Mobbing an Schulen. Ursachen, Beteiligte und Prävention


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 8 punkte

Anonym


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Definition/Begrifflichkeit
a. Mobbing
(1) Dauer und Intensität
(2) Beziehungsgefüge
(3) Machtverhältnis
b. Cyber-Mobbing

3. Persönlichkeitszüge der Beteiligten
a. Täterprofil
(1) Der aggressive Täter
(2) Der passive Täter (Mitmacher)
(3) Der ängstliche Täter
b. Opferprofil
(1) Der passive Opfer
(2) Der provozierende Opfer

4. Ursachen von Mobbing
a. Familiäre Bedingungen
b. Schulische Gewalt
c. Gruppenphänomen
d. Medien

5. Prävention
a. Maßnahmen auf der persönlichen Ebene
b. Maßnahmen auf der Klassenebene
c. Maßnahmen auf der Schulebene

6. Fazit

7. Literaturliste

8. Internetquellen:

1. Einleitung

Das Thema Mobbing sowie die Gewalt allgemein unter Schülern und Jugendlichen sind in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Medien berichten immer wieder von den brutalen Gewalttaten der Jugendlichen an den Schulen. Ganze Lehrerschaften sollen resigniert haben. Von amerikanischen Ausmaßen ist die Rede. Der moralische Zerfall der Jugendlichen wird angeprangert und die Schuldzuweisungen von Politik und Gesellschaft groß propagiert. Ursachen des moralischen Zerfalls wird im leichtfertigen Umgang mit den Medien gesucht. Die gewaltverherrlichenden Medien und Videospiele sollen ebenfalls Ihren Beitrag leisten. Mit jeder Berichterstattung gehen sowohl die Politik als auch die breite Öffentlichkeit auf die Suche nach Ursachen und Präventions- und Interventionsmaßnahmen.

Doch sind unsere Kinder und Jugendlichen gewalttätiger geworden? Sind sie grausamer geworden? Sind die Gewalttaten so enorm angestiegen?

In der vorliegenden Arbeit soll die Gewalt an Schulen, insbesondere Mobbing (Cyber-Mobbing) erläutert, Ursachen und Präventionmaßnahmen erörtert werden.

2. Definition/Begrifflichkeit

a. Mobbing

Für den Begriff „Mobbing“ gibt es keine eindeutige deutsche Übersetzung, was auch an der häufigen Verwendung des Wortes in der Fachliteratur ersichtlich wird.

„Mobbing“ bzw. „Mobbning“ ist ein Begriff, der in Skandinavien entstanden ist.[1] Er lässt sich von dem englischen Substantiv „mob“ ableiten, welches übersetzt „ Masse, Bande, Horde, Meute“ bedeutet bzw. von dem Verb „to mob“ (= anpöbeln, fertigmachen).[2]

Trotz des semantischen Ursprungs, findet das Wort „Mobbing“ im englischsprachigen Raum nur selten Verwendung. Insbesondere in Großbritannien und Irland wird der „Begriff „Bullying“ (engl. tyrannisieren) als Synonym benutzt. 1958 führte der deutsche Verhaltensforscher Konrad Loren das Wort Mobbing und die damit verbundene Definition in Deutschland ein. Er beschrieb damals das Angriffsverhalten einer Tiergruppe gegenüber einem einzelnen schwachen Tier. Doch erst durch die Arbeit von Heinz Leymann Ende der 70-er Jahre wurde die Thematik bekannt in Deutschland[3]. Seine Definition des Begriffs Mobbing konnte sich weitgehend durchsetzen.

In der Wissenschaft wird „Mobbing“ somit als systematische und wiederholte Gewalthandlung psychischer oder physischer Art verstanden, die das Ziel verfolgt, das Opfer sozial auszugrenzen und zu isolieren.

Dabei kann Mobbinghandlungen ebenso aktiv als auch passiv geschehen.

Aktive und körperliche Mobbinghandlungen sind z.B. körperliche Gewalt in unterschiedlichem Ausmaß, Diebstahl oder Beschädigung von Gegenständen oder im Unterricht erarbeiteten Materialen des Opfers, sexuelle Belästigung usw.

