterschutz, Ansätze zur Prävention im Frieden sowie im bewaffneten Konflikt; Berlin, S. 259.

5 RGBl. 1910, 107.

6 in der Fassung vom 30.11.1993, BGBl. 1990 II 1551; 1997 II 1367.

7 BGBl. 1990 II 1637.

8 BGBl. 1967 II 1233.

9 BGBl. 1967 II 1300.

10 BGBl. 2009 II 716.

11 Herausragende Beispiele sind: Die Zerstörung der „alten Brücke“ von Mostar 1993, die Zerstörung der Buddah-Statuen von Bamiyan durch die Taliban 2001, die Plünderung des irakischen Nationalmuseums in Bagdad 2003 oder auch die Niederbrennung des Erzengelklosters im Bistrica-Tal nahe Prizren im Kosovo 2005.

12 Die „Lieber Codes“ waren Field Manuals für die Unionstruppen im US-amerikanischen Sezessionskrieg. Sie wurden auf Weisung des US-Präsidenten Abraham Lincoln als Versuch den Krieg zu humanisieren erlassen. Die Motivation entsprang wohl dem Schrecken des vorangegangenen Unabhängigkeitskrieges 1775-1783, sowie den Grausamkeiten in der Schlacht von Solferino 1859. Verfasst vom deutschstämmigen Juristen Francis Lieber flossen Teile der „Lieber Codes“ auch in die Haager Landkriegsordnung mit ein. Vgl. vollständig zu den „Lieber Codes“, Carnahan, (1998): Lincoln, Lieber and the Laws of War: The Origins and Limits of the Principle of Military Necessity; in: American Society of International Law, Vol. 92 No. 2 4/1998, S.213-231.

13 Vgl. Spieker (1990): Haager Luftkriegsregeln; in: Humanitäres Völkerrecht - Informationsschriften, S. 134.

14 Vgl. Präambel des IV. Haager Abkommen vom 18.10.1907, betreffend die Gesetze und Gebräuche des Landkrieges.

15 Wörtlich heißt es im Art. 23 Abs. 1 lit. g HLKO: „[…]außer in den Fällen, wo diese Zerstörung oder Wegnahme durch die Notwendigkeiten des Krieges dringend erheischt wird,“.

16 Vgl. Schmidt-Radefeldt (2007), S. 402.

17 Ebenda.

18 Vgl. v. Schorlemer (1992), S. 265.

19 Ebenda, S. 266.

20 Ebenda, S. 276.

21 So unterteilt z.B. Strebel (1955): Die Haager Konvention zum Schutze von Kulturgut im Falle eines bewaffneten Konfliktes vom 14. Mai 1954; ZaöRV 16, S. 35.

22 Vgl. Art. 1 Abs. a Haager Konvention, auch die Präambel der Haager Konvention spricht wörtlich von „In der Erwägung, dass die Erhaltung des kulturellen Erbes für alle Völker der Welt von großer Bedeutung ist und dass es wesentlich ist, dieses Erbe unter internationalen Schutz zu stellen; […]“.

23 Angewendet auf die Wegnahme-Problematik würde der Grundsatz des Römischen Rechts res extra commercium zwar Kulturgüter für unveräußerlich und verkehrsunfähig im Bereich des Handels erklären, beließe es aber ausdrücklich im nationalstaatlichen Besitz. Vgl. ausführlich zu diesem Thema Strebel (1955): Die Haager Konvention zum Schutze von Kulturgut im Falle eines bewaffneten Konfliktes vom 14. Mai 1954; ZaöRV 16, S. 36-38.

24 Vgl. v. Schorlemer (1992), S. 277; ebenso Schmidt-Radefeldt (2007), S. 402. Ausführlich zur Diskussion „cultural nationalism“ vs. „cultural internationalism“ vgl. Merryman (1986): Two Ways of Thinking About Cultural Property; in: AJIL 80, S. 831-853.

25 Sofern das fragliche Kulturgut als Eigentum des Staates angesehen werden würde, würde das Verbot einer militärischen Nutzung theoretisch mit dem Verfügungsrecht ius abusus kollidieren, was wiederum dem Schutzzweck entgegenstehen würde.

26 Als Beispiel könnte etwa die weltweite Empörung über die Zerstörung der Buddha-Statuen in der afghanischen Provinz Bamyan durch die Taliban dienen. Zwar reagierten die Taliban recht gelassen auf die internationalen Reaktionen. Dennoch hat es die Position der Staaten gegenüber den Taliban nur gestärkt.

27 Vgl. v. Schorlemer (1992), S. 277. Gegen die Unterscheidung zw. „cultural nationalism“ und „cultural internationalism“ vgl. Pabst (2008): Kulturgüterschutz in nicht-internationalen bewaffneten Konflikten, S. 81.

28 In der Bundesrepublik Deutschland sind die Umsetzungen in sämtlichen bedeutenden militärischen Vorschriften zu finden, u.a. in der HDv 100/100 „Truppenführung der Landstreitkräfte“ und im Speziellen in der ZDv 15/2 „Humanitäres Völkerrecht in bewaffneten Konflikten“.

29 Die Erlangung dieses Status muss beantragt und in einem speziellen Verfahren von der UNESCO in das „Internationale Register“ aufgenommen werden. Vgl. dazu Art. 8 Abs. 6 Haager Konvention. Näheres zur Aufnahmeprozedur regelt der Kapitel II der Ausführungsbestimmungen zur Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten 14.05.1954 BGBl. 1967 II 1300.

30 Neben den Formalitäten spielen auch vertragliche Bedingungen eine große Rolle. Die Bestimmung des Art. 8 Abs. 1 lit. a verlangt eine ausreichende Entfernung empfindlichen militärischen Objekten. Eine Bedingung, die für Kulturgüter innerhalb von Ortschaften kaum zu erfüllen ist.

31 Bislang nur vier weltweit und nur ein einziges in Deutschland (Oberrieder Stollen im Hochschwarzwald als zentraler Bergungsort für Kulturgüter). Vgl. dazu Schmidt-Radefeldt (2007), S. 403.

32 In der Regel einem General, der einen militärischen Verband in Stärke von ca. 10000 Soldaten befehligt.

33 Nähere Bestimmungen zur Kennzeichnung siehe Art. 16 und 17 Haager Konvention.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Respektierung von Kulturgut in bewaffneten Konflikten. Pflichten von Staaten und der Ausnahmetatbestand der „militärischen Notwendigkeit“
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Zentrum für internationale Studien)
Veranstaltung
Die Gefährdung des Weltkulturerbes durch bewaffnete Konflikte
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V307788
ISBN (eBook)
9783668063266
ISBN (Buch)
9783668063273
Dateigröße
914 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
respektierung, kulturgut, konflikten, pflichten, staaten, ausnahmetatbestand, notwendigkeit
Arbeit zitieren
Sergej Erler (Autor), 2014, Die Respektierung von Kulturgut in bewaffneten Konflikten. Pflichten von Staaten und der Ausnahmetatbestand der „militärischen Notwendigkeit“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307788

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Respektierung von Kulturgut in  bewaffneten Konflikten. Pflichten von Staaten und der Ausnahmetatbestand der „militärischen Notwendigkeit“



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden