„Der Mensch hat sich einen neuen Lebensraum erobert: die digitale Welt.“ (Evsan 2009). Mit dem Internet hielt in den letzten zwei Jahrzehnten eine große Innovation im digitalen Bereich auf der gesamten Welt Einzug. Wir leben in einem Zeitalter, das maßgeblich durch Medien geprägt ist und in dem durch die Erfindung des Internets die Kommunikation revolutioniert wurde. Manche meinen sogar, dass mit dem Internet eine ganz neue Welt geschaffen wurde, die sich uns durch das World Wide Web eröffnet und aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Internetnutzer sprechen enthusiastisch über die neuen Möglichkeiten, die das eigene Leben in vielen Punkten verändern. Die Kritiker hingegen heben den Werteverfall hervor, der sich ihrer Meinung nach im Zuge der Digitalisierung durch das Internet einstellte. Über den neuen Lebensraum, wie Evsan ihn beschreibt, kann nur eine Sache sicher gesagt werden: „Das einzige, was wir über die Zukunft des Internets wissen, ist, dass wir gar nichts über sie wissen.“ (Carey 1998)
Die Wissenschaft bietet viele Ansätze zur Analyse der Medien; und auch zum Internet existieren viele Analyseansätze. Dass es bei einer Frage zur Bezeichnung sowohl von Medien als auch dem Internet verschiedene Positionen gibt, ist also sicher. Wie das Internet nach bisherigem Forschungsstand zu kategorisieren ist, soll mit der Forschungsfrage, die dieser Arbeit zugrunde liegt, näher betrachtet werden: Kann das Internet als Medium bezeichnet werden?
Um sich der Beantwortung dieser Frage anzunähern, wird im ersten Teil der Arbeit der Begriff des Mediums näher untersucht. Hier wird speziell auf den Medienkompaktbegriff nach Siegfried J. Schmidt Bezug genommen, der viele Mediendefinitionen zusammenführt und somit eine fundierte Anwendungsbasis bereitstellt. Der zweite Teil der Arbeit widmet sich den Merkmalen des Internets. Nach einer Erklärung, was die Multimedialität und Interaktivität des Internets ausmacht, folgt eine Beschreibung seiner Struktur. Schließlich soll mit dem letzten Punkt, der Erläuterung des Internets als ein Hybridmedium, zum Fazit übergeleitet werden, in dem am Ende der Arbeit die eingangs formulierte Forschungsfrage beantwortet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Medienkompaktbegriff
2.1. Kommunikationsmittel
2.2. Medientechnologien
2.3. Institutionalisierung
2.4. Medienangebote
3. Internet
3.1. Interaktivität
3.2. Multimedialität
3.3. Netzstruktur
3.4. Hybridmedium
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf theoretischer Basis, ob das Internet unter Berücksichtigung des Medienkompaktbegriffs nach Siegfried J. Schmidt als Medium klassifiziert werden kann. Dabei wird analysiert, wie sich das Internet durch spezifische Merkmale in die bestehende Medienlandschaft einfügt.
- Theoretische Fundierung durch den Medienkompaktbegriff
- Analyse der Komponenten von Kommunikationsprozessen
- Charakteristika des Internets (Interaktivität, Multimedialität)
- Die Netzstruktur als Grundlage digitaler Kommunikation
- Das Internet als Hybridmedium
Auszug aus dem Buch
3.1. Interaktivität
Im Bereich der Online-Medien spielt die Interaktivität eine zentrale und neue Rolle: Die Nutzer partizipieren auf der gesamten Darstellungsplattform des Internets (vgl. Trappel 2007: 39). Es lassen sich zwei Arten der Interaktivität in Online-Medien herausbilden: die Möglichkeit, direkt mit den Kommunikatoren in Verbindung zu treten (mediatisierte Intervention), und die vergrößerte Möglichkeit, zwischen den Angeboten zu selektieren und wiederum diese Auswahl nach je eigenen Präferenzen auszugestalten (vgl. ebd.).
Zudem lässt sich sagen, dass Interaktivität eine Ein-Weg-Kommunikation, damit ist die Informationsrezeption gemeint, und eine Zwei-Weg-Kommunikation, damit ist die Bereitstellung von Informationen gemeint, zugleich bedeutet (vgl. Bleicher 2010: 18). Eine weitere Ausdifferenzierung soll mithilfe eines Modells von Jan van Dijk vorgenommen werden. Diesem zufolge lassen sich vier Ebenen von Interaktivität unterscheiden: Als erste Ebene wird die zweiseitige Kommunikation, „space dimension“, genannt, die als elementare Ebene gilt. Mit der „time dimension“ bezieht sich die zweite Ebene auf die Synchronität der Kommunikation. Die dritte Ebene wird als „behavioral dimension“, die den Umfang an Kontrolle der Kommunikationspartner zum Inhalt hat, bezeichnet. Schließlich benennt van Dijk die höchste Stufe als die „mental dimension“, die sich sowohl auf die Aktion als auch auf die Reaktion zwischen den Kommunikationspartnern auswirkt und diese prägt (vgl. van Dijk 2004: 147f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Internets ein und stellt die zentrale Forschungsfrage auf, ob das Internet als Medium bezeichnet werden kann.
2. Medienkompaktbegriff: Dieses Kapitel erläutert das integrative Medienkonzept nach Siegfried J. Schmidt, welches die vier Komponenten Kommunikationsmittel, Medientechnologien, Institutionalisierung und Medienangebote umfasst.
3. Internet: Hier werden die technologischen und strukturellen Besonderheiten des Internets, wie Interaktivität und Multimedialität, detailliert analysiert.
4. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass das Internet trotz seiner neuartigen Eigenschaften in Anlehnung an den Medienkompaktbegriff als Medium zu klassifizieren ist.
Schlüsselwörter
Medienkompaktbegriff, Internet, Interaktivität, Multimedialität, Netzstruktur, Hybridmedium, Kommunikation, Medientechnologie, Medienangebote, Institutionalisierung, Digitalisierung, Online-Medien, Massenkommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der medienwissenschaftlichen Einordnung des Internets und prüft, ob dieses als Medium definiert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf den Medienkompaktbegriff nach Siegfried J. Schmidt sowie die spezifischen Merkmale des Internets wie Interaktivität und Multimedialität.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Kann das Internet als Medium bezeichnet werden?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis bestehender medienwissenschaftlicher Definitionen und Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das theoretische Modell nach Schmidt erörtert und anschließend die Merkmale des Internets im Kontext dieses Modells untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Medienkompaktbegriff, Hybridmedium, Interaktivität, Multimedialität und Netzstruktur.
Welche Rolle spielt die Interaktivität für das Internet als Medium?
Die Interaktivität ist ein zentrales Merkmal, da sie den Wechsel von reiner Informationsrezeption hin zur aktiven Partizipation der Nutzer ermöglicht.
Warum wird das Internet als „Hybridmedium“ bezeichnet?
Weil das Internet Massenkommunikation und Individualkommunikation vereint und bisher getrennte Medienformen auf einer Plattform zusammenführt.
Wie definiert die Arbeit das Medienangebot?
Medienangebote werden als vierte Komponente des Kompaktbegriffs verstanden, die erst durch das Zusammenspiel von Kommunikationsmitteln, Medientechnologien und Institutionen entstehen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass das Internet trotz seiner innovativen Eigenschaften medientheoretisch in die Reihe der Medien einzuordnen ist.
- Quote paper
- Jens Vösseler (Author), 2014, Ist das Internet ein Medium? Eine kommunikationswissenschaftliche Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308070