Hochfrequenzhandel. Segen oder Fluch?


Seminararbeit, 2014

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrundinformationen
2.1 Definition HFT
2.2 Wer betreibt HFT?
2.3 Bedeutung des HFTs

3. Strategien der Hochfrequenzhändler
3.1 Überblick über die verschiedenen Strategien
3.2 Marktbegünstigende Strategien
3.3 Marktmanipulative Strategien

4. Folgen
4.1 Debatte
4.2 Chancen des HFTs
4.3 Probleme und Gefahren des HFTs
4.4 Regulierungsansätze

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Michael Lewis vor wenigen Wochen sein neuestes Buch „Flash Boys“ vor- stellte, erzeugte er ein Aufsehen, das ihn selbst überraschte. In seinem Buch of- fenbarte Lewis die bisher verschwiegenen Machenschaften der Hochfrequenz- händler. Nicht nur die Wall Street ist seitdem in Aufruhr, auch das FBI und Jus- tizministerium haben daraufhin Ermittlungen eingeleitet (Buchter 2014).

Vielen mag der Begriff Hochfrequenzhandel, oder kurz HFT, bereits bekannt sein, jedoch wissen die meisten nichts oder nur sehr wenig darüber. Es handelt sich dabei um Händler, die über gewaltige Rechnerkapazitäten und hochkomplizierte Softwareformeln, sogenannte Algorithmen, verfügen, damit in Lichtgeschwindigkeit an den Finanzmärkten agieren und so hohe Gewinne erzielen. Und dies, laut Lewis, auf Kosten der klassischen Anleger (ebd. 2014).

Dabei scheuen die Hochfrequenzhändler keine Kosten. Zwischen den Rechenzen- tren in Chicago und New Jersey wurde ein Glasfaserkabel für 300 Millionen Dol- lar verlegt, nur um dadurch 6 Millisekunden Zeit für die Informationsübertragung einzusparen. Wer bereit war, einen Monatsbeitrag von 300,000 Dollar zu zahlen, konnte dafür von der neuen High-Speed Verbindung profitieren (FAZ 2014).

Dies ist wohl das erste Mal in der Geschichte, dass so hohe Summen an Geld ausgegeben wurden, nur um derart winzige Zeitvorteile zu erreichen. Die reichen Großanleger zahlen für Nanosekunden, während Klein- und Privatanleger nicht einmal eine Ahnung davon haben, dass Nanosekunden überhaupt einen Wert haben. Lange Zeit wussten selbst Großbanken, Hedge- und Investmentfonds nichts von den Machenschaften der Hochfrequenzhändler (ebd. 2014).

Die Meinungen und Haltungen zum Hochfrequenzhandel fallen dabei sehr unter- schiedlich aus. Befürworter sprechen von einer besseren Marktliquidität und Marktqualität (Ersen & Kröner 2012). Lewis dagegen geht sogar so weit zu be- haupten, die Aktienmärkte seien manipuliert (Lewis 2014). In einem jedoch sind sich alle Betrachter einig: HFT hat eine enorm hohe Profitabilität. Trotz der Bran- chenkrise 2008, in der sämtliche Unternehmen Verluste einfahren mussten, konn- te der amerikanische Hedgefonds Manager Dr. James Simons, dank dem Hoch- frequenzhandel, rund 2,5 Mrd. Dollar Gewinn verzeichnen (Aldrige 2009, S.1).

Zugegeben, der Hochfrequenzhandel mag äußerst reizvoll sein, jedoch keines- wegs harmlos. Dies wurde vor allem durch den Flash-Crash vom 6. Mai 2010 deutlich. Der Dow-Jones verlor dabei innerhalb weniger Minuten 1000 Punkte, um sich kurz darauf wieder zu erholen. Eine Studie, an welcher der Chefökonom der US-Derivateaufsicht CFTC beteiligt war, erkannte eine Mitschuld des Hoch- frequenzhandels am Flashcrash: Zwar sei der Auslöser des Crashs kein Hochfre- quenzalgorithmus gewesen, aber die Hochfrequenzhändler hätten durch ihr Han- deln den Crash erst möglich gemacht (Kirilenko et al., 2011, S.2ff).

Kurseinbrüche wie der Flash-Crash 2010 stellen sich meist ohne Vorwarnung binnen weniger Sekunden oder Minuten ein. Auch wenn sie oft von ebenso schnellen Kurserholungen abgelöst werden, existiert dennoch die Furcht, dass solche Computerprogramme einmal eine schwere und womöglich dauerhafte Baisse am Aktienmarkt einleiten, unter der auch viele langfristig orientierte Anle- ger leiden werden .

Um einen fundierten Einblick in den Hochfrequenzhandel zu erhalten, beschäftigt sich diese Seminararbeit mit dessen Arbeitsweise und zeigt auf, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind. Ziel der Arbeit ist es, die Frage „Hochfre- quenzhandel - Segen oder Fluch?“ zu beantworten. Die Ausarbeitung soll ein wis- senschaftliches Verständnis der Auswirkungen des Hochfrequenzhandels auf die Funktionsweise der Märkte und die dadurch implizierten positiven als auch nega- tiven Folgen vermitteln.

Zuerst sollen in Kapitel 2 ein paar wichtige Hintergrundinformationen zum Hoch- frequenzhandel gegeben werden, um zu verstehen worum genau es sich dabei handelt (2.1), wer Hochfrequenzhandel überhaupt betreibt (2.2) und welche Be- deutung dem Hochfrequenzhandel heute zukommt (2.4) . Danach beschäftigt sich Kapitel 3 etwas genauer mit den verschiedenen Strategien, der sich die Hochfre- quenzhändler bedienen. Zuletzt werden die Folgen des Hochfrequenzhandels aus- führlich analysiert. Dabei sollen sowohl die positiven (4.2) als auch die negativen Aspekte (4.3) sowie die daraufhin eingeleiteten Regulierungsansätze (4.4) be- trachtet werden.

2. Hintergrundinformationen

2.1 Definition HFT

Was ist Hochfrequenzhandel überhaupt? Obwohl der Begriff seit dem Flash- Crash am 6.Mai 2010 immerzu in den Medien auftaucht, sind sich Experten bis heute noch über keine allgemeingültige Definition einig. Im Allgemeinen bezieht sich der Begriff Hochfrequenzhandel auf das Kaufen oder Verkaufen von Wert- papieren mithilfe von Algorithmen, wobei der Gewinn hauptsächlich von der Handlungsgeschwindigkeit abhängt. Dabei können bereits wenige Millisekunden über Verlust oder Gewinn entscheiden. Eine genaue Definition, ab wann ein sol- cher Handel als hochfrequent gilt, ist jedoch nicht möglich. Hochfrequenzhändler werden daher an typischen Verhaltensweisen identifiziert (Durbin, 2010 S.5f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Charakteristiken des HFTs

Quelle: Eigendarstellung, vgl. Gomber et al. 2011 S.15

Der zentrale Wettbewerbsfaktor von Hochfrequenzhändlern ist die Geschwindig- keit, weshalb die Haltefristen beim Hochfrequenzhandel extrem kurz sind. Wäh- rend eines Tages kommt es kaum zum dauerhaften Aufbau von Positionen und über Nacht werden in der Regel keine Aktien gehalten. Durch den Einsatz immer moderner werdender und technologisch fortgeschrittener Computer und Software, hat sich der Hochfrequenzhandel in Geschwindigkeiten verabschiedet, die menschlichen Wahrnehmungen nicht mehr zugänglich sind (Brogaard, 2010, S. 4f). Eine Studie der Französischen Behörde Autorité des Marchés Financiers (AMF) zeigte, dass einige Hochfrequenzhändler ihre Order innerhalb von weniger als 10 Mikrosekunden (µs) abändern und dadurch teilweise Lebenszyklen von weniger als 7 µs erreicht werden (Grillet-Aubert, 2010, S.36).

Ihre Gewinne generieren Hochfrequenzhändler aus kurzfristigen Preisschwankungen von Finanzinstrumenten, indem sie Ineffizienten im Markt- beispielsweise eine Fehlbewertung- ausfindig machen. Da diese meist jedoch nur für einen kurzen Zeitraum existieren, ist eine schnelle Verarbeitungsgeschwindigkeit als auch eine kurze Latenzzeit1 von enormer Bedeutung (ebd. S.34).

Ein weiteres signifikantes Merkmal der Hochfrequenzhändler stellt ihr extremes Handelsvolumen dar. Da die Margen eines Trades sehr gering sind und meist nur wenige Cents betragen, müssen täglich Tausende von Trades durchgeführt werden, um dennoch ordentliche Gewinne zu erzielen (Durbin, 2010 S.6).

