Die Mau-Mau-Bewegung in Kenia 1952-56. Geheimbund oder nicht?


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geheimbund oder nicht?
2.1 Verschiedene Definitionen von Geheimbund
2.2 Soziale Geschlossenheit zur Bewahrung exklusiven Wissens
2.3 Intentional ausgerichtete Emotionen
2.4 Zeitlich begrenzter Zusammenschluss
2.5 Zusammenschluss von Individuen auf nicht-verwandtschaftlicher Basis
2.6 Initiation auf freiwilliger Basis

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Proseminars „Zwischen decline und consensus. Großbritannien nach 1945“ liegt der Schwerpunkt dieser Seminararbeit auf der Mau-Mau-Bewegung in Kenia, die zwischen 1952 und 1956 stattfand. Dieser Aufstand der kenianischen Bevölkerung, vor allem der ansässigen Kikuyu1, richtete sich gegen den Landraub durch die britischen Siedler in den 1950er Jahren und fand 1963 nach langem Kampf mit der Unabhängigkeit Kenias ein Ende.

Ich werde im Hauptteil der Frage nachgehen, ob die Organisation MauMau als Geheimbund angesehen werden kann oder nicht und anschließend in einem Fazit klären, welche Relevanz diese Begrifflichkeit für die Forschung hat.

Dazu werde ich mich mit dem Begriff „Geheimbund“ beschäftigen, indem ich zuerst einige Definitionen von „Geheimbund“ differenziere, an denen sich meine weitere Arbeit orientieren wird. Anhand dieser Definitionen werde ich die genannten Merkmale des Geheimbundes einzeln untersuchen und überprüfen, ob diese Eigenschaften für die Mau-Mau-Bewegung zutreffen.

Zum Schluss werde ich versuchen die Mau-Mau-Bewegung einzuordnen und sie entweder als Geheimbund oder als eine andere Art der Vereinigung anzusehen.

Ich werde mich in meiner Hausarbeit hauptsächlich mit den Ansätzen von Leakey, Barnett und Venyŝ beschäftigen, die meiner Meinung nach zu den zentralen Werken bei der Auseinandersetzung mit dieser Thematik zählen. Meine Ergebnisse stützen sich zudem auf die Überblicksdarstellungen von Klose, Hauck und Pfetsch, die ich bereits in meinem Kurzreferat über den Mau-Mau-Aufstand verwendet habe.

2. Geheimbund oder nicht?

2.1 Verschiedene Definitionen von Geheimbund:

Um die Frage zu beantworten, ob die Mau-Mau-Bewegung ein Geheimbund war oder nicht, ist es notwendig den Begriff „Geheimbund“ zu definieren. Dazu habe ich mich ausführlich mit den Definitionen von Lennhoff, Knackstedt und einem Beitrag aus dem Dtv Wörterbuch zur Geschichte beschäftigt.

Lennhoff charakterisiert Geheimbünde als „Organisationen, die ihre Tätigkeit in den Mantel des Geheimnisses hüllen“.2 In seinem Werk „Politische Geheimbünde“ wird deutlich, dass Geheimhaltung für ihn zu einem der wichtigsten Merkmale zählt.

„Alle öffentlichen politischen Parteien haben aber ausnahmslos ebenfalls ihre Geheimnisse, die nur den Eingeweihten, also nur dem engeren Zirkel der Führer und Vertrauensleute bekannt sind.“3

„Die Existenz solcher geheimen Gesellschaften bleibt im allgemeinen trotz aller Eide und Vorsichtsmaßregeln nicht verborgen und erregt bei den außerhalb Stehenden […] naturgemäß Neugierde.“4

Die Gründe für solche Geheimverbindungen sieht Lennhoff in der „Überwindung eines wirklichen oder vermeintlichen Druckes“5, der von geistiger, sozialer oder politischer Natur sein kann.

Als weiteres Merkmal wird das Verschwinden der Geheimbünde nach dem Erreichen der Ziele genannt. Dieses Merkmal ist nach Lennhoff vor allem bei politischen Geheimbünden zu finden.6

Im Dtv Wörterbuch zur Geschichte werden Geheimbünde als „Exklusive Organisationen“ bezeichnet und sind „abgeschlossen gegenüber »Uneingeweihten«“. Ab dem 19. Jahrhundert entstehen Geheimbünde mit politischen Zielen, die auch nicht vor Mord und Terrorisierung Andersdenkender zurückschrecken.7

Eine sehr präzise Definition liefert Knackstedt. Er definiert Geheimbund mit folgenden Merkmalen:

„Der Geheimbund ist ein Zusammenschluß [sic] von Individuen auf nicht-verwandtschaftlicher Basis. Seine wesentlichen Charakteristika sind im Einvernehmen der Mitglieder intentional ausgerichtete Emotionen und soziale Geschlossenheit zum Zwecke des Bewahrens exklusiven Wissens. Eine Mitgliedschaft kann entweder fakultativ oder obligatorisch sein, immer jedoch wird sie durch eine Initiation gefestigt.“8

Der Begriff „Geheimbund“ setzt sich aus den Worten „geheim“/“Geheimnis“ und „Bund“/“Bündnis“ zusammen. Aus diesem Grund werde ich im Folgenden auch einige Definitionen des Begriffs „Bund“/„Bündnis“ miteinbeziehen.

Hardtwig beschreibt mit einen Bund „immer den Akt des freiwilligen, mehr oder weniger intensiven Sich-Verbindens.“9

Kaiser kennzeichnet ein Bündnis als ein „Abkommen zwischen prinzipiell (standesgemäß) Gleichen. In dieses Spektrum gehören alle Formen von freiwilligen und befristeten Zusammenschlüssen.“10 Das Ziel eines Bündnisses ist die „Wahrung gemeinsamer Interessen“. Ein Bündnis war meist zeitlich begrenzt. Dies hing mit den politischen Zielen des Bündnisses zusammen.11

Robinson legt die Gründe für den Zusammenschluss eines Geheimbundes in seiner Definition über „Secret Societies“ dar. Sie sind „organized, in most instances, for the social and moral welfare of their members ans to promote good-fellowship an patriotism […].12

Aus den genannten Definitionen ergeben sich folgende fünf Merkmale für einen Geheimbund:

1. Soziale Geschlossenheit zur Bewahrung exklusiven Wissens
2. Intentional ausgerichtete Emotionen
3. Zeitlich begrenzter Zusammenschluss
4. Zusammenschluss von Individuen auf nicht-verwandtschaftlicher Basis
5. Initiation auf freiwilliger Basis

2.2 Soziale Geschlossenheit zur Bewahrung exklusiven Wissens:

Die Mau-Mau-Bewegung war eine sozial geschlossene Gesellschaft. So charakterisiert Barnett die Organisation als „mass membership“13 und veranschaulicht damit, dass kein Kikuyu durch diese Bezeichnung ausgeschlossen wird. Das wird auch durch den Satz „Again, the mass nature of the Movement and the fact that all Africans were to be enjoined as members through an Oath of Unity - as contrasted to an elite group which seeks popular support rather than a mass membership - […]“14 zum Ausdruck gebracht.

Für die soziale Geschlossenheit waren die Kikuyu aber nicht alleine verantwortlich. Auch die britische Kolonialmacht trug einen großen Teil dazu bei. Sowohl die Festnahme und Inhaftierung politischer Mau-Mau Anführer, wie beispielsweise Jomo Kenyatta15, als auch die Erklärung des Ausnahmezustandes am 21. Oktober 1952, verband die Kikuyu nur noch mehr zu einer geschlossenen Einheit.

Ein weiterer Grund für das Zusammenhalten der kenianischen Bevölkerung ist die Tatsache, dass „almost every single Kikuyu started

[...]


1 bantusprechendes und zugleich größtes Volk in Kenia. Leakey 1953, S. 9.

2 Lennhoff 1966, S. 10.

3 Ebd., S. 10.

4 Ebd., S. 13.

5 Ebd., S. 15.

6 Ebd., S. 15.

7 Fuchs/Raab 1972, S. 293.

8 Knackstedt 2002, S. 22.

9 Hardtwig 2005, S. 531.

10 Kaiser 2005, S. 538.

11 Ebd., S. 539.

12 Robinson 1940, S. 53.

13 Barnett/ Njama 1966, S. 61.

14 Ebd., S. 61.

15 Anführer der ersten nationalen Partei Kenias, wurde zum Nationalhelden und zur Symbolfigur der Unabhängigkeit Kenias. Klose 2009, S. 83-85.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Mau-Mau-Bewegung in Kenia 1952-56. Geheimbund oder nicht?
Hochschule
Universität Trier
Note
3,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V308388
ISBN (eBook)
9783668065574
ISBN (Buch)
9783668065581
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mau-mau-bewegung, kenia, geheimbund
Arbeit zitieren
Julia Wagner (Autor), 2014, Die Mau-Mau-Bewegung in Kenia 1952-56. Geheimbund oder nicht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308388

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