Hospitäler in mittelalterlichen Klosteranlagen


Hausarbeit, 2015
7 Seiten
J. C. (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Historischer Kontext – Die Entstehung des Hospitals

3.Das Hospital „im Kloster“
3.1.Der Aufbau eines Hospitals
3.2.Die Angestellten in einem Hospital

4.Medizinische Versorgung

5.Fazit

6.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Sorge um die Schwachen muß vor allem und über alles getätigt werden [..].“1

Mit dieser Aussage appellieren die Benediktiner an ihre Mitmenschen, dass sie den Kranken helfen sollen, als wären sie selbst Christus.

Warum die Benediktinerregel in mittelalterlichen Klosteranlagen eine zentrale Rolle spielte, soll im Folgenden erläutert werden.

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Hospital in mittelalterlichen Klosteranlagen, in Hinblick auf die Entstehung des Hospitals, den Aufbau des Hospitals, sowie die Angestellten in einem Hospital und die gegebenen medizinischen Versorgungen.

Die Seminararbeit ist in sieben Teile unterteilt. Zu Beginn wird der Begriff des „Hospitals“ erläutert, da dieser in Bezug auf den damaligen Kontext anders gebraucht wurde als wir diesen Begriff heute verwenden. Im Anschluss werden der Aufbau, sowie die Angestellten eines Hospitals skizziert, um einen Überblick über den Alltag in einem Hospital zu gewinnen und ist gleichzeitig der Schwerpunkt dieser Seminararbeit. Die medizinische Versorgung wird ebenfalls erläutert, wobei dieses umfangreiche Thema hier nur am Rande behandelt werden kann. Abschließend wird ein Fazit auf Basis der Bearbeitung gezogen.

2. Historischer Kontext – Die Entstehung des Hospitals

Zum Verständnis des Hospitals in mittelalterlichen Klosteranlagen, muss man sich zunächst den Begriff des „Hospitals“ vor Augen führen, da die Bedeutung des Begriffs sich stark gewandelt hat und unsere heutige Vorstellung von einem Hospital nicht derjenigen des Mittelalters gleicht.

Der Begriff Spitäler kommt aus dem lateinischen cella hospitum, hospital und bedeutet Gastzimmer. Unter diesem Begriff verstand man im Mittelalter Einrichtungen, welche breit gefächerte caritative Aufgabenbereiche innehatten. Das Hospital war ursprünglich eine „Herberge“ für verschiedene Gruppen von schwachen, bedürftigen und obdachlosen Menschen.2 Jedoch entstanden diese nicht nur aus Barmherzigkeit, sondern auch als Mittel den Besitzanspruch im Jenseits zu erhöhen.3 Dazu im Folgenden mehr.

Die Hospitäler zur damaligen Zeit entstanden durch die moralische Verpflichtung der Christen und ihrer Nächstenliebe. Im Mittelalter, allen voran in Klöstern, galt die sogenannte Benediktinerregel:

„Die Sorge um die Schwachen muß vor allem und über alles getätigt werden, damit auf diese Weise in Wahrheit Christus und damit ihnen (den Schwachen) gedient werde.“4

Daran wird deutlich, dass die Anteilnahme christlich begründet wurde. Als eine Folge dessen wurden durch Caritative Unterstützung und hier allen voran Spenden, die Spitäler in Klöstern gegründet und gemeinnützig geführt. Natürlich gab es bereits in der Antike „Krankenanstalten“, aber hierauf möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen.

3. Das Hospital „im Kloster“

Das Kloster war im Mittelalter ein Ort, an dem das Gebot der Nächstenliebe gegenüber Kranken, Armen und Fremden zum Alltag gehörte.5 An einem weiteren Auszug, aus der Benediktinerregel wird deutlich, dass dies die Priorität eines jeden Klostermitglieds gewesen ist.

„[..] aber auch die Kranken mögen bedenken, dass man ihnen dient, um Gott zu ehren; [...] daher sei es die eine Hauptsorge des Abtes, dass sie unter keiner Vernachlässigung zu leiden haben.“ 6

Außerdem waren die wegweisenden Worte im 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums für die Klostermitglieder sehr wichtig:

„Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet. Ich war krank und ihr habt mich besucht.[…] Ich war hungrig und ihr habt mich gespeist.“ 7

Die praktische Umsetzung verlangte jedoch mehr als nur religiöse Überzeugung und guten Willen.8 Hierzu wird im Folgenden das Idealbild eines benediktinischen Klosters vorgestellt.

