Das Reformpapsttum. Die Bekämpfung der Simonie unter Papst Leo IX.


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bekämpfung der Simonie unter Papst Leo IX
2.1 Biographie: Papst Leo IX
2.2 Begriffsdefinition: Simonie
2.3 Papst Leo IX. und der Kampf gegen die Simonie
2.3.1 Das Schaffen einer Agitationsgrundlage
2.3.2 Der Streit um die Gültigkeit der Sakramente

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das elfte Jahrhundert markiert in der Geschichte der westeuropäischen Kirche und des römischen Papsttums eine Periode wichtiger Veränderung. Es ist die Zeit des ausgetragenen Machtkampfes zwischen Weltlichkeit und Geistlichkeit. Die Missstände im Klerus, darunter vor allem der starke Einfluss der Laien, sollten mithilfe der Kirchenreformen bekämpft und letztlich beseitigt werden. Folglich geriet besonders die Simonie, neben der Priesterehe und der Laieninvestitur als Grundübel der Zeit verstanden, ins Visier der geistlichen Reformer.

Diese Seminararbeit behandelt die Bekämpfung der Simonie unter Papst Leo IX.. Sie soll der Frage nachgehen, welchen Beitrag sein Pontifikat für die kirchliche Reformbewegung im elften Jahrhundert geleistet hat. Als Quellen dienen Auszüge aus der Touler Vita Leos IX., Bibelstellen, die Schrift liber gratissimus und Briefe von Petrus Damiani sowie das Werk libri tres adversus simoniacos von Humbert von Silva Candida. Der Kampf gegen die Priesterehe und Laieninvestitur sowie die historischen Ereignisse rund um den Investiturstreit werden in dieser Arbeit nicht thematisiert.

Zwar wird Papst Leo IX. und dessen Bekämpfung der Simonie in historischen Standardwerken und Gesamtdarstellungen erwähnt, jedoch häufig nur sehr kurz abgehandelt. Durch die Masse an historischen Ereignissen und besonders durch das Agieren der nachfolgenden Päpste scheint sein Wirken häufig marginalisiert zu werden. Die Literaturlage zu den Kirchenreformen im elften Jahrhundert sowie zum Investiturstreit ist geradezu erschlagend und gibt den neuesten Forschungsstand wieder. Im Gegensatz dazu ist speziell die Bekämpfung der Simonie unter Papst Leo IX. wissenschaftlich bislang nur kaum behandelt worden.

Zu Anfang der vorliegenden Arbeit wird auf die Biographie von Papst Leo IX. eingegangen. Anschließend erfolgt die Definition des Begriffs Simonie. Hierbei soll die theologische Legitimationsgrundlage für den Kampf gegen den unzulässigen Handel verdeutlicht werden. Im darauffolgenden Kapitel wird zunächst begründet, warum sich die Reformbemühungen im frühen Mittelalter nicht durchsetzen ließen und die Bekämpfung der Simonie erst im Zuge des aufkommenden Reformpapsttums, besonders mit Papst Leo IX., zum Tragen kamen. Dafür wird das Schaffen einer Agitationsgrundlage thematisiert. Im Anschluss soll der Streit um die Gültigkeit der von Simonisten gespendeten Sakramente abgehandelt werden. Die Seminararbeit schließt ab mit einem Fazit.

2. Die Bekämpfung der Simonie unter Papst Leo IX.

2.1 Biographie: Papst Leo IX.

Am 21. Juni 1002 wurde Papst Leo IX. als Bruno von Egisheim-Dagsburg geboren. Er entstammte dem elsässischen Grafengeschlecht[1]. Unter Bischof Berthold von Toul[2] wurde er zum Kleriker erzogen und genoss eine Priesterausbildung. Im Anschluss beorderte ihn Kaiser Konrad II.[3] an seine Hofkapelle und weihte Bruno 1027 zum Bischof von Toul. Im Dezember 1048 wurde er von Heinrich III.[4] in Worms für die päpstliche Würde nominiert. Bruno hatte jedoch Bedenken, den Apostolischen Stuhl ohne die Annahme der kanonischen Wahl durch den Klerus und das Volk Roms zu besteigen.[5] In der Touler Vita Leos IX. schildert sich dies folgendermaßen:

