Das Volkslied "Loch Lomond" und die schottische Unabhängigkeit


Essay, 2013

7 Seiten


Leseprobe

Das Volkslied Loch Lomond und die schottische Unabhängikeit

Aus deutscher Sicht gibt das Phänomen Runrig zunächst Rätsel auf. Die Folk-Rock Band gehört zu den bedeutendsten Band Schottlands, obwohl etwa ein Viertel ihrer Texte gälisch sind, einer Sprache, die bislang von einer verschwindend geringen Bevölkerungsgruppe gesprochen wurde. Die Außergewöhnlichkeit zeigt sich auch daran, dass es auf der ganzen Welt Runrig-Fanclubs gibt, die nicht nur Konzertkarten und andere Artikel, die auf dem freien Markt gar nicht erhältlich sind, verkaufen, sondern einen regelrechten Kult um die Band zelebrieren. Für deutsche Volksmusikgegner ist es vielleicht noch unverständlicher, dass der bedeutendste, wenn nicht bekannteste Song der Band ein schottisches Volkslied aus dem 19. Jahrhundert ist. Während Lieder wie Am Brunnen vor dem Tore hierzulande nur noch in verstaubten Hinterzimmern von uralten Männergesangsvereinen gesungen werden, war das Volkslied Loch Lomond die erste Single der jungen Band aus dem Jahr 1979. Im Jahr 2007 spielte Runrig dieses Lied mit einem Stadion voller Schottischer Fußballfans ein, wobei die Aufnahme im Rahmen eines Benefizprogramms sieben Wochen lang auf Platz eins in den schottischen Charts lief und in die Top Ten der Großbritanniencharts aufstieg. Loch Lomond wird in den Konzerten von Runrig traditionell am Schluss, als Höhepunkt gespielt.

Da Loch Lomond jedoch das einzige reine Volkslied des Repertoires ist, muss die Erklärung für den Erfolg oder das Geheimnis des Liedes quasi in sich selbst und nicht an dem musikalischen Genre liegen. Wenn man sich zuerst der Musik zuwendet, so wird man feststellen, dass das die Melodie äußerst einfach gehalten ist. So folgt nach einem Quartaufgang eine einfache Dreiklangmelodik, die sich oft an Terzen und Grundtönen orientiert. Der harmonische Verlauf folgt einer einfachen Kadenz. Die Vertonung soll im Laufe des 19. Jahrhunderts durch einen unbekannten Komponisten entstanden sein. Statt einem weitverbreiteten Irrglauben zu folgen, der auf Johann Gottfried Herder zurückgeht, wonach kein Komponist, sondern die Volksseele selbst ihre Lieder hervorbringe, sollte man Loch Lomond wohl einem Romantiker zuschreiben. Die Romantik, die das Lied einerseits zur Kunstform erhob, ging andererseits oft dazu über, Musik bewusst im Stile von Volksmusik zu schreiben. Auch das lyrische, historisch-nationale Thema des Gedichtes, das für Romantiker sehr interessant gewesen sein könnte, spricht für diese Vermutung. In der Dichtung finden sich dazu Parallelen. So tauchte im 18. Jahrhundert plötzlich ein angebliches schottisches Nationalepos unter dem Pseudonym Ossian auf.

Runrig interpretiert Loch Lomond im Stile einer langsamen Rockballade. Wechselnde rhythmische Beats und der markante Einsatz von verzerrten Gitarrenklängen lassen den Volksliedcharakter auf den ersten Blick in den Hintergrund treten. Als Zwischenteil komponierte Runrig eine auf Gälisch gesungen Melodie.

Da sich nach einer knappen musikalischen Analyse auch kein Grund für die außergewöhnliche Popularität des Liedes finden lässt, könnte als nächstes der Text ausschlaggebend sein. In der Version von Runrig gibt es drei Strophen:

By yon bonnie banks and by yon bonnie braes,

where the sun shines on Loch Lomond,

where me and my true love spent many days,

on the banks of Loch Lomond.

'Tis there that we parted in yon shady glen

On the steep sides of Ben Lomond.

But a broken heart knows no second spring,

so resigned we must be while were parting.

So you take the high road and I'll take the low road,

and I'll be in Scotland before you.

Where me and my true love will never meet again,

on the bonnie bonnie banks of Loch Lomond

Die vorherrschende Liebesthematik, verbunden mit nostalgischer Erinnerung wirken auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich. Die erste Strophe gibt eine freudige Beschreibung des Loch Lomond, eines schottischen Sees in der Nähe von Glasgow. Die Schönheit der Natur wird durch den gemeinsamen Aufenthalt der Liebenden gesteigert. In der zweiten Strophe wird eine Abschiedsszene beim Ben Lomond, einem nahegelegenen Berg geschildert. Die dritte Strophe weicht von den vorhergehenden deutlich ab. Es tritt nun ein Gegenüber auf, das direkt angesprochen wird. Beide Gesprächsteilnehmer sind offensichtlich nicht in Schottland, wollen aber dorthin zurückkehren. Während der Angesprochene die „high road“ nehmen kann, geht das lyrische Ich auf der schnelleren „low road“. Es sehnt sich bereits nach den Ufern des Loch Lomond, doch wird ein Treffen mit der Geliebten ausgeschlossen. Dass es sich hierbei offensichtlich um ein vergebliches Sehnen handelt, wird erst im letzten Vers des Gedichts thematisiert und verleiht der ganzen Geschichte einen Hauch von Tragik.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Volkslied "Loch Lomond" und die schottische Unabhängigkeit
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Autor
Jahr
2013
Seiten
7
Katalognummer
V307933
ISBN (eBook)
9783668061965
ISBN (Buch)
9783668061972
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Loch Lomond, schottische Unabhängigkeit, The Fortyfive, Volkslied
Arbeit zitieren
Philip Henri Unterreiner (Autor), 2013, Das Volkslied "Loch Lomond" und die schottische Unabhängigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307933

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