Vergangenheit und Schuld in Francis Ebejers Drama "The Cliffhangers"


Seminararbeit, 2004

9 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Flucht vor der Vergangenheit
2.1 Die Rolle des Setting
2.2 Die Verdrängung von Erinnerungen

3. Schuld und Rache

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Der maltesische Autor Francis Ebejer (1925-93) befasst sich in vielen seiner Stücke mit dem Thema der Erinnerung und dem Einfluss der Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft (cf. Ebejer 1988: 1050). In seinem englischen Drama The Cliffhangers projiziert er diese Thematik auf eine Gruppe von Menschen, die in einem kleinen Hotel auf dem Land leben oder arbeiten. Den Figuren in Ebejers Stück ist gemeinsam, dass sie in ihrer Vergangenheit etwas erlebt oder getan haben, das sie am liebsten ungeschehen machen würden. Da sie jedoch nichts mehr rückgängig machen können, versuchen sie die Erinnerungen daran zu verdrängen und ihre Vergangenheit zu vergessen.

Einiges deutet darauf hin, dass es sich bei The Cliffhangers um ein analytisches Drama handelt. Petzold definiert den Begriff wie folgt: „Die Handlung konzentriert sich dort auf das Aufdecken von früheren (unbekannten, vergessenen, verdrängten) Geschehnissen“ (Petzold 2001: 206). Nach Asmuth geht es beim analytischen Drama um das allmähliche Aufdecken von in der Vergangenheit liegenden Ereignissen. Dies kann sich bis zum Ende des Stücks hinziehen (cf. Asmuth 1994: 132/133). Hierzu finden sich viele Parallelen in Ebejers Drama, welche im Folgenden ausgeführt werden.

In dieser Arbeit wird untersucht, auf welche Art und Weise Ebejers Figuren versuchen vor ihrer Vergangenheit zu fliehen und ihre Erinnerungen zu verdrängen. Dabei wird besonders auf den Schauplatz als Zufluchtsort eingegangen. Weiterhin wird gezeigt, wie Ebejer das Publikum durch versteckte Andeutungen immer wieder darauf hinweist, dass die Figuren etwas verbergen. Dadurch deckt er Stück für Stück deren Vergangenheit auf, bis in der Szene des entertainment schließlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Außerdem wird der Aspekt der Schuld und die daraus resultierenden Rachegedanken behandelt und versucht, darzustellen inwiefern beides das Leben der Figuren bestimmt. Nicola, über den sehr wenig preisgegeben wird, wird an dieser Stelle nur einmal kurz erwähnt, im Weiteren jedoch außer Acht gelassen.

2. Die Flucht vor der Vergangenheit

Die Bewohner des kleinen Landhotels verbindet, dass sie in ihrer Vergangenheit etwas getan haben, das sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Deshalb versuchen sie jegliche Erinnerung daran von sich fernzuhalten und bewahren ihr persönliches Geheimnis. Bis auf Liza halten sich die Gäste schon viele Jahre im Hotel auf (cf. Ebejer 1980: 108). Rafela hat vermutlich ihr ganzes Leben dort verbracht, weil sie das Hotel von ihrer Mutter übernommen hat (cf. Ebejer 1980: 114). Es scheint ein geheimer Konsens darüber zu herrschen, dass jeder seine Vergangenheit nur insofern preisgibt, wie er es für richtig hält. Obwohl sich die Figuren schon jahrelang kennen scheinen sie nicht wirklich übereinander Bescheid zu wissen. Jeder lässt dem anderen die Möglichkeit ein bestimmtes Bild von sich aufrechtzuerhalten, um seinen Lebensabend in Ruhe und Frieden verbringen zu können.

2.1 Die Rolle des Setting

Besonders wichtig für das Motiv der Flucht ist die Lage des Hotels, welches „deep in the country“ und in „the middle of nowhere“ (Ebejer 1980: 96) liegt. Die bewusst gewählte Abgeschiedenheit und Isolation von der Außenwelt verdeutlicht den Versuch sich aus der Gesellschaft und der Realität zurückzuziehen (cf. Crow / Galea 2003: 27). Die Gäste leben in ihrer eigenen kleinen Welt, in der sie glauben ihre Vergangenheit vergessen zu können (cf. Ebejer 1980: 107) und setzen die ganze Zeit über alles daran, sich und den anderen diese Illusion aufrechtzuerhalten.

Der Schauplatz liegt auf einem Hügel, von dem aus man einen schönen Ausblick über ein malerisches Tal hat. Besonders in der ersten Szene wird mehrfach die Idylle unterstrichen in der sich die Figuren befinden (cf. Ebejer 1980: 103/104). Auch die in den Regieanweisungen häufig betonte Stille, in der nur „bird-song“ (Ebejer 1980: 103, 104, 120) und der „sound of cicadas“ (Ebejer 1980: 143, 148) zu hören sind, tragen zum friedvollen Gesamtbild bei. Zu Anfang des Stücks wird so beim Leser der Eindruck eines paradiesischen Ortes inmitten großartiger Natur erweckt, an dem sich eine Gruppe von Freunden bei gutem Essen und in netter Gesellschaft den Lebensabend versüßt. Wie Ebejer diesen ersten Eindruck nach und nach wieder revidiert, wird im Anschluss dargestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Vergangenheit und Schuld in Francis Ebejers Drama "The Cliffhangers"
Hochschule
Universität Augsburg  (Phil-Hist-Fakultät)
Veranstaltung
Seminar Postcolonial Literature
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
9
Katalognummer
V30814
ISBN (eBook)
9783638319980
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergangenheit, Schuld, Francis, Ebejers, Drama, Cliffhangers, Seminar, Postcolonial, Literature
Arbeit zitieren
Ines Weihing (Autor), 2004, Vergangenheit und Schuld in Francis Ebejers Drama "The Cliffhangers", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30814

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