Analyse rationalen Wählerverhaltens in der deutschen Bundestagswahl unter dem Aspekt des "Stimmen-Splittings"


Seminararbeit, 2003
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Das Wahlverfahren in der Bundesrepublik Deutschland

3. Zum Verständnis des Wahlsystems in der Bundesrepublik Deutschland

4. Anreize und Motivation für Stimmen-Splitting in der deutschen Bundestagswahl

5. Schluss

6. Eidesstattliche Erklärung

7. Literaturangaben

1. Einleitung

In der empirischen Wahlforschung nimmt die Untersuchung des Wählerverhaltens eine zentrale Rolle ein. Sie befasst sich mit den sozialstrukturellen Rahmenbedingungen und dem gesellschaftlichen Umfeld des Wählers, aber auch mit sozialpsychologischen und individuellen Merkmalen. Weiterhin steht auch das Erforschen - meist unmittelbar vor dem Wahltermin - von situationsgebundenen Größen im Vordergrund.

Diese Arbeit befasst sich vor allem mit letzterem Themenfeld, das sich in der Ökonomischen Theorie der Politik wiederspiegelt. Diese besagt, dass vor allem das Kosten-Nutzen-Kalkül des Wählers für dessen Wahlentscheidung verantwortlich ist.

Es soll herausgearbeitet werden, ob und in welchem Maße diese Theorie tatsächlich vom Wähler realisiert wird oder ob es Wähler gibt, die nach keinerlei solcher rationalen Mustern den Gang zur Wahlurne beschreiten.

Dies soll am Beispiel der Bundestagswahlen in der Bundesrepublik Deutschland untersucht werden, da dieses Wahlsystem des personalisierten Verhältniswahlrechts mit Erst- und Zweitstimme dem Wähler eine eindeutig rationale Möglichkeit durch das „Stimmen-Splitting“ gewährt.

Anhand des Textes von Rüdiger Schmitt-Beck „Denn sie wissen nicht, was sie tun...“ soll zuerst geklärt werden, wie verständlich dem deutschen Wähler das eigene Wahlsystem ist und ob tatsächlich der größte Teil der Wähler mit einem rationalem Kalkül die Möglichkeiten ausnutzt. Ein zweiter Text von Franz U. Pappi und Paul W. Thurner soll dann speziell im Bezug auf das Stimmen-Splitting aufzeigen, welche rationalen Überlegungen hinter einer solchen Art von Wahlentscheidung stehen.

2. Das Wahlverfahren in der Bundesrepublik Deutschland

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist das Wahlrecht „nur in allgemeinen Zügen festgeschrieben“.[1] Art. 38 Abs. 1 und 28 Abs. 1 geben lediglich vor, dass das Parlament aus „allgemeiner, freier, gleicher und geheimer Wahl“ gebildet werden muss.

Trotzdem kann man das deutsche Wahlrecht als personalisiertes Verhältniswahlrecht kategorisieren:

Jeder Wähler hat zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählt er den Kandidaten einer Partei in seinem Wahlkreis. Die so mit einfacher Mehrheit gewählten Abgeordneten der 328 Wahlkreise besetzen die Hälfte der Sitze im Parlament. Die Zweitstimme wird an die sogenannte Landesliste gegeben, d.h. der Wähler entscheidet sich für eine Partei, die für ihn im Bundestag vertreten sein soll. Anhand der Prozentzahlen der Zweitstimmenabgaben für eine Partei werden die restlichen Sitze im Bundestag den Parteien verhältnismäßig zugeordnet.

Trotz der großen Parteienvielfalt in Deutschland schafft jedoch nur eine geringe Anzahl von Parteien den Einzug in den Bundestag, da dies durch die „Fünf-Prozent-Hürde“ reguliert wird.

Tritt der Fall auf, dass eine Partei bereits mehr Mandate in den Wahlkreisen gewinnt als ihr durch die Landeslisten zusteht, wird ihr ein „Überhangsmandat“ gewährt und, anstatt der vorgesehenen 656 werden dann entsprechend mehr Sitze verteilt.

Durch dieses System einer Vergabe von zwei Stimmen erhält der Wähler die Option des „Stimmen-Splittings“. Dies bedeutet, er verteilt die beiden Stimmen auf zwei unterschiedliche Parteien. Diese Alternative gewann in den letzten Jahren von Wahl zu Wahl immer mehr Anhänger, sie wird in etwa von einem Fünftel der Wähler genutzt.

3. Zum Verständnis des Wahlsystems in der Bundesrepublik Deutschland

Um festzustellen, wie transparent den deutschen Wählern das deutsche Wahlverfahren tatsächlich ist, beschäftigt sich Rüdiger Schmitt-Beck in seiner Analyse der Bundestagswahl 1990 mit der Frage nach dem Verständnis des Zwei-Stimmen-Systems. Von besonderem Interesse ist für ihn hierbei die ostdeutsche Wählergruppe, da es für diese 1990 die erste Möglichkeit darstellte, nach dem System der Bundesrepublik zu wählen.

Im Rahmen des Projekts „Vergleichende Wahlstudie 1990“, das eine repräsentative dreiwellige Panelbefragung der wahlberechtigten Bevölkerung im östlichen und westlichen Wahlgebiet darstellt, untersucht er die Frage: „Welche dieser beiden Stimmen entscheidet über die Zahl der Sitze, die die Parteien im Bundestag erhalten, die Erststimme oder die Zweitstimme?“. Diese Frage wurde den Teilnehmern in den ersten beiden Panelwellen gestellt, die zum einen zu Beginn des Wahlkampfs, zum anderen kurz unmittelbar vor der Wahl, erfolgten.[2] Ausgewertet wurden allerdings nur die Antworten derjenigen Befragten, die zuvor in einer Filterfrage angaben, sicher an der Wahl teilzunehmen.

[...]


[1] Rudzio, Wolfgang (2000), S. 195

[2] Die dritte Panelwelle diente nur zur Überprüfung der tatsächlichen Wahlentscheidung und wurde als schriftliche Nachwahl mithilfe eines simulierten Stimmzettels durchgeführt.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Analyse rationalen Wählerverhaltens in der deutschen Bundestagswahl unter dem Aspekt des "Stimmen-Splittings"
Hochschule
Universität Mannheim  (Lehrstuhl für Politische Wissenschaften I)
Veranstaltung
Proseminar: Angewandte Entscheidungsanalyse in der Politikwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
10
Katalognummer
V30855
ISBN (eBook)
9783638320306
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Wählerverhaltens, Bundestagswahl, Aspekt, Stimmen-Splittings, Proseminar, Angewandte, Entscheidungsanalyse, Politikwissenschaft
Arbeit zitieren
Katharina Stutz (Autor), 2003, Analyse rationalen Wählerverhaltens in der deutschen Bundestagswahl unter dem Aspekt des "Stimmen-Splittings", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30855

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