Deutsche Portfolioinvestitionen im Ausland. Zielsetzungen und internationale Finanzierungswirkungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1. Portfolio-Theorie nach Markowitz
2.2. Portfolioinvestitionen
2.2.1. Aktien
2.2.2. Schuldverschreibungen
2.2.3. Investmentfonds

3. Abgrenzung zu Direktinvestitionen
3.1. Direktinvestitionen
3.2. Portfolioinvestitionen
3.3. Rating der Emittenten

4. Aktuelle Beschreibung deutscher Portfolioinvestitionen im Ausland
4.1. Die stärksten Partner Deutschlands
4.2. Krisenbedingte Veränderungen

5. Emerging Markets
5.1. Schwellenländer als Investitionsziel
5.2. Die Asienkrise
5.2.1. Portfolioinvestitionen als Beschleuniger
5.2.2. Komplexität des internationalen Finanzsystems
5.3. Chancen und Risiken für Emerging Markets

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich ein komplexes Finanzsystem, dessen Bedeutung für die offenen Volkswirtschaften enorm an Bedeutung zunahm. Dabei wurden diverse Finanzinstrumente konstruiert, um Staaten, Unternehmen, als auch Privatkunden am globalisierten Handel teilnehmen zu lassen. Durch den Handel der teilnehmenden Akteure ist es in der Vergangenheit zu verschiedenen Effekten gekommen. Auf Grund des Scheiterns der Dollar- und Goldparität des 1944 geschlossene BrettonWoods-Abkommens 19731, war der Weg für den internationalen Devisenhandel und damit einer umfassenden Liberalisierung der Finanzmärkte geebnet. Zuvor waren die Finanzmärkte hauptsächlich national organisiert und die meisten Währungen weltweit an den Dollar gebunden. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung einiger westlicher Staaten in den 80er und 90er Jahren nahm deren Handel auf internationalen Terrain stark zu. Die Güter- und Kapitalströme globalisierten und liberalisierten den weltweiten Handel und die Finanzsysteme. Der enorme Anstieg des Kapitals als auch des Handels zwischen den Industriestaaten in den darauffolgenden Jahrzehnten wurde mit den neuen Technologien der Computer und des Internet erst möglich, da nun Informationen direkt und jeder Zeit eingeholt und Geschäfte rund um den Globus abgeschlossen werden konnten. Das resultierende Wirtschaftswachstum brachte vor allem private Akteure wie Banken, Unternehmen, etc. mit ins Spiel.

Angesichts des steigenden Kapitals wird es für alle internationalen Akteure, ob Schuldner oder Gläubiger, interessanter Kapitalströme zu ihren Gunsten umzuleiten. Eine Perspektive für beide Seiten bieten in der Regel die stark spekulativen und kurzfristigen Portfolioinvestitionen.

2. Begriffserklärung

Portfolio, Portfollo (lat. portare „tragen“ und folium „Blatt“)2 ist die ursprüngliche Bezeichnung für eine Brieftasche oder eine Sammelmappe. Daraus folgt das italienische „portafoglio“ welches im deutschen und englischen wirtschaftlichen Jargon heute bedeutet: gesamter, aufeinander abgestimmter strategischer Bestand an Wertpapieren eines Anlegers3 wie z.B. eines Unternehmens, einer Bank oder einer Gesellschaft.

2.1. Portfolio-Theorie nach Markowitz

1952 veröffentlicht Harry Markowitz die Portfolio-Theorie, für welche er 1990 den Nobelpreis für Ökonomie erhält und damit die Finanzwirtschaft der Moderne begründet. Größtenteils erwarten Anleger hohe Renditen, wollen aber im Gegenzug kein Risiko eingehen. Daraus „[] ergibt sich ein traditioneller Zielkonflikt. Um einerseits die Renditen zu maximieren und andererseits das Risiko zu minimieren, müssen die Investments gegeneinander ausbalanciert werden, damit für Anleger die optimale Anlagestrategie nach Rendite-Risiko-Gesichtspunkten ermittelt werden kann“4. Markowitz plädiert daher für die ökonomisch beste Zusammensetzung der Investitionen zwischen Risiko und Renditenaussicht. „Zwar sind Rendite und Risiko eines Wertpapierinvestments untrennbar miteinander gekoppelt - mittels Diversifikation lässt sich jedoch unter bestimmten Rahmenbedingungen ein Teil des Risikos eliminieren, ohne gleichzeitig einen Renditeverlust zu verzeichnen. Diversifikation bedeutet, dass sich die Risiken der Einzeltitel nicht einfach addieren, sondern sich zum Teil gegenseitig aufheben“5. So stehen beispielsweise der Ölpreis und die Kursentwicklung von Aktien der Mineralölgesellschaften in Wechselwirkung und es ist davon auszugehen das sich beide Werte in dieselbe Richtung entwickeln. Werden zusätzlich Staatsanleihen von Öl abhängigen Länder mit in das Portfolio aufgenommen, ist die Diversifikation gleich Null, da alle Investitionen auf eine Karte setzen. In diesem Beispiel ist es nicht möglich dass sich eventuelle Verluste gegenseitig abfedern, daher legt Markowitz den potenziellen Anlegern nahe, in nicht korrelierende Papiere zu investieren.[6]