Des Weiteren charakterisieren sich einige Hochfrequenzhändler durch die Tatsache, dass sie auf eigene Rechnung Geschäfte machen. Ihr Ziel ist daher die intensive Nutzung von geringem Kapital in möglichst kurzer Zeit (ebd. S.35).

2.2 Wer betreibt HFT?

Hochfrequenzhändler sind keine homogene Gruppe sondern lassen sich anhand von Kriterien wie Status, Größe, Strategien, Operationsmarkt etc. in drei ver- schiedene Gruppen unterteilen. Die erste Gruppe sind die Globalplayer, dazu zäh- len die großen Investmentbanken Goldman Sachs und Credit Suisse. Sie zeichnen sich durch ihre enorme Eigenkapitalbasis aus und wenden meist ein weites Spekt- rum von Strategien an. Die zweite Gruppe besteht aus verschiedenen traditionel- len Finanzhäusern wie Hedgefonds, die sich besonders auf die Market-Making Strategie spezialisieren. Zuletzt gibt es noch eine Gruppe, die den Hochfrequenz- handel nur sekundär, beispielsweise für private Banking Dienstleistungen, nutzt (Grillet-Aubert, 2010, S.40).

2.3 Bedeutung des HFTs

Der Handel an den Börsen und anderen Handelsplätzen ist über die letzten Jahre mehr und mehr automatisiert worden. Besonders aktiv ist der Hochfrequenzhandel in den großen Märkten, also bei Aktien und Anleihen. Nach Angaben der TABB Group waren Hochfrequenzhändler bereits 2008 für mehr als die Hälfte des Handelsvolumens an den US-Börsen verantwortlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anteile des HFT am Aktienhandel Quelle: Eigendarstellung (vgl. TABB Group)

Wie auch aus Abbildung 2 deutlich wird, ist der Anteil des Hochfrequenzhandels am Aktienmarkt sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa im Ver- gleich zu früheren Jahren deutlich angestiegen (World Federation of Exchange 2013, S.2f). Einige Quellen gehen für 2013 sogar von einem Handelsvolumen von bis zu 70% an den US-Börsen und rund 40% in Europa aus (Schick 2014, S.73).

Doch nicht nur am Aktienhandel, auch auf den Rohstoffterminmärkten sind die Hochfrequenzhändler tätig. So schätzte der Präsident der US-Rohstoffterminbörse ICE den Anteil bei den „soft commodities“ (Kaffee, Kakao etc.) auf 10% (WEED Faktenblatt März 2013).

3. Strategien der Hochfrequenzhändler

3.1 Überblick über die verschiedenen Strategien

Die auf HFT spezialisierten Unternehmen bzw. Abteilungen von Großbanken wie Goldman Sachs, bedienen sich einer Reihe raffinierter Strategien, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Die dabei angewandten Algorithmen sind von hoher Komplexität. Man kann sie als vollautomatische Entscheidungsmechanismen be- schreiben, die eine Vielzahl unterschiedlichster Strategien beinhalten. Einige die- ser Strategien leisten einen positiven Beitrag zur Marktqualität und Marktliquidi- tät. Andere wiederum sind problematisch und werden oft missbräuchlich ange- wandt. Um über den Hochfrequenzhandel urteilen zu können, müssen daher die Einzelstrategien näher betrachtet werden. Im Folgenden werden einiger dieser Strategien etwas genauer betrachtet (Nagel 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Strategien des Hochfrequenzhandels2 Quelle: Eigendarstellung vgl. Nagel 2012, S.12

[...]


1 Übertragungsdauer, die benötigt wird, um eine Order an die Börse zu übermitteln bzw. Informationen von der Börse zu erhalten

2 Nicht erschöpflich. Einige Strategien sind oftmals auch unter anderen Namen bekannt.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Hochfrequenzhandel. Segen oder Fluch?
Hochschule
European School of Business Reutlingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V307962
ISBN (eBook)
9783668060227
ISBN (Buch)
9783668060234
Dateigröße
1111 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochfrequenzhandel, High-Frequency Trading, aktienhandel, börsenregulierung
Arbeit zitieren
Julia Maurer (Autor), 2014, Hochfrequenzhandel. Segen oder Fluch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307962

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