Motive für die Begründung der „Auld Alliance“ und ihre Bedeutung zu Beginn des Hundertjährigen Krieges


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik
2.1 Äußere Quellenkritik
2.2 Innere Quellenkritik

3. Die Motive für die Begründung der „Auld Alliance“

4. Die Bedeutung der „Auld Alliance“ zu Beginn des Hundertjährigen Krieges

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die französisch-schottische Allianz, besser bekannt als die „Auld Alliance“, gilt als ältestes Bündnis der Welt und nimmt in der Geschichte eine herausragende Rolle ein.[1] Als „the oldest alliance in the world“[2] bezeichnete auch der französische General Charles de Gaulle bei einer feierlichen Rede in Edinburgh am 23. Juni 1942 das historische Bündnis der beiden Staaten. Der Anführer der Résistance sagte weiter: „[...] In every combat where for five centuries the destiny of France was at stake, there were always men of Scotland to fight side by side with men of France, and what Frenchmen feel is that no people has ever been more generous than yours with its friendship […].”[3] Diese Ansprache verdeutlicht eindrucksvoll die große Bedeutung der „Auld Alliance“ für das französisch-schottische Verhältnis bis in die heutige Zeit.[4]

Dabei nahm das Bündnis zwischen den Mächten nördlich und südlich von England insbesondere im Mittelalter und speziell während des Hundertjährigen Krieges eine besondere Rolle ein. Aus diesem Grund sollen in dieser Arbeit die Motive für das Zustandekommen der Allianz und die Relevanz zu Beginn des Hundertjährigen Krieges analysiert werden.

Hierbei dient eine ausführliche Akte, die sich in „The Records of the Parliaments of Scotland to 1707“ befindet, als zentrale Quelle für die „Auld Alliance“.[5] Die Wichtigkeit dieser Quelle wird deutlich, wenn in Betracht gezogen wird, dass ein Groß der aktuellen Historiker diese oder die ihr zugrundeliegende Originalversion zitiert.

Für die Analyse im zweiten Teil der Arbeit werden hauptsächlich die Werke von Elizabeth Bonner, Anne Curry, Norman Macdougall, Alison McQueen und Maurice Powicke zu Rate gezogen, die den Start der „Auld Alliance“ auf das Jahr 1295 beziehen[6] - im Gegensatz zu Geoffrey Barrow, der bereits im Jahre 1173 die Grundsteinlegung sieht oder Joachim Ehlers, der den Beginn im Jahr 1314 ansetzt.[7]

2. Quellenkritik

Die vorliegende „Confirmation of the Scottish Treaty“ ist die Hauptquelle für die endgültige Ratifizierung der „Auld Alliance“ am 23. Februar 1296. Die Aussage des Dokumentes lässt sich kurz in drei Teile untergliedern: Erstens die Wiederholung der konkreten Verhandlungsergebnisse vom 23. Oktober 1295, zweitens zwei Schreiben vom 5. Juli 1295 zum rechtmäßigen Handeln der vier schottischen Bevollmächtigten und drittens die abschließende Ratifizierung von schottischer Seite am 23. Februar 1296. Die Handschrift liegt im Original in lateinischer Sprache vor, wurde aber von Dr. Brian Scott in modernes Englisch übersetzt. Anhand einer Quellenkritik soll im Folgenden der Wert der Quelle für die historische Auswertung bestimmt werden.

2.1 Äußere Quellenkritik

Die zugrundeliegende Ermächtigungsurkunde befindet sich in den französischen „Archives Nationales“ im „Trésor des Chartes“ (reg v.,f. 132v-135v). Laut dem Hinweis des Editors, der nicht explizit namentlich genannt wird, unterscheide sich diese Kopie des Vertrages leicht von der Version, die sich in den APS[8] befindet, da diese den Unterschied zwischen dem ausgehandelten Vertrag vom 23. Oktober 1295 und der Ratifizierung vom 23. Februar 1296 falsch wiedergeben würde. Die Version in den APS habe eine englische Abschrift einer Kopie des Vertrages von Paris, die nach Schottland geschickt wurde, und eine französische Abschrift der schottischen Ratifizierung, die nach Frankreich gesendet wurde, vermischt.

Diese Version bezieht sich ausschließlich auf die schottische Ratifizierung vom 23. Februar 1296, die zuvor vor dem schottischen Parlament in Dunfermline die konkreten Vertragsinhalte wiederholt, sowie zwei Schreiben zur Entsendung der vier Bevollmächtigten am 5. Juli des Vorjahres miteinbezieht. Barrow unterstützt die Ansicht, dass die beiden Rückbezuge zum Ende der Quelle von der Parlamentssitzung im Juli 1295 stammen.[9] Somit ist die vorliegende Quelle von immensem Wert für die Auswertung, da sie den kompletten Prozess, der letztendlich zur Bildung der „Auld Alliance“ führte, beinhaltet.

