Indem die SuS eine französische Textquelle zur Remilitarisierung des Rheinlandes am 7. März 1936 inhaltlich erschließen und im historischen Kontext beurteilen, vertiefen sie ihre Kenntnisse über das komplexe Bedingungsgefüge, das zu einem Ausbleiben militärischer Reaktionen seitens der Westmächte gegenüber Hitlers Revisionspolitik führte. Sie erweitern ihre historische Sach- und Urteilskompetenz.
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Der Blick auf die internationale Interessenlage am Beispiel der Besetzung des Rheinlandes im Besonderen lässt die Frage nach der historischen Angemessenheit des Handelns der Westmächte in den Fokus eines Sach- und Werturteils rücken. Die Kenntnis der außenpolitischen Ambitionen Hitlers, seines Vorgehens sowie der machtpolitischen Bedingungen in Europa sollen die SuS dazu in die Lage versetzen, eine französische Quelle zur Rheinlandbesetzung verstehen und beurteilen zu können. Nachdem die SuS die Quelle rein inhaltlich erschlossen haben (AFB 1), werden sie mit einem heutigen Urteil eines Historikers konfrontiert, der das Handeln Frankreichs (wie auch Englands) zur damaligen Zeit als „schlüssig“ einschätzt. Die SuS kennen aber bereits die Karikatur „stepping stones to glory“, in der der britische Zeichner im Juli 1936 die europäischen Regierungen als „spineless leaders of democracy“ bezeichnet. Die SuS sollen zwischen diesen Einschätzungen abwägen und (auch auf Grundlage ihrer in der letzten Stunde gewonnenen Kenntnisse) dazu Stellung nehmen (AFB 3).
Inhaltsverzeichnis
Unterrichtsentwurf zum 3. Unterrichtsbesuch für das Fach Geschichte
I) Kernanliegen der Stunde
II) Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe
III) Begründung der wesentlichen Planungsentscheidungen
III) 1. Lernausgangslage
III) 2. Didaktisch-methodischer Kommentar
IV) Tabellarischer Verlaufsplan
V) 1. Einstieg
V) Literatur
VI) 1. Einstieg
VI) 2. Quelle
VI) 3. Mögliches Tafelbild
VI) 4. Impuls für Transfer
VI) 5. Karikatur aus der letzten Stunde
VI) 6. Schaubild aus der letzten Stunde
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtsstunde zielt darauf ab, die historische Urteils- und Sachkompetenz von Schülerinnen und Schülern im Kontext der NS-Außenpolitik zu fördern, indem sie das Ausbleiben militärischer Reaktionen der Westmächte auf die Rheinlandbesetzung 1936 kritisch analysieren.
- Analyse französischer Quellen zur Remilitarisierung des Rheinlandes.
- Untersuchung der außenpolitischen Interessenlage der europäischen Mächte.
- Bewertung historischer Handlungsspielräume und Entscheidungsprozesse.
- Vergleich konträrer historischer Einschätzungen zur Politik der Appeasement.
Auszug aus dem Buch
Frankreichs Reaktion auf die deutsche Besetzung des Rheinlands
In Paris rufen die Absage an Locarno und die vollendete Tatsache der militärischen Besetzung der rheinischen Städte, obwohl sie vorauszusehen und vorher angekündigt waren, starke Erregung hervor. Man ist nicht im Geringsten darauf vorbereitet, diesem Ereignis die Spitze zu bieten. Der Ministerrat tagt ununterbrochen, an ihm nehmen die Generalstabschefs des französischen Heeres, der Marine und der Luftwaffe teil. Der Locarnopakt erfordert, dass die Verfehlung Deutschlands vom Völkerbundrat festgestellt wird. [...] Aber was soll Frankreich tun? Es liegt eine flagrante Verletzung des Paktes vor. Hitler hat einen casus belli geschaffen. Soll man der französischen Armee Befehl erteilen, die deutschen Regimenter mit Gewalt aus den rheinischen Städten zu vertreiben, gleichzeitig die Garantiemächte auffordern, ihre Pflicht zu tun, unsere militärische Aktion zu unterstützen, und so den Krieg vom Zaun brechen? [...] Die Meinungen innerhalb der französischen Regierung sind geteilt. Die Minister der zivilen Ressorts, Flandin, Mandel, Paul Boncour, sprechen sich für die militärische Aktion aus; die Minister der militärischen Ressorts, Piétri, Déat, General Maurin, sind für eine zivile politische Aktion.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Kernanliegen der Stunde: Definiert die Lernziele bezüglich der Analyse der französischen Reaktion auf die Rheinlandbesetzung.
II) Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe: Platziert das Thema in den Kontext der NS-Außenpolitik zwischen 1933 und 1938.
III) Begründung der wesentlichen Planungsentscheidungen: Reflektiert die Lernvoraussetzungen der Lerngruppe und die didaktisch-methodische Ausrichtung der Stunde.
IV) Tabellarischer Verlaufsplan: Detaillierte Darstellung des zeitlichen Ablaufs und der methodischen Schritte der Unterrichtsstunde.
VI) 2. Quelle: Präsentiert das Primärquellenmaterial zum Verhalten der französischen Regierung am 7. März 1936.
VI) 6. Schaubild aus der letzten Stunde: Visualisiert die Gründe für das Nichteingreifen der Westmächte als Grundlage für die aktuelle Stunde.
Schlüsselwörter
Rheinlandbesetzung, NS-Außenpolitik, Appeasement, Frankreich, Westmächte, Historisches Urteil, Remilitarisierung, Locarno-Pakt, Internationales Krisenmanagement, Zweiter Weltkrieg, Historische Sachkompetenz, Versailler Vertrag, Diplomatische Krise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung einer Geschichtsstunde zur Remilitarisierung des Rheinlandes am 7. März 1936 und der daraus resultierenden französischen Reaktion.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Fokus stehen die außenpolitischen Aktionen Hitlers, die machtpolitischen Interessen der Westmächte sowie die Problematik des diplomatischen und militärischen Entscheidungshandelns unter Friedensprämissen.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Die Schülerinnen und Schüler sollen durch die Erschließung von Quellen und Karikaturen ein fundiertes Sach- und Werturteil darüber entwickeln, ob das Nichteingreifen Frankreichs im Jahr 1936 als „schlüssig“ oder „rückgratlos“ bewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quellenbasierte Problem- und Karikaturenanalyse angewandt, um historische Sachverhalte multiperspektivisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine didaktische Begründung, den tabellarischen Verlaufsplan sowie das für die Stunde notwendige Material, inklusive Quellen und Schaubilder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Rheinlandbesetzung, Appeasement-Politik, französisches Handeln und historische Urteilskompetenz.
Warum wird die russische Sicht im Unterrichtsentwurf nicht explizit berücksichtigt?
Dies ist eine bewusste Entscheidung zur didaktischen Reduktion, da die Thematik des Hitler-Stalin-Pakts in einer späteren Unterrichtsstunde detailliert behandelt werden soll.
Welche Rolle spielt die Karikatur „stepping stones to glory“?
Die Karikatur dient als wichtiges Medium, um die zeitgenössische britische Wahrnehmung der europäischen Führungskräfte zu reflektieren und als Kontrast zum historischen Urteil eines modernen Historikers zu nutzen.
- Quote paper
- Dr. Malte Sachsse (Author), 2014, „Spineless leaders“ oder „schlüssiges Handeln“? Die französische Reaktion auf die deutsche Rheinlandbesetzung 1936, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308655