Der Inhalt der Paulskirchenverfassung im Rahmen der Deutschen Nationalversammlung (Geschichte, 9. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2015

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Arbeitsergebnisse (AE`s)

2. Verlaufsplan

3. Beschreibung der Lerngruppe

4. Begründung der didaktischen Entscheidungen

5. Begründung der methodischen Entscheidungen

6. Verwendete Literatur

Entwurf zur Lehrprobe im Fach Geschichte

Thema der Reihe: Die Deutsche Nationalversammlung

Thema der Stunde: Der Inhalt der verabschiedeten Paulskirchenverfassung

Problemziel: Eine Verfassung mit Hintertürchen?

1. Arbeitsergebnisse (AE`s)

1) Das Volk erwartet von der Frankfurter Nationalversammlung in der Pauls kirche Grundrechte, Einigkeit und (individuelle) Freiheit.
2) Das Standesvorrecht wurde abgeschafft: Alle sind vor dem Gesetz gleich.
3) Das Deutsche Volk wurde schriftlich definiert und ihnen das gleiche Recht und umfangreiche Freiheiten in vielen Bereichen, gesetzlich zugesichert.
4) Viele verabschiedeten Gesetze aus der Paulskirchenverfassung sind auch im heutigen Deutschen Grundgesetz zu finden.
5) Es gibt aber auch einige schwache Formulierungen oder Gesetzeslücken in der Paulskirchenverfassung.

2. Verlaufsplan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Beschreibung der Lerngruppe

Die Klasse 9b setzt sich aus 12 Mädchen und 16 Jungen zusammen. Die Schüler[1] sind mir von Anfang an freundlich begegnet und machen das Unterrichten in der Lerngruppe angenehm.

Die Lerngruppe ist als heterogen zu bezeichnen, nicht zuletzt, weil ein Drittel der Schüler mit Migrationshintergrund sind. An der Spitze im mündlichen und schriftlichen Bereich befindet sich eine kleine Gruppe, deren positiv hervorgehobene Stellung insbesondere darauf basiert, dass sie neue Themen und Aspekte schnell begreift und für diese Altersgruppe schnell abstrahieren kann. Ferner werden von diesen Schülern bereits in diesem relativ frühen Stadium des Geschichtsunterrichts eigene Ideen in das Unterrichtsgeschehen mit eingebracht und richtig umgesetzt. Demgegenüber steht ein recht großes Mittelfeld durchschnittlich leistungsfähiger, und einiger weniger schwacher Schüler, deren Bedürfnisse und Fähigkeiten ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Insgesamt ist der Leistungsstand der Lerngruppe für diese Klassenstufe aber als überdurchschnittlich zu bezeichnen.

Die Lerngruppe beteiligt sich recht motiviert und interessiert am Unterrichtsgeschehen. Insbesondere bei schülerorientierten Unterrichtselementen und beim spielerischen Umgang mit Geschichte sind allen Schülern der Spaß und die Freude am Geschichtsunterricht anzumerken. Auch lassen sie sich von neuen Geschichten leicht fesseln, selbst wenn diese recht anspruchsvoll sind. Die Lernatmosphäre innerhalb der Lerngruppe ist relativ ruhig und konzentriert.

4. Begründung der didaktischen Entscheidungen

Das Thema der geplanten Unterrichtsstunde bezieht sich auf die erarbeitete Paulskirchenverfassung 1848/49 in Frankfurt und ist in die Unterrichtsreihe „Die Deutsche Nationalversammlung“ integriert. In der Stunde wird sich mit den verabschiedeten Gesetzen in der Paulskirchenverfassung auseinandergesetzt.[2] In den vorherigen Unterrichtseinheiten wurde der Vormärz behandelt, die eine Revolutionswelle in Europa auslöste, und folglich bis zur Entstehung der Frankfurter Nationalversammlung führte. Die Wiederherstellung des alten Systems nach Napoleon durch den Wiener Kongress und die radikalen Einschränkungen der Menschenrechte macht es den Schülern nachvollziehbar, den Weg zum Ausbruch einer landesübergreifenden Revolution im Jahre 1848 zu verstehen, denn die miserable wirtschaftliche Lage und der Elend in allen Bevölkerungsgruppen sorgten dafür, dass viele Menschen an den Aufständen teilnahmen.[3] Das Zustandekommen einer Tagung in der Paulskirche ist die Folge der Aufstände und Revolutionen, aber das inhaltliche und das Resultat des Paulskirchenparlamentes sollten separat betrachtet werden. In der Stunde sollen die Schüler sich damit auseinandersetzen, ob die verabschiedete Verfassung zu einem „Zweite[n] Wiener Kongress“ hinausgelaufen ist, oder die grundlegenden Erwartungen und die Forderungen des Volkes tatsächlich berücksichtigt wurden. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Probleme und die damit verbundenen Lösungsvorschläge in den deutschen Einzelstaaten unterschiedlich war. Jeder Vertreter der Einzelstaaten wollte bei der Entstehung mit der ersten Staatsverfassung die eigenen Probleme beheben.[4] In der Stunde werden nicht auf die Interessen der Einzelstaaten eingegangen, sondern nur die gemeinsamen Forderungen des Volkes erläutert, die heute in die Kategorie der Grundrechte gegliedert werden kann. Im Unterrichtseinstieg werden deshalb zwei Schüler eine politische Rede halten, die eine Frau und einen Bauern aus der Zeit vertreten und vor dem Parlament ihre Erwartungen schildern. Aus dem Inhalt der Rede geht nochmals die schlechte Lebenssituation der Bevölkerung deutlich hervor. Die Rede dient auch gleichzeitig zu einer kurzen Wiederholung und einer Zusammenfassung der letzten Stunden, um an die geplante Unterrichtsstunde anzuknüpfen. Mit der intensiven Auseinandersetzung der Verfassung werden die Schüler gleichzeitig über ihre Rechte informiert. Sie lernen, dass sie als Staatsbürger unter dem Schutz der deutschen Verfassung, dem sogenannten Deutschen Grundgesetz, stehen. Somit klärt die Beschäftigung mit der Verfassung die Schüler auf und sensibilisiert sie auf ihre Rechte und Grenzen.

