Die Auswüchse der Massentierhaltung und die Verantwortung der Verbraucher


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Einführung in die Massentierhaltung

3.Rechtliche, ethische und ökonomische Aspekte der Massentierhaltung

4.Missstände durch die Massentierhaltung
4.1.Treibhausgase
4.2.Waldsterben und überdüngte Gewässer
4.3.Zerstörung des Urwaldes
4.4.Resistenz gegen Antibiotika
4.5.Globaler Hunger und Armut
4.6.Leid der Tiere am Beispiel der Geflügelmast
4.7.Zivilisationskrankheiten in den Industrieländern

5.Verantwortung der Verbraucher
5.1.Die Macht der Konsumenten
5.2.Transparenz und Aufklärung über die Folgen der Massentierhaltung
5.3.Aktuelle Kampagnen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Essen ist für uns Menschen zum Leben notwendig. Wenn wir beispielsweise Fleisch oder Eier auf dem Teller liegen haben, stellt der Verzehr für uns in der Regel einen kulinarischen Genuss dar. Dass wir gleichzeitig auch eine ethische und wirtschaftliche Entscheidung getroffen haben, ist den meisten Konsumenten überhaupt nicht bewusst. So bleiben Fragen nach der Haltung der Tiere und deren Folgen für die Menschheit häufig auf der Strecke. Der Bruchteil derer, die sich damit intensiv auseinandersetzen, ziehen hin und wieder die Reißleine und beschließen, sich künftig vegetarisch oder vegan zu ernähren. Andere gehen nur noch in bestimmte Supermärkte und achten fortan beim Kauf von tierischen Produkten explizit auf die zahlreichen Siegel welche auf eine artgerechte Haltung der Tiere verweisen.

Allein im Jahr 2013 leben und sterben in der Massentierhaltung in Deutschland über 830 Millionen Tiere.[1]

Das liegt vor allem daran, dass die Nachfrage an eiweißhaltigen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg stark zugenommen hat.[2]

Faktoren wie die weitreichende Liberalisierung der Agrarmärkte in den achtziger und neunziger Jahren, sowie zu Beginn des neuen Jahrtausends begünstigten diesen Trend. Dadurch begann ein neuer globaler Handel mit Agrarprodukten und Futtermitteln, welche durch den Staat stark subventioniert wurden.[3]

Das statistische Bundesamt bezifferte den Fleischverbrauch 2009 auf 88,1 Kilogramm pro Person.[4]

Um diese steigende Nachfrage zu decken, kam es auch in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten zu einer schleichenden Industrialisierung. Tiere unter freiem Himmel sind rar geworden.

Stattdessen werden die essentiellen Bedürfnisse der Tiere ignoriert und ihre Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Um die Tiere unter den schlechten Lebensbedingungen am Leben zu erhalten, werden sie sukzessiv mit Medikamenten versorgt. Dies aber kann wiederum bei den Verbrauchern zu negativen Gesundheitsfolgen führen.[5]

Hinzu kommt, dass die Verbraucher vor allem bei Produkten des täglichen Bedarfs wie etwa Fleisch stark auf den Preis achten und dieses zu einem günstigen Preis erwerben wollen. Die Tendenz geht immer mehr zum Einkauf beim Discounter.[6]

Was sind nun die Auswüchse der Massentierhaltung und warum steht der Verbraucher dabei in der Verantwortung beziehungsweise was kann dieser überhaupt tun? Im Rahmen dieser Studienarbeit werden die negativen Entwicklungen und Missstände im Zusammenhang mit der Massentierhaltung aufgezeigt. Hierbei werden auch insbesondere deren ethische und wirtschaftliche Aspekte erörtert. Des Weiteren soll auch der Verbraucher mit in die Verantwortung gezogen werden. Dieser kann durch einen gezielten Einkauf und bestimmte Verhaltensweisen entscheidende Akzente für eine nachhaltige Zukunft setzen.

2. Einführung in die Massentierhaltung

Der Begriff der Massentierhaltung oder auch der Intensivtierhaltung ist in der Wissenschaft nicht eindeutig definiert. In einer gängigen Beschreibung versteht man unter ,,Intensivtierhaltung, auch intensive Tierhaltung, Massentierhaltung oder landlose Tierproduktion [...] die technisierte Viehhaltung meist nur einer Tierart in Großbetrieben zur Gewinnung möglichst vieler tierischer Produkte. Die intensive Tierhaltung unterscheidet sich von der extensiven Tierhaltung durch eine geringere Flächennutzung und stärkere Nutzung anderer Produktionsfaktoren.’’[7]

Anhand dieser Beschreibung ist zu erkennen, dass die Massentierhaltung keines falls an eine bestimmte Anzahl an Tieren oder an Räumlichkeiten gebunden ist.[8]

Folglich ist die Bewertung, ob es sich um eine Massentierhaltung handelt, immer vom subjektiven Empfinden des Betrachters abhängig.

Zusammengefasst kennzeichnet die Massentierhaltung meist eine ganzjährige Stallhaltung, hohe Tierdichten pro Quadratmeter und ein hoher Grad an Mechanisierung und Automatisierung, beispielsweise in der Fütterung oder Wasserversorgung. Des Weiteren ist der Personalbedarf in der Massentierhaltung deutlich geringer und die Betriebe führen überwiegend nur eine Tierart.[9]

3. Rechtliche, ethische und ökonomische Aspekte der Massentierhaltung

In der deutschen Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein rasanter Strukturwandel vollzogen. Die Mastbetriebe sind im Laufe der Zeit stetig gewachsen wohingegen die Zahl der Tierhalter zurückgeht. Das heißt, kleine, weniger kapitalstarke Landwirtschaften weichen immer mehr großen durchgetakteten Agrarbetrieben.[10]

In diesen Betrieben ist die Haltung von beispielsweise 40.000 Hühnern oder 2.000 Schweinen unter einem Dach keine Seltenheit.[11]

Eine solch immense Zahl an Tieren in der Haltung machte die schon angesprochene Industrialisierung in der Landwirtschaft möglich. Dabei rückten immer mehr technische Fragen in den Mittelpunkt. Das Nutztier an sich wurde nur noch unter rein ökonomischen Aspekten angesehen und kam einer Produktionsmaschine in der Betrachtung sehr nahe.[12]

Eingegliedert in die globalen Produktionsketten werden die Tiere eher in Fabriken als in Bauernhöfen gehalten. Mittlerweile gehört die Fleischproduktion zu den profitabelsten Zweigen der Landwirtschaft. In den Industrieländern trägt die Fleischproduktion mit mehr als 50 % zum Gesamtwert der Agrarproduktion bei.[13]

Trotz der enormen Produktion ist die Massentierhaltung auf wenige Nationen und Tierarten, sowie Unternehmen weltweit beschränkt. Die USA, Brasilien und China zählen zu den größten Herstellern von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch und tragen als Dreiergruppe in jeder dieser Tierarten mit einem Anteil zwischen 43 und 59 Prozent zur weltweiten Produktion bei.[14]

Neue Technologien in der Tierzucht und -haltung, sowie Beihilfen der Europäischen Gemeinschaft in Milliardenhöhe und auch weitere Subventionen führen dazu, dass tierische Produkte sehr günstig produziert werden.[15]

Somit ist die Produktion von Fleisch, Eiern und Milch verhältnismäßig billig, wenn man die Kosten und Risiken durch die ethischen, sozialen und ökologischen Auswüchse der Massentierhaltung ausklammert, welche im folgenden Kapitel detailliert aufgeführt werden.

Die immer schlechteren Lebensbedingungen der Tiere zwang auch die Europäische Union zum Handeln. Seit Mai 2009 gibt es eine Obergrenze von 39 Kilogramm Tiermasse pro Kubikmeter. Diese knüpft allerdings an eine Reihe von organisatorischen und wirtschaftlichen Bedingungen an.[16]

Auf weitere detaillierte Richtlinien der Europäischen Union soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Hervorzuheben gilt, dass der dargestellte Grenzwert sich auf eine Tiermasse bezieht, das heißt, das einzelne Tier an sich wird überhaupt nicht mehr wahrgenommen.

4. Missstände durch die Massentierhaltung

,,Es ist grotesk, über Welthunger,[Klimaschutz] und Ernährung zu reden, ohne die Fleischproduktion anzusprechen.’’[17]

Nur wenigen Personen ist es überhaupt bewusst, wie weitreichend die Folgen einer Ernährungsweise mit Fleisch und anderen tierischen Produkten im Überfluss ist. Die damit zusammenhängende Massentierhaltung ist nicht tiergerecht und trägt zu einer Reihe von Missständen bei, welche im Folgenden betrachtet werden.[18]

4.1. Treibhausgase

In einer breiten Untersuchung kam das renommierte Worldwatch Institute zu dem Ergebnis, dass der für den menschlichen Verzehr gehaltene Tierbestand für mindestens 51 Prozent der weltweit ausgestoßenen klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich ist.[19]

Die Tiere selbst stoßen dabei einen wesentlichen Teil der Treibhausgase aus. Im Agrarsektor sind dies vor allem Lachgas und Methan. Vorzugsweise Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen erzeugen bei der Verdauung eine große Menge an Methan. Dieser Stoff trägt über 23 Mal stärker zur Klimaerwärmung bei, als vergleichsweise Kohlenstoffdioxid. Beispielsweise emittiert eine Milchkuh im Durchschnitt 111,7 Kilogramm Methan jährlich. Dazu kommen pro Tag zirka 60 Liter lachgashaltige Gülle, welche über 300 Mal klimawirksamer ist, als Kohlenstoffdioxid. Durch die Ausbringung und Speicherung der Gülle auf den Feldern entstehen durch Umwandlungsprozesse weitere Mengen von Methan und Lachgas. Kurzum verursacht die Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch unter dem Strich 26 Kilogramm Treibhausgase.[20]

4.2. Waldsterben und überdüngte Gewässer

Wie schon im vorangegangenen Kapitel erläutert, ist vor allem das Schadstoffausmaß durch Gülle und gasförmige Ammoniak-Emissionen in Grundwasser, Boden und Luft äußerst problematisch. Dabei wird Gülle wie erwähnt als Dünger eingesetzt. Häufig wird jedoch mehr gedüngt, als von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Berücksichtigt man dies, kommt es in zahlreichen Gegenden mit intensiver Schweinehaltung zu einer Überdüngung mit Phosphor sowie Stickstoff. Schlussendlich trägt dies zur Versauerung der Böden bei und folglich zum Waldsterben. Dazu kommt die anwachsende Nitratbelastung welche eine ernstzunehmende Gefahr für die biologische Vielfalt von Flora und Fauna darstellt. In diesem Zusammenhang kommt es häufig zu entsprechenden Protesten aus der Anwohnerschaft, welche sich teilweise massiv gegen geplante Mastanlagen zur Wehr setzt.[21]

4.3. Zerstörung des Urwaldes

Seit 1970 wurde mehr als 90 Prozent des Amazonas-Regenwaldes für die Neuschaffung von Weideflächen und zum Futtermittelanbau abgeholzt. Mit der Zerstörung des Urwalds wird nicht nur ein essentieller Kohlenstoffspeicher vernichtet, sondern mit ihm gehen auch viele kostbare Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren.[22]

4.4. Resistenz gegen Antibiotika

Die Pharmazie entwickelt seit Jahren fortwährend Antibiotika. Dabei entstehen durch den massenweisen Einsatz in der Tierhaltung und beim Menschen Resistenzen.[23]

Dies liegt daran, dass Bakterien über eine unvergleichbare Fähigkeit verfügen, sich an widrige Gegebenheiten anzupassen. Deshalb übt die kontinuierliche Verwendung von Antibiotika auf diese Bakterien einen Evolutionsdruck aus, der manche dazu bringt, eine Resistenz aufzubauen. Der unangebrachte und exzessive Einsatz von Antibiotika liefert somit die optimalen Bedingungen für das Aufkommen neuer resistenter Bakterienstämme bei Tieren. Diese Resistenz kann in der Folge auch auf die Bakterien übergehen, welche den Menschen infizieren.[24]

In Amerika wurden 2011 80 % aller verkauften Antibiotika an Tiere verfüttert. Diese führen aus bislang noch nicht vollständig geklärten Gründen zu einer Gewichtszunahme bei Rindern, Schweinen und Hühnern.[25]

[...]


[1] Vgl. Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt (Hrsg.) (2015), Online-Dokument.

[2] Vgl. Max Rubner-Institut und Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (Hrsg.) (2008), Online Dokument.

[3] Vgl. Bauer, B./ Unmüßig, B./ Weiger, H. (2014), S.12.

[4] Vgl. Statistisches Bundesamt (2013), Online-Dokument.

[5] Vgl. Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt (Hrsg.) (2015), Online-Dokument.

[6] Vgl. Wirtz, B. (2008), S.46.

[7] Kayser, M./ Schlieker,K./ Spiller, A. (2012), S.417.

[8] Vgl. Kayser, M./ Schlieker,K./ Spiller, A. (2012), S.417.

[9] Vgl. Hartung, J. (2007), S.109-110.

[10] Vgl. Schuler, C./ Benning, R. (2006), S.28-30.

[11] Vgl. Bauer, B./ Unmüßig, B./ Weiger, H. (2014), S.12.

[12] Vgl. Hartung, J. (2007), S.109-110.

[13] Vgl. Bauer, B./ Unmüßig, B./ Weiger, H. (2014), S.12.

[14] Vgl. Bauer, B./ Unmüßig, B./ Weiger, H. (2014), S.12.

[15] Vgl. Bauer, B./ Unmüßig, B./ Weiger, H. (2014), S.12.

[16] Vgl. Hartung, J. (2007), S.110.

[17] Bauer, B./ Unmüßig, B./ Weiger, H. (2014), S.7.

[18] Vgl. Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. (Hrsg.) (2015), Online-Dokument

[19] J./ Goodland, R. (2009), S.11.

[20] Vgl. Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. (Hrsg.) (2015), Online-Dokument.

[21] Vgl. Schuler, C./ Benning, R. (2006), S.28-30.

[22] Vgl. Dänicke, S./ Flachowsky, G./ Lebzien. P./ Meyer, U. (2008), S.17.

[23] Vgl. Ganten, D./ Niehaus, J. (2014), S.157.

[24] Vgl. Béliveau, R./ Gingras, D. (2015), S.212.

[25] Vgl. Ganten, D./ Niehaus, J. (2014), S.157.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Auswüchse der Massentierhaltung und die Verantwortung der Verbraucher
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V308563
ISBN (eBook)
9783668066946
ISBN (Buch)
9783668066953
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Massentierhaltung, Verantwortung, Markt, Moral, Konsument
Arbeit zitieren
Alexander Glöckle (Autor), 2015, Die Auswüchse der Massentierhaltung und die Verantwortung der Verbraucher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308563

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