Die Entwicklung des Hebammenberufs vom Mittelalter bis heute


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
15 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Berufsbild

3. Hebammen im Mittelalter

4. Der Konflikt zwischen Hebammen und Kirche
4.1 Der Hebammeneid
4.2 Die Hexenverfolgung

5. Der Konflikt zwischen Hebammen und Ärzten

6. Die weitere Entwicklung bis Heute
6.1 Hebammen zwischen 1918 und 1945
6.2 Hebammen heute

7. Zusammenfassung und Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es geht um ihre Unabhängigkeit, ihren Ruf und nicht zuletzt ums Überleben ihres Berufsstandes. Die Hebammen führen in der derzeitigen Gesundheitspolitik einen zähen Kampf. Mal wieder - denn leicht hatten es die Geburtshelferinnen im Laufe der Geschichte nie.“1

Der Beruf der Hebammen gehört mit zu den ältesten Frauenberufen in der Geschichte.

Die Frage wann sich das Berufsfeld der gewerbetätigen Hebammen entwickelt hat und was zu ihren Tätigkeiten gehört, lässt sich bisher nur spekulativ beantworten. Tempelmalereien von der Drillingsgeburt der Pharaonenkinder des ägyptischen Sonnengottes „Re“ im 3. Jahrhundert v. Chr. sind die ältesten Zeugnisse der Hebammenkunst.2

Bis ins 15. Jahrhundert findet man den Begriff der Hebamme nur vereinzelt in einigen Quellen. Eine davon ist die „durch den Priester Wernher im apokryphen Evangelium des Jakobus enthaltenen Marienlegend aus dem Jahr 1172, in der die beiden Geburtshelferinnen, die Joseph aus der Stadt Bethlehem holt als „ammen“ beziehungsweise „hevammen“ bezeichnet werden.“3

Der Forschungsstand und die Literatur zur geschichtlichen Entwicklung des Berufs der Hebamme sind eher gering. Besonders schwierig ist es neuere Literatur mit aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen sicher zu stellen. Für meine Arbeit bildete Sibylla Flügge mit ihrer Publikation „Hebammen und heilkundige Frauen“ (1993) eine wichtige Basis. Auf die Arbeit der Hebammen im Mittelalter, was Flügge in ihrem Buch besonders thematisiert, möchte ich im Punkt 3 kommen und somit die historische Entwicklung vom Mittelalter bis heute darstellen.

Der Streit mit Ärzten, Kirche und nicht zuletzt die Hexenverfolgung, die in Christine Loytved und Bettina Wahrig-Schmidts Überblicksdarstellung über das Wissen der Hebammen beschrieben werden, haben den Hebammenberuf viele Jahre begleitet und teilweise auch erheblich eingeschränkt. Dies zeigt, dass die Hebammen nicht immer angesehene Frauen waren mit deren Hilfe viele Kinder das Licht der Welt erblickten. Dieser Wandel in der Geburtshilfe gibt Anlass, einmal der Frage nachzugehen, welche Inhalte die Tätigkeit einer Hebamme ursprünglich ausmachten und welchen Veränderungen sie im Laufe der Geschichte unterworfen waren.

2. Das Berufsbild

Hebammen, insbesondere Hebammen der frühen Neuzeit, werden oftmals mit dem Wissen von Frauen um ihren Körper und der Möglichkeit eines selbstbewussten Umgangs mit der Gebärfähigkeit in Verbindung gebracht.“4

„Die Hebamme, die Hebemutter, Wehenmutter, Nabelmutter oder Nachtfrau wie sie auch genannt wurde, hob das Kind aus der Mutter- sie war für das Kind die Hebamme, unabhängig davon, ob sie die Tätigkeit beruflich ausübte oder als Freundschaftsdienst. Ihre Aufgabe war die Geburtshilfe im engeren Sinne. Diese umfasste die mechanische Entwicklung und Abnabelung des Kindes, die Ablösung der Plazenta und die erste Versorgung von Mutter und Kind nach der Geburt.“5 Die vielfältige Namensgebung der Hebamme deutet auf einen hohen Bedeutungsgrad und eine bestimmte Wichtigkeit dieser Person und ihrer Tätigkeit hin.6 Die Geburtshilfe ist seit jeher eine solidarische Hilfe, die sich Frauen gegenseitig leisten.

Das Hebammenamt war eine ursprünglich nur von Frauen ausgeübte Tätigkeit, bis im 18. Jahrhundert die männlichen Mediziner die Vorherrschaft in der Geburtshilfe übernahmen.