2.2. Portfolioinvestitionen

Portfolioinvestitionen sind meist kurzfristige Transaktionen im Zusammenhang mit Anteilspapieren (Aktien und Investmentzertifikate), langfristigen verzinslichen Wertpapieren (Renten) und Geldmarktpapieren auf den internationalen Finanzmärkten.

2.2.1. Aktien

Aktien bieten für Unternehmen die Chance Geld am Kapitalmarkt einzunehmen, da sie Eigentumsanteile repräsentieren. „Besitzer einer [] Aktie ist ein Teilhaber“7 des Unternehmens, weshalb man auch von Eigenkapitalfinanzierung spricht. Die Anleger „[] stellen daher eine Forderung auf die Gewinne, die die Unternehmung erwirtschaftet“8 um daran ebenfalls beteiligt zu werden.

2.2.2. Schuldverschreibungen

Schuldverschreibungen sind Urkunden in denen sich der Aussteller (Schuldner) dem Gläubiger verpflichtet, eine geliehene Geldsumme am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen und während der Laufzeit in Form einer laufenden Verzinsung eine Leistung erbringt.9 Hierbei spricht man von Fremdkapitalfinanzierung, da keine Anteile des Unternehmens vergeben werden. Zu den Schuldverschreibungen, auch Obligation (oder engl. Bonds) genannt, zählen Anleihen, Pfandbriefe und Rentenpapiere. Stammt der Emittent aus öffentlicher Hand werden Bundes-, Landes-, Staats-, Kommunalanleihen, usw. ausgegeben.10 Außerdem kommen als Emittent der Wertpapiere vor allem Kreditinstitute und Großunternehmen in Frage, welche entweder zur Sicherung oder zur Kapitalschöpfung Anleihen auflegen. Laufzeiten und Zins variieren nach Art und Emittent.

2.2.3. Investmentfonds

„Wertpapiere, die Anteile an einen Investmentfonds verbriefen. Mit dem Kauf von solchen Anteilscheinen wird man Miteigentümer am Fondsvermögen“11. Die jährlichen Erträge werden entweder ausgeschüttet oder neu angelegt. Die Investmentfonds gelten als Sondervermögen einer Investmentgesellschaft, dass aus dem eingelegten Geld von Kapitalanlegern gebildet wurde.[12]

Das Sondervermögen muss vom eigenen Vermögen der Investmentgesellschaft getrennt gehalten werden. Man unterscheidet zwischen Publikumsfonds, deren Anteile öffentlich angeboten und von jedermann erworben werden können, und Spezialfonds, die für institutionelle Anleger (Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen) aufgelegt werden und deren Anteile nicht öffentlich angeboten werden.[13]

3. Abgrenzung zu Direktinvestitionen

Portfolioinvestitionen sind nicht zu verwechseln mit Direktinvestitionen, welche auf der selben Ebene der Kapitalbilanz einer Volkswirtschaft aufgelistet werden. Prinzipiell zielen beide Arten der Investitionen auf das selbe große Ziel der Rendite ab. Unterschieden werden sie in der Finanzliteratur deshalb, da die Motivation der Anleger eine andere ist. Auch das investierte Volumen an Kapital unterscheidet sich mittlerweile deutlich.[14]

3.1. Direktinvestitionen

Direktinvestitionen „[] sind Kapitalanlagen zur Gründung oder zur Beteiligung mit unternehmerischer Verantwortung an Unternehmen, Produktionsstätten oder Niederlassungen“15. Global aktive Unternehmen beteiligen sich an internationalen Fusionen, erwerben Anteile an ausländischen Unternehmen oder errichten eigenen Zweigstandorte im Ausland.

Besonderes Augenmerk der Unternehmen genießt dabei das Kontrollmotiv, die Kosten, das Know-how, sowie die langfristigen Investition im Ausland. Beispielsweise kann ein Unternehmen wie die ThyssenKrupp AG ein Werk in Brasilien bauen16, welches komplett dem Konzern zuzuordnen ist. Ebenfalls kann ein deutsches Unternehmen wie Mercedes Aktienanteile an einem ausländischen Unternehmen wie Tesla erwerben17 um damit Know-how zu erwerben als auch Einfluss auf die Firmenpolitik zu nehmen.

