Das Studium an der FernUniversität in Hagen ist etwas Besonderes und auch Einzigartiges in Deutschland. Hier kann theoretisch jeder ohne Hochschulzugangsberechtigung ein vollwertiges Hochschulstudium belegen und bestenfalls auch absolvieren. Hinzu kommt, dass man für ein solches Fernstudium weder umziehen noch regelmäßig Veranstaltungen besuchen muss, um im Lernprozess fortzuschreiten. So ist es möglich, dass man das komplette Studium bis auf wenige Ausnahmen (einzelne Pflichtveranstaltungen und Prüfungen) kom-plett von zu Hause aus machen kann. Dies hat entscheidende Vorteile für die Studierenden. Es wird dadurch ermöglicht, ein Hochschulstudium neben dem Beruf, der Erziehung von Kindern oder anderen Verpflichtungen zu absolvieren, ohne seinen ganzen Jahresurlaub dafür nehmen zu müssen.
Doch diese Freiheit, die Studierende an der FernUniversität haben, bedeuten nicht nur Vorteile. Es ist etwas Anderes, ob man mehrmals pro Woche den Campus einer Universität betritt, dort Kontakte zu anderen Studenten knüpft, mit diesen Lehrveranstaltungen besucht, Lerngruppen gründet, gemeinsam für Prüfungen lernt und essen geht, oder ob man im Prinzip sein ganzes Studium allein zu Hause an seinem Schreibtisch verbringt. Ein Fernstudium kann eine sehr einsame Angelegenheit sein. So gibt es oft nur den Studenten, die Studienbriefe und den PC. Im Normalfall sind da keine Kommilitonen, mit denen man sich regelmäßig treffen kann, weil diese über ganz Deutschland und teilweise sogar weltweit verteilt sind. Natürlich gibt es vereinzelt auch Präsenzveranstaltungen, bei denen man sich treffen kann. Aber diese halten sich so sehr in Grenzen, dass die Gefahr der Vereinsamung durchaus gegeben ist. Auch die Angehörigen, die man tagtäglich sieht, helfen da wenig weiter, weil sie im Normalfall keine Ansprechpartner für die Studieninhalte sind, mit denen man sich gerade befasst. Diese Vereinsamung im Studium kann die Motivation von Studenten deutlich beeinflussen und trüben.
Die Fernuniversität bietet natürlich Möglichkeiten an, um diesen Effekt der Vereinsamung zu verringern. So gibt es vor allem die Möglichkeit, online über die Lernplattform Moodle mit den Betreuern und Kommilitonen in Kontakt zu treten, zu kommunizieren und zu interagieren. Ferner gibt es Angebote wie das virtuelle Klassenzimmer, in welchem Studierende via Webcam, Mikrofon und Tastatur miteinander kommunizieren können. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Motivation als wichtiger Faktor im Hochschulstudium
2.1 Über den Motivationsbegriff
2.2 Der Begriff der extrinsischen Motivation
2.3 Der Begriff der intrinsischen Motivation
3 Soziale Integration als Prädiktor für Motivation und Studienerfolg
3.1 Die Vielfalt sozialer Integration im Hochschulstudium
3.2 Lerngruppen als Erfolgsfaktor
3.3 Die Besonderheit von Online-Lerngruppen
4 Prokrastination als Hemmnis für das Studium
4.1 Über den Prokrastrinationsbegriff
4.2 Humor als Moderator von Prokrastination
5 Vorstellung der Forschungsfrage und der Hypothesen
6 Empirischer Teil
6.1 Über die modulbezogenen Facebookgruppen
6.2 Experteninterviews als Erhebungsmethode
6.2.1 Entwicklung des Interviewleitfadens
6.2.2 Feldzugang
6.2.3 Transkriptionsregeln
6.3 Qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode
6.4 Interpretation der Ergebnisse
7. Handlungsempfehlungen
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Nutzung modulbezogener Facebook-Gruppen auf die Motivation im Studium der Bildungswissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Ziel ist es, durch eine qualitative Analyse aufzuklären, ob und wie diese Gruppen soziale Integration fördern, zur intrinsischen Motivation beitragen und als Puffer gegenüber Prokrastination fungieren.
- Rolle der sozialen Integration für den Studienerfolg
- Einfluss von modulbezogenen Facebook-Gruppen auf die Motivation
- Vergleich der Wirksamkeit von Facebook-Gruppen gegenüber der offiziellen Moodle-Plattform
- Moderierende Wirkung von Humor auf das Phänomen der Prokrastination
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Besonderheit von Online-Lerngruppen
Nachdem im letzten Abschnitt der Focus auf Lerngruppen im Allgemeinen lag, wird nun eine besondere Form der Lerngruppe betrachtet, nämlich die Online-Lerngruppe. Dass diese einen anderen Charakter hat als eine herkömmliche Lerngruppe, in welcher Studierende sich regelmäßig und leibhaftig begegnen, liegt auf der Hand. Was genau macht eine solche Gruppe aus?