3.1. Der Aufbau eines Hospitals

Im Folgenden soll der Aufbau des Klosterplans von Sankt Gallen, welcher der Idealplan eines benediktinischen Klosters gewesen ist und um 820 im Kloster der Bodenseeinsel Reichenau entstanden ist,9 skizziert werden.

Am auffälligsten am Aufbau des Sankt Gallener Klosters ist wohl die große Klosterkirche, welche im Westen durch zwei Türme flankiert wurde. Im Westen befand sich außerdem der Vorratskeller und im Südwesten die Küche. Daran anschließend befand sich das Refektorium, der Speisesaal. Östlich des Kreuzgangs befand sich das Dormitorium, der Schlafsaal der Brüder und an der südöstlichsten Ecke ein gemeinschaftlicher Abort, welcher über eine natürliche Wasserspülung verfügte. All diese Räumlichkeiten bildeten den Kern der Klosteranlage, die Klausur, deren Betreten nur den Mitgliedern der Mönchsgemeinschaft vorbehalten war. Um diese Klausur herum waren noch einige weitere Gebäude. Neben den Wirtschaftshäusern waren dies vor allem, Hospitalanlagen im Osten und Westen. Eine Unterscheidung in drei Zuschnitte unterschiedlicher Einrichtungen beinhaltete im Südwesten das so genannte Hospitale Pauperum, in dem Arme, Pilger und sonstige Bedürftige versorgt wurden. Im Nordwesten lag das Hospitium, welches den wohlhabenden Gästen vorbehalten war, z.B. diese, die auf dem Pferd angereist waren. Das Infirmarium im Osten, hatte eine eigene Küche für die Kranken, sowie einen eigenen Speisesaal, eine eigene Kapelle, sowie Bade- und Aderlass Einrichtungen. Daneben befanden sich Unterkünfte für Ärzte und eine Apotheke. Ferner existierten bisweilen Unterbringungsmöglichkeiten für Schwerkranke in der Nähe des klösterlichen Kräutergartens im Nordosten.10

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Klosterkirche den Hauptteil dieses Klosters ausmachte und die Mönche von den Kranken und Beherbergten streng getrennt wurden.

3.2. Die Angestellten in einem Hospital

Zunächst gab es in mittelalterlichen Klosteranlagen und in den damit einhergehenden Hospitälern nur Mönche, welche die Kranken versorgten. Erst gegen Ende des Mittelalters wurden Spitalärzte angestellt bzw. Stadtärzte zum Spitaldienst verpflichtet und Spitalapotheken eingerichtet.11

Um durch ein paar Zahlen eine ungefähre Vorstellung darüber zu bekommen, wie viele Ärzte es in einem Hospital in der Anfangsphase gegeben hat, sollen im Folgenden einige Zahlen aufgeführt werden. In Frankreich waren zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert lediglich 105 von 1990 Ärzten in einem Hospital tätig. Davon waren 60 lediglich Vertreter und 45 universitär gebildete Ärzte. Am Hof der französischen Könige praktizierten im gleichen Zeitraum 355 Heilkundige, darunter 227 universitär gebildete Ärzte.12

In diesem „Vergleich“ zeigt sich deutlich, dass Geld - um die Ärzte zu bezahlen - eine große Rolle gespielt haben muss, da sich anscheinend nicht jeder einen Arzt leisten konnte.

Inwieweit die medizinische Versorgung eine wichtige Rolle spielte, soll im Folgenden erläutert werden.

4. Medizinische Versorgung

Bevor im Folgenden die medizinische Versorgung in Hospitälern erläutert wird, sollen einige Mutmaßungen der Krankheiten im Hospital angeführt werden.

