1. Erläutern Sie, aus welchen Größen sich betriebliche Ausbildungskosten zusammensetzen und welche Unterscheidungen bei der Untersuchung von Bedeutung sind.
Die Diskussion um fehlende Lehrstellen in Deutschland ist aktueller denn je, gleichzeitig ist diese aber auch schon seit Jahrzehnten bekannt, da Lehrstellenmangel hierzulande schon seit Ende der 70er Jahren existiert. Dabei handelt es sich um ein akutes Problem in unserer Gesellschaft, da eine fehlende Lehrstelle die Existenz eines jungen Menschs gefährden kann. Schulabgänger können ihren Lebensunterhalt nicht sichern, gleichzeitig sinken ihre Bildungschancen. Und obwohl die Ausmaße weitreichend sind, ist es für Jugendliche immer schwieriger, eine Lehrstelle zu finden. Die Verfügbarkeit von genügend Lehrstellen, liegt in den Händen von privaten Unternehmen und öffentlichen Arbeitgebern. Sie müssen eine Ausbildungsbereitschaft signalisieren, die Jugendlichen eine betriebliche Ausbildung im dualen System ermöglicht. Die Regierung allein hat kaum Möglichkeiten, den Lehrstellenmarkt anzukurbeln, da Betriebe ihre Ausbildungsstellen freiwillig anmelden und zur Verfügung stellen. Sie können dazu nicht vom Staat gezwungen werden. Das einzige, was der Staat kontrolliert, sind die Voraussetzungen, unter denen eine betriebliche Ausbildung stattfindet. Diese sind im Berufsbildungsgesetz, in der Handwerksverordnung und in der Ausbilder-Eignungsordnung festgehalten. Laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg aus dem Jahre 1997, erreichen nur 53 Prozent aller Unternehmen in Deutschland diese Voraussetzungen. Der Berufsbildungsbericht aus dem Jahr 1999 erweitert dieses Ergebnis dadurch, dass nur ein Drittel aller deutschen Unternehmen an der Ausbildung im dualen System mitwirkt. Dabei fällt auf, dass je größer der Betrieb ist, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen ausbildet.
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Inhaltsverzeichnis
1. Erläutern Sie, aus welchen Größen sich betriebliche Ausbildungskosten zusammensetzen und welche Unterscheidungen bei der Untersuchung von Bedeutung sind.
2. Stellen Sie mindestens zwei Befunde aus den Tabellen graphisch dar und kommentieren Sie Ihre Abbildungen.
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die ökonomische Dimension der betrieblichen Berufsausbildung im dualen System in Deutschland, mit besonderem Fokus auf die Kosten-Nutzen-Relation für Unternehmen. Ziel ist es, die Gründe für den Lehrstellenmangel zu beleuchten und aufzuzeigen, warum insbesondere kleinere Betriebe Schwierigkeiten haben, Ausbildungsplätze anzubieten.
- Zusammensetzung und Analyse betrieblicher Ausbildungskosten
- Staatliche versus betriebliche Finanzierungsanteile
- Auswirkungen von Betriebsgröße auf die Ausbildungsbereitschaft
- Konzept der rekrutiven Opportunitätserträge und deren Bedeutung
Auszug aus dem Buch
1. Erläutern Sie, aus welchen Größen sich betriebliche Ausbildungskosten zusammensetzen und welche Unterscheidungen bei der Untersuchung von Bedeutung sind.
Die Kosten werden bei der betrieblichen Ausbildung von zwei Seiten getragen: dem Staat und dem Betrieb. Der Staat übernimmt alle Kosten, die den Schulbetrieb betreffen. Dies beinhaltet die Kosten für das Schulpersonal an der Berufsschule, die Kosten für Lehr- und Lernmittel, die Schulgebäudekosten und die anfallenden Instandhaltungskosten für die Berufsschule. Darüber hinaus werden überbetriebliche Berufsbildungsstätten gefördert und Sonderprogramme gezahlt. Der Ausbildungsbetrieb des Lehrlings trägt die Kosten der Ausbildungsvergütung und die Beiträge zur Sozialversicherung. Der Betrieb muss zu diesen Aufwendungen noch die Kosten des Ausbilders und die weiteren anfallenden finanziellen Lasten innerhalb des Betriebes tragen. Ohne Auszubildende könnte ein Betrieb mehr Waren und Dienstleistungen produzieren, da Ausbilder sich anderen Aufgaben zuwenden könnten. Vorgesetzte müssen Lehrlingen aber Aufgaben und Verpflichtungen erklären, einarbeiten und andere Kenntnisse vermitteln. Außerdem wird mehr Material bei der Produktion benötigt, da Auszubildende an den Umgang mit ihrer Tätigkeit erst angelernt werden müssen. Beim Anlernen entstehen Fehler, so dass Arbeitsmaterial ohne Gewinn verbraucht wird; Maschinen werden nicht optimal benutzt, was zu einem höheren Maschinenverschleiß führt, so dass neue Geräte angeschafft werden müssen. Zusammengefasst spricht man bei letzteren Faktoren von Produktivitätsverlusten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erläutern Sie, aus welchen Größen sich betriebliche Ausbildungskosten zusammensetzen und welche Unterscheidungen bei der Untersuchung von Bedeutung sind.: Dieses Kapitel analysiert die finanzielle Belastung durch Ausbildungskosten, die sich aus direkten Ausgaben wie Vergütungen und indirekten Faktoren wie Produktivitätsverlusten zusammensetzen.
2. Stellen Sie mindestens zwei Befunde aus den Tabellen graphisch dar und kommentieren Sie Ihre Abbildungen.: Hier wird der Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Ausbildungsaktivität anhand statistischer Daten für das Jahr 2000 visualisiert und diskutiert.
Schlüsselwörter
Betriebliche Ausbildung, duales System, Ausbildungskosten, Lehrstellenmangel, Betriebsgröße, Produktivitätsverluste, Ausbildungsvergütung, rekrutive Opportunitätserträge, Berufsbildungsgesetz, Fachkräftebedarf, Ausbildungsbereitschaft, Kosten-Nutzen-Rechnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Herausforderungen der betrieblichen Ausbildung in Deutschland und untersucht, warum Unternehmen unterschiedlich stark in die Ausbildung von Nachwuchskräften investieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kostenstruktur der Ausbildung, dem Vergleich zwischen kleinen und großen Unternehmen sowie der staatlichen Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die ökonomischen Faktoren zu identifizieren, die Unternehmen dazu bewegen oder davon abhalten, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und empirische Analyse unter Verwendung existierender Statistiken des Berufsbildungsberichts und relevanter Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Kostenkomponenten für Staat und Betrieb, die Produktivitätsverluste sowie die Vorteile rekrutiver Opportunitätserträge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Ausbildungskosten, duales System, Betriebsgrößenklassen und Opportunitätserträge.
Warum bilden große Unternehmen häufiger aus als kleine?
Große Unternehmen verfügen über mehr finanzielle Mittel, spezialisierte Ressourcen und Raum, während für kleinere Betriebe die Kosten pro Auszubildendem oft unverhältnismäßig hoch ausfallen.
Was genau sind "rekrutive Opportunitätserträge"?
Dies beschreibt den finanziellen Vorteil für Unternehmen, wenn sie eigenes Personal ausbilden und dadurch spätere Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten für externe Fachkräfte einsparen.
- Quote paper
- Sebastian Filipowski (Author), 2003, Ausbildung im Betrieb - Geringer Nutzen, hohe Kosten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30834