Die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in der Jugendzeitschrift BRAVO

Ein Vergleich zwischen 2003 und 2013


Hausarbeit, 2014

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in der deutschen Jugendzeitschrift BRAVO – Ein Vergleich zwischen 2003 und
2.1 Theoretischer Teil
2.1.1 Jugendsprache
2.1.2 Anglizismen im Deutschen und in der Jugendsprache
2.1.3 Jugendsprache und Medien
2.1.4 Jugendsprache in der BRAVO
2.2. Empirischer Teil
2.2.1 Untersuchungsgegenstand, Methode, Auszählung
2.2.2 Auswertungen und Vergleich

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

Die Gewalt einer Sprache ist nicht, daß sie das Fremde

abweist, sondern daß sie es verschlingt. “ (J.W.v. Goethe)

Zusehends wird der Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache festgestellt und oftmals kritisiert. Dabei wird besonders die Jugendsprache als abschreckendes Beispiel genannt. Anglizismen gelten als typisches Charakteristikum der Jugendsprache. So bedienen sich vor allem Jugendzeitschriften wie beispielsweise die BRAVO dieser englischen Entlehnungen, um ihre Zielgruppe zu erreichen. Mit der zunehmenden Globalisierung und den neuen Medien als kommunikatives Masseninstrument scheint ein dominanter Anstieg von Anglizismen einher zugehen. Jugendsprache unterliegt einem stetigen Wandel. Hiermit müssen sich auch Jugendzeitschriften auseinandersetzen, denn was heute in ist, kann morgen schon wieder out sein. Aus diesem Grund muss die BRAVO immer am Puls der Zeit bleiben und aktuelle Tendenzen der Jugendsprache aufgreifen. Mithilfe eines sprachanalytischen Vergleichs von jeweils drei Exemplaren aus den Jahren 2003 und 2013 soll in dieser Arbeit untersucht werden, welche Veränderungen sich innerhalb der letzten zehn Jahre hinsichtlich der Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen konstatieren lassen. Ich gehe davon aus, dass in der heutigen BRAVO erstens mehr und zweitens andere Anglizismen verwendet werden.

Jugendsprache wurde zuerst in der Öffentlichkeit und besonders durch die Medien thematisiert und kritisiert. Im Laufe der Zeit weckte sie jedoch auch das wissenschaftliche Interesse. Aus diesem Grund sind zum spezifischen Sprechverhalten von Jugendlichen bislang eine Vielzahl an wissenschaftlichen Publikationen erschienen. Auch die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in den Medien wurde in der Forschung bereits ausführlich behandelt. Jedoch dienten selten Jugendzeitschriften als Untersuchungsgegenstand. Die bisherigen Publikationen zur BRAVO beschäftigen sich fast ausschließlich mit soziologischen oder psychologischen Aspekten. Die Sprache und im speziellen die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen stand hingegen kaum im Fokus der Sprachwissenschaft. Hierdurch lassen sich jedoch auch Rückschlüsse auf aktuelle Tendenzen der Jugendsprache ziehen. Diese Erkenntnisse sind also ebenfalls aus sprachwissenschaftlicher Sicht von Interesse.

Im theoretischen Teil wird zu Beginn dieser Arbeit Jugendsprache und deren Funktion behandelt. Anschließend folgt eine Definition des Begriffs Anglizismus, um daraufhin einen Blick auf die Verwendung im Deutschen und in der Jugendsprache zu ermöglichen. Daraufhin wird das Verhältnis zwischen Medien und Jugendsprache thematisiert. Im Anschluss soll die Jugendsprache in der BRAVO behandelt werden. Frau Schnarrenberger (Assistenz der BRAVO-Chefredaktion) und Herr Winzer (ehemaliger BRAVO-Redakteur und derzeitiger POPCORN-Chefredakteur) erklärten sich für ein Interview bereit und werden hier zu Wort kommen. Im folgenden empirischen Teil wird das methodische Vorgehen erläutert, um nach der Auswertung die Ergebnisse für 2003 und 2013 miteinander zu vergleichen. Welche Veränderungen sich hinsichtlich der Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen zwischen den zehn Jahren konstatieren lassen, wird im abschließenden Fazit dargelegt.

