Stimmhygiene. Wie halte ich meine Stimme gesund?


Referat (Ausarbeitung), 2012

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition Stimmhygiene

3 Einflüsse auf die Stimme
3.1 Atmung und Haltung
3.2 Psychische Verfassung

4 Gesunderhaltung der Stimme
4.1 Prophylaktische Maßnahmen
4.2 Herangehensweise bei Stimmauffälligkeiten

5 Steigerung der gesanglichen Leistungsfähigkeit

6 Stimmhygiene in der Grundschule

7 Fazit

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Thematik der Stimmhygiene sowie mit der Gesunderhaltung der Stimme.

Ich habe mich besonders für dieses Thema interessiert, da ich mich aus der Sichtweise einer angehenden Lehrerin, veranlasst sah, einem solchen Thema große Bedeutung zuzuweisen, weil ich um die große Belastung der Stimme im Schulalltag beim Sprechen sowie beim Singen weiß. Nicht selten erlebt man bereits junge Lehrkräfte, die ihre Stimme überanstrengen oder sehr oft erkältet sind, was sich langfristig in Stimmstörungen äußert. Die Stimme ist Grundlage menschlicher Kommunikation und ist darüber hinaus auch immer Ausdruck unserer Persönlichkeit und unserer Stimmungen. Auch für die Gesangsausbildung spielt Stimmhygiene eine zentrale Rolle. Eine Sängerstimme kann sich nur mit fundiertem Wissen, konstruktiver Arbeit und guter Pflege positiv entwickeln. Aus diesen Gründen ist es für mich wichtig, genau zu wissen, wie man sie optimal erhalten und weiterbilden kann. Nur so kann ich meinen Beruf langfristig ausüben, ohne Bedenken über eine Gefährdung oder gar einen Verlust des Arbeitsplatzes haben zu müssen. Außerdem tragen Lehrkräfte auch die Verantwortung für die Gesunderhaltung der Schülerstimmen, die nicht wissen können, was gut für ihre Stimme ist und können mit dem Wissen über Stimmhygiene optimal unterrichten.

2 Definition Stimmhygiene

Das Wort „Hygiene“ lässt sich aus dem griechischen Wort „Hygieinos“ ableiten und kann mit „heilsam“ oder „der Gesundheit zuträglich“ übersetzt werden.[1]

Der Begriff der Stimmhygiene bezieht sich demnach auf alle Maßnahmen, die zur Gesunderhaltung der Stimme beitragen[2] und somit die Stimme in ihrer Funktionstüchtigkeit optimal unterstützen[3]. In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich darauf hingewiesen, welch große Bedeutung die Prävention in der Stimmhygiene hat. Mit der Einhaltung stimmhygienischer Regeln werden Stimmkrankheiten vermieden und jede Prophylaxe ist wirkungsvoller als sämtliche Therapien. Dabei ist es wichtig, bereits im Kindesalter seiner Stimme hohe Aufmerksamkeit zu schenken und diese bis in das fortgeschrittene Alter nicht zu vernachlässigen.[4] Weiterhin sind auch Maßnahmen gemeint, die zur Leistungssteigerung der Stimme führen und solche, die versuchen, Stimmstörungen schon im Vorhinein zu vermeiden.[5]

3 Einflüsse auf die Stimme

3.1 Atmung und Haltung

Eine optimale Körperhaltung veranlasst eine ungehinderte Atmung.[6] Durch diese Wechselwirkung kann eine gute Stimmproduktion ermöglicht werden. In stehender Haltung sollten die Füße hüftbreit auseinander stehen, die Knie und Beine gelockert sein, der Bauchraum entspannt sein, der Oberkörper aufgerichtet sein und der Nacken und die Kiefermuskulatur locker sein. Bei einer sitzenden Haltung ist darauf zu achten, dass sowohl Füße und Beine als auch Rücken im jeweils rechten Winkel zueinander stehen, der Bauchraum bei einer leichten Beckenvorlage entspannt ist und der Oberkörper frei von Anlehnungsmöglichkeiten getragen wird. Wird verstärkt eine gebeugte Haltung eingenommen, beeinflusst diese die Atmung.[7] Brustkorb und Zwerchfell können sich nur noch eingeschränkt bewegen, was zu einer Verkleinerung des Atemvolumens führt und Bewegungen beim Ausatmen stark beeinträchtigt. Fehlerhaftes Ausatmen wirkt sich negativ auf die Spannung im Kehlkopf aus; diese wird zu hoch und es können Stimmstörungen entstehen. Auch ein Anheben der Schultern beim Einatmen verhindert eine tiefe Bauchatmung und führt zu einer verengten und verspannten Kehle. Es ist demnach wichtig, dass die Atmung frei und durch die Nase erfolgt, sodass die Luft erwärmt und von eventuellen Schadstoffen gereinigt werden kann.[8] Beim Singen sollte mit zum „A“ geöffnetem Kiefer/Mund geatmet werden. Ebenso spielt es eine Rolle, keine einengende Kleidung zu tragen, die die Thorax- und Zwerchfelltätigkeit einschränken könnten oder zu reichliche beziehungsweise blähende Speisen direkt vor dem Singen zu essen, was sich negativ auf die Atmung auswirken kann.

