Der Schwerpunkt dieser Seminararbeit ist auf das Themistokles-Dekret von Troizen gelegt, welches die Evakuierung der athenischen Bevölkerung und die Mobilmachung der Flotte aufgrund der bevorstehenden persischen Invasion im Jahre 480 v. Chr. beinhaltet. Dieser athenische Volksbeschluss wurde auf Antrag des Themistokles verfasst.
Um die im Jahre 1959 von Michael Jameson gefundene und im darauffolgenden Jahr publizierte Inschrift deuten und unter historischem Blickwinkel interpretieren zu können, ist eine Einordnung in den zeitlichen Kontext notwendig. Dieses Ereignis ist in die Zeit des großangelegten Feldzuges von Großkönig Xerxes I. von Persien einzuordnen. Im Jahre 481 v. Chr. schlossen sich die griechischen Staaten zum sogenannten Hellenenbund zusammen, um unter Führung Spartas für die Freiheit Griechenlands zu kämpfen. Ein Jahr später kam es zur Schlacht bei den Thermophylen, in der die hellenischen Truppen vom persischen Heer besiegt wurden. Somit scheiterte die Strategie der Griechen und Xerxes I. gelang der Durchmarsch bis nach Athen, welches aber indessen von Themistokles evakuiert worden war. Die Folgen des Flottenbaus des Themistokles zeigten sich in der nachfolgenden Seeschlacht von Salamis im gleichen Jahr, in der Athen zur führenden Seemacht in Griechenland wurde und den Angriff der Perser erfolgreich abwehrte.
Themistokles führte also am Ende die entscheidende Wendung und den Sieg für die Griechen herbei. Die Authentizität des Themistokles-Dekrets ist allerdings seit der Veröffentlichung umstritten und bis heute nicht eindeutig belegt worden. Sie wurde „als Abschrift einer auf Herodotos basierenden Rekonstruktion aus dem 4. Jh. ohne urkundlichen Wert gesehen, wobei zahlreiche Parallelen mit »Dokumenten« aus vorperikleischer Zeit, die aus polit. Gründen nach der Mitte des 4. Jh. erfunden wurden, diesen Schluß sehr plausibel machen […]“.
Zu Beginn werde ich einige Vorinformationen über die Inschrift darlegen und den Inhalt kurz beschreiben. Anschließend werde ich das Dekret genauer analysieren und mich mit der Frage der Authentizität beschäftigen, wobei ich mich besonders an den Erkenntnissen von Meiggs/Lewis, Christian Habicht und Helmut Berve orientieren werde. Zum Schluss ziehe ich ein kurzes Fazit über die Forschungsergebnisse und äußere meine persönliche Meinung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Themistokles-Dekret von Troizen
2.1 Allgemeine Informationen zur Inschrift
2.2. Inhalt der Inschrift
2.3 Analyse der Inschrift
3. Zusammenfassung
6. Inschrift von Troizen (Quelle)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Authentizität des sogenannten Themistokles-Dekrets von Troizen, eines im Jahr 1959 gefundenen epigraphischen Dokuments, das die athenische Evakuierung und Mobilmachung der Flotte vor der persischen Invasion 480 v. Chr. beschreibt. Die Arbeit analysiert hierbei die wissenschaftliche Debatte zwischen den Forschern Christian Habicht und Helmut Berve, um zu klären, ob es sich um ein zeitgenössisches Dokument oder eine spätere Fälschung handelt.
- Historische Einordnung des Hellenenbundes und der Perserkriege
- Detaillierte Inhaltsanalyse der Inschrift
- Untersuchung von Anachronismen in Sprache und Inhalt
- Vergleich zwischen der Inschrift und dem Bericht Herodots
- Bewertung der Argumente zur Echtheitsdebatte
Auszug aus dem Buch
2.3 Analyse der Inschrift
Die Tatsache, dass die Inschrift erst Jahre nach 480 v. Chr. aufgezeichnet worden ist, wirft die Frage auf, ob es sich bei ihr um eine Fälschung aus späterer Zeit oder um eine Wiederaufzeichnung des echten Volksbeschlusses handelt. Die beiden bekanntesten Forscher, die sich dieser Fragestellung gewidmet und erste Argumente dargelegt haben, sind zum einen Christian Habicht mit seinem Aufsatz „Falsche Urkunden zur Geschichte Athens im Zeitalter der Perserkriege“, und zum anderen Helmut Berve mit seinen Untersuchungen „Zur Themistokles-Inschrift von Troizen“.