2. Die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in der deutschen Jugendzeitschrift BRAVO – Ein Vergleich zwischen 2003 und 2013

2.1 Theoretischer Teil

2.1.1 Jugendsprache

Oftmals ist die Rede von der Jugendsprache. Besonders populärwissenschaftliche Publikationen, beispielsweise Jugendwörterbücher, erfreuen sich größter Beliebtheit. Aufgrund der unwissenschaftlichen und folglich zum Teil bedenklichen Vorgehensweise leisten sie hinsichtlich der spezifischen Sprechweise von Jugendlichen jedoch keinen Beitrag zu einer sachlichen Auseinandersetzung, sondern fördern vielmehr gängige Vorurteile. Zudem wird der Öffentlichkeit fälschlicherweise das Bild einer homogenen Jugend mit einer einheitlichen Ausdrucksweise vermittelt (Vgl. Chun 2007:76). Jugendliche teilen jedoch nicht zwangsläufig die gleichen Interessen und Werte und können sich in vielerlei Hinsicht stark voneinander unterscheiden. Auch die Ausdrucksformen von Jugendlichen werden von unterschiedlichen Aspekten beeinflusst und können ebenfalls erheblich variieren. Genauso wie es also aus soziologischer Perspektive nicht die Jugend gibt, existiert auch keine universale Jugendsprache (Vgl. Schlobinski/Kohl/Ludewigt 1993:27). So erklären Dürscheid und Neuland:

Dass es d i e Jugendsprache als homogene Einheit nicht gibt, liegt auf der Hand. Nicht nur das Alter, auch das Geschlecht, die Szenezugehörigkeit, die regionale Herkunft, die Kommunikationssituation und viele andere Faktoren haben einen Einfluss auf den jugendlichen Sprachgebrauch. “ (Dürscheid/Neuland 2006:22)

Da sich die jugendspezifische Kommunikation komplex gestaltet, geht man in der sprachwissenschaftlichen Forschung mittlerweile überwiegend von einer Heterogenität der Jugendsprache aus (Vgl. Schlobinski/Kohl/Ludewigt 1993:11). Neuland spricht daher von „ Sprachgebrauchsweisen in einem multidimensionalen Varietätenraum “ (Neuland 2008:69). Hinsichtlich der Funktionen von Jugendsprache sind neben der Identitätsfindung, die soziale Identifikation und Stabilisation nach innen sowie die Distinktion nach außen zu nennen (Vgl. Androutsopoulos 1998:75; Busse 2001:148; Chun 2007:71; Muhr 2012:38). Jugendliche suchen Halt innerhalb ihres Jugendzirkels und grenzen sich bewusst von Erwachsenen ab. Neben der Kleidung und dem Verhalten instrumentalisieren sie hierfür auch die Sprache und bringen so ihre revoltierende Haltung zum Ausdruck. So weisen die typischen Charakteristika der Jugendsprache grundsätzlich Abweichungen von der Standardsprache der Erwachsenen auf (Vgl. Neuland 2003:134), denn die „ Abkehr von der Erwachsenensprache ist [gleichzeitig] immer auch eine Abkehr von den Normen und Werten der Erwachsenenwelt “ (Chun 2007:71). Letztlich zeigt sich, dass ein voreiliges Pauschalurteil der Jugend und ihrem Sprachgebrauch nicht gerecht wird. Obgleich es nicht die Jugendsprache gibt, sondern lediglich das Sprechen von Jugendlichen, weist der „ Jugendton “ (Henne 1986:215) dennoch typische Merkmale auf, darunter der Gebrauch von Anglizismen.

2.1.2 Anglizismen im Deutschen und in der Jugendsprache

Die englische Sprache fungiert mittlerweile als weltweit größte Gebersprache und wird aus diesem Grund oftmals als Lingua franca bezeichnet (Vgl. Hoberg 2000:303; Busse 2008: 40; Eisenberg 2011:45; Muhr 2012:37). Der Anteil an Anglizismen im Deutschen steigt kontinuierlich an (Vgl. Busse 2008:38) und mit ihm die zunehmende Kritik. Oftmals werden die englischen Entlehnungen als Anzeichen für den Verfall der deutschen Sprache gesehen. Im Historischen Wörterbuch für Rhetorik findet sich für den Begriff Anglizismus folgende Definition:

Anglizismen sind Ausdrücke und Konstruktionen einer Sprache, die durch direkte Übernahme oder Nachbildung aus dem Englischen geformt wurden. Es handelt sich also um Entlehnungen aus der Gebersprache Englisch, deren Elemente oder Strukturen in eine Empfängersprache (Deutsch, Französisch, Spanisch) aufgenommen werden. “ (Muhr 2012: 37)

Bei Entlehnungen muss vorab zwischen Fremdwort und Lehnwort differenziert werden. Bei einem Fremdwort handelt es sich um „ Lexeme oder Lexemverbindungen, die aus einer Fremdsprache übernommen und im Deutschen ohne phonologische, orthographische, morphologische und semantische Veränderung gebraucht werden und deren fremde Herkunft sich deutlich [...] erkennen lassen “ (Yang 1990:11). Wörter wie beispielsweise Keks, Brise oder Streik wurden zwar ebenfalls aus dem Englischen entlehnt, kommen dem Normalsprecher hingegen nicht fremd vor. Hierbei handelt es sich nicht um Fremdwörter, sondern um Lehnwörter, die sich bereits vollständig in den deutschen Kernwortschatz integriert haben (Vgl. Eisenberg 2011:32; Yang 1990:11; Viereck 1980:11). Zudem können Hybridbildungen in Form von Mischkomposita auftreten. Sie setzen sich aus einem englischen und einem deutschen Bestandteil zusammen. Viereck spricht hier von Teilsubstitutionen (Vgl. Viereck 1980:15f.). Einen Sonderfall stellen sogenannte Scheinentlehnungen wie beispielsweise Handy, Dressman oder Showmaster dar, denn diese Ausdrücke wurden zwar mit englischem Wortmaterial gebildet, existieren jedoch nicht in der Gebersprache und sind folglich dem englischen Muttersprachler fremd (Vgl. Hoberg 2000:207; Busse 2001:138f.). Solche Scheinentlehnungen werden häufig auch als Pseudoanglizismen, Pseudofremdwörter, Falsefriend oder Fauxami bezeichnet.

Grundsätzlich ist es schwierig, zwischen britischer und amerikanischer Herkunft zu unterscheiden (Vgl. Zürn 2001:64; Busse 2008:41f.). Deshalb wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit der Oberbegriff Anglizismus verwendet. Zudem muss eingeräumt werden, dass die Forschung bislang keine einheitlichen Kriterien aufgestellt hat, anhand derer man eine genaue Unterscheidung zwischen Fremdwort und Lehnwort sicherstellen beziehungsweise eine Identifizierung und Klassifizierung von Entlehnungen vornehmen kann. So finden sich teilweise stark voneinander abweichende Anglizismen-Typologien. Dies geht mit einem „ fast unübersehbare[n] Dickicht von Begriffen einher, das man für die eigenen Zwecke zu lichten hat “ (Eisenberg 2011: 29). Das daraus resultierende uneinheitliche Vorgehen erschwert nicht nur den sprachwissenschaftlichen Diskurs über den Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache, sondern ebenso die Feststellung einer genauen Anzahl der im Deutschen verwendeten Anglizismen. Außerdem gibt es hinsichtlich der Einordnung von Entlehnungen immer wieder Streitfälle und so resümiert Yang: „ [D]ie Scheidung zwischen Fremd- und Lehnwort [bleibt] dem Sprachgefühl überlassen. Eine endgültige Entscheidung ist [oftmals] nicht möglich.“ (Yang 1990:12).