Die Fachliteratur zeigt, dass die Paulskirchenverfassung das Fundament unserer heutigen modernen Verfassung ist. Sie war sowohl bei der Weimarer Reichsverfassung 1919, als auch bei der Ausarbeitung des heutigen Deutschen Grundgesetzes eine Grundlage.[5] Die Forderungen des Volkes wie individuelle Freiheitsrechte, Gleichberechtigung, Einheit und die Bestimmung der Grenzen war eine gewaltige Aufgabe, die in der Frankfurter Nationalversammlung auf eine Lösung wartete. Das Resultat der etwa halbjährigen Tagung wurde eine Verfassung, die mittels schriftlichen Gesetzen der Forderungen entgegenkamen. Der Kern der Verfassung bildete die Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit, Glaubens- und Religionsfreiheit, sowie Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit. In der Einstiegsrede fordert der Bauer, dass die Juden vertrieben werden müssen. Die Paulskirchenverfassung ist für seine Zeit ein sehr modernes Gesetzesbuch gewesen, die dem Volk großzügige Grundrechte zugesichert hätte. Durch die Umsetzung der Verfassung, hätten die Juden keine Benachteiligung im Staatswesen und bekämen die selben Bürgerrechte wie die „Nicht-Juden“. Betrachtet man die Zeit des NS-Regimes, wird es deutlich, wie liberal und volksgerecht die Paulskirchenverfassung ist. Es ist aber nicht zu seiner Umsetzung gekommen, weil der Kaiser wegen der „Deutschen Frage“[6] die Kaiserkorne ablehnte. Das Scheitern einer lang erarbeiteten Verfassung brachte dementsprechend eine große Enttäuschung mit sich. Wolfram Siemann[7] äußerte sich dazu, dass die nicht die Qualität der Verfassung zum Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung führte.[8]

Betrachtet man den Inhalt der verabschiedeten Paulskirchenverfassung, so scheint die Frage „Eine Verfassung mit Hintertürchen?“ nicht mit einem simplen „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann, weil einige grundlegende Rechte nicht aufgenommen wurden, obwohl diese ausdrücklich verlangt wurden. Andererseits ist die Paulskirchenverfassung für seine Zeit sehr fortgeschritten, die viel individuelle Freiheiten und Rechte versprochen hatte. In dieser Stunde sollen die Schüler die entscheidenden Paragrafen herausarbeiten und diese mit dem heutigen Deutschen Grundgesetz vergleichen. In den darauffolgenden Stunden wird sich herausstellen, dass mit der Ablehnung des Kaisers der Kaiserkrone, die neue Staatsordnung eine Fehlgeburt wurde. Das Scheitern der Paulskirchenverfassung wird in der Stunde nicht erwähnt, denn nach der Unterrichtsstunde soll der Eindruck einer erfolgreichen Verfassung, die Grundlage für die darauffolgenden Stunden ein Thema sein. Das Scheitern der langen Tagung und der neuen Verfassung und folglich die große Enttäuschung durch die entstandenen Hoffnungen, sollte den Schülern in den folgenden Stunden dadurch besser verdeutlicht werden.

Um den Schülern zu verdeutlichen, dass die Forderung nach einer Verfassung mittels Revolutionen kein abgeschlossenes Ereignis der Vergangenheit ist, sondern die Verfassungsfrage immer noch in der gegenwärtigen und globalisierten Welt viele Länder und Millionen von Menschen betrifft, werden Bezüge zur Gegenwart hergestellt. Denn ähnliche Motivationen wie schlechte wirtschaftliche Situation, stark eingeschränkte Freiheiten oder die Forderung nach Gleichberechtigung treiben auch heute die Menschen auf die Straße.[9] Die Revolutionswelle begann 1848in Frankreich und erreichte andere Länder, wie die Schweiz das Deutsche Bund. Dieses Phänomen ereignete sich in der Gegenwart im arabischen Raum. Diese länderübergreifende Revolutionswelle wird auch als „Arabischer Frühling“[10] bezeichnet. Die Revolutionen brachte die Forderung nach einem neuen Staatssystem, und die Frage nach einer neuen Verfassung mit sich. Es ist eine Analogie vorhanden. In der Stunde werden von den Schülern keine Fachinformationen bzw. Detailwissen über die aktuelle Situation in den Revolutionsländern erwartet. Der „Arabischer Frühling“ ist kein Bestand der Auswertungsphase. Wenn am Ende der Stunde eine zeitliche Flexibilität existiert, wird in der Diskussionsphase vom Lehrer der Arabische Frühling als Impuls gegeben, um die Relevanz der Verfassungsrage anhand diesen Gegenwartsbezugs gründlicher zu diskutieren.

5. Begründung der methodischen Entscheidungen

Der Einstieg erfolgt durch zwei Schüler. Um die Interesse und die Aufmerksamkeit der Klasse auf das Thema zu lenken, stellen sich zwei Schüler auf den Stuhl und halten eine politische Rede. Sie symbolisieren zwei wichtige Vertreter des Volkes vor der Paulskirche und fordern von den Teilnehmern in der Frankfurter Nationalversammlung ihre Grundrechte. Damit der Einstieg möglichst professionell erfolgt, erhalten die Redner den Text als Hausaufgabe, damit sie sich auf den Unterrichtseinstieg vorbereiten können. Nach der Rede springt der Lehrer ein und gibt den Impuls, ob nun die Verfassung auch den Forderungen nachgekommen ist, oder mittels Hintertürchen, durch so genannte „Gesetzeslücken“ die grundlegenden Forderungen umgangen wurden. Somit werden die Schüler in der Auswertungsphase aus dieser Perspektive sich mit der Aufgabe beschäftigen müssen, um auf die Frage eingehen zu können.

In den vorherigen Stunden wurde der Wiener Kongress und die Restauration Europas mittels Karten behandelt. Anhand Karikaturen und Gemälden wurde der Vormärz und die Revolution bearbeitet. Um die Motivation der Schüler zu fördern, sollte der Unterricht mit möglichst abwechslungsreichen Sozialformen gestaltet werden. Für die erste Auswertungsphase wurde das Gruppenpuzzle als Sozialform gewählt, da diese sich für die Stunde gut eignet. Als eine Alternative würde sich die Einzelarbeit oder Gruppenarbeit auch anbieten. Auf die Variante einer Einzelarbeit wurde verzichtet, weil sie in vielen Unterrichtsfächern sehr oft benutzt wird. In der klassischen Gruppenarbeit besteht

[...]


[1] Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird im Folgenden der Ausdruck Schüler für beide Geschlechter verwendet.

[2] Ministerium für Bildung; Wissenschaft und Weiterbildung Rheinland-Pfalz (Hg.): Lehrplan Geschichte (Klassen 7-9/10). Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Regionale Schule. Mainz 1998, S. 200. 3

[3] Geist: Deutsch; Englisch; Geschichte, S141.

[4] Engehausen: Die Revolution 1848/49, S.128.

[5] Werner: Kleine Geschichte der deutschen Revolution von 1848/49, S.94.

[6] Damit ist der Konflikt zwischen der „kleindeutschen Lösung“ und der „großdeutschen Lösung“ gemeint. Die kleindeutsche Lösung war ein Nationalstaat unter der Führung von Preußen, ohne Österreich. In: https://www.hdbg.eu/koenigreich/web/index.php/themen/index/herrscher_id/3/id/32 (Aufruf am 07.08.2014).

[7] Wolfram Siemann: Ein deutscher Historiker mit dem Forschungsschwerpunkt der Revolution- und Verfassungsgeschichte von 1848. In: http://www.ngzg.geschichte.uni- muenchen.de/forschung/publikationen/publ_siemann/index.html (Aufgerufen am 01.08.2014).

[8] Müller: Die Revolution von 1848, S.121.

[9] Schneiders: Der Arabische Frühling, S.34.

[10] Der metaphorische Begriff „Arabischer Frühling“ bezeichnet eine ziemlich heterogene regierungskritische Protestbewegung, die Ende 2010 entstand und sich über mehrere Jahre erstreckte. Sie bewirkte oder bestärkte in allen Staaten der arabischen Welt unterschiedliche Widerstandsformen. In: Schneiders: Der Arabische Frühling, S.12.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Inhalt der Paulskirchenverfassung im Rahmen der Deutschen Nationalversammlung (Geschichte, 9. Klasse)
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V308112
ISBN (eBook)
9783668069619
ISBN (Buch)
9783668069626
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verfassungsfrage, 1848, Paulskirche
Arbeit zitieren
Necati Günes (Autor), 2015, Der Inhalt der Paulskirchenverfassung im Rahmen der Deutschen Nationalversammlung (Geschichte, 9. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308112

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