Der Spanisch-Amerikanische Krieg. Warum die Philippinen annektiert wurden und Kuba nicht


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kuba: Ein Protektorat der USA
2.1 Der Spanisch-Amerikanische Krieg: Intervention der USA
2.2 Errichtung eines Protektorats: Platt Amendment

3. Amerikanische Kolonie: Die Philippinen
3.1 Militärische Eroberung der Philippinen
3.2 Annexion der Philippinen

4. Die Philippinen: Ein „Sprungbrett“ nach China

5. Schluss

1. Einleitung

Der Spanisch-Amerikanische Krieg1 von 1898 wird in der Forschung als der Höhepunkt des US-amerikanischen Imperialismus angesehen und sicherte den USA den Aufstieg zur Großmacht.2 Nach dem Sieg der US-amerikanischen Streitkräfte im Pazifik sowie in der Karibik, wurde der ehemals spanische Kolonialbesitz aufgeteilt. Im Pariser Friedensvertrag von 1898 wurden die Philippinen durch eine Zahlung von 20 Millionen Dollar erworben. Kuba wurde formell unabhängig, jedoch durch die Aufnahme des Platt Amendment in dessen Verfassung zu einem Protektorat der USA.

In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, warum es zu dieser Differenzierung in der US-amerikanischen Expansionspolitik kam. Welche Gründe sprachen für beziehungsweise gegen eine Annexion Kubas? Wie gelang es der US-Politik ein Protektorat über Kuba zu errichten? Des Weiteren stellt sich die Frage, warum die Philippinen annektiert wurden, obwohl es starke anti-imperialistische Strömungen innerhalb der USA gab. Welche Interessen steckten hinter dem politischen Handeln? Welche Rolle spielten die Wirtschaft, das Militär beziehungsweise die Gesellschaft?

Bei der Beantwortung der Frage Kubas (Kapitel 2) erfolgt eine Untersuchung des Teller Amendment sowie des Platt Amendment, die als Stützpfeiler der kubanisch-amerikanischen Beziehungen zu sehen sind und zum Teil noch heute ihre Gültigkeit besitzen.3 Das dritte Kapitel („Eine US- amerikanische Kolonie: Die Philippinen“) widmet sich dem Umgang der USA mit den Philippinen, wobei eine kritische Betrachtung der Erklärung McKinleys erfolgt. Anschließend setzt sich das dritte Kapitel („Wirtschaftliche Expansion: Die Philippinen als „Sprungbrett“ nach China“) mit der Frage auseinander, welche Hoffnungen mit der Annexion der Philippinen verbunden wurden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Expansionspolitik der USA in den 1890er an wirtschaftlichen sowie sozialen Interessen orientierte und somit Sendungsbewusstsein oder rassistisches Überlegenheitsgefühl keine bestimmende Rolle spielten. Im Sinne des Informal Empire konnte ein großer wirtschaftlicher und politischer Einfluss auf Kuba ausgeübt werden, ohne hohe politische Verantwortung oder finanzielle Belastung zu übernehmen. Im Bezug auf die Philippinen war dies nicht möglich, da diese im Kontext der Erschließung eines neuen Absatzmarktes, China, zu sehen waren, der die Großmachtstellung der USA gewährleisten sollte.

2. Kuba: Ein Protektorat der USA

2.1 Der Spanisch-Amerikanische Krieg: Intervention der USA

Am 18. April 1898 stimmte der Kongress für den Joint Resolution, der die Antwort auf McKinleys War Massage darstellte. Mithilfe dieses Beschlusses wurde dem Präsidenten die Vollmacht erteilt, dem kubanisch-spanischen Konflikt, der seit 1895 erneut ausgebrochen war und großes humanitäres Leid verursachte, wenn nötig, militärisch ein Ende zu bereiten. Die USA sprachen sich für ein selbstständiges Kuba aus und forderten die Kolonialmacht Spanien auf, Kuba mit all seinen Streitkräften umgehend zu verlassen.4 Zwar war der Joint Resolution keine direkte Kriegserklärung der USA, da aber die Erfüllung der Forderungen für Spanien nicht möglich gewesen wäre, erklärte Spanien den Krieg. Um eine Annexion Kubas im Vorhinein auszuschließen, ging man auf den Gesetzesvorschlag des Senators von Colorado, Henry M. Tellers, ein. Der nach ihm benannte Teller Amendment besagte:

That the United States hereby disclaims any disposition or intention to exercise sovereignty, jurisdiction, or control over said island [Kuba], except for the pacification therof, and asserts its determination, when that is accomplished, to leave the government and controll of the island to its people.5

Mithilfe dieses Zusatzes wurden jegliche Annexionsbestrebungen der USA an Kuba ausgeschlossen. Vielen Amerikanern graute es davor, eine Insel zu annektieren, deren Bevölkerung zu einem Drittel afrikanischen Ursprungs war und größtenteils dem katholischem Glaube angehörte.6 Bei der Debatte nicht zu verachten ist zudem die Sorge vor der ungehinderten Einfuhr kubanischen Zuckers, der die heimische Zuckerindustrie gefährdet hätte. Der Anbau von Zuckerrüben in den USA war dem Zuckeranbau in tropischen Gebieten unterlegen.7 Tellers Vorschlag ist womöglich darauf zurückzuführen, dass in seinem Heimatstaat Colorado verstärkt Zuckerrüben angebaut wurden.8

Kursierten in den Zeiten vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg lange Zeit Pläne einer Annexion Kubas, so wurden in der Zeit danach eher wirtschaftliche enge Verbindungen angestrebt.9 Der Leitgedanke der Wirtschaftsexpansion bestand in einem Informal Empire, das auf ökonomischer Überlegenheit basierte. Anstelle von militärischer und politischer Verantwortung sowie finanzieller Belastung, die Kolonialbesitz mit sich zog, sollte informelle Herrschaft ausgeübt werden.10

Eine informelle Herrschaftsausübung war zumal möglich, da die Hegemonie der USA in der Karibik nicht gefährdet war. Somit stellte sich nur noch die Frage, wie es den USA gelingen sollte, ihren Einfluss auf Kuba zu etablieren.

2.2 Errichtung eines Protektorats: Platt Amendment

Nachdem Kuba von den USA besetzt worden war, beschloss im Jahre 1901 der US-Verteidigungsminister Elihu Root eine Reihe von Artikeln, die den zukünftigen Einfluss der USA auf Kuba bestimmen sollten. Bekannt wurde diese Gesetzesänderung unter dem Namen Platt Amendment, der auf den Vorschlag des Senators Orville H. Platt aus Connecticut zurückzuführen ist. Trotz starker Proteste wurde der Platt Amendment 1902 in die Verfassung Kubas mitaufgenommen.

Der erste Artikel des Platt Amendment ist im Sinne der Monroe Doktrin zu verstehen. Zukünftiger Einfluss anderer Großmächte auf Kuba sollte dauerhaft verhindert werden. Es wurde erklärt, „[t]hat the government of Cuba shall never enter into any treaty or other Compact with any foreign power or powers which will impair or tend to impair the independence of Cuba.“11 Hierbei wird das ausdrückliche Verbot jeglichen Einflusses einer anderen Macht, sei es formeller oder informeller Art, die Auswirkungen auf die Unabhängigkeit Kubas haben könnte, festgehalten. Aus dem dritten Artikel geht jedoch hervor, „[t]hat the United States may exercise the right to intervene for the preservation of Cuban independence, the maintenance of a government adequate for the protection of life property, and individual liberty“12. Die USA waren somit legitimiert jederzeit in Kuba einzumarschieren, wenn die Umstände dies erforderten. Es oblag den USA, wann ein solcher Umstand vorlag, der eine Intervention bedingte. Der Schutz des Eigentums war für die Vereinigten Staaten insofern von Bedeutung, weil amerikanische Investoren Kapital in Kuba investiert und kubanische Zuckerplantagen im Laufe der Zeit aufgekauft hatten.13 In den Jahren 1906 und 1917 demonstrierten die USA, dass sie vor Eingriffen in Kuba nicht zurückschreckten und sich hierbei auf den dritten Artikel des Platt Amendment beriefen.14

Das Recht der USA zu intervenieren, um die Unabhängigkeit Kubas zu garantieren, stieß auf kubanischen Widerstand. Paradoxerweise bezweckte der dritte Artikel, der die Unabhängigkeit Kubas garantieren sollte, genau das Gegenteil. Die Souveränität Kubas bestand nur formal. Um die „Unabhängigkeit“ Kubas zu garantieren, sollten Gebiete an die USA abgetreten werden, damit diese dort Militär- und Versorgungsstationen errichten konnten. In diesem Kontext war auch die Abtretung der Isle of Pines zu sehen, wie dem sechsten Artikel zu entnehmen ist.15

[...]


1 Korrekterweise müsste dieses Ereignis Spanisch-Amerikanisch-Kubanisch-Philippinischer Krieg lauten, wie es aus dem Beitrag Thomas G. Patersons hervorgeht: Vgl. Paterson, Thomas G.: US. Intervention in Cuba. 1898: Interpreting the Spanish-American-Cuba- Filipino War, in: The War of 1898, OAH Magazine of History, Bd. 12, Nr. 3 (1998), S. 5-

2 Vgl. Adams, Willi Paul: Die USA im 20. Jahrhundert, München ²2008 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 29), S.19.

3 Ein Beispiel dafür ist der US-Militärstützpunkt auf Guantanamo Bay.

4 Vgl. Joint Resolution, Nr. 24, 30. Stat. 738.

5 Siehe ebd.

6 Vgl. Offner, John L.: McKinley and the Spanish-American War, in: Going to War, Presidential Studies Quarterly, Bd. 3, Nr. 1 (2004), S. 55.

7 Vgl. Curti, Merle Eugene: An American history, Bd. 2, New York 1950, S. 316.

8 Vgl. ebd., S. 324.

9 Vgl. Wehler, Hans-Ulrich: Der Aufstieg des amerikanischen Imperialismus. Studien zur Entwicklung des Imperium Americanum, in: Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 10, hrsg. v. Helmut Berding u. a., Göttingen 1974, S. 192.

10 Vgl. Ders.: Der amerikanische Imperialismus vor 1914, in: Der moderne Imperialismus, hrsg. v. W.J. Mommsen, Stuttgart 1971 (Reihe Kohlhammer), S. 183.

11 Siehe The Platt Amendment, in: Treaties and Other International Agreements of the United States of America, 1776-1949, Bd. 8, hrsg. v. C.I. Bevans, Washington D.C. 1971 (United States Government Printing Office), S. 1116-17.

12 Siehe ebd.

13 Vgl. Curti, Merle Eugene: An American history, S. 311.

14 Vgl. De la Torriente, Cosme: The Platt Amendment, Foreign Affairs, Bd. 8, Nr. 3 (1930), S. 374f.

15 Vgl. The Platt Amendment, Artikel 6.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Spanisch-Amerikanische Krieg. Warum die Philippinen annektiert wurden und Kuba nicht
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der neueren Geschichte: A Republican Empire: Der US-amerikanische Expansionismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V307956
ISBN (eBook)
9783668060203
ISBN (Buch)
9783668060210
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
US-Imperialismus, Spanisch-Amerikanischer Krieg 1898, Platt Amendment, Teller Amendment, Open Door Policy, Kuba, Philippinen, Informal Empire
Arbeit zitieren
Arne Meiners (Autor), 2012, Der Spanisch-Amerikanische Krieg. Warum die Philippinen annektiert wurden und Kuba nicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307956

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