Der Herrscherkult am Beispiel Demetrios Poliorketes. Formen und Gründe


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Herrscherkultes

3. Formen des Herrscherkultes

4. Beispiel: Demetrios Poliorketes
4.1 Grund für den Herrscherkult 7
4.2 Konkreter Herrscherkult 8

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Geschichte werden immer wieder herausragende Persönlichkeiten von dem Volk geehrt und gehuldigt. Es wurden für große Herrscher Statuen, Tempel, o.ä. gestaltet und aufgestellt. Auch wurden die Götter häufig in Menschengestalt dargestellt. Diese unscharfe Trennung zwischen Gott und Mensch vor allem in der griechischen Antike führte dazu, dass umgekehrt auch Menschen vergöttert wurden. Auch heute noch können wir Resultate von Kulten erkennen.

Betrachten wir zum Beispiel unseren Kalender genauer, indem wir die Namen der Monate mit unserem geschichtlichen Wissen abgleichen. Es fällt auf, dass Monate wie August oder Juli eine gewisse Ähnlichkeit mit überragenden Persönlichkeiten unserer Vergangenheit haben. In der Tat ist der Monat Juli eine Ehrung für Gaius Julius Cäsar (100-44 v.Chr.) und der Monat August für dessen Nachfolger Gaius Octavius, der besser als Kaiser Augustus (64 v.Chr.-14 n.Chr.) bekannt ist. Das soeben dargestellte Phänomen wird allerdings als Dynastiekult und nicht als Herrscherkult bezeichnet. Der Unterschied liegt darin, dass der Herrscherkult hauptsächlich von den Städten ausging, wohingegen der Dynastiekult von dem Herrscher selber initiiert wurde. Der Dynastiekult findet seinen Ursprung ab ca. 280 v.Chr. Den Herrscherkult finden wir vorherrschend in der Zeit davor, u.a. bei Alexander dem Großen. Aus diesem Grund beziehe ich mich ausschließlich auf die Zeit vor 280 v.Chr., insbesondere auf den Herrscherkult für die Antigoniden Demetrios Poliorketes und seinen Vater Antigonos Monophtalmos.

Die vorliegende Arbeit wird sich im ersten Teil mit dem Herrscherkult allgemein befassen. Die thematischen Schwerpunkte liegen hier insbesondere bei der Entstehung und Entwicklung des Herrscherkultes sowie den konkreten Formen des Kultes. Im zweiten Teil wird anhand des Beispiels Demetrios Poliorketes (und z.T. Antigognos) und Athen konkreter auf den Herrscherkult eingegangen. Hier wird anfangs der Grund für seine Ehrungen und den Kult um ihn erläutert und anschließend die Ehrungen und den Kult im Konkreten beleuchtet. Abschließend werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst.

Für die Ausarbeitung beziehe ich mich vor allem auf die Literatur von Christian Habicht, Frank W. Walbank sowie Jon D. Mikalson.

2. Die Entstehung des Herrscherkultes

Der erste uns bekannte Fall, bei dem ein Mensch zu Lebzeiten zu kultischen Ehren kam, bezieht sich auf das Jahr 404 v.Chr.. Überliefert sind diese Ehren für den spartanischen Kommandeur Lysander zum Ende des Peloponnesischen Krieges in Samos. Zu diesem Zeitpunkt konnte man allerdings noch nicht von einer weiten Verbreitung des städtischen Kultes sprechen.1 Erst mit Alexander dem Großen (356-323 v. Chr.) trat ein Wandel hin zu zahlreichen städtischen Kulten vor allem von den ionischen Städten ein. Von den Städten des griechischen Festlandes forderte Alexander ebenfalls die göttliche Verehrung.2 Doch aus welchen Gründen erhielten diese Personen nun kultische Verehrungen und wieso reichten diese profanen Ehren nach dem Tode nicht mehr aus?

Diese Frage kann vor allem mit der Veränderung der Machtverhältnisse im 5. sowie im 4. Jahrhundert v.Chr. beantwortet werden. Während die Macht der Städte in dieser Zeit eingeschränkt wurde, vergrößerte sich die Macht einzelner Personen.3 Göttliche Ehren erhielten Menschen zu Lebzeiten von Städten nur, wenn sie eine Befreier- oder Retterrolle der Städte einnehmen konnten. Nach den Perserkriegen war dies jedoch niemandem mehr möglich. So kam es lediglich zu kollektiven Heroenkulten, wie beispielsweise die für die gefallenen Soldaten von Plataä.4 Über die Ausnahmesituation des Peloponnesischen Krieges erlangte Lysander allerdings so viel Macht, dass er eine Handlungsfreiheit in den kleinasiatischen Städten erreichte. Deshalb suchten die ionischen Städte Schutz und Rettung bei dem spartanischen Kommandeur.5 Bis Alexander, resultierend aus seinen militärischen Erfolgen, eine exponierte Machtstellung erlangte, konnte mit Ausnahme des Kults für Dion in Syrakus keine Person in den griechischen Städten Ioniens als Retter auftreten. Bei den griechischen Festlandstädten wurde er jedoch nicht als Befreier, sondern vielmehr als makedonischer Tyrann angesehen.6 Dennoch bereitete Alexanders Werdegang die Ausgangsstellung für die Machtstellung der Diadochen.

In der Diadochenzeit wurden die Städte immer mehr in die Konflikte der Machthaber hineingezogen. Dadurch war stets die Freiheit und Existenz der Städte in Gefahr. Besonders in Städten, in denen es Machthabern gelungen war, die Rolle des Befreiers einzunehmen und den Städten ihre Autonomie zustande, gab es kultische Ehrungen.7 Später als sich die politischen Verhältnisse stabilisierten und sich die Dynastien und Reiche gefestigt hatten, wurde der Herrscherkult "stereotyp (…), eine bloße Formalität"8. Nur über die Haltung des Status Quo, demnach ohne konkret vollbrachte Taten, konnten Herrscher als Götter verehrt werden.

Die wachsende Macht des Einzelnen ist mit dem Machtverlusts der Poleis verbunden und kann als zweite Antwort für die oben gestellte Frage angeführt werden. Die Städte der klassischen Zeit waren auf den Schutz Fremder nicht angewiesen. Dass sie ihre Unabhängigkeit während der Perserkriege wahren konnten, führten sie darauf zurück, dass die Götter ihnen gut gesonnen waren.9 Nach der politischen Umwälzung durch den Peloponnesischen Krieg konnten dann vor allem die kleineren Poleis ihre Existenz und Freiheit lediglich unter dem Schutz der beiden Großmächte Athen und Sparta bewahren.10 Das Schicksal der Stadt Melos kann als Negativbeispiel dafür angeführt werden. Die Einwohner von Melos kamen den Forderungen Athens nicht nach und vertrauten auf ihre Götter. Athen belagerte Melos bis sich die Stadt schließlich ergeben musste, worauf alle waffenfähigen Männer getötet und Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft wurden. Die samischen Oligarchen hingegen vertrauten auf die Kraft Lysanders und nicht mehr auf die Kraft ihrer Götter. Dank der spartanischen Belagerung und der daraus folgenden Entmachtung der dort herrschenden Demokraten konnten Sie aus dem Exil wieder nach Samos zurückkehren.11 Die Abkehr von den Göttern hinzu einem Kult der Sterblichen, manifestiert sich durch die Umbenennung des Festes für die samische Stadtgöttin Hera in Lysandreia. In den Bürgergemeinden entstand eine allgemeine religiöse Skepsis, die in der Kritik an der mangelhaften Fürsorge der Götter gipfelte. Diese große Lücke, die durch die Veränderungen der politischen und sozialen Lage hervorgerufen wurde, füllten die Griechen mit einem "Kultus des Großen, der alles umwirft"12. Die Herrscher wurden zum Ersatz für die Götter. Deutlich wird dieser Zusammenhang bei dem athenischen Hymnus auf Demetrios Poliorketes 290 v.Chr.:

[...]


1 Vgl. Walbank, Frank W.: Könige als Götter, S.372 f.

2 Ebd.

3 Vgl. zu Entwicklung der Monarchie: Walbank, Frank W.: Könige als Götter, S. 366 ff.

4 Vgl. Habicht, Christian: Gottmenschentum und griechische Städte, S. 236 f.

5 Vgl. Habicht, Christian: Gottmenschentum und griechische Städte, S. 238

6 Ebd., S. 239 f.

7 Ebd., S. 240

8 Vgl. Walbank, Frank W.: Könige als Götter, S.375

9 Vgl. Habicht, Christian: Gottmenschentum und griechische Städte, S. 236

10 Ebd., S. 237 f.

11 Vgl. Habicht, Christian: Gottmenschentum und griechische Städte, S. 3 ff.

12 Vgl. Dimitrakos, Georgios: Demetrios Poliorketes und Athen, Hamburg 1937, S. 47 f.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Herrscherkult am Beispiel Demetrios Poliorketes. Formen und Gründe
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Athen im Helenismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V308116
ISBN (eBook)
9783668062344
ISBN (Buch)
9783668062351
Dateigröße
861 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herrscherkult, beispiel, demetrios, poliorketes, formen, gründe
Arbeit zitieren
Lasse Zipfel (Autor), 2014, Der Herrscherkult am Beispiel Demetrios Poliorketes. Formen und Gründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308116

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