Als Quelle der mutmaßlichen Krankheiten im Hospital dienten Rechnungsbücher aus Frankreich, wobei die Informationen hier beschränkt waren auf die Name und die Höhe der Bezahlung, sowie die Krankheiten. Für die Kontinuität und den Wandel der Behandlungsmethoden, sowie die Qualität dieser, gibt es keine aussagekräftigen Quellen. Vermutliche Krankheiten und Behandlungsmethoden in einem Hospital waren u.a.: Chirurgische Eingriffe, vornämlich Brüche und Amputationen, Brandwunden, Erfrierungen bis hin zu Leibschmerzen, Wassersucht und Fiebererkrankungen.13

Die heilkundige Versorgung der Kranken im Kloster, wurde unter den Mönchen durch den Infirmarius als Versorger der Kranken und einem Laienbruder als Gehilfe für diese Art der Versorgung zugesprochen. Die Heilung erfolgte auf der Grundlage der Diätetik.14

„Ein rechtes Maß an Licht und Luft, Essen und Trinken, Bewegung und Ruhe, Schlafen und Wachen, Stoffwechsel sowie Gemütsbewegung sollten demzufolge das Gleichgewicht der Körpersäfte und damit die Gesundheit wiederherstellen.“ 15

Sie verließen sich somit auf den Heilprozess der Natur. Die Anwesenheit von Ärzten und medizinischem Personal, wie in unseren heutigen Krankenhäusern, war nicht notwendig, da die Genesung von Gott allein ausging.16 Mit der Zeit „entwickelten sich“ Fachmänner in den Hospitälern, nämlich Ärzte und Bader. Der Arzt „ Medicus “ war durch ein Universitätsstudium eine angesehene Persönlichkeit und hatte eine bedeutende Position inne.17 Dieser musste einige Aufgaben übernehmen, wie sie mit den Aufgaben unserer heutigen Ärzte zu vergleichen sind.

5. Fazit

Auf der Grundlage der vorangegangenen Vergleiche lässt sich schließen, dass sich Kranke in Hospitälern, nur selten eine regelmäßige Behandlung leisten konnten und daher auch nur selten eine solche vorzufinden war. Die Hospitäler waren zunächst ein Ort für Arme und Bedürftige, galten jedoch trotz alle dem als Vorreiter für unsere heutigen Krankenhäuser. Welche Krankheiten behandelt wurden und welche Erfolge Ärzte mit ihren Heilmethoden erzielten ist unklar, da die Quellen nicht viel Aufschluss darüber bieten.

Grundlegende Eigenschaften eines „Arztes“ im Mittelalter lassen sich auf unsere heutigen Ärzte beziehen, da sich bereits im Mittelalter Ansätze und Parallelen feststellen lassen. Das umfangreiche Personal eines heutigen Krankenhauses mit seinen vielen fachspezifischen Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern hat sich mit der Zeit entwickelt und differenziert sich stark zur damaligen Zeit, in der ein Arzt mehrere Aufgaben und Krankheiten behandeln musste, obwohl er in diesen vielleicht nicht ausgebildet war oder für diese zuständig gewesen ist.

[...]


1 Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2012, S.22.

2 Lindgren, Uta, Art. Hospital, in: LexMa 5, Sp.133-136, München 1991.

3 Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2012, S.25.

4 Ebd. S.22.

5 Vgl. Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2012, S.21.

6 Ebd. S.22.

7 Ebd. S.21.

8 Vgl. ebd. S.23.

9 Vgl. Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2012, S.23.

10 Vgl. Ebd. S. 23.

11 Jankrift, Kay Peter: Herren Kranke, arme Siechen. Medizin im spätmittelalterlichen Hospitalwesen, in: Bulst, Neithard / Spieß, Karl-Heinz (Hrsg.): Sozialgeschichte mittelalterlicher Hospitäler, Ostfildern 2007, S.149.

12 Vgl. Ebd. S. 152.

13 Vgl. Ebd. S. 152.

14 Vgl. Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2012, S.25.

15 Vgl. Ebd. S. 25.

16 Vgl. Ebd. S. 25.

17 Vgl. Ebd. S. 25.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Hospitäler in mittelalterlichen Klosteranlagen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Geschichte)
Veranstaltung
Krankheit und Medizin im Mittelalter
Autor
Jahr
2015
Seiten
7
Katalognummer
V308065
ISBN (eBook)
9783668067974
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mittelalter, geschichte, krankheit und medizin, sankt gallen, benedektiner, klosterplan, hospital, krankenhaus, arme und bedürftige, medizinische versorgung, aufbau eines hospitals, entstehung und historischer kontext
Arbeit zitieren
J. C. (Autor), 2015, Hospitäler in mittelalterlichen Klosteranlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308065

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Hospitäler in mittelalterlichen Klosteranlagen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden