Die Entfaltung musikalischer Begabung. Bedingungen und Voraussetzungen am Beispiel von Amy Winehouse und Kurt Cobain


Hausarbeit, 2015
30 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis...2

Einleitung...3

1 Künstlerbiographie: Amy Winehouse...8
1.1 Das familiäre und schulische Umfeld sowie der Einfluss örtlicher Begebenheiten im Umkreis des Geburtsortes...8
1.2 Bezugspersonen: Familie, Freunde und Weggefährten/Vorbilder...10
1.3 Individueller Charakter sowie musikalische Begabung und Ausbildung...13

2 Künstlerbiographie: Kurt Cobain...17
2.1 Das familiäre und schulische Umfeld sowie der Einfluss örtlicher Begebenheiten im Umkreis des Geburtsortes...17
2.2 Bezugspersonen: Familie, Freunde und Weggefährten/Vorbilder...20
2.3 Individueller Charakter sowie musikalische Begabung und Ausbildung...22

3 Zur objektiven Bewertung und Darstellung der Biographien:...27
3.1 Bewertung der journalistischen Grundlage zur Biographie von Amy Winehouse...27
3.2 Bewertung der journalistischen Grundlage zur Biographie von Kurt Cobain...28

4 Literaturverzeichnis...30

Einleitung

Wie bereits im Studienbrief an einer Stelle unmissverständlich festgehalten – und man kann sich dem dortigen Fazit vorab nur anschließen – kann man "… sagen, dass es bislang nicht möglich ist, musikalische Begabung zuverlässig zu messen"[1] . Dies macht es umso schwieriger, wie in dieser Hausarbeit dargelegt werden soll (wobei hier eher der spätere musikalischen Erfolg relevant ist, was nicht unbedingt musikalische Begabung voraussetzen muss), entsprechende musikalische Begabung in der Biographie zu orten und zu diagnostizieren, zumal oftmals vieles aus der Biographie erst dann schlüssig erscheint, wenn der musikalische Weg bereits erfolgreich beschritten wurde bzw. die Künstlerin/ der Künstler nicht mehr lebt (und somit das Lebenswerk abgeschlossen ist), wobei dann vermeintliche Legendenbildungen, die eine musikalische Begabung im Nachhinein zu legitimieren scheinen, bewusst kolportiert werden. Dennoch kann man gewisse Merkmale festhalten, die eine gewisse Wahrscheinlichkeit offenbaren, dass die betreffende Künstlerin/ der betreffende Künstler bereits in frühesten Tagen ihrer/ seiner Kindheit Anzeichen erkennen ließ, dass sich notwendigerweise aus ihr/ ihm eine in musikalischer Hinsicht Ausnahmeerscheinung mit entsprechendem Erfolg entwickeln musste.

Ich habe mich im folgenden auf zwei Künstlerpersönlichkeiten festgelegt, deren Lebenszeit zwar nicht allzu weit auseinander liegt, die aber dennoch unter verschiedenen Bedingungen die Weltbühne betraten und die vor allem trotz eines zu ihrer Zeit sich in der Musikbranche für ihren Erfolg nicht gerade förderlich auswirkenden, sondern eher gegenteilig entwickelnden Trends hervortraten: zum einen Amy Winehouse und zum anderen Kurt Cobain.

Beide liegen altersmäßig gute 16 ½ Jahre auseinander. Die Zeitspanne zwischen ihrer jeweiligen (kommerziell relevanten) Debüt-Veröffentlichung liegt bei 14 Jahren (Kurt Cobain – Veröffentlichung: "Bleach" (1989) mit seiner Band Nirvana; Amy Winehouse – Veröffentlichung: "Frank" (2003) als Solokünstlerin), die Zeitspanne zwischen ihrer jeweiligen Veröffentlichung mit durchschlagendem Welterfolg liegt bei 15 Jahren (Kurt Cobain – Veröffentlichung "Nevermind" (1991) mit seiner Band Nirvana; Amy Winehouse – Veröffentlichung: "Back to black" (2006) als Solokünstlerin).

Zunächst einmal wäre also an dieser Stelle zu erwähnen, dass für beide Künstlerpersönlichkeiten ein branchenspezifischer Nährboden vorhanden war, der – allerdings auch nur in notwendiger Verknüpfung mit ihrer jeweiligen Persönlichkeit – die außergewöhnliche musikalische Begabung begünstigte. Dabei kam Kurt Cobain und seiner Band entgegen, dass auf dem seinerzeit aktuellen Musikmarkt eine in jeglicher Hinsicht Sättigung eingetreten war, die es zudem an künstlerischer Authentizität vermissen ließ. So heißt es an einer Stelle: ""Nirvana" mit dem Frontmann Kurt Cobain waren die Stars der Szene (…) und brachten eine Re-Authentifizierung der Musikstars mit sich. (…) Sozusagen ein Gegenstück zu den unecht wirkenden Megastars, wie Michael Jackson, Madonna oder Prince""[2] die seinerzeit den Musikmarkt beherrschten. Im Zuge der „Nirvana“-Mania wurde das durch diese Band verkörperte Authentische dahingehend kultiviert, dass ein Musikbranchen-Zweig entstand, der sich fortan Independent oder Alternative (Rock) nannte und der damit vor allem deutlich machen wollte, dass "man" keinem Major-Label und dessen Vorgaben unterworfen war. Ferner erhielt mit Kurt Cobain ein roher, ungeschliffener Habitus Einzug ins Geschäft, der nicht nur die Musik betraf, sondern auch das Auftreten an sich, sowohl von der Performance her, als auch vom Outfit. Es ging nicht mehr um perfekt von oben bis unten durchgestylte Rockgrößen und perfekt inszenierte und arrangierte Auftritte und Touren. Damit einhergehend war Kurt Cobain mit seiner Band der Auslöser für die Entstehung einer neuen Jugendkultur, die sich mit dem Begriff "Generation X" plakatieren ließ und eines Lebensgefühls, das sich in einem Musikstil ausdrückte, der diverse zuvor entstandene Musikstile in einem neuen verband (Heavy Metal mit Punkrock und 60er-/ 70er-Jahre-Rock (Garage Rock (Mischung aus Punk und Hardrock-Elementen)), der sich „Grunge“ nannte.

Amy Winehouse trat ihrerseits zu einem Zeitpunkt in Erscheinung als abermals das stillschweigende Gebot von Authentizität im Musikbusiness ins Wanken geriet, allerdings diesmal durch andere Verhältnisse verursacht. Spätestens seit Beginn des neuen Jahrtausends hatte das Internet mit seiner Möglichkeit des ungehinderten Zugangs zu Medien aller Art, so auch zu Musik, zunehmend dafür gesorgt, dass die kommerzielle Musikindustrie starke finanzielle Einbußen hinnehmen musste (als bestes Beispiel seien hier die Konsequenzen aus den Problemen erwähnt, die die Musiktauschbörse Napster seinerzeit verursachte). Langfristig angelegte, kostspielige Künstlerbetreuungen mit langjährigen Verträgen konnten nicht mehr eingegangen bzw. angeboten werden. Dies führte zu Massenproduktion für einen einheitlich propagierten Massengeschmack. Der Markt musste in immer kürzeren Abständen, nahezu inflationär und beliebig mit Musik beliefert werden, um überhaupt noch "Geld machen zu können", worunter dann die Qualität der Produkte litt bzw. nicht die Musik als Produkt im Vordergrund stand, sondern die Vermarktung einer Marke in Gestalt der Künstlerin oder des Künstlers. Diese Problematik führte zum einen dazu, dass vom Lebenslauf her nahezu vorprogrammierte Künstlerkarrieren, die also bereits in der Kindheit aufgebaut und schnell in eine Vermarktungsstragie eingebunden wurden (wie z. B.: Britney Spears, Justin Timberlake, Christina Aguilera (alle drei ihres Zeichens Produkte der "Talentschmiede" "Mickey Mouse Club" auf dem Fernsehsender Disney Channel)) oder eben künstlich aufgebaute Künstlerkarrieren kreiert wurden, wie sie mithilfe von Castingformaten im Fernsehen entstanden. Was letztere Entwicklung betrifft, war der britische Musik- und Fernsehproduzent Simon Fuller wesentlich treibende Kraft, der bereits 2001 das britische Castingformat "Pop idol" ins Leben rief, aus dem 2002 der amerikanische Ableger "American idol" und die deutsche Variante "Deutschland sucht den Superstar" hervorging. Obwohl Amy Winehouse über ihren Manager Nick Godwyn ansatzweise in den Dunstkreis von Simon Fuller geriet, konnte sie sich, vermutlich auch aufgrund der Tatsache, dass ihre Wurzeln nicht in einem künstlich aufgebauten Image lagen, von der Sogkraft dieser Verkommerzialisierung lösen. Wenn man bedenkt, dass also 2003 ihr Debüt-Werk erschien, fiel ihre musikalische Entwicklung genau in diese Phase verstärkt künstlich aufgebauter Images. Rechtzeitig vor ihrem internationalen Durchbruch trennte sie sich daher von dem dahinter stehenden Management „Brilliant 19“ (heute: 19 Entertainment der CORE Media group). In ihrer Biografie heißt es dazu unter Berufung auf ihren O-Ton:"Ich würde nie Teil dieses Systems sein wollen", ließ sie nach der Trennung verlauten, "ich wäre wahrscheinlich sogar glücklich gewesen, den Rest meines Lebens bloß in einer Coverband zu singen. Aber ich hätte in einer Milliarde Jahre nicht an einer solchen Show teilgenommen, da deine Musikalität nicht von anderen Menschen beurteilt werden sollte. Musik ist etwas, was in dir drinsteckt und was du mit dir selber ausmachst"[3].