Neben der Hilfeleistung vor, während und nach der Geburt gehörte zu diesem Amt auch eine Reihe weiterer sozialer Pflichten, die heute nicht mehr bekannt sind: Zum Beispiel die Organisation und Überwachung der Feierlichkeiten um Kindbett und Taufe, die Spendung der Nottaufe und Begutachtungen vor Gericht.7

In der Antike durften nur die Frauen Hebammen werden, die selbst schon ein Kind geboren hatten, aus Altersgründen aber nicht mehr schwanger werden konnten. So wurde sichergestellt, dass die Hebammen den schwangeren Frauen jederzeit zu Verfügung standen. Es wurde vermutet, dass die Hebammen durch ihre eigene Geburtserfahrung dazu befähig wären selbst Geburtshilfe zu leisten.

Sokrates, dessen Mutter selbst Hebamme gewesen sein soll, unterschied zu seiner Zeit die Arzthebammen, die über Kenntnisse in der Pharmazie und der Chirurgie verfügten, von denen, die ohne jegliche Ausbildung praktizierten. Diese nannte er in seinen Schriften abfällig „Hereintasterinnen“

3. Hebammen im Mittelalter

Durch den Zerfall des Römischen Reiches im frühen Mittelalter ging das Wissen der Hebammenkunst größtenteils verloren. Im Allgemeinen ging die Geburtshilfe im Mittelalter somit in die Hände ungelernter Frauen über. Das rein empirisch erworbene Erfahrungswissen der älteren, meist verwandten oder benachbarten Frauen, die bei der Geburt Hilfe leisteten, wurde an die jüngeren Frauen ausschließlich mündlich weitergegeben. Besonders geschickte und erfahrene Geburtshelferinnen wurden als „weise Frauen“ oder Hebammen bezeichnet.

Der Beruf der Hebamme war im Mittelalter ein durchaus angesehener Beruf, der aber nicht immer beliebt war. Die reichsten und mächtigsten Familien waren bei einer Schwangerschaft beziehungsweise der Geburt auf die Hilfe einer Frau angewiesen. Diese Tatsache konnten viele Männer nur schwer akzeptieren, da diese Frauen Kenntnisse hatten, von denen die mächtigsten Ärzte dieser Zeit nur abschreiben konnten. Der berühmte Arzt Paracelsus gestand: „Alles Wissen, das ich über die Medizin und die Wirkung der Heilkräuter habe, weiß ich von den Hexen und den weisen Frauen.“8 Hier wird deutlich, dass Hebammen im Mittelalter immer öfter mit Hexen in Verbindung gebracht wurden. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert wurden in Deutschland und im übrigen Europa erste Hebammenordnungen formuliert, in denen die Aufgaben und die Bezahlung der Hebammen festgehalten wurden. Im gleichen Zeitraum wurden ebenfalls die ersten Geburtshelferinnen von den Städten und Gemeinden angestellt und es entstanden Lehrbücher, die für eine lange Zeit als Standardwerke galten.

Spätestens um 1550 leistete eine Hebamme nicht nur Geburtshilfe, sondern war eine zudem mit verschiedenen geistlichen wie weltlichen Verpflichtungen versehene Amtsperson.

4. Der Konflikt zwischen Hebammen und Kirche

Mit dem frühen Mittelalter begann das Leben als Hebamme zunehmend gefährlich zu werden. Das Christentum dominierte nun alle Lebensbereiche der Menschen und die Hebammen wurden oft wegen ihrer medizinischen und geburtshilflichen Fähigkeiten angeklagt. Die katholische Kirche warf ihnen zudem vor, dass die „weisen Frauen“ zu wissenschaftlich arbeiten würden und sich zu wenig auf Gott und die natürlichen Gebote verlassen würde. Daher wurden Hebammen ab dem 15. Jahrhundert gezwungen, in die Dienste des Pfarrers zu treten.

[...]


1 Frank, Charlotte: Als Heilige verehrt, als Hexen verteufelt, in: Süddeutsche Zeitung, Jg. 40 (29. Juli 2012), Nr. 103, S. 7.

2 Ebenda

3 Flügge, Sibylla: Hebammen und heilkundige Frauen. Recht und Rechtswirklichkeit im 15. Und 16. Jahrhundert, Frankfurt am Main / Basel 1998, S. 34.

4 Flügge, S. 8

5 Flügge, S. 41.

6 Labouvie, Eva: Beistand in Kindsnöten. Hebammen und weibliche Kultur auf dem Land (1550-1910), Frankfurt/New York 1999, S.44.

7 Hilpert, Claudia: Mainzer Hebammen in früheren Jahrhunderten, Mainz 2002, S.5.

8 Schönfeld, Walther: Frauen in der abendländischen Heilkunde, Stuttgart 1947, S. 80

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Hebammenberufs vom Mittelalter bis heute
Note
1,5
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V308095
ISBN (eBook)
9783668061804
ISBN (Buch)
9783668061811
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Hebamme, Mittelalter, Beruf, Frauen
Arbeit zitieren
Jenny Wiesmüller (Autor), 2014, Die Entwicklung des Hebammenberufs vom Mittelalter bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308095

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