3.2 Psychische Verfassung

Tagtäglich begleiten uns Situationen, die sich positiv oder negativ auf unser Gesamtbefinden auswirken und so unsere Stimmung beeinflussen. „Jeder ‚Stimmträger‘ ist zugleich ‚Stimmungsträger‘, und jede stimmliche Äußerung drückt stets auch eine Stimmung aus.“[9] Besonders beim Singen, aber auch beim normalen Sprechen spiegelt die Stimme durch ihren Klang und ihrer Tonhöhe die aktuelle Stimmung des Sprechers/Sängers wieder.[10] Durch die Stimme kommen unsere psychische Verfassung, wie zum Beispiel Stress oder Konflikte, als auch hohe Leistungsanforderungen in Beruf oder Familie, aber auch Freude zum Ausdruck. Auch die Körperhaltung reflektiert das Gesamtbefinden und wirkt sich auf die Körperspannung aus. Bei Müdigkeit und Erschöpfung ist zu beobachten, dass der Rücken rund gemacht wird, die Schultern fallen nach vorne und die Stimme klingt leise, matt und schwach. Im Gegensatz dazu, kommt bei freudigen Menschen eine aufgerichtete Haltung und eine volle, kräftige Stimme zum Ausdruck.

4 Gesunderhaltung der Stimme

4.1 Prophylaktische Maßnahmen

Zu Beginn ist ein ausgeglichener Lebensrhythmus für die Gesundheit der Stimme von Bedeutung.[11] Dazu gehören ausreichend Schlaf und Erholungsanteile im Alltag sowie die Sensibilität, Belastungen zu erkennen und diese zu mindern, als auch das zeitnahe Lösen von erdrückenden Konflikten.

Somit werden nicht nur das Wohlbefinden und die Psyche gestärkt, sondern auch positive Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit erzielt.

Grundlegend für eine gesunde Stimme ist -wie schon in Kapitel 3.1 beschrieben- die aufgerichtete Körperhaltung und die damit eng verbundenen Auswirkungen auf die freie, tiefe Atmung.[12] Um die Atmung nicht einzuschränken, sollte die Kleidung nicht zu eng gewählt werden. Außerdem kann die Atmungsaktivität auch durch Bewegung an frischer Luft oder leichter sportlicher Betätigung gefördert werden. Allerdings sollte beim Reden im Freien bei trockener, kalter Luft darauf geachtet werden, dass durch die Nase geatmet wird.[13] Diese angewärmte Atemluft ist schonender für Kehlkopf und Lungen. Die Mundatmung kann bei kalter Außenluft eine starke Belastung für Rachen und Stimmlippen darstellen. Sport führt zur besseren Durchblutung, tieferer Atmung und erhöhter Muskelaktivität.[14] Diese Komponenten können sich positiv auf die Qualität der Stimme auswirken. Außerdem wird durch Sport die Körperhaltung verbessert, welche die Grundlage des Singens/Sprechens darstellt. Während des Sprechens sollten Atempausen eingehalten werden. Nach Luft zu schnappen sowie das Sprechen während der Einatmung sollte vermieden werden. Eine gesunde Atmung ist zusätzlich vom Raumklima abhängig. Räume mit zu geringer Luftfeuchtigkeit oder starker Luftverschmutzung, wie durch Staub, Rauch, Abgase oder chemische oder organische Substanzen (bspw. Schimmelpilze), sind für die Atmung hinderlich. Es besteht das Risiko zu Schleimhautschädigungen und infolgedessen zu Stimmstörungen.