Bader (2001) weist darauf hin, dass das gemeinsame Lernen im Internet einen Nachteil hat: „Die Möglichkeiten, die die Teilnehmer zur Koodination ihrer Zusammenarbeit online haben, sind gegenüber der Face-to-face Gruppenarbeit eingeschränkt“ (ebd., S.116). Auch de Witt & Czerwionka (2007) sehen gewisse Nachteile des netzbasierten kooperativen Lernens gegenüber der Face-to-Face-Kommunikation. Demnach könnten Probleme auftauchen, weil
• soziale Hinweisreize fehlen,
• es an sozialer Präsenz mangelt,
• eine Informationsüberlastung stattfindet,
• der Koordinationsaufwand groß ist oder
• technische Barrieren bestehen. (ebd., S.93)
Neben diesen Nachteilen bieten Online-Lerngruppen aber auch etliche Vorteile. Eine geeignete Übersicht hierzu bietet Bader (2001):
Ein Vorteil des netzbasierten kooperativen Lernens besteht für Bader darin, dass die Kommunikation auf die schriftliche Kommunikation beschränkt ist. Dies sieht heute natürlich anders aus, weil inzwischen andere mediale Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Dennoch findet in der Regel die hauptsächliche Kommunikation auch heute noch schriftlich statt. Der Vorteil an dieser Kommunikation ist für Bader die Tatsache, dass man sich auf diese Art besonders aktiv und konstruktiv mit den Lerninhalten auseinandersetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Besonderheiten und Herausforderungen des Fernstudiums an der FernUniversität in Hagen, insbesondere die Gefahr der Vereinsamung und die demotivierende Wirkung fehlender sozialer Kontakte.
2 Motivation als wichtiger Faktor im Hochschulstudium: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundlagen der Motivation und differenziert zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation als zentrale Prädiktoren für den Studienerfolg.
3 Soziale Integration als Prädiktor für Motivation und Studienerfolg: Hier wird der Zusammenhang zwischen sozialer Einbindung, der Bildung von Lerngruppen und dem Studienerfolg erörtert, wobei speziell auf die Vorteile und Eigenheiten von Online-Lerngruppen eingegangen wird.
4 Prokrastination als Hemmnis für das Studium: Dieses Kapitel definiert Prokrastination wissenschaftlich und untersucht das Potenzial von Humor als moderierenden Faktor gegen Aufschiebeverhalten im Studienalltag.
5 Vorstellung der Forschungsfrage und der Hypothesen: Die Arbeit stellt ihre zentrale Forschungsfrage vor und leitet drei Hypothesen ab, die den Zusammenhang zwischen Facebook-Gruppen, sozialer Integration, Motivation und Prokrastination fokussieren.
6 Empirischer Teil: Der empirische Teil beschreibt das qualitative Forschungsdesign mittels Experteninterviews, das Feld der modulbezogenen Facebook-Gruppen und die methodische Auswertung durch qualitative Inhaltsanalyse.
7. Handlungsempfehlungen: Basierend auf den Ergebnissen spricht der Autor Empfehlungen aus, wie die FernUniversität die Ressource "Facebook-Gruppen" anerkennen und die Moodle-Plattform benutzerfreundlicher gestalten könnte.
8. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, wonach Facebook-Gruppen die Motivation signifikant fördern und Prokrastination mindern, und regt weitere Forschungsschritte an.
Schlüsselwörter
Motivation, Intrinsische Motivation, Soziale Integration, Fernstudium, Facebook-Gruppen, Modulbezogene Lerngruppen, Prokrastination, Aufschieberitis, Humor, Moodle, Online-Kommunikation, Studienerfolg, Qualitatives Interview, Experteninterview, Bildungswissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich modulbezogene Facebook-Gruppen auf die Motivation von Studierenden der Bildungswissenschaft an der FernUniversität in Hagen auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Bedeutung sozialer Integration für den Studienerfolg, die psychologische Differenzierung von Motivation sowie die Auswirkungen von Prokrastination und die moderierende Funktion von Humor.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, aus der Sicht von studentischen Nutzern zu verstehen, welchen Einfluss der Austausch in Facebook-Gruppen auf die Studienmotivation und die soziale Integration im Vergleich zur offiziellen Lernplattform Moodle hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf Experteninterviews mit sechs Studierenden basiert, welche anschließend mittels einer zusammenfassenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Vorüberlegungen zu Motivation und Integration sowie einen empirischen Teil, der das Facebook-Gruppen-Phänomen detailliert beschreibt und die Ergebnisse der Expertenbefragung interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Fernstudium, soziale Integration, intrinsische Motivation, Prokrastination, Facebook-Gruppen, Online-Lernen und Studienerfolg definieren.
Warum wird Moodle von den Befragten oft kritisch betrachtet?
Moodle wird von den Befragten häufig als unübersichtlich, kompliziert und "steif" wahrgenommen, was die aktive Nutzung hemmt und teilweise sogar demotivierend auf die Studierenden wirkt.
Welche Rolle spielt Humor in den untersuchten Facebook-Gruppen?
Humor, insbesondere in Form von Ironie und Sarkasmus, wirkt laut den Befragten stressreduzierend, fördert den Zusammenhalt und die Motivation und trägt dazu bei, das Aufschieben von Studienaufgaben zu mindern.
- Arbeit zitieren
- BA Arne Gies (Autor:in), 2014, Über die Auswirkungen der Nutzung modulbezogener Facebook-Gruppen auf die Motivation im Studium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307793