3.2. Portfolioinvestitionen

Portfolioinvestitionen dagegen sind Anlagen welche ausschließlich auf Rendite durch Beteiligungswerte an ausländischen Unternehmen oder Staaten aus sind. Das Beispiel, Mercedes erwirbt Aktienanteile an Tesla, kann ebenfalls hier angeführt werden, wobei die Literatur dahin gehend unterscheidet, ausschließlich als Kapitalanleger zu fungieren und nicht aktiv eingreifen zu wollen. Als Grenzbetrag gelten im allgemeinen >10% der Anteile als Direktinvestition und <10% als Portfolioinvestition.18 Dies gilt jedoch nur als theoretisch Trennung zur Erhebung von Statistiken und Bilanzen, da die Motive der Investoren in der Praxis nicht exakt auszumachen sind. Typische Portfolioinvestitionen sind beispielsweise der Kauf von Aktien eines ausländisches Unternehmens wie Apple, durch einen deutschen privaten Anleger, da dessen Intention allein der Ertrag der Aktie ist. Außerdem kann ein deutsches Versicherungsunternehmen im großen Stil gut bewertete Staatsanleihen eines ausländischen Landes kaufen. Beide Begebenheiten stellen eine deutsche Portfolioinvestition im Ausland dar.

3.3. Rating der Emittenten

Private, unabhängige Ratingagenturen wie Moody's, Standard & Poor's (S&P) oder Fitch prüfen emittierte Wertpapiere und geben eine Bewertung nach einem standardisierten Buchstabensystem aus (AAA beste Qualität bis D zahlungsunfähig). Diese Ratings sind die „Aussage über die Fähigkeit (Bonität) eines Schuldners (Emittenten), die Zins- und Tilgungsleistung auf die von ihm emittierten Wertpapiere jederzeit fristgerecht und in vollem Umfang zu leisten“19. Dabei werden die Bonität als auch das Risiko des Emittenten nach bestimmten Prüfkriterien untersucht und somit eine Einschätzung für interessierte Anleger am Finanzmarkt gegeben. Dadurch steigt die Markttransparenz für Kapitalanleger und Vergleiche zwischen den angebotenen Papieren ist möglich.

[...]

1 Bundeszentrale für politische Bildung (2013): Das Lexikon der Wirtschaft: Grundlegendes Wissen von A-Z. Bonn (Band 1330), S. 205

2 vgl. Wikipedia: Stichwort „Portfolio“.

3 vgl. Duden: Wörterbuch; Stichwort „Portfolio“.

4 Börse Frankfurt (2014): Prinzip der Theorie von Markowitz: Die Basis von passiven Investments.

5 ebd.

6 vgl. ebd.

7 Mankiw, N.G./Taylor, M.P.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 4. überarb. und erw. Aufl. - Stuttgart:

8 Schäffer-Poeschel, 2008. S. 636

9 ebd. vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2013): Das Lexikon der Wirtschaft: Grundlegendes Wissen von A-Z. Bonn (Band 1330). S. 453

10 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2009): Wirtschaft heute. Bonn (Band 1007). S. 300 Bundeszentrale für politische Bildung (2013): Das Lexikon der Wirtschaft: Grundlegendes Wissen von A-Z. Bonn (Band 1330). S. 437

11 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2013): Das Lexikon der Wirtschaft: Grundlegendes Wissen von

12 A-Z. Bonn (Band 1330). S. 437 f.

13 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2009): Wirtschaft heute. Bonn (Band 1007). S. 302

14 Diagramm Abbildung 1: Eigendarstellung. Daten verwendet von: International Monetary Fund (2014): Coordinated Portfolio Investment Survey.

15 ebd. S. 246

16 vgl. BrasilNews - Aktuelle Nachrichten aus Brasilien (2013): Ausländische Direkt-investitionen in Brasilien auf neuem Rekord.

17 vgl. Kruschke, G.: Daimler reduziert Tesla-Anteil, dpa, 16. Mai 2013.

18 vgl. IMF Committee on balance of payments statistics and OECS workshop on international investment statistics, Direct Investment technical expert group (DITEG) (2004): Issue Paper (DITEG) #20; Definition of foreign direct investment (FDI) terms. p. 6

19 Bundeszentrale für politische Bildung (2013): Das Lexikon der Wirtschaft: Grundlegendes Wissen von A-Z. Bonn (Band 1330). S. 450

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Deutsche Portfolioinvestitionen im Ausland. Zielsetzungen und internationale Finanzierungswirkungen
Hochschule
Hochschule für Politik München
Veranstaltung
Hauptseminar: Ausgewählte Fragen der internationalen Finanzbeziehungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V308272
ISBN (eBook)
9783668071483
ISBN (Buch)
9783668071490
Dateigröße
1081 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsche, portfolioinvestitionen, ausland, zielsetzungen, finanzierungswirkungen
Arbeit zitieren
Michael Port (Autor), 2014, Deutsche Portfolioinvestitionen im Ausland. Zielsetzungen und internationale Finanzierungswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308272

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