Identitätsentwicklung und Wahrnehmung der Schweizer Eidgenossenschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Aufstieg der Eidgenossenschaft
1.1 Das Geschäft des bezahlten Krieges
1.2 Die Anfänge des bezahlten Kriegertums
1.3 Die Modernisierung des Söldnerwesens
1.4 Die politischen und strukturellen Probleme des Söldnerwesens
1.5 Der Niedergang

2. Die Entstehung der Neutralitätspolitik
2.1 Der Status Quo
2.3 Die Neutralität als Produkt ausländischer Interventionen
2.4 Die heikle Position der Neutralität

3. Die Wahrnehmung des Corpus Helveticus
3.1 Die deutsch-römische Sicht auf den Corpus Helveticus
3.2 Die französische Sicht auf die Schweizer Eidgenossenschaft
3.3 Duc de Sully und die Eidgenossenschaft
3.4 Die Schweiz als strategisches Bollwerk

4. Fazit I

5. Fazit II

Bibliographie

Einleitung

Die Schweizer Eidgenossenschaft weist eine komplexe Entwicklung auf. In ihrer Entstehung unterscheidete sie sich stark von ihren Nachbarsländern. Weder verfügte sie über eine einheitliche Bevölkerung oder Sprache, noch ein eindeutig definiertes Territorium. Zu der Zeit, in der das deutsch-römische Reich, Frankreich, das Habsburger Kaiserreich und das spanische Königreich bereits Fundamente für ihren zukünftigen Staat legten, lebten die Schweizer Städte in einer losen Konkordanz zusammen, die durch ein kompliziertes und undurchschaubares Netz von Bündnissen und Verträgen zusammen gehalten wurde. Trotz dieser damals chaotischen Lage der eidgenössischen Orte und Städte prägten die Verflechtungs- und Abgrenzungstendenzen die Entwicklung des Landes auf dem Weg zu einem politisch eigenständigen Bund. Die prominenteste Verflechtungsart war das blühende Söldnergeschäft der Schweizer, die sie auf die Bühne der Grossmachtpolitik katapultierte. Dieser Verflechtungsart stand ein ausgeprägter Drang nach Abgrenzung gegenüber. Ein tiefes Misstrauen gegenüber einem als bedrohlich wahrgenommenen Ausland und die Angst, in blutige Kriege hineingezogen zu werden, führten zur umstrittenen Neutralitätspolitik der Schweiz.

Wie prägten das Söldnergeschäft und die Neutralitätspolitik die Entwicklung der Schweizer Eidgenossenschaft? Trugen das Söldnergeschäft und die Neutralitätspolitik der eidgenössischen Orte und Städte zur Konsolidierung der Schweizer Eidgenossenschaft entscheidend bei?

Wie beeinflusste dieses sonderbare Konglomerat von Städten und Orten, die sich weder als Monarchie, noch als Vasallenverbund definierten, mit ihrer einmaligen Existenzart die Wahrnehmung des deutsch-römischen Reiches und Frankreichs?

Im ersten Teil meiner Arbeit untersuche ich, ob und wie das Söldnergeschäft und die entstehende Neutralitätspolitik die Entwicklung der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu einem politischen eigenständigen Verbund hin prägten. In einem zweiten Teil untersuche ich, wie die Schweizer Eidgenossenschaft als föderativer Städtebund aus der Sicht des deutsch- römischen Reiches und Frankreichs aufgefasst und bewertet wurde. Ich lasse im zweiten Teil Aussagen von historischen Zeitgenossen über die Schweiz in den Text einfliessen.

Bei der Beantwortung meiner Fragestellung bildeten die Werke „Die Geburt der Republic. Staatsverständnis und Repräsentation in der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft.“ von Thomas Maissen und „Mitten in Europa. Abgrenzung und Verflechtung in der Schweizer Geschichte“ von André Holenstein die tragenden Säulen meiner Arbeit.

1. Der Aufstieg der Eidgenossenschaft

Lange bevor sich die ersten Schweizer Städte zusammen taten und im sagenumwobenen Bundesbrief von 1291 angeblich die Eidgenossenschaft ausriefen, waren Völker im Schweizer Raum auf Wanderschaft und durchquerten dabei den Alpenkorridor. Völkerdurchmischung war ein geläufiges Phänomen im Alpengebiet und bildete den frühen Bevölkerungsgrundstock, aus dem später die ersten eidgenössischen Orte entstanden. Zentral für die Entwicklungsgeschichte der Schweizer Eidgenossenschaft waren schon immer die wandernden Menschenmassen, die die Kantone und Städte mit dem Ausland verflochten.

Die Wahrnehmung der Eidgenossenschaft durch das Ausland begann mit den Burgunderkriegen Ende des 15. Jahrhunderts. Mit ihrer Bedeutung als Übergangs- und Durchgangszone zwischen den europäischen Kriegen und dem wachsenden Söldnergeschäft gelang der Schweiz der Durchbruch auf der Bühne der europäischen Grossmachtpolitik. Die Lage als Bollwerk gegen feindliche Nationen und die zähen Hellebardenkämpfer machten das Land zum attraktiven Partner für Militär-und Handelsallianzen, aber auch zu einem sicherheitspolitischen Risiko für die Grossmächte, die sich immer um die Gunst der Kantone bemühen mussten und die den Einfluss der jeweils gegnerischen Macht im Land einzudämmen versuchten. Diese Situation wandernder Menschenmassen, überkreuzter Interessen und vernetzter Allianzen prägten die Entwicklung der Eidgenossenschaft, die zum Dreh- und Angelpunkt europäischer Diplomatie aufstieg.

1.1 Das Geschäft des bezahlten Krieges

Die Migrationsbewegung, die die Konsolidierung der Schweizer Eidgenossenschaft am meisten förderte, war die militärische Arbeitsmigration von Soldaten, Söldnern und Offizieren, die sich in den Dienst fremder Herrscher stellten. Durch ihre Wanderungen übten sie einen beträchtlichen Einfluss auf die wirtschaftliche, politische und kulturelle Landschaft der Schweizer Eidgenossenschaft aus.1 Bis zur Französischen Revolution 1789 war der militärische Dienst bei ausländischen Herren und Königen für viele ärmliche Eidgenossen eine Möglichkeit, schnell viel Geld zu verdienen und den sozialen Aufstieg zu meistern. Dieser jährliche Exodus an Schweizer Söldnern war ein Massenphänomen und umfasste vom 16. Jahrhundert bis zum Ende des Ancien Régime mehrere Hunderttausend Mann.2 Über Jahrhunderte prägte das Söldnerwesen die Aussenbeziehungen der eidgenössischen Orte. Das Geschäft fing bereits Ende 13 Jahrhundert an.

[...]


1 André Holenstein, Mitten in Europa. Verflechtung und Abgrenzung in der Schweizer Geschichte, Baden 2014, S.30-31.

2 Hans-Rudolf Eyer Fuhrer, Robert-Peter (Hg.), Schweizer in „Fremden Diensten“. Verherrlicht und Verurteilt, Zürich 2006, S.42ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Identitätsentwicklung und Wahrnehmung der Schweizer Eidgenossenschaft
Hochschule
Universität Bern
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V308650
ISBN (eBook)
9783668074491
ISBN (Buch)
9783668074507
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
identitätsentwicklung, wahrnehmung, eidgenossenschaft
Arbeit zitieren
Robert Gregorio Lukacs (Autor:in), 2015, Identitätsentwicklung und Wahrnehmung der Schweizer Eidgenossenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308650

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