Passive und psychische Mobbinghandlung spielen sich im sozialen Gefüge der Schülerinnen und Schülern (im Folgenden SchülerInnen genannt) ab. Ausgrenzung von SchülerInnen aus der Schul- bzw. Klassengemeinschaft, Rufschädigung, Verpetzen, Zurückhaltung wichtiger Informationen usw. sind solche.

Mobbing findet in Zwangsgemeinschaften statt, wie die Schule, der Arbeitswelt o.ä. Überall dort, wo Betroffene sich der Gemeinschaft nicht ohne weiteres entziehen können, kann Mobbing auftreten[4]. Die Schule bietet einen festen Rahmen, dem sich das Opfer nicht entziehen kann, was die Wiederholung der Übergriffe erleichtert.

Um bestimmte Handlungen als Mobbinghandlungen einstufen zu können, müssen nach Gugl[5] folgende Merkmale gegeben sein:

(1) Dauer und Intensität

Mobbinghandlungen vollziehen sich über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate) hinweg. In diesen Phasen finden die negativen Handlungen wiederholt (mindestens zwei bis drei Episoden im Monat) statt. Der Zeitfaktor spielt eine große Rolle, denn Mobbing ist ein Prozess[6].

(2) Beziehungsgefüge

Die Beteiligten in einer Mobbinghandlung stehen in einer Beziehung zu einander und kennen sich. Der Täter führt diese Handlung mit Schädigungsabsicht durch[7]. Obwohl bestimmte Typen erkennbar öfter die eine oder andere Rolle im Gewaltgeschehen in der Schule annehmen, so ist oftmals die Täter- /Opferrolle nicht von einander zu trennen und vielmals auch ineinander übergehend[8]. Je länger ein Rollenverhalten andauert, umso höher ist das Risiko der Rollenidentifizierung und somit die Viktimisierung bis in das Erwachsenenalter. In der Regel sind mehr Personen in einer Mobbinghandlung involviert als der Täter und der Opfer. Mitwisser und Wegseher sind oftmals ebenso wie Erwachsene, die die Geschehensnisse als belanglos abtun involviert. Mobbing ist somit kein individuelles sondern ein soziales Phänomen und Problem[9].

(3) Machtverhältnis

Max Weber definiert Macht als Chance, seinen Willen durchzusetzen, gleichwohl worauf diese Chance beruht. Machtchancen lassen sich also nicht im Vorfeld strukturieren, sonder sind nur durch Formen des Zwangs markieren und bleiben[10]. Das Ungleichgewicht der körperlichen und psychischen Kräfte ist ausschlaggebend für die Mobbinghandlung. Das Opfer sieht sich nicht mehr in der Lage sich zu wehren[11].

Experten gehen davon aus, dass 5-11 % der SchülerInnen in Deutschland Opfer von Mobbinghandlungen werden. 5-9% erscheinen als Täter und eine geringe Zahl (2,3%) an SchülerInnen tritt sowohl als Täter als auch als Opfer auf[12]. Das Machtverhältnis ist dadurch begründet, dass die Beteiligten unterschiedliche Einflussmöglichkeiten auf die Situation haben. Dazu ist kein Rangunterschied nötig, das kann durch die bloße Anzahl bedingt sein: viele gegen einen.

b. Cyber-Mobbing

Mit dem Fortschritt der neuen Medien und der Technik erschein auch eine neue Form des Mobbing. Dieses Phänomen nennt sich Cyber-Mobbing oder auch Internet-Mobbing. Hier werden neue Techniken wie z.B. Email, Chats, Instant Messenger, Hadys oder auch Soziale-Netzwerke dazu benutzt, andere mit voller Absicht zu beleidigen, verletzen oder zu bedrohen, Gerüchte über Sie ins Netz stellen und ihnen damit Angst zu machen[13]. Wie auch beim Mobbing spricht man von Cyber-Mobbing, wenn diese Handlung bewusst einer Person gilt und über einen Zeitraum mehrfach erfolgt.

Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen der Mobbinghandlung in der realen Welt und in der Cyber-Welt sind aufschlussreich. Diese zeigen, dass 84% der Täter und 78% der Opfer auch in ihrer Bezugsgruppe der realen Welt diese Rolle eingenommen haben[14]. Der Anteil der Täter/Opfer ist Untersuchungen zur Folge jedoch in der Cyber-Welt entschieden höher, nämlich bei 32%. Dies liegt offenbar in der Anonymität des Internets. Hinter dem heimischen PC ist der Mut grösser und der Druck der Bezugsgruppe niedriger[15].

Das Unrechtbewusstsein ist in der Cyber-Welt weniger vorhanden als in der realen Welt, da die Beteiligten sich nicht gegenüber stehen. Dies bedeutet, dass der Täter u.U. die Auswirkungen seines Handels nicht einsehen kann, was oftmals zu einer enormen Härte der Handlung führt. Der Unterschied liegt weiterhin darin, dass hier die körperliche Überlegenheit oder die Stellung in der Bezugsgruppe keine Rolle spielen. Für die Opfer von Cyber-Mobbing bedeutet das, dass der geschützte Raum ihres Zuhauses wegfällt und die Angriffe, die in der Schule angefangen haben sie bis in ihr Zuhause verfolgen, was zu einer enormen psychischen Belastung führen kann[16].

Dabei sind die auftretenden Formen der Mobbinghandlung im Netz unterschiedlicher Art. Sogenannte Cyberthreats (Ankündigungen von Gewalt) sind ebenso wie Beleidigungen und Beschimpfungen keine Seltenheit[17]. Ein anderes Problem ist die sexuelle Belästigung im Netz. Anzüglichkeiten und Obszönitäten sind ebenso wie Identitätsklau sowie Missbrauch von persönlichen Fotos sind ein großes Problem der Cyber-Welt[18].

3. Persönlichkeitszüge der Beteiligten

Grundsätzlich kann jeder sowohl Opfer als auch Täter einer Mobbinghandlung werden. Doch bisherige Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale das Risiko der Beteiligung an einer Mobbinghandlung erhöhen. Oft sind die gleichen Faktoren ursächlich für ein Kind zu mobben oder gemobbt zu werden oder gar sowohl als Täter als auch als Opfer zu fungieren[19].

a. Täterprofil

Täter zeichnen sich häufig durch ein aggressives Verhalten aus. Ein typischer Mobber übt gerne Macht aus und hat ein starkes Selbstwertgefühl. Das Bedürfnis nach Kontrolle und Unterwerfung ist groß[20]. Er wirkt körperlich stärker und ist bei Mitschülern beliebter als das Opfer[21]. Mobbingtäter streben immer nach Dominanz und Überlegenheit und haben eine bejahende Einstellung in Bezug auf Gewalt, was das Mitleidempfinden mit dem Opfer sinken lässt[22].

Auf Grund der verschiedenen Intentionen, weshalb ein Kind zum „Mobber“ wird, kann ebenso zwischen verschiedenen Arten von Mobbing-Täter unterschieden werden[23].

(1) Der aggressive Täter

Der aggressive Täter ist selbstsicher, nach außen hin hart und unsensibel für die Gefühle anderer. Sie stehen gerne im Mittelpunkt und könne sich nicht unterordnen. Diese Tätergruppe fällt auch häufig durch anderes unsoziales Verhalten, wie z.B. Diebstahl oder Vandalismus auf. Dennoch sind diese Personen sehr einflussreich in ihrer Bezugsgruppe[24]. Damit jedoch diese Verhaltensweise ihre Festigung findet und die Wiederholung stattfinden kann, sind weitere Anreize und positive Reaktionen von Bedeutung[25]. Bewunderung, Zustimmung oder Respekt von Gleichaltrigem sind solche verstärkenden Anreize. Entgegen der häufig ausgesprochenen Mythen, dass „in einer Raue Schale ein weicher Kern“ steckt äußert sich Olweus. Seine Untersuchungen haben ergeben, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Die Täter waren ungewöhnlich ängstlich und unsicher[26].

(2) Der passive Täter (Mitmacher)

Wichtig ist zu erwähnen, dass es auch Tätergruppe gibt, die zwar an Mobbinghandlungen mitmachen, jedoch nicht die Initiatoren sind. Sie sind zwar nicht unmittelbar am Mobbinggeschehen beteiligt, doch ein wesentlicher Bestandteil dessen. Hierzu gehören, Sympathisanten, Zuschauer, Unterstützer sowie auch Nebenangreifer[27]. Hier finden sich ebenso aggressive als auch ängstliche Persönlichkeiten.

(3) Der ängstliche Täter

Die Gruppierung ist vorgesehen für solche die sowohl als Opfer als auch als Täter in Mobbinghandlungen involviert sind. Diese sind von den Beteiligten, die ausschließlich Opfer oder Täter sind, zu unterscheiden, da sie oftmals einer erhöhten psychosozialen Belastung ausgesetzt sind[28]. Aus Angst ausgegrenzt zu werden oder die Erfahrung, dass Täterverhalten nicht bestraft werden, eigenen sich diese Opfer das Verhalten des Täters an. Des Weiteren können Mobbinghandlungen auch unzulänglich verarbeiteten Opfererfahrungen sein, die sich in Vergeltungsakte widerspiegeln.

b. Opferprofil

Ebenso wie jeder Täter einer Mobbinghandlung sein kann, kann auch jeder Opfer werden. Jedoch scheint es so, als würden bestimmte Personen aufgrund ihrer Persönlichkeit und der Art und Weise ihres Auftretens häufiger Gefahr laufen, Opfer solcher Handlungen zu werden. Typische Opfer sind körperlich und verbal schwächer als ihre Peiniger und vermitteln den Eindruck der Unterlegenheit. Sie sind ängstlich und zurückhaltend[29]. Auch hier kann zwischen verschiedenen Arten von Opferprofilen unterschieden werden.

(1) Der passive Opfer

Diese Kategorie wehrt sich nicht und ist ein „leichtes Opfer“ für Quälereien der Täter[30]. Das Selbstbild ist negativ geprägt, was sich auch in der durchschnittlich bis schlechte Schulleistung widerspiegelt[31]. Einige Untersuchungen haben ergeben, dass diese Kinder eine unsicher-ambivalente Bildung zu ihrer Bezugsperson haben. In der Klassengemeinschaft werden sie eher abgelehnt[32].

[...]


[1] Kronenberger 2007, S.15

[2] Pocket Oxford-Duden German Dictionary © 2008 Oxford University Press: http://www.wordreference.com/ende/mob

[3] Leymann 1993, S. 21

[4] Gugl 2010, S.577

[5] eben da

[6] Leymann 1993, S. 21

[7] Olweus 2006, S. 60 f.

[8] Weißmann 2007, S. 40

[9] Gebauer 2007, S. 29

[10] Weber 1972, S. 28f.

[11] Olweus 2006, S. 60 f.

[12] Scheithauer u.a. 2003, S. 40

[13] Fawzi 2009, S. 32

[14] Riebel 2008, 66 ff.

[15] Karl E. Dambach 2011, S. 15 f.

[16] Riebel/Jäger 2009, S. 38 f

[17] Grimm/Clausen- Muradian 2009, S. 33

[18] Staude-Müller u.a. 2009, S. 43

[19] Lawson 1996, S. 44

[20] Gugel 2010, S. 581

[21] Wöbken-Ekert 1998, S. 60f.

[22] Korte 1993, S. 29/30

[23] Dutschmann 2004, http://www.drdutschmann.de/Mobbing.html

[24] Lawson 1996, S. 45

[25] Olweus 2002, S. 53 ff.

[26] Olweus 2002, S. 44

[27] Neuberger 1999. S. 200

[28] Scheithauer u.a. 2003, S. 26 f.

[29] Wöbken-Ekert 1998, S. 56 f.

[30] Lawson 1996, S. 52

[31] Olweus 2006, S. 42

[32] Schuster 2007, S. 90 ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mobbing an Schulen. Ursachen, Beteiligte und Prävention
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
8 punkte
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V307848
ISBN (eBook)
9783668061125
ISBN (Buch)
9783668061132
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mobbing, prävention, cybermobbing, intervention, bullying, cyber bullying
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Mobbing an Schulen. Ursachen, Beteiligte und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307848

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