Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Stellung der Katholischen Kirche in den Nachkriegsjahren in Verbindung mit ihrem moralischen Verhalten in der NS-Zeit.
Zuerst wird der Begriff "moralische Integrität" näher untersucht und dann auf die Haltung und das Verhalten von katholischer und evangelischer Kirche während des Nationalsozialismus eingegangen. Es folgt die Analyse für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es soll debattiert werden, inwieweit sich die katholische Kirche durch ihre Zurückhaltung schuldig gemacht hat.
Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und an die Nachkriegsjahre bedeutet immer auch, dass Einzelheiten oder auch elementare Ereignisse im Dunkeln bleiben, außer Acht gelassen oder gar vergessen werden wollen.
Moralisch integres Handeln ist die Voraussetzung, um das Vertrauen der anderen bzw. der Gesellschaft allgemein gewinnen zu können. Fehlverhalten kann dem hingegen auch zu schwer oder gar nie wieder gut zu machenden Vertrauensbruch führen. Dies gilt nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Institutionen, wie die Katholische Kirche, wie diese Arbeit analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Günter Grass ruft trotz fragwürdiger Vergangenheit zum
2. Moralische Integrität
2.1. Begriffserklärung: Moralische Integrität
2.2.1. Die äußere Situation
2.2.2. Haltung und Verhalten der Katholischen Kirche in Bezug auf den Nationalsozialismus
2.3. Die Evangelische Kirche unter dem Nationalsozialismus
2.4. Fazit des Vergleiches Katholische Kirche und Evangelische Kirche
3. Die Rolle der Katholischen Kirche in den Nachkriegsjahren
3.1. Die Aufgaben der Katholischen Kirche im Nachkriegsdeutschland
3.2. Mitsprache der Katholischen Kirche in politischen Fragen
3.2.1. Einsatz für die Rechte der Bevölkerung
3.2.2. Einfluss auf führende Politiker – erläutert am Beispiel Fritz Schäffer
3.2.3. Einfluss auf die Entnazifizierung
4. In wie weit entschuldigt die äußere Situation die Zurückhaltung?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Rolle der Katholischen Kirche während des Nationalsozialismus sowie ihre darauffolgende Positionierung in den Nachkriegsjahren, wobei der Fokus insbesondere auf der Wahrung der moralischen Integrität und dem daraus resultierenden politischen Einfluss liegt.
- Moralische Integrität als Grundlage kirchlicher Glaubwürdigkeit
- Vergleich des Verhaltens von katholischer und evangelischer Kirche im NS-Staat
- Umfangreiche caritative und soziale Aufgaben der Kirche in der Nachkriegszeit
- Politischer Einfluss der Katholischen Kirche und Mitgestaltung des Wiederaufbaus
- Auseinandersetzung mit der Rolle der Kirche bei der Entnazifizierung
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Katholische Kirche unter dem Nationalsozialismus
Die katholischen Laienverbände wurden aufgelöst, die Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsschulen umgewandelt, Klöster aufgehoben, jegliche kirchliche Präsenz in der Öffentlichkeit unterdrückt, das kirchliche Leben scharf überwacht, Klerus und Laien rücksichtslosem Terror ausgesetzt. Besonders in der Pfalz waren Geistliche das Opfer lokaler Gewaltsamkeiten; Ende Juni wurden in einer großen Aktion gegen die Bayerische Volkspartei auch 150 katholische Geistliche verhaftet.
Zudem bestätigte zwar das Reichskonkordat das bayerische Konkordat von 1924, „die darüber hinausgehenden Bestimmungen schliffen allerdings die staatskirchenrechtliche Besonderheit Bayerns weiter ab.“
Und nicht nur die von außen kommenden Probleme übten enormen Druck aus, auch die immer umfangreicher werdenden Aufgaben der Kirche stellten Schwierigkeiten dar, denn der Bedarf an Seelsoge sowohl für KZ-Inhaftierte, als auch für Zwangsarbeiter und Angehörige von Soldaten stieg in diesen Jahren besonders an. Der Wille den Bedürfnissen der Menschen nachzukommen einerseits und die Unterdrückungsversuche der Nazis andererseits stellten eine prekäre Situation für die Katholische Kirche dar, die immer wieder eine sensible Gradwanderung bedeutete. Man wollte den nationalsozialistischen Kurs keinesfalls unterstützen, sondern ihm entgegentreten, fürchtete aber auch, die noch bestehenden Rechte und Möglichkeiten zu verlieren, wenn man zu viel Aufsehen bei der Ablehnung des Nationalsozialismus erregte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Günter Grass ruft trotz fragwürdiger Vergangenheit zum: Einleitung zur Bedeutung von Erinnerungskultur und der moralischen Integrität anhand des Beispiels von Günter Grass.
2. Moralische Integrität: Theoretische Herleitung des Begriffs der moralischen Integrität und Analyse des Verhaltens der Kirchen während des NS-Regimes.
3. Die Rolle der Katholischen Kirche in den Nachkriegsjahren: Untersuchung der vielfältigen caritativen und politischen Aufgaben, welche die Kirche in der Nachkriegszeit übernahm.
4. In wie weit entschuldigt die äußere Situation die Zurückhaltung?: Kritische Reflexion darüber, ob das Handeln der Kirche angesichts des enormen Drucks unter dem NS-Regime als moralisch vertretbar bewertet werden kann.
Schlüsselwörter
Katholische Kirche, Nationalsozialismus, Moralische Integrität, Nachkriegsjahre, Entnazifizierung, Widerstand, Seelsorge, Kirchenpolitik, Evangelische Kirche, Fritz Schäffer, Konkordat, Soziales Handeln, Erinnerungskultur, NS-Diktatur, Caritas.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Katholische Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus agierte und wie sie in der unmittelbaren Nachkriegszeit durch ihre moralische Positionierung an gesellschaftlichem Einfluss gewann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Konzept der moralischen Integrität, das Verhältnis der Kirchen zum NS-Regime, die caritative Unterstützung der Bevölkerung nach dem Krieg und die Rolle der Kirche bei der politischen Neugestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Katholische Kirche trotz der schwierigen Ausgangslage im Nationalsozialismus das Vertrauen der Alliierten gewinnen konnte und warum sie nach 1945 schnell wieder zu einer einflussreichen gesellschaftlichen Institution wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen, Predigten, Hirtenschreiben und fachspezifischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Situation der Kirchen während der NS-Diktatur, vergleicht katholische und evangelische Ansätze, beschreibt die umfangreichen Aufgaben im Nachkriegsdeutschland und untersucht den politischen Einfluss, etwa bei der Entnazifizierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Katholische Kirche, Moralische Integrität, Entnazifizierung, Kirchenpolitik und Nachkriegszeit beschreiben.
Warum wird Kardinal von Faulhaber als Beispiel angeführt?
Kardinal von Faulhaber dient als zentrale Figur, um das Spannungsfeld zwischen öffentlichem Widerstand, der Sorge um die Kirche als Institution und der notwendigen Hilfe für die Bevölkerung in der Nachkriegszeit zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielten die sogenannten "Persilscheine"?
Die Arbeit zeigt auf, dass Kirchen und Parteien Persilscheine ausstellten, wobei betont wird, dass dies nicht nur auf Missbrauch beruhte, sondern oft als Reaktion auf differenzierte Einschätzungen individueller Schicksale geschah.
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- Sandra Herfellner (Author), 2009, Die Rolle der katholischen Kirche in den Nachkriegsjahren und ihr moralisches Verhalten während der NS-Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308437