Tiere im Turm. Das museumspädagogische Vermittlungskonzept einer Ausstellung der Stiftung Schloss Friedenstein


Hausarbeit, 2012

21 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Schloss Friedenstein

3 Das naturkundliche Museum

4 Die Idee des Vermittlungskonzepts

5 Verortung im aktuellen Forschungs- und Methodenstand und Vermarktung

6 Kooperation und Förderung

Anhang

Quellenverzeichnis

Internetquellen

1 Vorwort

Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln. Das sind wohl die wichtigsten Aufgaben eines Museums, aber nicht die einzigen. Diese Aufgabenfelder unterliegen heutzutage allerdings einem politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Wandel und scheinen ins Unermessliche zu wachsen. Die gegenwärtige Bildungsdiskussion verstärkt den Druck auf die Museen und betont ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft. Zudem sorgen im Bereich der Vermittlung die sich immer stärker differenzierenden Besuchergruppen dafür, dass die Interessen an dem Museum immer vielschichtiger werden. Diese Interessen möchten gestillt werden. Weil in den meisten Fällen die ausgestellten Objekte sich nicht selbst erklären können, führt das zu der Notwendigkeit Vermittlungsansätze in allen Bereichen der Institution Museum neu zu definieren. So entstehen immer neue Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Institutionen, die das Wissen, welches früher lediglich im Hause des Museums vermittelt wurde, an andere Orte tragen. Die Frage nach dem Bildungsauftrag der Museen muss aufgrund dieser Vernetzung nicht mehr allein behandelt werden, sondern geschieht gemeinsam. Somit befinden sich die Museen in einem ständigen Entwicklungsprozess. Die veränderte Perspektive stellt Überlegungen, nachhaltige Erfahrungen zu ermöglichen, in den Mittelpunkt.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Vermittlung im Museum, genauer mit einer der unendlich vielen Facetten und Möglichkeiten der Vermittlung, welche im Zusammenhang mit dem Seminar „Kunst und Kommunikation: Bildungsarbeit in Museen“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena entstand. Das Seminar gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Einblick in die Arbeit der Museumspädagogik und in ihre Entwicklung bis heute. Mittels direkter Auseinandersetzung mit Ausstellungen und anhand von Texten konnten sich die Studierenden mit den Fragen beschäftigen: Was sind Museum und Vermittlung und was sind deren Aufgaben? Sowie: Welchen Wert hat die Originalität eines Objekts für die Vermittlung? Auch das Besucherbild und die Zielgruppen spielten eine sehr wichtige Rolle und wurden analysiert. Schließlich wurden auch die Gebiete der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketing abgedeckt. Diese Themen werden in der hier vorliegenden Arbeit ebenfalls aufgegriffen, um das Vermittlungskonzept ausführlich beschreiben zu können. Das Vermittlungskonzept soll die Museumspädagogik als ein sehr wichtiges Aufgabenfeld bereichern und stellt sich den aktuellen Herausforderungen der Museen. Dabei geht es nicht um kurzfristige Events oder den alleinigen Blick auf steigende Besuchszahlen, sondern um qualitative, nachhaltige Erlebnisse, um abwechslungsreiche und individuelle Aneignungsprozesse. Es dient den Studien- und Bildungszwecken, sowie der Freude und dem Genuss der Besucher/innen, denen die Teilhabe am kulturellen Erbe ermöglicht wird.

2 Schloss Friedenstein

Um einen Eindruck von der Einrichtung zu bekommen, wo das Vermittlungskonzept umgesetzt werden soll, wird an dieser Stelle die Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha vorgestellt.

In seiner Konstellation ist das Schloss einmalig in Deutschland. Es umfasst das Schlossgebäude mit dem Herzoglichen Museum, den Orangeriegarten und die Parkanlage, die Schlosskirche, eine große Kunst- und naturkundliche Sammlung mit Archiv, eine Bibliothek und das Ekhof-Theater. Das Schloss in seiner Gesamtheit stammt aus dem Frühbarock und ist heute ein historisches Baudenkmal. Viele der Räume sind größtenteils gut erhalten und haben kaum etwas von ihrer ursprünglichen Gestalt verloren.

Das Gothaer Museum hat sich zur Aufgabe gemacht, den barocken Universalgedanken repräsentativ zu erhalten und das historische Gebäude mit seinen beeindruckenden Gartenanlagen für die breite Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Die erst seit 1990 vollständig erschlossenen Bestände der geschichtlichen, kunsthistorischen und naturwissenschaftlichen Sammlung, der Bibliothek und des Archivs sind heute für ein weitreichendes Publikum zugänglich, sowie für die internationalen Forschungseinrichtungen, und unterliegen gleichzeitig der Obhut des Bewahrtwerdens. Das alles ist möglich, obwohl die unterschiedlichen Sammlungen, Gebäude und Anlagen nutzerspezifisch auf verschiedene Trägerschaften aufgeteilt sind. Um den zahlreichen Vorhaben nachzugehen, erfährt das gesamte Anwesen bis 2014 eine bauliche Umstrukturierung.

Die musealen Abteilungen im Schloss bestehen aus dem Schlossmuseum, dem Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde, dem Museum der Natur, dem Ekhof-Theater, den Kasematten und dem Herzoglichen Museum, welches sich zur Zeit in der Sanierung befindet. Das im Park abseits liegende Gebäude im Stil der Neorenaissance entstand ursprünglich zur Präsentation der vielfältigen herzoglichen Sammlungen. Heutzutage waren darin aber nur noch die naturkundlichen Sammlungen enthalten. Die baulichen Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass sich die ursprünglichen Kunstsammlungen, sowie Räumlichkeiten für Wechsel- und Sonderausstellungen darin wiederfinden und die ursprüngliche Großzügigkeit der Räume wieder hergestellt wird. Auch das Museum der Natur befindet sich demnach in einem Umstrukturierungszustand, welcher erst 2013 bzw. 2015 fertiggestellt sein wird. Jedoch wird im folgenden Kapitel darauf und auf die momentane Ausstellungsform der naturwissenschaftlichen Abteilung noch mal Bezug genommen, da sich das Vermittlungskonzept darauf konzentriert.

Das pädagogische Museumskonzept der Stiftung Schloss Friedenstein richtet sich gezielt an Schulklassen der Jahrgänge 1 bis 13 und ist nach dem Thüringer Lehrplan speziell für Schüler ausgearbeitet. Es kooperieren hier ab er nicht nur Schule und Museum miteinander, sondern auch andere Kindergruppen können sich anmelden, z.B. die eines Kindergeburtstagsfestes. Führungen, selbstständiges, kreatives Arbeiten und Projekttage werden flexibel gestaltet und beziehen sich auf alle Bereiche des Museums. Die Veranstaltungen und Präsentationen sind in thematische Bereiche eingeteilt, damit die Zuordnung zu den jeweiligen Schulfächern leichter fällt. Trotzdem sind fast alle Angebote fächerübergreifend. Je nach Interesse und Wunsch können die Führungen auch verändert, Schwerpunkte gesetzt und erweitert werden. Zu dem thematischen Bereich, der sich mit dem barocken Universum Gotha früher und heute beschäftigt, zählen zwei Führungen. Der thematische Bereich der Kunst- und Kulturgeschichte wird durch 18 verschiedene Führungen abgedeckt. Es gibt 16 Führungen im Natur-Bereich und 15 im Bereich der Stadt-, Regional-, Ur- und Frühgeschichte. Darunter sind viele interaktive Veranstaltungen, die das selbstständige Arbeiten, Mitdenken und die Kreativität der Kinder ansprechen, denn häufig werden im Anschluss meist spielerische, handwerkliche Aktivitäten angeboten, wie Basteln, Gestalten, Zeichnen, historisches Verkleiden oder Quizze. Manche Veranstaltungen basieren sogar völlig auf Spielen oder praktischen Techniken. Wenn der Zustand der Ausstellungsobjekte es erlaubt, können diese auch angefasst und so auf eine andere Weise sinnhaft erfahren werden. Auch finden sich pädagogisch-wertvolle Inhalte wieder, beispielsweise das „richtige Zähneputzen“, und mediale Elemente werden eingebaut. Jedes Jahr findet außerdem die Museumsnacht, das Kinder- und das Barockfest statt. Das Kinderfest ist gefüllt mit spektakulären Aktionen, Spielen und interessanten Präsentationen von Seiten der Präparatoren und Restauratoren. Das Barockfest ist hingegen für jede Altersklasse da und präsentiert zwei Tage des inszenierten barocken Lebens mit Herzog, Gemahlin und dem Hofstaat, welcher aus allen möglichen historischen Handwerkern und Händlern besteht, die Waren vor Ort produzieren und verkaufen. Es gibt Unterhaltungsprogramme jeder Art, sowie musikalische Darbietungen und Führungen.

Diese Angebote unterscheiden sich sehr von dem regulären Programm des Schlosses. Mit der Museumsnacht kommt noch mehr Ausgefallenes hinzu, weil für die Besucher/innen jeden Alters noch mal ganz andere Sammlungsobjekte gezeigt und anschaulich präsentiert werden. Außerdem bietet die Stiftung Schloss Friedenstein in den Schulferien ein Ferienprogramm an. Durch den freien Eintritt für Kinder und Klassen werden diese Besuchergruppen noch mehr motiviert an dem pädagogischen Programm der Stiftung Teil zu nehmen. Zum regulären Angebot für Erwachsene gehört ein Audioguide mit Rundgang durch die herzoglichen Räume und Säle, sowie durch die Kunstkammer. Auch das Schlossmuseum und die Kasematten können mit einer Führung erfahren werden.

Der Besucherservice bietet im Zuge der Barrierefreiheit ab dem 06. Mai 2012 einen Aufzug im neuen Haupttreppenhaus, um auch Rollstuhlfahrern den Zugang zu den Etagen zu gewährleisten. Spezielle Führungen gibt es für blinde und sehbehinderte Gäste nach Voranmeldung und in Begleitung eines Museumsführers kann Verschiedenes ertastet und angefasst werden.

Nun ist ein erstes Bild von Schloss Friedenstein entstanden, von den Einrichtungen, sowie von dem Besucherangebot. Es fällt dabei auf, dass ein riesiges Angebotsspektrum für die Besuchergruppe Kinder, Schulklassen und Schüler vorhanden ist, wobei die Jahrgangsklasse 11 bis 13 am wenigsten bedient werden Ebenfalls die einfache Erwachsenen-Gruppe wird befriedigt. Familien, junge Erwachsene, Senioren, Menschen mit Behinderung und Menschen mit Migrationshintergrund werden hingegen kaum bis gar nicht angesprochen. Zwar ist es möglich, dass die Veranstaltungen des Barockfests und der Museumsnacht noch viele weitere Zielgruppen locken, doch finden diese Veranstaltungen nur ein Mal im Jahr statt.

3 Das naturkundliche Museum

Wie oben schon erwähnt werden museale Teile des Schlosses ab 2013 nicht mehr im Schlossgebäude zu finden sein, sondern in das Herzogliche Museum umsiedeln. Was zurückbleibt sind die original ausgestatteten prunkvollen Räume und Säle des Herzogs, das Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde und das Museum der Natur. Zu diesem Museum werden die Abteilungen Thüringer Wald, die Tambacher Ursuarier und das Naturalienkabinett gehören. Das bedeutet aber nicht, dass der Besucher/die Besucherin momentan auf die naturkundliche Sammlung verzichten muss. Es befindet sich im Westturm des Schlosses eine zoologische Dauerausstellung mit dem Titel: „Tiere im Turm“. Die Stiftung Schloss Friedenstein ist der Meinung, „Das Schloss wird durch die vielen jungen Besucher/innen des Museums mit neuem Leben erfüllt. Das Museum der Natur wird durch die vielen auswärtigen Touristen ganz neue Besucherschichten für sich gewinnen können.“1, doch macht die Stiftung nicht deutlich, dass sie gewillt ist, diese neuen Besuchergruppen mit gezielten besucherspezifischen Angeboten zu halten.2

[...]


1: http://www.stiftungfriedenstein.de/index.php?id=22

2: http://www.stiftungfriedenstein.de/index.php?id=9

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Tiere im Turm. Das museumspädagogische Vermittlungskonzept einer Ausstellung der Stiftung Schloss Friedenstein
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunsthistorisches Seminar und Kunstodie)
Veranstaltung
Bildungsarbeit und Vermittlung in Museen
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V308153
ISBN (eBook)
9783668063167
ISBN (Buch)
9783668063174
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Museumspädagogik, Vermittlungskonzepte, Stiftung Schloss Friedenstein
Arbeit zitieren
Hilke Räuschel (Autor), 2012, Tiere im Turm. Das museumspädagogische Vermittlungskonzept einer Ausstellung der Stiftung Schloss Friedenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308153

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