„Und plötzlich wurde er von allen, ohne dass er etwas davon ahnte, dazu auserwählt, die Last der apostolischen Würde auf sich zu nehmen. Aus Demut suchte er sehr lange sich diesem Amte zu entziehen, und als er immer mehr gedrängt wurde, verlangte er drei Tage Bedenkzeit. […] Als er nun sah, dass er sich auf keine Weise dem Befehl des Kaisers und dem gemeinsamen Wunsch aller entziehen konnte, nahm er gezwungen das ihm auferlegte Amt in Anwesenheit von Gesandten der Römer an unter der Bedingung, dass er die einmütige und ohne Zwiespalt erteilte Zustimmung des ganzen Klerus und des ganzen Volkes von Rom erhalte.“ [6]

Daraufhin unternahm Bruno eine Pilgerreise nach Rom, wo die Akklamation ohne Schwierigkeiten erfolgte. Nach seiner Inthronisation am 12. Februar 1049 amtierte er fortan als Papst Leo IX. auf dem Stuhl Petri. Neben der Etablierung des päpstlichen Suprematieanspruchs zählten besonders die Bekämpfung der Simonie und Priesterehe zu seinen Reformzielen.[7] Dabei stellte jedoch weniger sein Reformprogramm selbst, sondern die Regierungspraxis ein absolutes Novum dar.[8] Im Zuge des süditalienischen Normanneneinfalls[9] zog Leo IX. mit seinem päpstlichen Heer gegen die Invasoren in den Kampf und musste am 18. Juni 1053 bei der Schlacht von Civitate eine schwere Niederlage verbuchen. Nach neunmonatiger Gefangenschaft im süditalienischen Benevent, kam der inzwischen kranke Papst nach Rom zurück und verstarb kurze Zeit darauf am 19. April 1054. Im Petersdom begraben, wurde Papst Leo IX. sogleich als Heiliger verehrt.[10]

2.2 Begriffsdefinition: Simonie

Unter Simonie wird der unzulässige Handel (Kauf oder Verkauf) mit geistlichen Dingen verstanden, darunter inbegriffen kirchliche Ämter und Weihen.[11] Die Legitimationsgrundlage für die Bekämpfung der Simonie sowie der Begriff selbst haben ihren Ursprung in der Heiligen Schrift. So stoßen wir in der Apostelgeschichte auf den negativ konnotierten Simon Magus[12], der sich die Spendung des Heiligen Geistes, zu welcher nur die Apostel befähigt waren, käuflich erwerben will. Daraufhin erwidert ihm Petrus, einer der zwölf Jünger, erzürnt:

„Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen. Du hast weder einen Anteil daran noch ein Recht darauf, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Wende dich von deiner Bosheit ab, und bitte den Herrn; vielleicht wird dir dein Ansinnen vergeben. Denn ich sehe dich voll bitterer Galle und Bosheit. […].“[13]

Des weiteren untersagt Jesus seinen zwölf Aposteln in der Aussendungsrede bei Matthäus[14] jeglichen Handel mit ihren geschenkten Abilitäten, denn „umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel“.[15]

Die Simonie geriet jedoch nicht erst im Zuge der kirchlichen Erneuerungsbewegung im elften Jahrhundert ins Visier des Klerus. Bereits Papst Gregor I. (590-605) verurteilte die Simonie als häretisch und sah eine Verurteilung nicht mehr nur bei einem im üblichen Sinne munus a manu, dem Erwerb geistlicher Güter durch Geld, gegeben. Darüber hinaus zählten nun zusätzlich bereits die Gewährung von Dienstleistungen und Gefälligkeiten aus einem Verpflichtungsgefühl heraus (munus ab obsequio) sowie das munus a lingua (bei Begünstigungen und Schmeicheleien) zum Tatbestand der Simonie.[16]

2.3 Papst Leo IX. und der Kampf gegen die Simonie

Trotz fortwährender Ablehnung blieb die Simonie jedoch vor allem in den ländlichen Niederkirchen des frühen Mittelalters weitverbreitet und stellte besonders durch die Entwicklung des Eigenkirchenwesens[17] letztlich mehr Regel als Ausnahme dar. In Folge dessen sahen sich die oftmals laikalen Eigenkirchenherren bezüglich der klerikalen Amtseinsetzung als Entscheidungsinstanz qualifiziert, wodurch sich eine simonistische Praxis sukzessiv in den Kirchenalltag manifestierte.[18]

Die resolute Bekämpfung der Simonie sollte erst infolge des beginnenden Reformpapsttums im elften Jahrhundert als wesentliche Triebfeder für die Umgestaltung und innere Erneuerung der Kirche fungieren. Unter den fortan amtierenden Pontifizes zeichnete sich besonders Papst Leo IX. als eifriger Reformer aus und nahm den Kampf gegen die Simonie durch seine aktive Kirchenpolitik in Angriff.[19] Damit gab er entscheidende Anstöße, welche ein schnell wachsendes und dynamisches Reformationspotenzial nach sich zogen und „eine lawinenartige Bewegung auslöste[n]“.[20]

2.3.1 Das Schaffen einer Agitationsgrundlage

Für die Durchsetzung seiner Reformziele, darunter besonders die Bekämpfung der Simonie, schlug Papst Leo IX. oftmals ungewöhnliche und neue Wege ein.

[...]


[1] Sein Vater Hugo von Egisheim war Graf im elsässischen Nordgau und ein Vetter von Kaiser Konrad II.. In: Krause, Hans-Georg (Hrsg.): Die Touler Vita Leos IX. In: Monumenta Germaniae Historica: Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi. Bd. 70. Hannover 2007, S. 88ff.

[2] Berthold, Bischof von Toul 996-1019

[3] Konrad II., deutscher König 1024-1039, seit 1027 Kaiser

[4] Heinrich III., deutscher König 1039-1056, seit 1046 Kaiser

[5] Laut Gresser: Ein absolut normaler Vorgang, der bereits bei den Päpsten Klemens II. und Damasus II. so gehandhabt wurde. In: Gresser, Georg: Die Synoden und Konzilien in der Zeit des Reformpapsttums in Deutschland und Italien von Leo IX. bis Calixt II. 1049-1123. In: Brandmüller, Walter (Hrsg.): Konziliengeschichte. Paderborn [u.a.] 2006, S. 11.; Nicht so: Drehmann, der dieses Prozedere dem antisimonistischen Programm Leo IX. zuschreibt. In: Drehmann, Johannes: Papst Leo IX. und die Simonie. Ein Beitrag zur Untersuchung des Vorstadiums des Investiturstreites. In: Goetz, Walter (Hrsg.): Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance. Heft2. Leipzig/Berlin 1908, S. 50-63. URL: http://archive.org/stream/ MN42021ucmf0#page/n3/mode/2up (Aufruf am 04.01.2013).

[6] Krause, Touler Vita, II c. 4 (2), S. 179ff.

[7] Vgl. Schieffer, Rudolf: L. IX.. In: Bautier, Robert-Henri (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. Bd. 5. München/ Zürich 1991, Sp. 1880f.; Seppelt, Franz Xaver [u.a.]: Geschichte der Päpste. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1964, S. 12.

[8] Dazu genauer in Punkt 2.3.1 Das Schaffen einer Agitationsgrundlage

[9] Näher dazu: Vgl. Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien. Köln [u.a.] 1997.

[10] Vgl. Dahlhaus, Joachim: Leo IX.. In: Kasper, Walter (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. Bd. 6. Frei- burg [u.a] 1997, Sp. 824f.; Jakobs, Hermann: Kirchenreform und Hochmittelalter 1046-1215. In: Bleicken, Jochen (Hrsg.): Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Bd. 7. München 1999, S. 20f.

[11] Vgl. Kempf, Friedrich [u.a.]: Vom kirchlichen Frühmittelalter zur gregorianischen Reform. In: Jedin, Hubert (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Bd. 3. Freiburg 1985, S. 391.; Guth, Hans-Jürgen: Simonie. In: Kasper, Walter (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 9 (2000), Sp. 607-608.; Zschoch, Hellmut: Die Christenheit im Hoch- und Spätmittelalter. Von der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts zu den Reformbe- strebungen des 15. Jahrhunderts. In: Rupp, Horst (Hrsg.): Zugänge zur Kirchengeschichte. Bd. 5. Göttingen 2004, S. 26f.

[12] (lat.) magus = (dt.) der Magier; Simon Magus wird aufgrund dieser Bibelstelle als Gründer aller Häresien, als Erzketzer gesehen. In: Scholtissek, Klaus: Simon Magus. In: Kasper, Walter (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. Bd. 9. Freiburg [u.a.] 2000, Sp. 598-599.; Zschoch, Reformbestrebungen, S. 26f.

[13] Apg. 8,20-24.

[14] Die AussendungsredeMt 9,35-11,1; Jesus ruft seine zwölf Jünger zu sich und gibt ihnen die Vollmacht, den Heiligen Geist zu spenden und somit die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Aus den zwölf Jüngern werden die zwölf Apostel, die vor der Entsendung letzte Anweisungen für die bevorstehende Mission bekommen.

[15] Mt.10,8-9.

[16] Vgl. Guth, Simonie, Sp. 607-608.; Kempf, Reform, S. 391.; Laudage, Johannes: Gregorianische Reform und

Investiturstreit. In: Erträge der Forschung. Bd. 282. Darmstadt 1993, S. 60.; Schieffer, Rudolf: Simonie. In:

Angermann, Norbert (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. Bd. 7. München 1995, Sp. 1922-1925.

[17] Die Eigenkirche war ein Gotteshaus, das dem Eigentum oder besser einer Eigenherrschaft so unterstand, dass sich daraus nicht bloß die Verfügung in vermögensrechtlicher Beziehung, sondern die volle geistliche Leitungsgewalt ergab. In: Carlen, Louis: Eigenkirchenwesen. In: Kasper, Walter (Hrsg.): Lexikon für Theolo- gie und Kirche. Bd. 3. München/ Zürich 1986, Sp. 527-528.; Stefansson, M.: Eigenkirchenwesen. In: Bautier, Robert-Henri (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. Bd. 3. Freiburg [u.a] 1995, Sp. 1705-1710.

[18] Vgl. Ebd.; Laudage, Reform, S. 61f.; Guth, Simonie, Sp. 607-608.; Zschoch, Reformbestrebungen, S. 27.

[19] Vgl. Laudage, Johannes: Priesterbild und Reformpapsttum im 11. Jahrhundert. In: Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte. Heft 22. Köln [u.a] 1984, S. 156f.; Laudage, Reform, S. 83.; Seppelt, Päpste, S. 13ff.; Weinfurter, Stefan: Canossa. Die Entzauberung der Welt. München 2006, S. 75ff.

[20] Kempf, Reform, S. 404.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Reformpapsttum. Die Bekämpfung der Simonie unter Papst Leo IX.
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V307880
ISBN (eBook)
9783668059900
ISBN (Buch)
9783668059917
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
simonie, kauf kirchenamt, kirchenamt, mittelalter, geschichte, papst leo ix, beitrag, reformbewegung, 11. jahrhundert
Arbeit zitieren
Daniel Konhäuser (Autor), 2013, Das Reformpapsttum. Die Bekämpfung der Simonie unter Papst Leo IX., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307880

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