Die Arbeit beschäftigt sich mit Geschlechtsrollen-Verhalten und daraus resultierenden geschlechtsspezifischen Differenzen im bildnerisch-ästhetischen Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Die Basis sind die Ansätze der Genderforschung und psychologische Erklärungsansätze, die sich mit dem Zustandekommen von geschlechtstypischem Verhalten beschäftigen.
Obwohl die geschlechtsspezifischen Unterschiede in kognitiver Dimension zwischen Mädchen und Jungen in den letzten Jahrzehnten bis heute weitgehend verschwunden sind, bestehen sie in der Fähigkeits- und Verhaltensentwicklung weiterhin. Diese können auf dem Hintergrund sozialer Rollenbilder und Rollenerwartungen erklärt werden.
Daher widmet sich die Arbeit eingangs der terminologischen Klärung sowie der Beschreibung der Inhalte der Genderforschung und der sozialen, kognitiven und sozialpsychologischen Theorien. Darauf aufbauend werden im nächsten Teil die Auswirkungen des Geschlechtsrollen-Verhaltens im ästhetischen Bereich behandelt. Nach der Erläuterung der Dilemmata rund um die Bewertung von ästhetischen Arbeiten und der Beschreibung thematischer Präferenzen von Jungen und Mädchen zeigt die Analyse einiger konkreter Schülerarbeiten konkrete Phänomene der bildnerisch-ästhetischen Differenzen auf. Im Fazit werden Perspektiven für die pädagogische Arbeit im Kunstunterricht aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Geschlechter, Rollenerwartungen, Stereotypen
2.1.1. Geschlechterforschung
2.1.2. Geschlechtsrollen-Identität – Psychologische Erklärungsansätze
2.1.3. Die Entstehung geschlechtsspezifischen Verhaltens
2.2. Geschlechtsschemata im Kunstunterricht
2.2.1. Geschlechtsspezifische Sozialisation vs. ästhetische Sozialisation – das Bewertungsproblem
2.2.2. Geschlechtstypische Präferenzen
2.2.3. Geschlechtsspezifische inhaltliche und ausdrucksbezogene Differenzen im ästhetischen Verhalten
2.2.4. Gestaltungsdifferenzen am Beispiel einiger Arbeiten
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern geschlechtsspezifische Unterschiede das bildnerisch-ästhetische Verhalten von Kindern und Jugendlichen prägen, und analysiert die Rolle von Gender-Konstruktionen sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten im Kunstunterricht.
- Grundlagen der Genderforschung und sozialpsychologischer Erklärungsansätze
- Einfluss von Rollenerwartungen auf die ästhetische Sozialisation
- Analyse geschlechtstypischer Präferenzen in der Motiv- und Farbwahl
- Reflexion des „Doing Gender“ im schulischen Kontext
- Pädagogische Perspektiven zur Förderung von Gleichberechtigung im Kunstunterricht
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Geschlechterforschung
Der Begriff gender steht für das sozial konstruierte Geschlecht. In englischer Sprache können zwei unterschiedliche Begriffe das biologische und das soziale Geschlecht ausdrücken: sex und gender. Letzteres meint im Gegensatz zu sex, dem biologischen Geschlecht, die psychologische Geschlechterrolle oder das Geschlechterschema. In der Statistik wandelte sich die Geschlechtsvariable von einem biologischen Faktum zu einem Kulturkonstrukt. sex ist wesentlich für die Ermittlung des gender. In der Forschung wurde die Erstellung von Kategorien notwendig, die durch soziale, historische und kulturelle Betrachtungen geleitet werden. Durch Hinzunahme weiterer Variablen über Verhalten von Personen (gender) erhält die Geschlechtervariable sex größere Aussagekraft.
Im heutigen postfeministischen gender-Ansatz sind die Geschlechterverhältnisse zentral. Sein Ziel ist es, auf die Gestaltung letzterer Einfluss zu nehmen und die Zielgruppe Mann zu integrieren. Diese Forschung geht davon aus, dass persönliche Lebensgestaltung und Entfaltung dauerhafter Verhaltensweisen eines Individuums stärker durch die individuelle Geschlechtszugehörigkeit als soziale Kategorie (nicht als biologischer Fakor) bestimmt werden als durch seine Fähigkeiten. Geschlechterdifferenzen sind mit den Geschlechtsrollen in Verbindung zu bringen und „sind Ausdruck der Geschlechterverhältnisse in einer bestimmten Kultur“. Der gender-Ansatz vertritt die „These der aktiven Herstellung und symbolischen Aufrechterhaltung“ der Geschlechterdifferenzen und hinterfragt die Bedingungen, unter welchen geschlechtstypisches Verhalten, Geschlechtsrollen und Geschlechterstereotype entstehen. Diese These rückte seit den 1990er Jahren innerhalb der theoretischen Diskussionen ins Zentrum, nachdem zuvor Geschlechterdifferenz lediglich als gegebene Ursache betrachtet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Untersuchung der geschlechtsspezifischen Differenzen im künstlerischen Ausdruck unter Berücksichtigung psychologischer und soziologischer Theorien.
2. Hauptteil: Der Hauptteil beleuchtet die theoretischen Grundlagen der Geschlechterforschung, analysiert die Mechanismen der ästhetischen Sozialisation und untersucht anhand von Fallbeispielen konkrete Unterschiede in den Schülerarbeiten.
2.1. Geschlechter, Rollenerwartungen, Stereotypen: Dieses Kapitel führt in die zentralen Begriffe der Genderforschung ein und erläutert psychologische Ansätze, wie Rollenbilder und Erwartungshaltungen das Verhalten formen.
2.1.1. Geschlechterforschung: Hier wird die Differenzierung zwischen biologischem Geschlecht (sex) und sozial konstruiertem Geschlecht (gender) theoretisch fundiert.
2.1.2. Geschlechtsrollen-Identität – Psychologische Erklärungsansätze: Das Kapitel vergleicht soziale Lerntheorien, kognitive Entwicklungstheorien und sozialpsychologische Ansätze hinsichtlich ihrer Erklärungskraft für geschlechtstypisches Verhalten.
2.1.3. Die Entstehung geschlechtsspezifischen Verhaltens: Es wird untersucht, wie familiäre Umgebungen und soziale Gruppenbildung zur Festigung traditioneller Geschlechterrollen beitragen.
2.2. Geschlechtsschemata im Kunstunterricht: Dieses Kapitel thematisiert die Herausforderungen für Lehrkräfte bei der Beurteilung und Förderung von Schülern vor dem Hintergrund ungleicher geschlechtsspezifischer Voraussetzungen.
2.2.1. Geschlechtsspezifische Sozialisation vs. ästhetische Sozialisation – das Bewertungsproblem: Die Analyse zeigt auf, wie Lehrkräfte durch unbewusste Normen und Rollenerwartungen ästhetische Leistungen von Jungen und Mädchen unterschiedlich bewerten.
2.2.2. Geschlechtstypische Präferenzen: Es werden die unterschiedlichen Motivvorlieben in der Freizeit und im Kunstunterricht dargestellt, die sich in spezifischen Themenwahlen niederschlagen.
2.2.3. Geschlechtsspezifische inhaltliche und ausdrucksbezogene Differenzen im ästhetischen Verhalten: Dieses Kapitel vertieft die Analyse inhaltlicher Präferenzen und technischer Unterschiede in der Bildgestaltung bei Jungen und Mädchen.
2.2.4. Gestaltungsdifferenzen am Beispiel einiger Arbeiten: Anhand konkreter Aufgabenstellungen wird nachgewiesen, wie geschlechtsspezifische Erwartungen die visuelle Umsetzung und Gestaltung beeinflussen.
3. Fazit: Das Fazit fordert eine geschlechterbewusste Pädagogik, die bestehende Rollenmuster aufbricht und auf eine stärkere Individualisierung im Kunstunterricht setzt.
Schlüsselwörter
Geschlechterforschung, Gender Studies, ästhetische Sozialisation, Rollenerwartungen, Geschlechtsrollen-Identität, Kunstunterricht, Geschlechterdifferenzen, Doing Gender, Identitätsbildung, Motivwahl, Schülerarbeiten, Koedukation, Geschlechtergerechtigkeit, Sozialisation, Stereotypen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen das ästhetische Verhalten und die künstlerischen Ausdrucksformen von Kindern und Jugendlichen prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Genderforschung, der Einfluss von Sozialisation auf die Kunstproduktion sowie die kritische Reflexion von Bewertungsprozessen im schulischen Kunstunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Lehrpersonen für geschlechtsspezifische Polarisierungen zu sensibilisieren und Wege aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Pädagogik eine freiere Entfaltung der individuellen Kreativität ermöglicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse gender-theoretischer und psychologischer Ansätze sowie der qualitativen Betrachtung ausgewählter Schülerarbeiten als Fallbeispiele für geschlechtsspezifische Gestaltungsmerkmale.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erläuterungen zu Geschlechterrollen und deren Entstehung sowie in eine detaillierte Analyse spezifischer Phänomene im Kunstunterricht, wie Motivpräferenzen und Bewertungsproblematiken.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind „Doing Gender“, ästhetische Sozialisation, Geschlechterstereotype, Rollenerwartungen und das Ziel der „Undoing Gender“-Pädagogik.
Warum werden im Kunstunterricht oft Unterschiede zwischen den Arbeiten von Jungen und Mädchen wahrgenommen?
Laut Autorin liegt dies an früh internalisierten gesellschaftlichen Rollenbildern, die Jungen eher in Richtung Technik und Dynamik, Mädchen hingegen in Richtung Ordnung und Detailreichtum in der Motivwahl lenken.
Welchen Einfluss haben Lehrpersonen auf die Gestaltung der Kinder?
Lehrkräfte können durch ihre Bewertungskriterien, Kommentare und Erwartungshaltungen geschlechtsspezifische Verhaltensweisen entweder verstärken oder – durch gezielte Reflexion – neutralisieren und damit Freiräume für individuelle Ausdrucksweisen schaffen.
- Arbeit zitieren
- Kerstin Arand (Autor:in), 2015, Geschlechtsspezifische Differenzen im ästhetischen Verhalten von Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308053