Die Rolle der Frau im Islam und in der Türkei


Seminararbeit, 2015
7 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Beobachtungen

2. Die Auslegung der Rolle der Frau im Koran

3. Atatürks Reformen

4. Die Situation der Frauen in der Türkei im 21. Jahrhundert
4.1 Weibliche Imame
4.2 Streitthema Kopftuch

Quellen

1. Beobachtungen

Wie vielseitig das Bild der Frau in der Türkei sein kann, konnte ich während meiner Reisen in diesem Land selbst beobachten: In Istanbul und Antalya lernte ich sehr emanzipierte und selbstbewusste Frauen (vorwiegend Studentinnen) kennen, die im Ausland und an den besten Universitäten der Türkei studiert hatten und auch berufstätig waren. Im Unterschied dazu erfuhr ich in einer kleinen Stadt in der Nähe von Trabzon am Schwarzen Meer, dass Frauen in dieser Gegend ihre Rolle als Frau anders definieren: Mein Freund und ich saßen beim Frühstück, dass eine Hotelangestellte zubereitet hatte. Sie war sehr freundlich und trug ein Kopftuch. Sie würde sich zu uns setzen, nachdem die Frau (sie ist Türkin) meines Freundes kommt, erklärte sie höflich. Nachdem die Gattin meines Freundes gekommen war, setzte sich die Hotelangestellte zu uns. Sie nahm auf „meiner“ Seite des Tisches Platz, ließ aber einen Stuhl zwischen mir und ihr frei. Ganz offensichtlich war es für sie klar, dass es unschicklich für eine Frau wäre, sich neben einem fremden Mann zu setzen, selbst wenn dieser Ausländer und um einige Jahre jünger ist als sie.

2. Die Auslegung der Rolle der Frau im Koran

Angesichts meiner Beobachtung und dem Klischee von unterdrückten, muslimischen Frauen, deren Aufgabe es ist, sich ausschließlich um Haushalt und Kindererziehung zu kümmern, sollte ein Blick in den Koran und die Sure 4 An-Nisa (Die Frauen) Aufschluss geben, ob diese Strukturen durch den Koran vorgegeben sind.

In der deutschen Übersetzung[1] des Korans heißt es im Vers 34 eindeutig: „Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!“ (Ahmad ibn Rassou, 2012, S. 68) Zudem heißt es im Vers 4, dass es dem Mann zusteht, mehrere Frauen zu heiraten, sofern er diese gleichwertig erhalten kann. Vers 11 handelt von der Erbschaft, die „auf eines männlichen Geschlechts gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts kommt.“ (Ahmad ibn Rassou, 2012, S. 65)

Einige Gewohnheiten, Frauen zu benachteiligen, bürgerten sich erst Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach dem Tod des Propheten Mohammed ein und sind weder auf den Koran, noch auf mündlich überlieferte Aussagen des Propheten zurückzuführen. Dazu zählt etwa die Vorschrift, dass Frauen in der Moschee in einem strikt abgesonderten Bereich beten dürfen und, dass sie ihr Leben als Gattin und Mutter führen sollen. Dies ist insofern bemerkenswert, da einige Frauen Mohammeds nicht dieser Rolle entsprachen (vgl. Schweizer, 2008, S. 269).

3. Atatürks Reformen

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs nach Ende des Ersten Weltkrieges war es der Staatsgründer der modernen Türkei Mustafa Kemal Atatürk, dessen Reformen die Rechte der Frauen in der Türkei stärkten. Für ihn waren die Auslegung der Rolle der Frau im Koran bzw. später entstandene Traditionen für seine Reformen unerheblich. Atatürk soll selbst über den Islam gesagt haben: „Der Politiker, der zum Regieren die Hilfe der Religion braucht, ist nichts als ein Schwachkopf.“ (Alanyali, 2011, S. 67).

Weit vor anderen islamischen Staaten führte die Türkei unter Atatürk Rechte zur Stärkung der Frauen ein. 1926 setzte Atatürk gegen die Scharia (das islamische Recht) Gesetze zur Emanzipation der Frau durch. 1934 wurde das aktive und passive Wahlrecht eingeführt. (vgl. Schweizer, 2008, S. 270) Damit wurde die Türkei zum ersten islamischen Land, in dem Frauen in Teilbereichen rechtlich gleichgestellt wurden und beide Geschlechter wählen durften. Andere Staaten taten es der Türkei erst zwanzig bis vierzig Jahre später nach.

Gemessen an den Zeitumständen waren Atatürks Reformen sehr fortschrittlich. Dem Mann wurde die Erlaubnis entzogen, mehrere Frauen zu heiraten. Frauen bekamen das Recht, sich vom Mann scheiden zu lassen, was bis dato nur dem Mann vorbehalten war. Zudem wurde Mädchen eine höhere Schulbildung ermöglicht. Dazu zählt auch der Zugang zu Universitäten und damit auch der Einstieg ins Berufsleben.

Dennoch blieben viele traditionelle Elemente erhalten: Der Mann blieb weiterhin das Oberhaupt der Familie und bei einer Scheidung durfte die Frau nur jenes Eigentum behalten, das auf ihren Namen registriert war. Bestandteile des traditionellen Familienrechts und die damit verbundene Benachteiligung der Frauen blieben erhalten. (vgl. Schweizer, 2008, S. 271)

[...]


[1] Im Titel des deutschsprachigen Korans wird „Die ungefähre Bedeutung in der deutschen Sprache“ angegeben, da laut der islamischen Theologie jede Übersetzung zugleich eine Interpretation enthält.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau im Islam und in der Türkei
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
7
Katalognummer
V308695
ISBN (eBook)
9783668089426
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, frau, islam, türkei
Arbeit zitieren
Pascal Merl (Autor), 2015, Die Rolle der Frau im Islam und in der Türkei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308695

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