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Informationsprozesse als Basis für taktische Entscheidungen im Sport

Beeinflusst die Wahrnehmung das taktische Verhalten von Spielern in komplexen Situationen?

Title: Informationsprozesse als Basis für taktische Entscheidungen im Sport

Research Paper (postgraduate) , 2015 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jens Kamm (Author)

Sport - Kinematics and Training Theory
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Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit werde ich mich mit der Fragestellung befassen, in wieweit falsche, taktische Einschätzungen auf fehlerhafte Prozesse bei der Informationsaufnahme und/oder -verarbeitung zurückgeführt werden können? Gerade in den Sportspielen haben die Prozesse der Informationsaufnahme und -verarbeitung eine hohe Relevanz, weil in den komplexen Spielsituationen eine riesige Informationsflut vom Spieler bewältigt werden muss.

Die Ursachen für die falsche taktische Entscheidung in Sportspielen können auf unterschiedlichen Ebenen liegen:
Bereits die Aufnahme des gesamten Informationspools im Wahrnehmungsprozess, der für die Bewertung der Spielsituation die Basis bildet, ist fehlerhaft. Es können nicht alle Parameter aufgenommen werden, die für eine spätere Abwägungsentscheidung für die richtige taktische (Spiel-)Option relevant sind. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte Tunnelblick bei fünf- bis sechsjährigen Kindern im Fußball. Der Blick des Kindes ist primär auf den Ball fokussiert. Eine Erweiterung des Aufmerksamkeitsfokus auf die peripheren Bereiche bzw. die Orientierung im Raum (Informationsaufnahme) findet kaum statt.

Die für die Erreichung des taktischen Ziels (den erfolgreichen Pass zum freistehenden Mitspieler beim Handball oder Fußball) notwendigen Informationen werden nicht oder nur fehlerhaft aus dem riesigen Informationspool, der bei der Aufnahme der Spielsituation entsteht, herausgefiltert/selektiert.

Die Bewertung der für das taktische Ziel selektierten Informationen ist nicht richtig.

Häufig wird bei der Spiel(er)beobachtung deutlich, dass durch Spieler vor und nach der Ballannahme keine Orientierung in der Tiefe des Raumes stattfindet, sondern die Fokussierung des Blicks eher auf die technische Verarbeitung des Balles gerichtet ist. Es könnte sich aber auch um das Phänomen der „Inattentional Blindness“ handeln, das Daniel Memmert (2005) in der Zeitschrift Leistungssport vorgestellt hat. Durch die sehr zielgerichtete Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die technische Verarbeitung des Balles werden Informationen zu anderen bzw. unerwarteten Objekten häufig nicht mehr wahr- bzw. aufgenommen. Damit wäre die „Inattentional Blindness“ ein spezieller Faktor im Rahmen der Informationsverarbeitung. Es könnten aber auch Instruktionen des Trainers eine Ursache dafür sein, dass bestimmte Informationen nicht mit in die taktische Entscheidungsfindung mit einbezogen werden?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wahrnehmung und Aufmerksamkeitsfokussierung

2.1 Wahrnehmung

2.2 Aufmerksamkeitsfokussierung

2.2.1 Internale und externale Aufmerksamkeitsfokussierung

2.2.2 Subprozesse der Aufmerksamkeit

2.2.2.1 Aufmerksamkeitsorientierung (orienting attention)

2.2.2.2 Selektive Aufmerksamkeit (selective attention)

2.2.2.2.1 Selektive Aufmerksamkeit in komplexen Sportspielsituationen

2.2.2.2.2 Phänomen „Inattentional Blindness“

2.2.2.3 Geteilte Aufmerksamkeit (divided attention)

2.2.2.4 Konzentration (sustained attention)

3 Inattentional Blindness und taktische Entscheidungshandlung in komplexen Sportspielsituationen

3.1 Zusammenhang visuelle Wahrnehmung und Inattentional Blindness

3.2 Existenz der Inattentional Blindness im Sportspiel

3.3 Taktische Anweisungen verringern den Aufmerksamkeitsfokus

3.4 Exogene Stimuli erweitern den Aufmerksamkeitsfokus

4 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Wahrnehmung und die Aufmerksamkeitssteuerung die taktische Entscheidungsfindung von Spielern in komplexen Sportspielsituationen beeinflussen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob fehlerhafte taktische Entscheidungen auf eine unzureichende Informationsverarbeitung zurückzuführen sind, wobei das Phänomen der „Inattentional Blindness“ und die Rolle taktischer Instruktionen im Mittelpunkt stehen.

