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Flavius Josephus und der Jüdische Krieg. Zur Geschichtsschreibung in "Bellum Judaicum"

Title: Flavius Josephus und der Jüdische Krieg. Zur Geschichtsschreibung in "Bellum Judaicum"

Term Paper , 2005 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sarah Heitz (Author)

World History - Antiquity
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Seinem Anspruch an die Geschichtsschreibung verleiht Flavius Josephus bereits in seinem Vorwort zu Bellum Judaicum Ausdruck. Darin verpflichtet er sich als Augenzeuge zu historischer Treue und dazu, nur das auf beiden Seiten tatsächlich Geschehene zu berichten, und, wie die alten Geschichtsschreiber, die Begebenheiten der eigenen Tage zu schildern. Einschränkend fügt er jedoch hinzu „ Will mich jemand um dessentwillen schelten, was ich, seufzend über das traurige Los meiner Vaterstadt, gegen die Tyrannen und ihren Anhang von Banditen im Tone der Anklage vorbringe, so möge er diesen Verstoss gegen das Gesetz der Geschichtsschreibung meinem Schmerz zugute halten.“

Von diesem Standpunkt aus betrachtet Josephus nun die Ereignisse in Bellum Judaicum mit dem selbst ernannten Ziel, „die Griechen sowie diejenigen Römer, die den Feldzug nicht mitgemacht [haben]“ über die Geschichte des Jüdischen Krieges zu informieren. Damit gibt Josephus in seinem Vorwort nicht mehr und nicht weniger vor als den Rahmen, innerhalb dessen er sein Werk und seine historiographische Leistung beurteilt sehen möchte.

Darüber hinaus darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass jeder Berichterstatter sich täuschen kann; dass er in der Regel nur unvollständig berichten kann, weil er bereits während des Berichtens eine Entscheidung treffen muss, welche Ereignisse er für bedeutend genug hält, um darüber zu informieren, und welche Ereignisse möglicherweise seine Adressaten interessieren könnten... Eine gänzlich objektive Quelle kann es demnach nicht geben. Jede Quelle trägt bewusst oder unbewusst, absichtlich oder ungewollt, offensichtlich oder unterschwellig die Handschrift ihres Verfassers. Diese Arbeit wird nun versuchen, anhand ausgewählter Beispiele die Handschrift des Josephus in Bellum Judaicum darzustellen, und auf mögliche unbewusste, unterschwellige oder absichtlich verschleierte Begebenheiten, Einflüsse und Intentionen im Werk aufmerksam zu machen. Gegenstand der Untersuchung ist zu zeigen, dass sein Werk einerseits von einem sehr tendenziösen und vereinfachenden Charakter geprägt ist, und sich andererseits durch seine vielen verschiedenen Einflüsse als hoch komplex erweist. Am Schluss dieser Untersuchung soll die Frage beantwortet werden, ob Josephus sich ebenfalls die im Zitat beschriebene Praxis zu eigen gemacht hat, oder ob er seinem Anspruch aus dem Vorwort zu Bellum Judaicum gerecht werden konnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung: Anspruch an die Historiographie im Vorwort zu Bellum Judaicum

B. Der historiographische Ort des Bellum Judaicum

C. Der Autor – Flavius Josephus

I. Biographische Daten

II. Tendenzen Josephus’ in seiner Geschichtsschreibung in Bellum Judaicum

1. Schmeicheleien gegenüber Titus und Lobreden auf die Stärke Roms

2. Anschluss an hellenistische Traditionen

3. Apologetische Interpretation des Krieges

D. Die Zerstörung des Jerusalemer Tempels – Zufall oder Absicht

I. Die Darstellung von Flavius Josephus - Zufall

II. Zweifel an der Darstellung Josephus’und die Gegenthese – Absicht

E. Resümee: Umsetzung des historiographischen Anspruchs im Bellum Judaicum

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historiographische Arbeitsweise von Flavius Josephus in seinem Werk "Bellum Judaicum" und analysiert kritisch, ob er seinem Anspruch an historische Objektivität gerecht wird oder ob tendenziöse Darstellungen, insbesondere im Hinblick auf das Verhalten der Römer und die Zerstörung des Jerusalemer Tempels, die Glaubwürdigkeit seines Berichts beeinflussen.

  • Analyse des historiographischen Anspruchs von Josephus
  • Biografischer Kontext und politische Einflüsse auf den Autor
  • Untersuchung von Tendenzen und apologetischen Verzerrungen
  • Kritische Würdigung der Darstellung der Tempelzerstörung
  • Vergleich mit zeitgenössischen Quellen und Forschungsthesen

Auszug aus dem Buch

D. Die Zerstörung des Jerusalemer Tempels – Zufall oder Absicht

Josephus wird in Bellum Judaicum zu keiner Zeit müde, die Unschuld Titus’ am Tempelbrand vehement zu beteuern. Zuletzt unterstreicht er den Wunsch Titus’ den Tempel zu erhalten im Kriegsrat, den Titus in der Nacht vor dem Tempelbrand mit seinen Offizieren abhielt. Einige Offiziere äußerten, dass man dem Kriegsrecht freien Lauf lassen sollte, da der Tempel kein Gotteshaus mehr sei, sondern mittlerweile eine Festung. Andere Offiziere vertraten die Meinung den Tempel zu erhalten, falls sich die Juden ergeben würden, ihn bei anhaltendem Widerstand jedoch zu verbrennen. Dennoch befahl Titus seinen Offizieren“ […] unter keinen Umständen ein so herrliches Bauwerk den Flammen preis[zu]geben […].“

Josephus gibt das Datum der Tempelzerstörung im Jahre AD 70 mit dem 10. des Monats Loos an; ein verhängnisvolles Datum in der jüdischen Geschichte, wurde an diesem doch bereits BC 587 der frühere salomonische Tempel durch den Babylonierkönig Nebukadnezar zerstört. Als Titus sich an diesem Tag bereits vom Kriegschauplatz im Vorhof des Tempels und den sich ins Tempelinnere geflüchteten Juden zurückgezogen hatte, kam es dort erneut zu einem Handgemenge. Als die Römer nun den sich abermals ins Tempelinnere zurückweichenden Juden nachsetzten, schleuderte „ […] einer der Soldaten, ohne einen Befehl dazu abzuwarten […] wie auf höheren Antrieb einen Feuerbrand […] ins Innere [des Tempels].“ Als Titus nun von einem Eilboten über das Geschehene informiert wurde, lief er sofort zum Tempel um den Brand noch rechtzeitig eindämmen und löschen zu lassen. Am Ort des Geschehens traf er jedoch auf Erbitterung, Judenhass und allgemeine Kampfwut, sodass seine Befehle den Tempel zu löschen zwar ungehört blieben, die Schätze aus dem Tempelinneren jedoch noch rechtzeitig gerettet werden konnten. „ Auf diese Weise ging der Tempel gegen den Willen des Titus in Flammen auf,“ sozusagen durch Zufall bzw. höhere Gewalt.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Anspruch an die Historiographie im Vorwort zu Bellum Judaicum: Die Einleitung beleuchtet den Anspruch des Autors auf historische Treue und Objektivität, kontrastiert diesen jedoch mit den offenkundigen parteiischen Intentionen des Werkes.

B. Der historiographische Ort des Bellum Judaicum: Dieses Kapitel verortet das Werk historisch und geografisch im Kontext des Jüdischen Krieges zwischen 64 und 73 n. Chr. und beschreibt die Entstehungsumstände.

C. Der Autor – Flavius Josephus: Hier werden die biografischen Daten des Autors beleuchtet, sowie seine Tendenzen zur Schmeichelei gegenüber den Römern und seine Einordnung in hellenistische Traditionen analysiert.

D. Die Zerstörung des Jerusalemer Tempels – Zufall oder Absicht: Das Kapitel untersucht kritisch die Darstellung der Tempelzerstörung und führt gegenteilige Forschungsthesen an, die Titus eine bewusste Anordnung oder Duldung der Zerstörung unterstellen.

E. Resümee: Umsetzung des historiographischen Anspruchs im Bellum Judaicum: Das Resümee fasst zusammen, dass Josephus den eigenen Anspruch auf Objektivität nicht vollständig einlösen konnte und eine bewusste Fälschung der Tatsachen zugunsten der Römer nicht auszuschließen ist.

Schlüsselwörter

Flavius Josephus, Bellum Judaicum, Jüdischer Krieg, Titus, Tempelzerstörung, Geschichtsschreibung, Historiographie, Römisches Reich, Judäa, Apologetik, Tyche, Jerusalemer Tempel, Quellenkritik, Antijudaismus, Antike

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Zuverlässigkeit des Werkes "Bellum Judaicum" von Flavius Josephus im Kontext seiner Darstellung des Jüdischen Krieges.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentral sind der historische Kontext des Jüdischen Krieges, die Person Flavius Josephus, die Einflüsse hellenistischer Historiographie sowie die Kontroverse um die Tempelzerstörung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Josephus sein eigenes Ideal von historischer Treue gegen parteiische Tendenzen und politische Interessen der Flavier abwägen konnte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, indem sie Josephus’ Aussagen mit zeitgenössischen Quellen sowie moderner Forschung vergleicht und inhaltliche Widersprüche aufdeckt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Person Josephus, seiner Tendenzen in der Darstellung der römischen Stärke sowie eine detaillierte Untersuchung der Zerstörung des Tempels.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Flavius Josephus, Bellum Judaicum, Titus, Tempelzerstörung, Historiographie und Quellenkritik.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Titus bei der Tempelzerstörung?

Die Arbeit hinterfragt Josephus' Darstellung, dass die Zerstörung ein Zufall war, und führt Indizien an, die darauf hindeuten, dass Titus die Zerstörung angeordnet oder billigend in Kauf genommen haben könnte.

Welche Bedeutung kommt der hellenistischen Tradition in der Arbeit zu?

Die Arbeit verdeutlicht, dass Josephus' Anschluss an hellenistische Stilmittel dazu führte, dass er komplexe jüdische soziale Zusammenhänge ignorierte oder vereinfachte, um sein Werk für ein nichtjüdisches Publikum attraktiver zu gestalten.

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Details

Title
Flavius Josephus und der Jüdische Krieg. Zur Geschichtsschreibung in "Bellum Judaicum"
College
University of Augsburg
Course
"Die Flavier"
Grade
1,3
Author
Sarah Heitz (Author)
Publication Year
2005
Pages
21
Catalog Number
V308316
ISBN (eBook)
9783668069060
ISBN (Book)
9783668069077
Language
German
Tags
Flavius Jospehus Bellum Judaicum Jüdischer Krieg Flavier Altertum Antike Titus Tempel Rom Jerusalem Jahwe Tempel Juden jüdisches Volk Quelle Historiographie historiographisch Quellenkunde Quelleninterpretation Vespasian Palästina Judäa Samaria Galiläa Christi Christus Syrer Gessius Florus Nero Massada meassianische Erwartung Jotapata Macherus Rezeption Domitian römisch Agrippa Imperium Romanum Kaiserreich Thukydides Herodot Polybios Hohepriester Prophet Judentum Israel Gott Jahwe Römer Gallus Ananus Katastrophe Zerstörung Tacitus Severus Cassius Dio
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Sarah Heitz (Author), 2005, Flavius Josephus und der Jüdische Krieg. Zur Geschichtsschreibung in "Bellum Judaicum", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308316
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