Anhand des Titels von Habicht lässt sich folgern, dass er die Inschrift als eine Fälschung betrachtet. Seine Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass er das Themistokles-Dekret als einen Text ansieht, der aus der Überlieferung Herodots hervorgeht und mit sachlichen und stilistischen Anachronismen versehen ist. Berve hingegen spricht von der „relativen Echtheit“ der Inschrift. Damit meint er, dass die Inschrift im Kern authentisch ist, jedoch stilistisch und inhaltlich modernisiert und überarbeitet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Perserkriege ein und benennt die Forschungsfrage zur Authentizität des Themistokles-Dekrets sowie das methodische Vorgehen anhand der Literatur von Meiggs/Lewis, Habicht und Berve.
2. Das Themistokles-Dekret von Troizen: Dieses Kapitel liefert grundlegende Informationen zur Entdeckung und physischen Beschaffenheit der Marmorstele, beschreibt detailliert den Inhalt der Zeilen bezüglich der Evakuierung und Flottenmobilmachung und analysiert die historische Debatte um Anachronismen und Echtheit.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung wertet die Argumente von Habicht und Berve kritisch aus und kommt zu dem Schluss, dass das Dekret vermutlich als eine spätere Fälschung zur politischen Entlastung der peloponnesischen Verbündeten anzusehen ist.
6. Inschrift von Troizen (Quelle): Dieses Kapitel enthält die visuelle Dokumentation in Form der Fotografie des Inschriftsteins als Quellennachweis.
Schlüsselwörter
Themistokles-Dekret, Troizen, Perserkriege, Authentizität, Christian Habicht, Helmut Berve, Athen, Flottenmobilmachung, Epigraphik, Anachronismen, Herodot, Psephisma, Salamis, Inschrift, Hellenenbund
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Dokument des Themistokles-Dekrets von Troizen und untersucht, ob dieses als authentische Quelle aus dem Jahr 480 v. Chr. gelten kann oder eine spätere Fälschung darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Einordnung der griechischen Flottenpolitik, die Evakuierung Athens während der Perserkriege sowie die philologische und historische Analyse von Inschriften auf ihre Authentizität hin.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Gegenüberstellung der Forschungspositionen von Christian Habicht und Helmut Berve zur Echtheit der Troizen-Inschrift, um daraus ein fundiertes Urteil über deren historischen Wert zu bilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte historische Analyse, bei der die Inschrift inhaltlich und stilistisch mit anderen antiken Quellen, insbesondere Herodot, verglichen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine physische Beschreibung der Inschrift, eine inhaltliche Zusammenfassung der Dekretpunkte (Evakuierung, Bemannung der Flotte) und eine detaillierte Analyse möglicher Anachronismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Themistokles-Dekret, Anachronismen, Authentizitätsdebatte, Perserkriege und Epigraphik charakterisiert.
Warum wird das Dekret von Habicht als Fälschung betrachtet?
Habicht sieht darin eine Fälschung, da das Dekret zu viele stilistische und sachliche Anachronismen aufweist, die eher auf das 4. Jh. v. Chr. als auf das 5. Jh. v. Chr. hindeuten.
Welches Gegenargument führt Berve ins Feld?
Berve vertritt die Theorie der „relativen Echtheit“, wonach der Kern des Dekrets authentisch sei, aber im Laufe der Zeit stilistisch modernisiert wurde.
Welche Rolle spielt die Räumung Athens bei der Debatte?
Die in der Inschrift beschriebene Räumung Athens vor der Schlacht bei den Thermophylen widerspricht Herodots Darstellung, was für Habicht ein zentrales Indiz für eine Rekonstruktion statt einer zeitgenössischen Quelle ist.
Welche Funktion hätte eine Fälschung gehabt?
Die Arbeit schlussfolgert, dass eine Fälschung zur Entlastung der peloponnesischen Verbündeten gedient haben könnte, um den Vorwurf des Verrats an den Athenern zu mildern.
- Quote paper
- Julia Wagner (Author), 2012, Das Themistokles-Dekret von Troizen. Ein echtes Dokument aus der Zeit der Perserkriege oder eine spätere Fälschung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308384