  • Grundlagen der Wahrnehmung und Aufmerksamkeitsfokussierung
  • Die Bedeutung der selektiven und geteilten Aufmerksamkeit
  • Das Phänomen der Inattentional Blindness in dynamischen Sportkontexten
  • Einfluss taktischer Anweisungen auf die Informationsverarbeitung
  • Bedeutung exogener Stimuli zur Erweiterung des Aufmerksamkeitsfokus

Auszug aus dem Buch

2.2.2.2.2 Phänomen „Inattentional Blindness“

In diesem Zusammenhang könnte aber auch das Phänomen der „Inattentional Blindness“ eine Rolle spielen. Nur wenn die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Bereich des Informationspools gerichtet ist, wird diese Information bewusst aufgenommen und verarbeitet. Wenn die Aufmerksamkeit durch zielgerichtete Selektion einem anderen Objekt zugelenkt wird, dann wird ein unerwartetes Objekt häufig nicht wahrgenommen, obwohl es im Blickfeld war.

Je nachdem, auf welche Teilbereiche der unten gezeigten Abbildung die Aufmerksamkeit gelenkt wird, kann der Betrachter eine ältere Frau mit einer großen Nase oder eine junge Frau mit zierlicher Nase und einem Federschweif im Haar erkennen. Oftmals ist die Aufmerksamkeit aber so stark auf das Erkennen der älteren Frau (oder das einseitige Erkennen der jüngeren Frau) gerichtet, dass die andere Sichtweise überhaupt nicht erkannt wird. In der Gesamtansicht des Bildes stehen dem Betrachter aber sämtliche Informationen zur Bewertung zur Verfügung.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Anhand eines Fallbeispiels wird das Problem der taktischen Fehlentscheidungen im Jugendfußball eingeführt und die Forschungsfrage abgeleitet.

2 Wahrnehmung und Aufmerksamkeitsfokussierung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen zur Informationsaufnahme und die verschiedenen Subprozesse der Aufmerksamkeit wie Selektion und Konzentration.

3 Inattentional Blindness und taktische Entscheidungshandlung in komplexen Sportspielsituationen: Der Hauptteil untersucht experimentelle Belege für das Phänomen Inattentional Blindness im Sport und analysiert, wie Instruktionen den Fokus beeinflussen.

4 Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird die Bedeutung eines weiten Aufmerksamkeitsfokus für die taktische Spielfähigkeit hervorgehoben und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten gegeben.

Schlüsselwörter

Inattentional Blindness, Wahrnehmung, Aufmerksamkeitsfokussierung, Sportspiel, Taktische Entscheidungsfindung, Selektive Aufmerksamkeit, Geteilte Aufmerksamkeit, Informationsverarbeitung, Konzentration, Trainingsmethodik, Handlungssteuerung, Sportpsychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kognitiven Prozesse, die der taktischen Entscheidungsfindung in Sportspielen zugrunde liegen, insbesondere unter dem Aspekt, warum Spieler trotz technischer Fähigkeiten taktische Fehler begehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Wahrnehmungspsychologie, Aufmerksamkeitsregulation, das Phänomen der Inattentional Blindness sowie den Einfluss von Trainerinstruktionen auf das Spielverhalten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu klären, ob fehlerhafte taktische Entscheidungen durch eine fehlerhafte Informationsaufnahme entstehen und inwieweit eine Einengung des Aufmerksamkeitsfokus diesen Prozess beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Forschungsarbeit, die den aktuellen Stand der sportpsychologischen Literatur, insbesondere zu experimentellen Untersuchungen von Furley und Memmert, analysiert und auf sportpraktische Szenarien anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Subprozesse der Aufmerksamkeit detailliert betrachtet, die Existenz von Inattentional Blindness im Sport nachgewiesen und untersucht, wie taktische Anweisungen und exogene Stimuli den Aufmerksamkeitsfokus verändern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Inattentional Blindness, Aufmerksamkeitsfokussierung, taktische Entscheidungsfindung und Informationsverarbeitung.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen internalem und externalem Fokus eine Rolle?

Der internale Fokus auf die eigene Bewegungsausführung kann die für taktische Entscheidungen notwendige Wahrnehmung der Spielumgebung behindern, während ein externaler Fokus die Qualität taktischer Lösungen verbessert.

Welchen Einfluss haben Trainerinstruktionen laut der Arbeit?

Taktische Anweisungen können zu einer unerwünschten Einengung des Aufmerksamkeitsfokus führen, wodurch freie Mitspieler oder unerwartete Spielsituationen „blind“ übersehen werden können.

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Details

Title
Informationsprozesse als Basis für taktische Entscheidungen im Sport
Subtitle
Beeinflusst die Wahrnehmung das taktische Verhalten von Spielern in komplexen Situationen?
College
University of Hannover  (Institu für Sportwissenschaft)
Course
Bewegungslehre
Grade
1,3
Author
Jens Kamm (Author)
Publication Year
2015
Pages
26
Catalog Number
V308313
ISBN (eBook)
9783668069459
ISBN (Book)
9783668069466
Language
German
Tags
Wahrnehmung taktisches Entscheidungshandeln Sportspielen Fußball Informationsprozesse Informationspool
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Kamm (Author), 2015, Informationsprozesse als Basis für taktische Entscheidungen im Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308313
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