Neben der allgemeinen, die Musikindustrie betreffenden Situation, in der sich beide hier zu besprechenden Künstlerpersönlichkeiten also jeweils wiederfanden und mit der sie umzugehen lernen mussten, als ihre Stunde gekommen war, spielten ursprünglich drei weitere Aspekte eine große Rolle bei ihrer (im Hinblick auf die musikalische Begabung) Entwicklung, wobei sich diese Aspekte gegenseitig durchdringen und eine Abgrenzung schwierig erscheint, so dass in der Schilderung der einzelnen Punkte jeweils Aspekte der anderen Punkte mitschwingen:

1. Zum einen war dies das Umfeld, sowohl familiärer als auch schulischer Art sowie geographisch (also hinsichtlich des Ortes ihres Aufwachsens).
2. Danach ihre Bezugspersonen, sowohl familiärer Art, als auch im Hinblick auf Freunde oder Weggefährten/ Vorbilder sowie schließlich
3. ihr ganz individueller Charakter einschließlich ihrer vermeintlich hinzukommenden musikalischen Begabung bzw. Ausbildung.

1 Künstlerbiographie: Amy Winehouse

1.1 Das familiäre und schulische Umfeld sowie der Einfluss örtlicher Begebenheiten im Umkreis des Geburtsortes

Amy Winehouse (14.09.1983 – 23.07.2011) wuchs in Southgate, einem Stadtteil von London auf, wobei schon einmal festgehalten werden kann, dass London ohnehin für Künstler und vor allem für Musiker ein Mekka an sich ist, was sicherlich auch die Chancen erhöht, auf musikalischem Gebiet bekannt zu werden, sofern man ein gewisses Talent dazu besitzt. In ihrer Biographie wird der Stadtteil Southgate als ein Zentrum der "lower middleclass", also der unteren Mittelschicht beschrieben, so dass es ihr zumindest von finanzieller Seite her zunächst nicht in die Wiege gelegt war, eine Künstlerlaufbahn, ggf. an einer Eliteschule aufzunehmen und zu verfolgen, auch wenn es in ihrer Biographie heißt, dass die Eltern es bis zum Jahre 1984 zu einem bescheidenen Wohlstand brachten. Ihr Vater Mitch war Taxifahrer und ihre Mutter Janis zunächst Apothekenhelferin, absolvierte aber nebenbei ein naturwissenschaftliches Studium mit Diplomabschluss im Fernstudium an der Open University, um daraufhin ein Studium an der School of Pharmacy in London dranzuhängen. Explizit heißt es: "Southgate selbst bietet wenig Aufregendes"[4]. Für ein junges Mädchen, das schon früh als eher verhaltensauffällig galt, also nicht der richtige Ort, um sich (vor allem in künstlerischer Hinsicht) auszuleben oder zu experimentieren. Daher trieb sie sich später zunehmend in Camden herum, wo sie schließlich auch hinziehen (und dort sterben) sollte, einem Multi-Kulti-Zentrum Londons, das gleichzeitig als Künstlerviertel zu bezeichnen ist und in dem die sog. alternative Szene brodelt, was sicherlich einen entscheidenden Einfluss auf ihre Inspiration gehabt haben mag, zumal sie dort sowohl als Künstlerin, wie auch als Zuschauerin/ -hörerin durch die Clubs tingelte. Neben ihren Eltern lebte auch ihr vier Jahre älterer Bruder Alex mit ihnen zusammen, wobei beide Geschwister "… einen Großteil ihrer Kindheit bei den Großeltern verbrachten"[5]. Ursprünglich ging Amy ab dem vierten Lebensjahr in die 2Osidge Primary School2 (Southgate, http://www.osidgeschool.org). Dort wurde ihre Verhaltensauffälligkeit schnell sichtbar:

"Denn Stillsitzen, Aufpassen und sich am Unterricht zu beteiligen war nicht Amys Ding. (…) Aber wenn sie sich doch einmal dazu bequemte mitzumachen, dann blitzte stets ein messerscharfer Verstand auf, und zur allgemeinen Überraschung hatte sie den Unterrichtsstoff mitbekommen. Heute würde man einem derart verhaltensauffälligen Kind sicherlich "Hochbegabung" attestieren oder ein "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom" diagnostizieren und ihm "Ritalin" verschreiben"[6].

Insofern konnte sie eigentlich sogar froh sein, dass die „Osidge“ – wie es heißt – sich bereits zu dieser Zeit auf die Fahnen geschrieben hatte "Kinder als Individuen zu betrachten, die unterschiedliche Ansprüche haben"[7]. Auch auf einer ihrer späteren Schulen vermutete die dortige Direktorin Sylvia Young, "… dass Amy aufgrund einer Hochbegabung von den normalen Fächern gelangweilt sein könnte. Deshalb wurde beschlossen, Amy noch im laufenden Schuljahr eine Klasse überspringen zu lassen"[8]. Allerdings half das nichts, was die anderen Fächer betraf. Lediglich in Englisch entwickelte sie Enthusiasmus. "Was sie viel mehr interessierte war Musik"[9]. Ein ziemlich eindeutiger Hinweis für ihre Vorliebe für Musik wird wohl die Tatsache sein, dass sie ohne Rücksicht auf Verluste bzw. auf zu erwartende Strafen in allen Fächern beharrlich ihre Sangeskünste preisgab.

[...]


[1] Olbertz, Dr. Franziska (2010), Musikalische Begabung. Modul F15 Studienbrief, Lüneburg, S. 27

[2] Brzozowski, Jacek (2003), Popkultur der 90er Jahre am Beispiel der Techno-und Grunge-Kultur, Grin Verlag, München, S. 9

[3] Schuller, Alexander; von Bredow, Nicole (2011), Amy Winehouse und ihr viel zu kurzes Leben, Goldmann Verlag, München, S. 64

[4] Ebd., S. 30

[5] Ebd., S. 33

[6] Ebd., S. 37

[7] Vgl. ebd. S. 37

[8] Ebd., S. 52

[9] Ebd., S. 52

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Entfaltung musikalischer Begabung. Bedingungen und Voraussetzungen am Beispiel von Amy Winehouse und Kurt Cobain
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Institut für Kunst, Musik und ihre Vermittlung)
Veranstaltung
Musikalische Begabung
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
30
Katalognummer
V308253
ISBN (eBook)
9783668068667
ISBN (Buch)
9783668068674
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musikalische Begabung, Kurt Cobain, Amy Winehouse, Künstlerbiographie, Talent, Musik, Leben, Biographie, Club 27
Arbeit zitieren
Frank Findeiß (Autor), 2015, Die Entfaltung musikalischer Begabung. Bedingungen und Voraussetzungen am Beispiel von Amy Winehouse und Kurt Cobain, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308253

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