Die Völkische Bewegung. Vergleichende Besprechung der Texte von George L. Mosse und Uwe Puschner


Essay, 2006
6 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

“Die völkische Bewegung”

Essay : “ Vergleichende Besprechung der Texte von George L. Mosse und Uwe Puschner ”

Beide Autoren betonen einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen dem Nationalsozialismus und der völkischen Bewegung. Dabei weisen beide sowohl auf eine direkte, als auch auf eine indirekte Verbindung des Nationalsozialismus zur völkischen Bewegung hin. Eine direkte Verbindung der beiden Bewegungen sehen beide Autoren in der ‚jüdischen Bedrohung’ als Anknüpfungspunkt der nationalsozialistischen Ideologie and die völkische Ideologie. Während Puschner[1] die Vereinnahmung des Adjektivs ‚völkisch’, den Rückgriff auf völkische Symbole und Elemente der völkischen Weltanschauung durch die Nationalsozialisten als eine indirekte Verbindung der beiden Bewegungen sieht, betont Mosse[2] die indirekte Verbindung der beiden Bewegungen über den Begriff der ‚deutschen Revolution’. Bildete zunächst die völkische Jugend im wilhelminischen Kaiserreich die Vorhut für eine ‚deutsche Revolution’ und dem damit verbundenen Wunsch nach einer stärkeren ursprünglichen Einheit des Volkes, übernahm später die nationalsozialistische Bewegung diesen Begriff und füllte ihn mit eigenen Inhalten. Dieser Zusammenhang ermöglichte auch eine auf der gefühlsmäßigen Ebene angesiedelte Gemeinsamkeit zwischen nationalsozialistischen und völkischen Gruppen, sowie großen Teilen der Jugend, obwohl die Beziehungen zwischen den Völkischen und den Nationalsozialisten von Puschner insgesamt als spannungsreich charakterisiert werden.

Mosse vertritt in seinem Aufsatz die These, dass Hitlers Machtübernahme die Folge einer weitverbreiteten völkischen Geisteshaltung und der logische Höhepunkt der historischen Entwicklung war, weil zu dieser Zeit das völkische Gedankengut bereits tief in das nationale Gewebe eingedrungen und insbesondere die gesamte deutsche Rechte von ihm durchdrungen war. Hätte damals nicht der Nationalsozialismus die Führung übernommen, hätte es nach Mosses Ansicht eine andere völkisch orientierte Partei getan, ohne dabei jedoch zwangsläufig dasselbe Ergebnis zu erzeugen.

Folglich versucht Mosse die historische Entwicklung und das Anwachsen völkischer Ideen nachzuzeichnen, weil für ihn die Verbindung der völkischen Bewegung zum Nationalsozialismus in der gemeinsamen Ideologie, der ideologischen Gestimmtheit besteht, deren Inhalt und Werte schließlich zum Lebensinhalt für wichtige Teile der Bevölkerung wurden.

Puschner vertritt dagegen die These, dass die Völkischen im Kaiserreich nicht nur den ideologischen Nährboden für den Nationalsozialismus schufen, sondern durch ihr umfassendes Netzwerk an Institutionen auch die organisatorischen Voraussetzungen und das propagandistische Instrumentarium. Sein Aufsatz ist deshalb im Vergleich zu Mosses weniger Ideologie-lastig. Puschner konzentriert sich vielmehr darauf die Organisation der völkischen Bewegung und die Struktur der völkischen Weltanschauung im Kaiserreich herauszuarbeiten, um dadurch ihre Entstehungszusammenhänge und ihr Erscheinungsbild aufzuzeigen.

Dabei stützt sich Puschner auf die drei Schlüsselbegriffe Sprache, Rasse und Religion. Seiner Meinung nach beschreiben diese einerseits das Koordinatensystem, in welchem sich die völkische Bewegung des Kaiserreichs bewegte und andererseits können durch sie die geistigen Wurzeln benannt und das weite Spektrum der völkischen Organisationen verortet werden.

Die völkische Rassenideologie gilt dabei als Generalschlüssel für das Verständnis der völkischen Weltanschauung und Bewegung, weil sich sämtliche völkische Strömungen auf das Rassendogma als Grundlage beriefen. Langfristig strebten sie alle ein ständisch aufgebautes Gemeinwesen reinrassiger und rassegleicher Individuen an. Dabei gilt der Antisemitismus, die Judenfrage als ein, aber nicht als einziges konstitutives Element. Allgemein wurde der Mensch nach seiner Herkunft und Abstammung gewertet und die Rassenlehre und Rassenhygiene auf der Grundlage von ‚Rasse und Blut’ verbreitet, sowohl von den geistigen Strömungen, als auch von den religiösen, wirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Strömungen. Die Anhänger der völkischen Kulturbewegung, welche sich auf die Volkstumsideologie des 19. Jahrhunderts gründete, betonten daneben die Muttersprache als Trägerin des Erbguts der Nation und die Sprache als Ausdruck des Wesens. Während die religiösen Strömungen der Bewegung ihren Akzent auf eine arteigene Religion, eine Rassenreligion setzten, zeigten die wirtschaftlichen Strömungen den stärksten antisemitischen Bezug, indem sie sich vornehmlich gegen das ‚jüdische Geschäftsgebahren’ und die ‚verjudete Sozialdemokratie’ wehrten. Insbesondere die wirtschaftlichen Strömungen lassen erahnen, dass die Völkischen nicht aus der gesellschaftlichen Unterschicht stammten.

[...]


[1] Mosse, G. L., Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Die völkischen Ursprünge des Nationalsozialismus, Königstein/Ts. 1979, S. 7-17.

[2] Mosse, G. L., Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Die völkischen Ursprünge des Nationalsozialismus, Königstein/Ts. 1979, S. 7-17.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die Völkische Bewegung. Vergleichende Besprechung der Texte von George L. Mosse und Uwe Puschner
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Die Völkische Bewegung
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
6
Katalognummer
V308717
ISBN (eBook)
9783668074248
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
völkische Bewegung, Nationalsozialismus, Adolf Hitler, Kaiserreich, jüdische Bedrohung, Ideologie, Weltanschauung, deutsche Revolution, völkische Geisteshaltung, völkisches Gedankengut, Rassenideologie, Propaganda, Sprache, Rasse, Religion, völkische Strömungen, Kulturbewegungen, Sozialdemokratie, messianische Dimension, Einheit des deutschen Volkes, Gesellschaftsordnung, Materialismus, Zivilisation, Industrielle Revolution, Rationalismus, Idealismus, Sendungsbewusstsein, Massenproduktion, Deutschbund, Heimdall, Zeitschriften, Heinrich Himmler, altvölkische Bewegung, pressepolitische Organisation, Uwe Puschner, George Mosse, Reich, Führer
Arbeit zitieren
Magistra Artium Sarah Heitz (Autor), 2006, Die Völkische Bewegung. Vergleichende Besprechung der Texte von George L. Mosse und Uwe Puschner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308717

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