Obgleich Entlehnungen aus dem Englischen auch in der Standardsprache vorkommen und somit ebenfalls von anderen Altersgruppen benutzt werden, gilt der häufige Gebrauch von Anglizismen vor allem als ein Charakteristikum der Jugendsprache (Vgl. Neuland 2003:134; Neuland 2007:264; Chun 2007:27). Hier muss erneut zwischen Lehnwörtern und Fremdwörtern unterschieden werden, denn Erwachsene verwenden überwiegend Lehnwörter, die bereits vollständig im deutschen Kernwortschatz integriert sind und deren fremde Herkunft oftmals nicht mehr ersichtlich ist. Jugendliche hingegen benutzen in ihrer Alltagskommunikation darüber hinaus besonders Fremdwörter, um „ eine Sache auf originelle (und dabei gruppenspezifische) Weise zu detonieren “ (Androutsopoulos 1998:579). Diese modernen Anglizismen können Personen außerhalb der jugendlichen Gruppe oftmals nicht verstehen. Dadurch werden sie bewusst aus dem Jugendzirkel ausgeschlossen. An dieser Stelle soll erneut auf die Abgrenzung nach außen und Stabilität nach innen hinsichtlich der Funktion von Jugendsprache erinnert werden. Die dominante Übernahme und Verbreitung des Englischen wird häufig mit der zunehmenden Globalisierung in Verbindung gebracht: „ Der Anteil an Anglizismen [nimmt] in dem Maße [zu], in dem sich die jugendkulturellen Szenen über den anglo-amerikanischen Markt globalisieren “ (Neuland 2008:134; Vgl. Busse 2008:40). Hierbei spielen besonders die Medien eine bedeutende Rolle.

2.1.3 Jugendsprache und Medien

Jugendsprache war bereits Gegenstand öffentlicher Diskussionen, noch bevor sie in der Wissenschaft thematisiert wurde (Vgl. Neuland 2007:261). Besonders durch die Medien verbreiteten sich in der Öffentlichkeit vor allem Negativurteile vom einsetzenden Sprachverfall bis hin zur Sprachlosigkeit bei Jugendlichen und trugen zu einem verzerrten Kollektivbild bei. Dabei kritisierte man besonders den häufigen Gebrauch von Anglizismen (Vgl. Spitzmüller 2006:42; Neuland 2008:5). Die Sprechweise von Jugendlichen wurde als abschreckendes Beispiel angeführt (Vgl. Neuland 2000:107). Im Laufe der Zeit weckte die Jugendsprache jedoch auch das wissenschaftliche Interesse. Die Sprachwissenschaft versuchte die gängigen Vorurteile zu widerlegen. Grundsätzlich muss jedoch festgestellt werden: Während die Forschung Sprachkontakt und Sprachwandel als einen normalen Prozess ansieht, entsteht durch die zu beobachtenden sprachlichen Veränderungen hingegen beim Normalsprecher oftmals der Eindruck vom Zerfall der deutschen Sprache.

Auf das wechselseitige Verhältnis zwischen der Jugendsprache und Medien wurde bereits des Öfteren hingewiesen (Vgl. Chun 2007:101; Schlobinski/Kohl/Ludewigt 1993:34). Neuland kommt zur Erkenntnis, „dass viele sprachliche Besonderheiten [der Jugendsprache] unter den Bedingungen der benutzten Medien (z.B. Jugendzeitschriften) zustande gekommen sind“ (Neuland 2003:137). Folglich prägt die mediale Ausdrucksweise das Sprechen von Jugendlichen. Aufgrund der neuen Medien kommt heutzutage ein weiterer Aspekt hinzu. Jugendliche bedienen sich mit größter Beliebtheit der neuen Medien (Vgl. Neuland 2008:134). Durch die neuen Instrumente der Massenkommunikation können Jugendliche nun auch untereinander kommunizieren und so ihre Ausdrucksweise formen. Deshalb muss zwischen dem Einfluss der Medien auf die Jugendsprache einerseits und die Nutzung der Medien für die Kommunikation innerhalb einer Jugendgruppe andererseits unterschieden werden:

Wenn vom Einfluss der Medien auf die Jugendsprache die Rede ist, dann sind damit die traditionellen Massenmedien gemeint: Radio, Fernsehen, Printmedien. Wenn dagegen gesagt wird, dass jugendliche die Medien zur Kommunikation untereinander benutzen, dann bezieht man sich auf die neuen Medien, genauer: auf das Internet und das Handy “ (Dürscheid 2006: 129)

Für meine Arbeit von Relevanz ist jedoch weniger die kritische Auseinandersetzung mit der Jugendsprache in den Medien und die Nutzung der neuen Medien durch Jugendliche, sondern vielmehr der eigene Gebrauch von jugendtypischen Ausdrücken wie Anglizismen von Medien wie der Jugendzeitschrift BRAVO. Dafür sollte vorerst der Einfluss der Medien auf die Jugendsprache und die Verbreitung durch Medien thematisiert werden. Die Standardsprache und Jugendsprache stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander und verändern sich ständig. Bei dem Prozess des sprachlichen Wandels nehmen Medien als Promotoren eine besondere Funktion ein:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Medien als Promotoren des sprachlichen Wandels (nach Neuland 2008: 84)

Medien bedienen sich der Standardsprache. Jugendliche greifen die Ausdrücke und Redewendungen aus ihrer medialen Erfahrung auf und integrieren sie in ihren gruppenspezifischen Wortschatz. Dabei werden die Ausdrücke oftmals zuerst auf spielerische oder ironisch-kritische Weise umgeformt und anschließend reproduziert (Vgl. Chun 2007:99). Hierdurch erfolgt die Stilbildung. Andererseits nehmen Medien wiederum die so entstandenen Wörter und Zitate der Jugendlichen auf und geben sie anschließend in abgeänderter Form an ihre Konsumenten weiter. Die Jugendsprache wird so von den Medien verbreitet und gelangt durch die Kommerzialisierung in die Standardsprache (Vgl. Chun 2007:105). Hierdurch entsteht ein Kreislauf. „ Insofern sind Medien primär Promotoren der Stilverbreitung, sekundär auch Promotoren der Stilbildung “ (Neuland 2008:88). Jugendzeitschriften stellen diesbezüglich einen Sonderfall dar, denn bei den Konsumenten handelt es sich ebenfalls um Jugendliche:

So betonen [Sprachwissenschaftler], dass jugendsprachliche Ausdrucksweisen häufig in den Medien, also z.B. in Jugendzeitschriften wie der Zeitschrift BRAVO, verwendet werden, dass Jugendliche ihrerseits aber auch häufig […] Medienzitate aufnehmen, sich also auf Äußerungen aus der Werbung, aus beliebten Kinofilmen, Liedern etc. beziehen und diese mimetisch zitieren oder spielerisch verfremden. “ (Dürscheid 2006: 118)

Ähnlich bewertet Auer den Prozess der Bildung und Verbreitung. Er hat sich speziell mit dem jugendsprachlichen Ethnolekt Türkenslang und dessen Transformation beschäftigt und unterscheidet zwischen primären, sekundären und tertiären Ethnolekt. (Vgl. Auer 2002:256). Der medial-sekundäre Ethnolekt nimmt die Sprechweise der Jugendlichen (primärer Ethnolekt) auf, transformiert sie und gibt sie als eine medial vermittelte Form wieder. Dabei impliziert die „ mediale Verwendung des Ethnolekts […] immer die Usurpierung des primären Ethnolekts durch Personen, denen er nicht gehört “ (Auer 2002:256). Konsumenten nehmen nun diese Ausdrucksweisen entweder genauso oder in abgeänderter Form in ihren eigenen Sprachgebrauch mit auf (tertiärer Ethnolekt). Hierdurch wird der jugendspezifische Wortschatz verbreitet und kommerzialisiert. Dies fördert konsequenterweise auch die Übernahme und anschließende Verbreitung von Anglizismen (Vgl. Yang 1990:3; Henne 1986:198).

Zwar wird die Jugend und deren sprachliche Ausdrucksformen oftmals in der Öffentlichkeit und in den Medien kritisiert, dennoch kommt der Jugendlichkeit auch eine Prestigefunktion in unserer Gesellschaft zu (Vgl. Neuland 2000:121). Deshalb benutzen auch Erwachsene jugendtypische Anglizismen und fühlen sich hierdurch möglicherweise an ihre eigene Jugend erinnert oder glauben, sich durch einen „ juvenalisierenden Sprachgebrauch “ (Spitzmüller 2006:43) einen Teil ihrer Jugendlichkeit bewahren zu können. Die Medien und in besonderem Maße die Werbung haben längst die Jugendsprache als strategisches Verkaufsargument erkannt und tragen zu ihrer Verbreitung bei, indem sie sie selbst benutzen (Vgl. Chun 2007:95; Neuland 2008:86). Dennoch darf der Medienwortschatz nicht mit der authentischen Sprechweise von Jugendlichen gleichgesetzt werden (Vgl. Chun 2007:88). Die Medien stellen vielmehr eine Art sekundäre Jugendsprache dar.

2.1.4 Jugendsprache in der BRAVO

Die Jugendzeitschrift BRAVO versteht sich seit knapp 60 Jahren als Sprachrohr der Jugend und versucht „ sich konzeptionell immer wieder neu zu erfinden, [um] den Nerv der jeweiligen Jugendgeneration zu treffen “ (www.baueradvertising.de/bravo, gesichtet am 12.02.2014). Um dauerhaft auf dem Markt bestehen zu können, gilt es die Kernleserschaft zwischen 12 und 17 Jahren konstant zu erreichen und stetig neue Konsumenten zu akquirieren. Aus kommerziellen Gründen werden die Jugendlichen als eine homogene Gruppe aufgefasst, was sich nicht mit der wissenschaftlichen Annahme einer Heterogenität deckt. Da es sich bei der Jugendzeit um eine eine sehr kurzlebige Phase handelt, sehen sich besonders Jugendzeitschriften mit einer stark fluktuierenden Leserschaft konfrontiert und müssen am Puls der Zeit bleiben, um die aktuelle Jugendgeneration zu erreichen (Schnarrenberger 2014: Interview). Wir haben bereits festgestellt, dass sich die Ausdrucksformen von Jugendlichen ständig verändern. „ Darum kann das, was heute Jugendsprache ist, schon morgen die uncoolste Sache der Welt sein “ (Janken/ Niehues 1995:104). Die konzeptionelle Neuerfindung schließt demnach neben der Themenauswahl und dem Layout ebenfalls die sprachliche Gestaltung mit ein.

Zwar bekommt die Ausdrucksweise der BRAVO oftmals das Etikett der Jugendsprache attribuiert, jedoch müssen wir uns stets vor Augen führen, dass erwachsene Redakteure für jugendliche Konsumenten schreiben. Hier handelt es sich also nicht um eine „ Peer-to-Peer-Kommunikation “ (Dürscheid 2006:128). Dies verlangt eine klare Differenzierung zwischen authentischer Jugendsprache unter den Jugendlichen und künstlich erzeugter Jugendsprache in der BRAVO. Meistens scheitert ein Anpassungsversuch von Erwachsenen, denn Jugendliche können diese schnell entlarven. (Vgl. Spitzmüller 2006: 43; Janke/Niehues 1995:104). Hierdurch entsteht ein Problem, mit dem sich Jugendzeitschriften auseinandersetzen müssen. Zum einen sind die Redakteure nicht in der Lage, eine authentische Jugendsprache abzubilden. Zum anderen müssen sie in ihren Texten jugendsprachliche Ausdrücke benutzen, um für die Zielgruppe attraktiv und ansprechend zu sein (Chun 2007:83). Herr Winzer erklärt hinsichtlich dieser Problematik folgendes:

Wir sind uns dessen bewusst, dass wir als Erwachsene für Jugendliche schreiben und auch die Zielgruppe weiß, dass nicht Gleichgesinnte die Texte für sie schreiben. Dennoch ist es klar, dass man gängige Anglizismen wie das berühmte BFF benutzt. Es werden jedoch keine Anglizismen der Anglizismen wegen verwendet, sondern nur da, wo sie uns sinnvoll erscheinen. Das Beste wäre natürlich, wenn die Jugendlichen überhaupt nicht merken, dass Erwachsene für sie schreiben. “ (Winzer 2014: Interview)

Auch hier zeigt sich ein Widerspruch, denn einerseits marginalisiert er das Problem, indem er darauf hinweist, dass Jugendliche sich der erwachsenen Redakteure bewusst sind. Andererseits würde er sich wünschen, wenn die Konsumenten den Unterschied nicht wahrnehmen. Darüber hinaus ist interessant, dass es für die Mitarbeiter nach Informationen der BRAVO weder sprachliche Richtlinien, noch Fortbildungen zum Thema Jugendsprache gibt (Schnarrenberger 2014: Interview). Auch Herr Winzer äußert sich hierzu:

Zwar besuchen wir keine Fortbildungen oder benutzen Jugendwörterbücher, laden jedoch ab und an Schulklassen ein und bekommen so mit, wie Jugendliche miteinander sprechen. Zudem stellen die Neuen Medien, wie beispielsweise unsere facebook-Seite eine wichtige Quelle dar. Diese Erkenntnisse fließen natürlich in unsere Arbeit mit ein, denn Sprache ist eine stetige Entwicklung und so müssen wir versuchen immer auf der Höhe der Zeit zu bleiben. “ (Winzer 2014: Interview)

Diese Aussage ist in vielerlei Hinsicht kritisch zu bewerten. Es stellt sich die Frage, wie die Redakteure angemessen formulieren und auf der Höhe der Zeit sein können, wenn sie keine Schulungen besuchen. Darüber hinaus müssen die Informationsquellen kritisiert werden, denn man kann nicht davon ausgehen, dass sich Jugendliche in einer künstlich erzeugten Umgebung natürlich verhalten und authentisch miteinander kommunizieren. Möglicherweise ist sich Herr Winzer darüber nicht bewusst oder er versucht dieses Problem durch seine werbewirksame Aussage zu kaschieren. Am Ende zeigt sich, dass Jugendzeitschriften bestenfalls versuchen können, das Sprechverhalten ihrer Zielgruppe zu imitieren. Letztlich handelt es sich bei der Sprache der BRAVO jedoch um ein „ artifizielles und fiktives Sprachkonstrukt “ (Chun 2007:2), welches trotz größter Bemühungen keinesfalls als authentische Jugendsprache gelten darf. Letztlich besteht die Schwierigkeit für die sprachwissenschaftliche Forschung darin, „ zwischen echter Jugendsprache und künstlicher, medial vermittelter Pseudojugendsprache, wie zum Beispiel in Bravo und anderen Jugendzeitschriften, zu unterscheiden “ (Busse 2001:149). Obwohl wir die jugendsprachlichen Ausdrücke in der BRAVO mit der authentischen Sprechweise von Jugendlichen nicht gleichsetzen können, ist eine sprachliche Untersuchung dennoch von wissenschaftlichem Interesse, denn hierdurch lassen sich aktuelle Tendenzen und sprachliche Modeerscheinungen erkennen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in der Jugendzeitschrift BRAVO
Untertitel
Ein Vergleich zwischen 2003 und 2013
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
30
Katalognummer
V307877
ISBN (eBook)
9783668059825
ISBN (Buch)
9783668059832
Dateigröße
871 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anglizismen, jugendsprache, BRAVO, häufigkeit, verwendung, jugendzeitschrift, englisch einfluss
Arbeit zitieren
Daniel Konhäuser (Autor), 2014, Die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in der Jugendzeitschrift BRAVO, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307877

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