Auch die Ernährung hat Auswirkungen auf die Gesunderhaltung der Stimme und deren beteiligte Organe. So können bspw. Konservierungsstoffe zur Übersäuerung des Magens und zum Rückfluss des sauren Mageninhalts führen (Sodbrennen, Reflux), was sich in Schädigungen der Stimmlippenschleimhäute niederschlägt. Weiterhin ist bei sehr kalten/heißen/scharfen Speisen und Getränken Vorsicht geboten, weil sie auch zu Schleimhautreizungen führen können und somit die Stimmlippen schädigen können. Außerdem sollte vor dem Singen auf zu reichliche und blähende Speisen verzichtet werden, weil dadurch die Zwerchfellaktivität beeinträchtigt werden kann. Auch bei der Flüssigkeitsaufnahme sollte für die erforderliche Schleimhautpflege darauf geachtet werden, möglichst 1,5 bis 2 Liter Wasser, Tee oder Säfte zu sich zu nehmen. Der übermäßige Konsum von Kaffee ist nicht empfehlenswert, da er dem Körper Flüssigkeit entzieht sowie das zu häufige Trinken von Tees, die ätherische Öle enthalten (Pfefferminze/Kamille), weil sie die Schleimhäute stark austrocknen können. Kaffee und Tee in Maßen stellt wiederum keine Einschränkungen dar.[15] Von alkoholischen Getränken wird abgeraten, da sie zu Schleimhautreizungen führen.

Weitere Schadstoffe, wie das Rauchen führen zu Schleimhautschädigungen.[16] Insbesondere sind hier entzündliche Schleimhautveränderungen zu nennen, wie bspw. Reizzustände der Kehlkopf-, Luftröhren- und Bronchialschleimhaut (chronische Bronchitis) oder auch Trockenheit. Nicht zuletzt kann Rauchen auch Krebsbefall der Atemwege verursachen. Auch bestimmte Medikamente haben Nebenwirkungen, die sich negativ auf die Schleimhaut auswirken und demzufolge Gewebsveränderungen an den Stimmlippen auslösen können.

Bei großer stimmlicher Belastung ist es wichtig, in der Indifferenzlage zu sprechen (nicht zu hoch und nicht zu tief). Es sollte die individuell angepasste Sprechtonhöhe beachtet werden. Häufiges Schreien, Ankämpfen gegen Geräuschkulissen, aber auch Flüstern sind stimmschädigend. Wichtig ist eine deutlich artikulierte Aussprache, um die Verständlichkeit in der Kommunikation stimmschonender zu erreichen. Auch häufiges Räuspern und Husten stellt eine erhöhte Kehlkopfbelastung dar und ist schädlich für die Stimmlippen. Es wird geraten, alternativ einige Schlucke Wasser zu trinken und der Stimme immer wieder angemessene Erholungsphasen zu gönnen.

[...]


[1] Vgl. Tesche (2006), S. 19

[2] Vgl. Bigenzahn; Friedrich; Zorowka (2008), S. 111

[3] Vgl. Kutej (2011), S. 39

[4] Vgl. Bigenzahn; Friedrich; Zorowka (2008), S. 111

[5] Vgl. Seidner; Wendler (1997), S. 256

[6] Vgl. Bigenzahn; Friedrich; Zorowka (2008), S. 114 ff.

[7] Vgl. Seidner; Wendler (1997), S. 56 f.

[8] Vgl. Tesche (2006), S. 21 f.

[9] Seidner; Wendler (1997), S. 17

[10] Vgl. Tesche (2006), S. 19 f.

[11] Vgl. Tesche (2006), S. 21

[12] Vgl. Tesche (2006), S.21 ff.

[13] Vgl. Habermann (1986), S. 231

[14] Vgl. Habermann (1986), S. 234

[15] Vgl. Habermann (1986), S. 230

[16] Vgl. Tesche (2006), S. 23 ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Stimmhygiene. Wie halte ich meine Stimme gesund?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg  (für Gesang)
Veranstaltung
Stimmbildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V308539
ISBN (eBook)
9783668068742
ISBN (Buch)
9783668068759
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stimmhygiene, stimme
Arbeit zitieren
Gesine Ueberfeldt (Autor), 2012, Stimmhygiene. Wie halte ich meine Stimme gesund?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308539

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Stimmhygiene. Wie halte ich meine Stimme gesund?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden