Pierre Bordieu und Electronic Dance Music. Musikgeschmack als Unterscheidungsmerkmal


Seminararbeit, 2014

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Einleitung

Der vorliegende Text thematisiert kulturelle Abgrenzungstechniken innerhalb von Subkulturen. Die Grundlage hierfür bildet das Buch „Die feinen Unterschiede“ von Pierre Bourdieu aus dem Jahre 1979, in welchem die Entstehung von Geschmack sowie seine Wechselbeziehung zur gesellschaftlichen Klasse behandelt wird. Zunächst soll in diesem Zusammenhang mithilfe Bourdieu’s Theorie ein Verständnis darüber gewonnen werden, welche gesellschaftlichen Funktionen Geschmack besitzt und welchen Einfluss dieser auf die Präferenz einer bestimm- ten Musikrichtung ausübt. Ausserdem wird der gesellschaftlichen Wandel, als relevanter Ein- flussfaktor mit einbezogen, insbesondere wird hier die von Gerhard Schulze geprägte Erleb- nisgesellschaft, herangezogen.

Bourdieu: Die feinen Unterschiede

Bourdieu’s Gesellschaftstheorie zufolge beruhen Geschmacksurteile nicht alleine auf ästheti- schen Grundlagen, sondern werden auch durch das soziale-, kulturelle-, und monetäre Kapi- tal einer Person bestimmt, welche wiederum den Lebensstil einer Person prägen. Sowohl der Geschmack als auch der Lebensstil stehen sich dabei in einer Art Wechselwirkung gegen- über und beeinflussen sich gegenseitig (Schatz, 2014. S.24 f.). Ferner geht Bourdieu davon aus, dass die verschiedenen Klassen (Arbeiterklasse, Kleinbürgertum und Bürgertum) auf- grund ihrer unterschiedlichen Vermögen auch unterschiedliche Lebensstile pflegen, die wie- derum unterschiedliche Geschmäcker zufolge haben. Der Geschmack unterteilt sich dem- nach in drei Arten: populärer Geschmack, mittlerer Geschmack und legitimer Geschmack (ebd., S. 25 f.), wobei die Geschmacksarten analog zu den Klassen zugeordnet werden kön- nen. Hierbei gilt jedoch, dass die Beziehungen vom Gesellschaftsstand und Geschmack nicht starr geregelt sind, sondern sich im Laufe der Zeit durch die Akkumulation von Kapital wan- deln können (ebd., S. 26). Allerdings prägt die ‚herrschende Klasse‘ den Geschmack bzw. entscheidet, aufgrund ihrer Machtposition, darüber was ästhetisch ist. Als ‚ soziales Kapital‘ wird das persönliche Beziehungsnetzwerk einer Person bezeichnet, welches auch als Res- source genutzt werden kann (ebd., S. 26) und die Grundlage für die Zugehörigkeit zu einer Gruppe darstellt:

Thema: Musikgenres als Distinktionsmerkmal

“Das Sozialkapital ist die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die

mit dem Besitz […] gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen.“ (Bourdieu, 1983. S.190 f.)

Eine zentrale Rolle spielen hier die Tauschbeziehungen und Interaktionen, da sie einerseits für das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten „Gruppe“1 sorgen andererseits für die Anerkennung innerhalb jener „Gruppe“ verantwortlich sind. Zusätzlich dazu ist die Anerkennung für die Identitätsbildung wichtig, da sich das Individuum über das Verhalten und die Anerkennung durch andere definiert (Schatz, 2014. S. 26). Das ‚kulturelle Kapital‘ unterteilt sich in drei Kategorien: inkorporiertes-, objektiviertes- und institutionalisiertes Kapital (ebd., S. 27). Unter inkorporiertem Kapital kann die individuelle Bildung, Eigenschaften und Wesenszüge einer Person verstanden werden, die über einen längeren Zeitraum angeeignet werden. Darunter kann die schulische- oder berufliche Ausbildung fallen, die familiäre Erziehung, aber genauso gut die Fähigkeit eine Fremdsprache ohne Akzent sprechen zu können (vgl. ebd., S. 27). Das objektivierte Kapital beinhaltet materielle Gegenstände, die im Gegensatz zum inkorporiertem Kapital (z.B. gegen ökonomisches Kapital) getauscht werden kann. Da viele Wertgegenstände ihren eigentlichen Wert durch persönliche Bezüge, Erfahrungen, Geschichten, etc. erhalten, ist die Bemessung des Wertes schwierig. Als Beispiel: Ein Kind bekommt von seinem Vater eine alte Uhr geschenkt, die bereits sein Großvater getragen hat. Diese Uhr besitzt einen bestimmten Wert bzw. hatte einen bestimmten Kaufpreis (ökonomisches Kapital), der Wert dieser Uhr ist für den Besitzer jedoch nicht dem Kaufpreis oder dem Schätzwert eines Uhrmachers entsprechend, sondern besitzt einen ideellen Wert (inkorporiertes Kapital), der dadurch begründet ist, das es sich um ein Familienerbstück handelt. Unter das institutionalisierte Kapital fallen Akademische Titel, Urkunden, Zertifikate, Zeugnisse, etc. Also offizielle Beurkundungen, die eine gewisse Kompetenz schriftlich festhalten und dokumentieren. Sie stellen für Bourdieu die Möglichkeit dar, inkorporiertes Kapital objektiv messbar zu machen (vgl. ebd., S. 27 f.).

Der Begriff Gruppe wird an dieser Stelle synonym für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konstellation verwendet. B.s.p für Gruppen wären u.a die Partei, die Familie, der Freundeskreis, die Schulklasse, etc.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Pierre Bordieu und Electronic Dance Music. Musikgeschmack als Unterscheidungsmerkmal
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Gestaltung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
8
Katalognummer
V308575
ISBN (eBook)
9783668080867
ISBN (Buch)
9783668080874
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pierre Bourdieu, kulturelle Abgrenzungstechniken, Entstehung von Geschmack, Geschmack, Musikgeschmack, Subgruppen, Identifikation, Identitätsbildung
Arbeit zitieren
Denis Gündes (Autor:in), 2014, Pierre Bordieu und Electronic Dance Music. Musikgeschmack als Unterscheidungsmerkmal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308575

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