Machiavelli und seine Zeit

Historische Umstände, die ihn beeinflussten


Seminararbeit, 2004
32 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

Literaturverzeichnis

Zeittafel

Text

1. Die Ausganglage in Italien

2. Kindheit und Jugend Machiavellis

3. Im Dienst der Republik Florenz (1498-1512)

4. Die Zeit ohne die Medici in Florenz

5. Die Gesandtschaften Machiavellis
5.1 bei Ludwig XII. (1498-1515)
5.2 bei Kaiser Maximilian I. (1493-502)
5.3 bei Cesare Borgia (1475-1507)

6. Das Florenz Machiavellis

7. Die historischen Rahmenbedingungen: die politischen Akteure und die Lage im Italien Machiavellis
7.1 Die politische Lage und die weltlichen Akteure in Italien
7.1.1 Die weltlichen Akteure23
7.1.1.1 Kaiser Maximilian I. (1493-1502)
7.1.1.2 Die „Condottieri
7.2 Der geistliche Akteur Girolamo Savonarola (1452-1498)
7.3 Die Akteure fremder Mächte
7.3.1 Karl
7.3.2 Ludwig

Literaturverzeichnis

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Zeittafel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Die Ausganglage in Italien

Durch die geschickte Gleichgewichtspolitik von Cosimo de` Medici herrschte in Italien Frieden unter den fünf italienischen Großmächten, den Republiken Venedig und Florenz, dem Königreich Neapel, dem Kirchenstaat des Vatikan und dem Herzogtum Mailand: aufgrund dieses Gleichgewichts konnte keiner dieser Staaten eine politisch-militärische Hegemonie erreichen[xix]. Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus leitete dann jedoch den sich über einen großen Zeitraum hin erstreckenden wirtschaftlichen Niedergang Italiens ein[xx]: diese politische Krise Italiens hatte auch maßgeblichen Einfluss auf Machiavellis politische Überlegungen[xxi]. Diese Epoche stellt einen tiefgreifenden Epocheneinschnitt dar, der als Renaissance bezeichnet wird [xxii]: mit ihr versank allmählich im Laufe der Zeit parallel zum wirtschaftlichen Niedergang Italiens[xxiii] auch der Aufbau der doppelten Autorität von Papst auf dem geistigen und dem Kaiser auf dem weltlichen Gebiet, von dem das Mittelalter geprägt war[xxiv]. Das Leben Machiavellis läuft also praktisch parallel zur „Krisenstruktur“ des ausgehenden Mittelalters[xxv]: das Florenz Machiavellis wurde durch den Wechsel zwischen Republik und Medici-Herrschaft quasi zerrüttet[xxvi].

2. Kindheit und Jugend Machiavellis

Die Machiavellis, ein altes toskanisches ghibellinisches Adelsgeschlecht, das ursprünglich zum vornehmen Teil der Guelfen[xxvii] gehörte, war infolge von Verfolgungen und Auswanderungen verarmt[xxviii] und Ende des 13. Jahrhunderts nach Oltrano, einem am Südufer des Arno in Florenz gelegenen Stadtteil übergesiedelt[xxix], der an der Grenze zwischen dem „popolo minuto“[xxx] und dem „popolo magro“ lag, wo sie sich im Laufe der Jahre zu Guelfen und einer republikanischen Bürgerfamilie wandelten[xxxi]. Mit Beginn des 14. Jahrhunderts begannen die Machiavellis in der Verwaltung der Stadt Florenz viele mittlere Beamtenposten zu besetzen, und einige Male auch das sehr wichtige Amt des Gonfalonier oder Bannerträgers, der die Exekutive befehligte[xxxii]. Machiavelli stammt aus dem mittleren Bürgertum und wurde am 03. Mai 1469 in Florenz geboren, in demselben Jahr, in dem Lorenzo de` Medici nach dem Tod seines Vaters Piero die Herrschaft in Florenz übernommen hatte[xxxiii]. Bevor sich Machiavellis Vater Bernardo di Niccolo Buoninsegna in Florenz als Anwalt niederließ, war er als Notar und Jurist päpstlicher Schatzmeister im Gebiet der Marken gewesen[xxxiv] und seine Familie entstammte patrizischen Kreisen[xxxv]. Die Mutter Bartolomea entstammte der Familie der Nelli und war wie ihr Ehemann wissenschaftlich interessiert[xxxvi]. Weil Machiavelli nur eines von vier Kindern war, mussten seine Eltern sparen[xxxvii], wie Bernardo in seinem „Buch der Erinnerungen“ („Libro di Ricordi“[xxxviii]) bestätigt[xxxix]. Aus diesen Tagebuchaufzeichnungen von Machiavellis Vater geht auch hervor, dass in dessen Bibliothek Livius[xl] und Polybios[xli] vorhanden waren und ihm auch die Ethik des Aristoteles und die Philippischen Reden von Demosthenes zur Verfügung standen[xlii]. Vom siebenten Lebensjahr an wurden Machiavelli von Matteo della Rocca die Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben beigebracht[xliii]. Ab dem 05. März 1477 begann Machiavelli zur Schule zu gehen[xliv], wo er von dem bekannten Lehrer Battista di Filippo in Grammatik unterrichtet wurde und zwei Jahre später besuchte er den Arithmetikunterricht des Maestro Pier Maria[xlv]. 1481 wurde Machiavelli unter die „Latini“ des Grammatiklehrers Paolo da Ronciglione aufgenommen[xlvi]. Machiavelli hat sich auch für Religion interessiert, was ihn auch vorübergehend in die Reihen der Reformer trieb, die sich vom Tod Lorenzos des Prächtigen an um den Dominikanermönch Girolamo Savonarola zu formieren begannen[xlvii]. Wichtig für Machiavelli war auch die Bekanntschaft seines Vaters mit dem späteren Florentiner Kanzler Marcello Virgilio[xlviii]. Für ein gründliches Studium fehlte der Familie Machiavellis allerdings das Geld[xlix]. Der kleine Machiavelli wächst also quasi in einer Welt der sozialen Entwurzelung auf und sein späterer Ruf nach dem starken Mann, „Uomo virtuoso“ dürfte sicherlich u. a. von hier ausgegangen sein[l]. Später stellte Machiavelli auch fest: „Ich bin arm geboren und habe eher gelernt, mein Leben kümmerlich zu fristen, als es zu genießen“[li]. Für den Zeitraum 1487 und 1497/98 gibt es keine genauen Informationen zu Machiavellis Leben[lii]. Laut Kroeber-Keneth soll Machiavelli im Alter von 24 Jahren als „Prokurist“(„cassiere“) des Florentiner Bankhauses Berto Berti gearbeitet haben[liii]. Diese These von Kroeber-Keneth wird jedoch von Martelli widerlegt[liv]. Gegen Ende der ersten Periode der Mediceer-Herrschaft, spätestens im Todesjahr von Lorenzo 1492, hatte sich Machiavelli bereits leidenschaftlich der Politik verschrieben[lv]. Einer seiner Zeitgenossen, ein gewisser Villari, beschrieb Machiavelli so:

„Machiavelli war von mittlerer Größe, mager, mit sehr lebhaften Augen, dunklen Haaren, einem etwas kleinen Kopf, einer leicht gebogenen Nase, einem stets zusammengepressten Mund [lvi]: alles hatte bei ihm den Eindruck eines sehr gewandten Beobachters und eines Denkers, doch nicht eines Achtung gebietenden und auf andere einwirkenden Mannes“[lvii].

3. Im Dienste der Republik (1498-1512)

Nachdem König Karl VIII. von Frankreich im Jahr 1494 Florenz verlassen hatte, bildete sich dort ein System von Räten, die aus dem Zunftwesen hervorgingen[lviii]. Wenige Tage[lix] nach der Hinrichtung des Dominikanermönchs Savonarola am 23. Mai 1498[lx] wird Machiavelli am 18. oder 19.Juni 1498[lxi] überraschend auf Beschluss des Rates der 80 und nach Bestätigung durch den Großen Rat in das am zweitbesten[lxii] dotierte Amt des Sekretärs („Segretario della Repubblica“) der 1437 gegründeten[lxiii] Zweiten Kanzlei („Seconda Cancelleria“) der florentinischen Republik berufen[lxiv], die der Signoria [lxv], einer Art Ständeversammlung von Florenz, direkt unterstand[lxvi]. Dieses Amt besaß ein hohes Maß an Selbständigkeit, was damit zusammenhing, dass dieser Rat der Zehn, deren Kanzleichef Machiavelli war, sowohl für die innere Verwaltung des Staates als auch für die äußeren Angelegenheiten verantwortlich war[lxvii]. Dass Machiavelli unter vier Anwärtern zu diesem Amt gewählt worden ist, hat er sicherlich u. a. einflussreichen Florentiner Machtzirkeln in Rom zu verdanken[lxviii]. Bald darauf wird Machiavelli als Sekretär[lxix] in den „Rat der Zehn für Frieden und Freiheit“[lxx] berufen, dessen Aufgabe die Korrespondenz mit den florentinischen Gesandten im Ausland war[lxxi]. Für diesen Rat fungierte Machiavelli quasi als Sekretär, wodurch er bis 1512[lxxii] Zugang zu allen Staatsgeschäften hatte und Geheimnisträger wie auch Politiker in einer Ebene wurde, auf der die Entscheidungen zwar nicht getroffen, aber vorbereitet wurden, bevor man ihn endgültig als einen Mitarbeiter in der Zweiten Kanzlei übernahm[lxxiii]. Ab Mai 1499 beginnt Machiavelli nun auf die willkürlichen Begrenzungen der florentinischen Politik hinzuweisen[lxxiv] wodurch er aus der Anonymität hervorzutreten begann und jemand wurde, den man beachten musste[lxxv]. Die Finanzlage der Stadt war angespannt und blieb dies auch während der folgenden Jahre: die Machtverteilung zwischen den aristokratischen Familien und den mittleren Schichten der Stadt konnte im Laufe der Zeit nicht mehr ausgeglichen werden, so dass eine Konsolidierung der neu errichteten Republik für längere Zeit nicht mehr möglich war[lxxvi]. Im August 1501 heiratet Machiavelli Marietta Luigi Corsini und aus dieser Ehe gehen vier Söhne und zwei Töchter hervor[lxxvii]. Immer wieder stieß sich Machiavelli an der Unentschlossenheit der florentinischen Regierung, in deren Auftrag er aufzutreten hatte[lxxviii]. Von November 1506 bis September 1508 hält sich Machiavelli hauptsächlich zu Hause und u. a. in den Sitzungen seiner Sekretariate im Palazzo Vecchio auf[lxxix]. Als Ergebnis der veränderten politischen Situation in Florenz nach 1512 hatte auch ein Teil der jungen Aristokratie eine stärkere Neigung zu republikanischem Gedankengut als zu einer Opposition gegen die Medici-Herrschaft[lxxx]. Diese Entwicklung stand ganz im Interesse Machiavellis, nach dessen Meinung nur die Schaffung eines Gleichgewichts zwischen den Klassenkräften im Staat den Kampf der entgegengesetzten Interessen beenden konnte[lxxxi]. 1516 wird Machiavelli in den Kreis der „Orti Orcicellari“ aufgenommen und kam so mit den einflussreichsten und vornehmsten Familien der Stadt in Verbindung[lxxxii]: ab 1519 erhält er dann auch wieder verschiedene eher unbedeutende Aufträge[lxxxiii]. Zunächst hatte ihn Kardinal Giulio de` Medici, der nach dem Tod von Lorenzo de` Medici, dem Machiavelli sein Werk „Il Principe“ gewidmet hatte, die Vertretung der Medici-Interessen in Florenz übernommen hatte, beauftragt, einen Vorschlag für eine Verfassungsreform auszuarbeiten[lxxxiv]. Erst nach 1525 erhielt Machiavelli von den Medici als Folge allgemeiner politischer Veränderungen wieder Aufträge, für die er eher geeignet war wie vor 1512[lxxxv], wie beispielsweise den Auftrag zur Ausarbeitung eines Konzeptes für eine Bürgermiliz, da Florenz in die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Papst Julius II. und dem französischen König Ludwig XII. hineingezogen worden war und ihre Truppen durch das Heer der Päpstlichen Liga dezimiert worden waren[lxxxvi]. Nach der erneuten Vertreibung der Medici 1527 aus Florenz und der damit einhergehenden Wiederherstellung der Republik am 16. Mai 1527[lxxxvii] wie in der Zeit vor 1512[lxxxviii] kann Machiavelli nicht mehr mit der Unterstützung des neuen gebildeten Regimes rechnen und als Folge dessen wurde Machiavelli aus allen Ämtern gehoben und aus Florenz verbannt[lxxxix]. Als sich Machiavelli seit dem Sommer 1513 nach dessen Absetzung als Florentiner Staatssekretär dem politischen Denken und Handeln in der Antike für seine psychische Stabilisation zuwandte[xc], bedeutete dies keineswegs, dass er sich von der politischen Realität seiner Gegenwart abwandte[xci]. Im Laufe des Jahres 1513 erkannte Machiavelli allerdings, dass seine Hoffnung auf eine Rückkehr in die politischen Dienste von Florenz in absehbarer Zeit nicht mehr als realistisch anzusehen waren[xcii]. Die einmalige historische Chance, die Machiavelli für die Bewältigung der italienischen Krise nach 1513 gesehen hat, ist nicht genutzt worden[xciii]. Machiavelli lobt die Republik von Florenz generell, sie schwebt ihm auch nach 1512/13 ständig als wiedereinführungsfähig vor[xciv]. Mit dem Kampf gegen die Politik Ludwig XII. von Frankreich[xcv], an dem sich auch der Kaiser und Spanien beteiligten, begann die massive Intervention der europäischen Großmächte in Italien, deren erste Phase mit der Vertreibung der Franzosen und der Wiedereinsetzung der Medici in Florenz 1512 endete[xcvi], was für Machiavelli zu einem Ende seiner Tätigkeit in der „Seconda Cancelleria“ führte[xcvii]. Im Frühsommer 1513 geht Machiavelli mit seiner Familie auf sein ererbtes Landgut in San Andrea bei San Casciano in der Nähe von Florenz[xcviii].

[...]


[i] Fink, a.a.O., S. 40.

[ii] Fink, a.a.O., S. 43.

[iii] Buck, a.a.O., S. 1.

[iv] Buck, a.a.O., S. 1.

[v] Reinhardt, Renaissance, S. 36.

[vi] Piper, Savonarola, x, S. 147

[vii] Buck, a.a.O., S. 1.

[viii] Hausmann, a.a.O., S. 155.

[ix] Hausmann, a.a.O., S. 155.

[x] Hausmann, a.a.O., S. 155.

[xi] Hausmann, a.a.O., S. 155.

[xii] Hausmann, a.a.O., S. 156.

[xiii] Hausmann, a.a.O., S. 156.

[xiv] Hausmann, a.a.O., S. 156.

[xv] Hausmann, a.a.O., S. 157.

[xvi] Hausmann, a.a.O., S. S. 156.

[xvii] Hausmann, a.a.O., 157.

[xviii] Hausmann, a.a.O., S. 157.

[xix] Fink, Machiavelli – eine Biographie, 1988, S. 13 f. Vgl. auch Reinhardt, Die Renaissance in Italien – Geschichte und Kultur, 2002, S. 17 und 24.

[xx] Münkler, Politische Schriften, 1990, S. 16. Vgl. auch Brion, Machiavelli und seine Zeit, 1957, S. 143; Piper, Savonarola, 1998, S. 55; Muir, Machiavelli – Ein Mann und seine Zeit, 1939, S. 7; Reinhardt, Geschichte Italiens, 2002, S. 41 f.; Fuhr, Machiavelli und Savonarola - Politische Rationalität und politische Prophetie, 1985, S. 135 und Diesner, Politische Welt, 1992, S. 9.

[xxi] Deppe, Niccolo Machiavelli - Zur Kritik der reinen Politik, 1987, S. 22. Vgl. auch Machiavelli, zitiert in Rilkin, Die Führungslehre von Niccolo Machiavelli, 1996, S. 31: „Wohin du die Blicke wendest“, (…) „siehst du die Erde getränkt mit Blut und Tränen und die Luft erfüllt mit Ächzen, Schluchzen und Geheul“ und Machiavelli, Der Fürst, 2001, S. 129: „Denn man kann von den Menschen im allgemeinen sagen, dass sie undankbar, wankelmütig, unaufrichtig, heuchlerisch, furchtsam und habgierig sind (…)“ und Rilkin, a.a.O., S. 31 f: „Die Politik muss davon ausgehen, dass alle Menschen böse sind und dass sie stets ihren üblen Neigungen folgen, sobald sie Gelegenheit dazu haben“ (Discorsi, I/3, S. 18).

[xxii] Münkler, Machiavelli – Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz, 1995, S. 24. Vgl. auch Kluxen, Politik und menschliche Existenz bei Machiavelli, 1967, S. 9.

[xxiii] Münkler, Machiavelli, 1995, S. 16. Vgl. auch Brion, a.a.O., 1957, S. 24 und Deppe, a.a.O, S. 43.

[xxiv] Chevalier, Denker – Planer - Utopisten, Die großen politischen Ideen, 1966, S. 18.

[xxv] Deppe, a.a.O., S. 84.

[xxvi] Riklin, a.a.O., S. 30 ff.

[xxvii] Reinhardt, Florenz zur Zeit der Renaissance – Die Kunst der Macht und die Botschaft der Bilder, 1990, S. 28.

[xxviii] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 16.

[xxix] Fink, a.a.O., S. 10.

[xxx] Zum „populo minuto“ gehören Ladeninhaber, Handwerker, Familienbetriebe und auch Ärzte, Juristen und die Beamtenschicht, vgl. auch Kroeber-Keneth, Machiavelli und wir - der Florentiner in neuer Sicht, 1980, S. 55 und Deppe, a.a.O., S. 106.

[xxxi] Fink., a.a.O., S. 20. Vgl. auch Fink, a.a.O., S. 10 und Kersting, Machiavelli, 1988, S. 13.

[xxxii] Kersting, a.a.O., S. 13.

[xxxiii] Buck, Machiavelli, 1985, S. 26. Vgl. auch Reinhard, Medici, S. 77.

[xxxiv] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 16. Vgl. auch Kersting, a.a.O., S. 13.

[xxxv] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 16.

[xxxvi] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 16.

[xxxvii] Gilbert, Machiavelli und die Geschichtsschreibung der italienischen Renaissance, 1991, S. 14. Vgl. auch Diesner, Politische Welt, 1992, S. 9.

[xxxviii] Gilbert, a.a.O., 1991, S. 15. Vgl. auch, Diesner, Politische Welt, 1992, S. 9. Hösle, Niccolo Machiavellli

zum 500. Geburtstag, Societa Dante Alghieri (Quaderni dell`Istituto di Cultura di Monaco di Baviera, 1970, S. 5.

[xxxix] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 16.

[xl] Kersting, a.a.O., S. 18 f. Vgl. auch Hösle, a.a.O., S. 4.

[xli] Machiavelli, Discorsi, 1977, S. xxii.

[xlii] Buck, a.a.O., S. 7. Vgl. auch Anglo, Machiavelli, 1969, S. 14.

[xliii] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 16 f.

[xliv] Barincou, Niccolo Machiavelli in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 1985, S. 15.

[xlv] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 17.

[xlvi] Buck, a.a.O., S. 30. Vgl. auch Diesner, Politische Welt, 1992, S. 9 und S. 17.

[xlvii] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 17.

[xlviii] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 17.

[xlix] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 9 und 17.

[l] Kroeber-Keneth, Machiavelli und wir – der Florentiner in neuer Sicht, 1980, S. 29.

[li] Mittermaier, Machiavelli - Moral und Politik zu Beginn der Neuzeit, Gernsbach, 1990, S. 27. In einem Brief vom 18. März 1513 schreibt Machiavelli an Francesco Vettori: „Nacqui povero, et imparai prima a stentare che a godere.“, vgl. auch Mittermaier, a.a.O., S. 452.

[lii] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 18.

[liii] Kroeber-Keneth, a.a.O., 1980, S. 34 und S. 47.

[liv] Machiavelli, Der Fürst, 2001, S. 231.

[lv] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 18.

[lvi] Buck, a.a.O., S. 5.

[lvii] Fink, a.a.O., S. 45 ff.

[lviii] Muir, Machiavelli, 1939, S. 41.

[lix] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 20.

[lx] Kersting, a.a.O., S. 15. Vgl. auch Reinhardt, Florenz, 1990, S. 198 f.

[lxi] Fink, a.a.O., S. 45. Vgl. Auch Kersting, a.a.O., S. 15.

[lxii] Gilbert, a.a.O., 1991, S. 19.

[lxiii] Skinner, Machiavelli, 1981, S. 6.

[lxiv] Deppe, a.a.O., S. 61. Hösle, Niccolo, Machiavelli zum 500. Geburtstag, Societa Dante Alghieri (Quaderni dell`Istituto di Cultura di Monaco di Baviera, 1970, S. 5. Vgl. auch Machiavelli, Discorsi, S. xxv und Braun, Politische Philosophie – ein Lesebuch, 2002, S. 91.

[lxv] Reinhardt, Renaissance, 2002, S. 44 f.

[lxvi]cancelliere della seconda candelleria“ und „Segretario della Repubblica”. Vgl. auch Cheavllier, Denker – Planer - Utopisten, Die großen politischen Ideen, 1966, S. 20, Barincou, Niccolo Maciavelli in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, S. 19, Mittermaier, a.a.O., S. 78 und Avis, Foundations of Modern Historical Thought – From Machiavelli to Vico, 1986, S. 34.

[lxvii] Fink, a.a.O., S. 45 und S. 47 f. Vgl. auch Reinhardt, Medici, 2001, S. 77.

[lxviii] Kroeber-Keneth, a.a.O., S. 38.

[lxix] Fink, a.a.O., S. 48.

[lxx] „Ten of War“ (engl.), vgl. auch Skinner, 1981, S. 6.

[lxxi] Cheavllier, a.a.O., S. 20. Vgl. auch Reinhardt, Renaissance, 2002, S. 69.

[lxxii] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 103.

[lxxiii] Fink, a.a.O., S. 45.

[lxxiv] Sasso, Niccolo Machiavelli – Geschichte seines politischen Denkens, 1965, S. 15.

[lxxv] Fink, a.a.O., S. 48.

[lxxvi] Münkler, Politische Schriften, 1995, S. 16 f.

[lxxvii] Buck, a.a.O., S. 1.

[lxxviii] Hösle, a.a.O., S. 5.

[lxxix] Barincou, a.a.O., S. 39. Vgl. auch Gilbert, a.a.O., S. 27.

[lxxx] Fuhr, a.a.O., S. 146.

[lxxxi] Deppe, a.a.O., S. 90. Vgl. auch Diesner, a.a.O., S. 10.

[lxxxii] Albertini, Das florentinische Staatsbewußtsein im Übergang von der Republik zum Prinzipat, 1955, S. 78. Vgl. auch Machiavelli, Discorsi, 1977, S. xxxiv.

[lxxxiii] Albertini, a.a.O., S. 78. Vgl. auch Machiavelli, Discorsi, 1977, S. xxxiv.

[lxxxiv] Chevallier, a.a.O., S. 42.

[lxxxv] Chevallier, a.a.O., S. 42.

[lxxxvi] Chevallier, a.a.O., S. 22.

[lxxxvii] Machiavelli, Discorsi, 1977, S. xxxix.

[lxxxviii] Bullard, a.a.O., S. 24.

[lxxxix] Chevallier, a.a.O., S. 22.

[xc] Skinner, a.a.O., S. 86. Vgl. auch Fink, a.a.O., S. 46.

[xci] Münkler, Machiavelli, 1990, S. 258.

[xcii] Fuhr, a.a.O., 139.

[xciii] Münkler, Machiavelli, 1995, S. 368.

[xciv] Diesner, Politische Welt, 1992, S. 103.

[xcv] Buck, a.a.0., 31.

[xcvi] Buck, a.a.0., 31.

[xcvii] Buck, a.a.0., 31.

[xcviii] Machiavelli, Discorsi, S.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Machiavelli und seine Zeit
Untertitel
Historische Umstände, die ihn beeinflussten
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut)
Veranstaltung
Machiavelli
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
32
Katalognummer
V30856
ISBN (eBook)
9783638320313
ISBN (Buch)
9783638650984
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli, Zeit
Arbeit zitieren
Robert Tanania (Autor), 2004, Machiavelli und seine Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30856

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