Eine Suche nach dem Autor des Vertrages ist ebenso vergeblich, wie die Frage auf welche Partei die Initiative in dieser Angelegenheit zurückgeht.[10] Allerdings ist als gesichert anzusehen, dass der Vertrag aufgrund der Verhandlungen der vier entsendeten schottischen Kommissare William Fraser (Bischof von St. Andrews), Matthew of Crambeth (Bischof von Dunkeld), Sir John de Soules und Sir Ingram de Umfraville[11] mit dem französischen König Philipp IV.[12] am 23. Oktober 1295 zu Stande kam.[13]

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Originalversionen des Vertrages in den französischen Nationalarchiven befinden, ist davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses die Abschrift im Auftrag von Philipp IV. durch ein Mitglied des Hofes erfolgte. Unterstützend geht hierbei aus der Notiz des Editors hervor, dass lediglich Kopien des Vertrages in schottischen Archiven vorhanden sind. Aufgrund der Siegel des französischen und schottischen Königs auf der Originalversion ist von einer hohen Glaubwürdigkeit der Textgestalt auszugehen.

2.2 Innere Quellenkritik

Im Mittelpunkt der vorliegenden Quelle stehen, wie bereits erwähnt, die konkreten Inhalte des Vertragsschlusses vom 23. Oktober 1295, sowie die schottische Ratifizierung im Februar des nächsten Jahres in Dunfermline.

Interessant ist hierbei die Tatsache, dass die Verhandlungen in Paris von vier schottischen Bevollmächtigten im Namen des schottischen Königs John Balliol mit Philipp IV. geführt wurden. Die vier oben genannten Personen seien laut der Quelle am 5. Juli 1295 durch das schottische Parlament entsendet worden.[14] Diese sollten neben dem Bündnis mit Frankreich die Verlobung und Hochzeit von Edward Balliol, dem Sohn von John Balliol, mit einer „serene young lady being your [Philipp IV.] descendant“ aushandeln. Auffällig ist in Rückbezug auf den 5. Juli die Tatsache, dass der französische König äußerst vorsichtig angesprochen wurde, und die Bezeichnung als Freund bzw. Verhandlungen mit ihm nur stattfinden, wenn es sein Wille ist.

Dieser vorsichtige Ton lässt sich in der einleitenden Erklärung zur Präsentation der Verhandlungsergebnisse nicht mehr finden. Etwas überschwänglich wurden im Gegenteil die fortan freundschaftlichen Beziehungen betont: „[...] entering into mutual bonds of friendship between the said lord king of France and us, and the inhabitants of both kingdoms […].”

Dem folgt die Quelle mit den Verhandlungsergebnissen, die durch die schottische Besiegelung am Ende und die vorherige französische am 23. Oktober 1295, schließlich zu den konkreten Vertragsinhalten wurden. Entscheidend ist hierbei, dass die Resultate, ebenso wie die kurze Notiz zur Besiegelung am 23. Oktober, im Gegensatz zum Rest der Ermächtigungsurkunde aus französischer Sichtweise verfasst sind.

Zu Beginn wird an dieser Stelle sehr ausführlich und pathetisch von den „bonds of love, unity, and faithful friendship“ gesprochen, bevor der Kern der Allianz zum Vorschein tritt: Erstens die Konditionen der Hochzeit zwischen Edward Balliol und Jeanne von Valois, der ältesten Tochter von Philipps Bruder Karl.[15] Zweitens, dass der schottische König, ebenso wie seine Prälaten, Grafen, Baronen, sonstigen Adligen und allen Städten, die Franzosen im Krieg gegen England und seine Verbündeten mit all ihren Ressourcen und denen des Königreiches zu Land und zu See unterstützen sollen, auch wenn der englische König die Kampfhandlungen kurzfristig einstellen sollte. Drittens wird der französische König bei einem englischen Angriff auf Schottland lediglich „angemessene Hilfe“ bereitstellen und den englischen König ablenken.[16] Falls viertens der Fall eintreten sollte, dass der englische König die Insel verlässt oder eine große Anzahl an Soldaten abzieht, ist der König von Schottland verpflichtet, so tief und weit er kann nach England einzudringen. Im abschließenden fünften Punkt verpflichten sich beide Seiten, keinen Separatfrieden mit England abzuschließen.

Nach der ausführlichen Darlegung bezieht sich die Quelle kurz auf zwei Schreiben der Bevollmächtigten vom 5. Juli 1295 zurück, bevor im abschließenden Teil nach der bereits erfolgten französischen, die schottische Ratifizierung durch 24 namentlich genannte Zeugen und verschiedene nicht erwähnte Personen, sowie die sechs Burgen erfolgte.[17] Die oben dargelegten Schlussfolgerungen zur Quelle lassen sich in ähnlicher Form bei Barrow, Macdougall und Powicke finden.[18] Darüber hinaus bestätigt Bain die Antwort Philipps IV. vom 23. Oktober in seinem „Calendar of Documents“.[19]

Der Vertrag ist infolge der Erhaltung als Primärquelle und seiner relativen Objektivität, verbunden mit der hohen Akzeptanz der dargelegten Inhalte in der Forschung, als zuverlässig zu bewerten. Sogar die genannten Daten sind relativ unumstritten.[20]

[...]


[1] Insbesondere in der früheren schottischen Geschichtsschreibung wurde angenommen, dass das Bündnis sogar bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Jedoch datiert der erste schriftliche Beweis der „Auld Alliance“ (frz.: „Vieille Alliance“) vom 23. Oktober 1295. Ausführlich bei Bonner, “Auld Alliance”, S. 6-11.

[2] Macdougall, S. 4.

[3] http://www.electricscotland.com/france/degaulle.htm (Letzter Zugriff am 03.03.12).

[4] Im wissenschaftlichen Diskurs ist erst seit ca. 20 Jahren ein reges Interesse an der „Auld Alliance“ zu erkennen, siehe Bonner,Charles VII.; Macdonald; Penman; Stevenson. In den Standardwerken finden sich unterschiedlich lange Referenzen Curry, S. 117-129; Ehlers, S. 44 und sogar kein Bezug bei Allmand.

[5] RPS, A1296/2/1. Die Quelle ist in der Online-Datenbank des RPS-Forschungsprojektes. Dieses Projekt editiert v.a. Quellen aus „The Acts of the Parliaments of Scotland“ (APS) und den „National Archives of Scotland“(NAS). Siehe http://www.rps.ac.uk/static/editorialintro.html#four (Letzter Zugriff am 05.03.12).

[6] Vgl. u.a. Macdougall, S. 18; McQueen, S. 46; Powicke, S. 613. Sehr schön verdeutlicht bei Saul, S. 110 zum Vertrag vom 23. Oktober 1295: „The origin of the »Auld Alliance«.”.

[7] Vgl. Barrow, S. 83; Ehlers, S. 44.

[8] Vgl. APS, 451-3. Eine gekürzte Fassung findet sich bei Dickinson, S. 116f. Darüber hinaus gibt es bei foedera, S. 697f. eine Abschrift der Besiegelung, sowie verschiedene Briefe des schottischen Königs John Balliol zur Entsendung der „four commissioners“ im Juli 1295, vgl. foedera, S. 680-696. Die Original-Verträge sind in den französischen Nationalarchiven (J. 677/1 und J. 677/2) in Latein enthalten.

[9] Vgl. Barrow, S. 63-65.

[10] Vgl. Barrow, S. 83; Macdougall, S. 19.

[11] Interessant ist, dass mit dem Bischoff von Dunkeld und John de Soules zwei der vier Bevollmächtigten im Great Cause von 1292 als Unterstützer von Robert Bruce aufgetreten sind, vgl. Macdougall, S. 18.

[12] Auch Philipp der Schöne, Philip le Bel oder Philip the Fair.

[13] Vgl. Barrow, S. 86; Bonner, “Auld Alliance”, S. 5; Curry, S. 118; Macdougall, S. 18; Vale, S. 203.

[14] Unterstützend, vgl. Barrow, S. 85; McQueen, S. 46. Hierdurch wird auch die für das Mittelalter relativ große Bedeutung des schottischen Parlaments in der Zeit von John Balliol deutlich, der dieses mindestens zweimal im Jahr zu Konsultation einberufen hat. McQueen schreibt daher dem schottischen Parlament zu jener Zeit eine beachtliche Macht zu, obwohl es noch sehr jung war und die offizielle Bezeichnung als parliamentun und nicht als colloquium erst mit dem Vertrag von Birgham vom 14. März 1290 besiegelt wurde, vgl. McQueen, S. 36-50.

[15] Konkret beinhaltete dies u.a. ein Brautgeld von 25.000 petits livres Tournois durch den französischen König, sowie die Gewährleistung eines jährlichen Einkommens der Prinzessin von £1.500 sterling und £1.000 sterling an Ländereien in bestimmten Regionen durch den schottischen König.

[16] Diese Hilfe steht in keinerlei Verhältnis zu den Leistungen, die Schottland erbringen soll.

[17] Darunter auch die Mitglieder des „Council of Twelve“, vgl. Barrow, S. 85. Die sechs Burgen waren Aberdeen, Perth, Stirling, Edinburgh, Roxburgh und Berwick, vgl. hierzu Dickinson, S. 116.

[18] Vgl. Barrow, S. 86; Macdougall, S. 19; Powicke, S. 613.

[19] Vgl. Bain, S. 166f.

[20] Vgl. Macdougall, S. 20, der die Ratifizierung beispielsweise erst am 24. Februar ansetzt.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Motive für die Begründung der „Auld Alliance“ und ihre Bedeutung zu Beginn des Hundertjährigen Krieges
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Historisches Seminar - Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Der Hundertjährige Krieg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V308340
ISBN (eBook)
9783668066304
ISBN (Buch)
9783668066311
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auld Alliance, Old Alliance, Frankreich, England, Schottland, 1296, Philip IV, Edward I., John Balliol, Hundertjähriger Krieg, Aquitanien, Robert Bruce, Bündnis, Vertrag, Mittelalter
Arbeit zitieren
Christian Wölfelschneider (Autor), 2012, Motive für die Begründung der „Auld Alliance“ und ihre Bedeutung zu Beginn des Hundertjährigen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308340

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Motive für die Begründung der „Auld Alliance“  und ihre Bedeutung zu Beginn des  Hundertjährigen Krieges



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden