Georges Seurat. Un dimanche apres-midi a la Grande-Jatte


Seminararbeit, 2004
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 George Seurat - Der Sohn, Student und Künstler

3 Die Wissenschaft in der Kunst
3.1 Der Pointillismus
3.2 Seurats Weg zum Pointillismus
3.3 Kunst und Naturwissenschaft

4 Werkanalyse – Un dimanche après-midi à la Grande Jatte
4.1 Erster Werkeindruck
4.2 Differenzierte Formanalyse
4.3 Zeitgeschehen – Das Jahr 1885
4.4 Ansätze einer Interpretation
4.4.1 Schauplatz La Grande-Jatte
4.4.2 Moderner Symbolismus
4.4.3 Deutungsversuch

5 Auswirkungen

Verzeichnis der Anlagen

Literaturverzeichnis

Selbstständigkeitserklärung

1 Einleitung

Dieses Jahr befinden sich 200 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, welche sonst nur im New Yorker Museum of Modern Art bewundert werden können, in der Neuen Nationalgalerie Berlin. Bei meinem Besuch in der Ausstellung „Das MoMA in Berlin“ hatte ich die Möglichkeit, Werke von Magritte, van Gogh und Matisse neben vielen weiteren Arbeiten großer Künstler aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. Besonders aufmerksam wurde ich auf zwei Exponate des französischen Zeichners und Malers Georges Seurat, denn seine einzigartige Technik wirkt am Original noch viel beeindruckender, als ich es nach dem Betrachten seiner Werke in Büchern erwartet hatte. Für die Besucher zu sehen waren seine Ölgemälde „Entrée de l’avant-port, Port-en-Bessin“ (1888) sowie „Le chenal de Gravelines, un soir“ (1890), welche beide relativ kleine Formate besitzen. Wie beeindruckend muss dann erst Seurats Gemälde „Un dimanche après-midi à la Grande Jatte“ sein. In meiner Ausarbeitung über Georges Seurat möchte ich zum einen beleuchten, mit welcher Ausdauer er versucht, in seinen Werken die Wissenschaft mit der Kunst zu verbinden, wie er den Pointillismus entwickelt und zum anderen eine Werkanalyse zum eben genanntem Gemälde durchführen. Dabei soll jedoch nicht allein die Technik im Vordergrund stehen, sondern ebenso auf die Aussage des Bildes eingegangen werden.

2 George Seurat - Der Sohn, Student und Künstler

Als Kind gut situierter Kleinbürgersleute wurde Georges Pierre Seurat 1859 in Paris geboren. Von jeher herrschte zwischen Vater und Sohn kein herzliches Verhältnis. Antoine Seurat, der als Gerichtsbeamter tätig war, kam nur dienstags zu der Familie nach Hause. Den Rest der Woche verbrachte er in seinem kleinen Häuschen, etwa 20 Kilometer entfernt von Paris. Die Mutter, Ernestine Seurat, war still, jedoch fleißig, sanft und immer für ihre Familie da. George erfuhr durch sie „Wärme und eine gewisse Bestängigkeit“ (Das große Sammelwerk, S.514). Er war das einzige ihr verbliebene Kind, denn die beiden älteren Geschwister, Émile und Marie Berthe, gingen bereits ihre eigenen Wege. Ein viertes Kind starb 1868.

Die Seurats wohnten nahe des Buttes-Chaumont-Park am Boulevard da Magenta. Mutter und Sohn verbrachten hier viel Zeit zusammen. Szenen, die sich an solchen Ausflugszielen ereignet haben könnten, sollten später zum Motiv einiger seiner berühmtesten Gemälde werden.

Neben dem Unterricht am Collège besuchte Georges Seurat im Alter von 16 Jahren die Zeichenstunden an einer städtischen Kunstschule. Dort wurden die Schüler vorwiegend mit dem Abzeichnen von Gipsabgüssen antiker Skulpturen und lithographierter Köpfe beschäftigt. Qualitäten wie Eigeninitiative, Ideenreichtum oder freies Zeichnen galt es dabei in den Hintergrund zu drängen. 1878 schrieb er sich an der Kunsthochschule École des Beaux-Arts ein, wo sich die Kunstkurse allerdings nicht sehr von denen der städtischen Zeichenschule abhoben. Ein Studienkollege und Freund Seurats, Edmond François Aman-Jean, sprach dem Lehrer Henri Lehmann die Fähigkeit ab, den Schülern „neue Horizonte zu eröffnen und sie vorwärtszubringen“ (Wotte, S.12). Man erlernte „allenfalls ein solides zeichnerisches Können …, aber auf Dauer konnte dieser erstarrte Klassizismus aus zweiter Hand die jungen Leute nicht befriedigen“ (ebenda).

Auf eine gewollte Missachtung all dessen, was er bei Lehman gelernt hatte, stieß Seurat im Mai 1879. Er besuchte zusammen mit Aman-Jean und Laurent die IV. Ausstellung der Impressionisten. Die schnelle Improvisation im Freien, das bewusst nicht sorgfältig Komponierte und der rasche Umgang mit dem Pinsel dieser Künstler beeindruckte Seurat. Es lässt sich vermuten, dass diese Ausstellung einen großen Teil dazu beitrug, dass die drei Kommilitonen ihr Studium bei Henri Lehmann abbrachen. Gemeinsam richteten sie sich ein Atelier ein. Doch bereits wenige Monate später musste Seurat für ein Jahr zum Militärdienst nach Brest, wo er, wann immer möglich, Figuren und im Hafen liegende Schiffe skizzierte.

Zurück in Paris widmete er sich vor allem der Schwarz-Weiß-Zeichnung, um 1883 sein erstes großes Werk zu schaffen: „Badeplatz in Asnière“. Im darauf folgenden Jahr wurde das Gemälde von der Jury des Salons abgelehnt.

(Wotte, S.10-17 und Das große Sammelwerk, 514ff)

(Weiterreichendes zu Seurats Biographie siehe Anhang)

3 Die Wissenschaft in der Kunst

3.1 Der Pointillismus

George Seurat gilt als der Erfinder und Hauptvertreter des Pointillismus – jener Stilrichtung, die wie keine andere versucht, Wissenschaft und Kunst zu vereinen, ohne die eine der anderen unterzuordnen.

Aus der impressionistischen Farbzerlegung entstand eine Malweise, in welcher sich Bilder aus sich dicht drängenden, schematisch gesetzten Punkten oder auch Strichen zusammenfügen. Der Künstler zerlegt dabei jede Farbfläche in kleine Partikel aus Komplementärfarben. Durch eine optische Mischung verschmelzen die Punkte im Auge des Betrachters zu abgestuften Farbtönen und die komplementären Kontraste scheinen sich aufzuheben. Als Vorteil gegenüber chemischer Mischung sah man, dass die Farben so leuchtender und lebendiger wirkten.

3.2 Seurats Weg zum Pointillismus

Die führende Wissenschaft des 19. Jahrhunderts war die Naturforschung. Unter anderem untersuchten die ihr angehörigen Forscher die Farben des Spektrums und das Farbsehen. Auch Kunst und Literatur wurde von dieser Welle erfasst. Es erschienen zahlreiche Bücher und Aufsätze, die sich mit den Entdeckungen beschäftigten.

Seurat war stets höchst interessiert an dem Theoretischen, das sich oft hinter großen Gemälden verbarg. Schon während seiner Studienzeit an der Kunsthochschule École des Beaux-Arts begeisterte er sich für die Farblehre. Herbert Wotte schrieb in seinem Buch, Seurat habe anscheinend mehr Zeit für das Analysieren von Theorien verwendet, als für das Malen an sich (S.33). George Seurat konnte häufig im Louvre, in Pariser Kunsthandlungen und Auktionshäusern angetroffen werden, wo er versuchte die Methoden großer Künstler zu erforschen. Besonders über Bilder von Delacroix, der selbst ein Maler war, welcher ständig die Ausdrucksmittel untersuchte, fertigte Seurat ausführliche Farbstudien an. Charles Boudelaire stellte in seiner Schrift „Werk und Leben von Eugène Delacroix“ fest: „doch es ist gut, wenn die Pinselstriche nicht materiell verschmolzen werden; sie verschmelzen in natürlicher Weise auf Distanz, die durch das sympathetische Gesetz bestimmt wird, das sie vereinigt“ (ebenda, S.34). Auch Charles Blanc erkannte, dass optische Mischung eine Steigerung der Farbwirkung in Delacroix’ Gemälden hervorrief. Die „Grammatik der Zeichenkünste“ von Charles Blanc verinnerlichte Seurat bereits als Kunstschüler. Darin war zu lesen, dass Delacroix durch das Beherrschen der Gesetze der Farben zu „einem der größten Koloristen der modernen Zeit“ (ebenda, S.34) wurde.

Schon 1839 hatte Michel Eugène Chevreul mit seiner Abhandlung „Vom Gesetz des Simultankontrastes“ den „Glaube an die Beständigkeit der Eigenfarbe (Lokalfarbe) der Gegenstände stark erschüttert“ (ebenda, S.35). Das Gesetz verdeutlichte, dass benachbarte Farbflächen aufeinander wirken, denn betrachtet man sie gleichzeitig, so erschien jede überlagert von einem Ton der Komplementärfarbe der anderen. Weiterhin beinhaltet das Gesetz vom Simultankontrast, dass sich angrenzende Farben in ihrer Intensität steigern, wenn es sich um zueinander komplementäre Farben handelt. Diese Erkenntnisse waren für Seurat von großer Bedeutung. Neben dem Abschreiben einiger Passagen aus Chevreuls „Lehre vom simultanen Farbkontrast“, befasste sich Seurat auch mit den farbtheoretischen Arbeiten von Maxwell, Helmholz, Dove, Humbert de Superville und O. N. Rood.

Die Impressionisten verwendeten zusätzlich zu den Erkenntnissen Chevreuls ältere Erfahrungen für ihre Arbeiten, wie die, dass ebenfalls Licht und Luft Farben in der Natur verändern können. Eine Landschaft wirkt durch dieses Prinzip mit zunehmender Entfernung immer blauer. Eine Eigenheit der impressionistischen Künstler war, dass sie diese Farbvarianz auch im Mittel- und Vordergrund umsetzten und Schatten farbig gestalteten. Die Licht- und Luftmalerei der impressionistischen Künstler sagte Seurat sehr zu. Trotzdem gab es eine klare Abgrenzung seiner Stilrichtung, die von Félix Fénéon auch als Neoimpressionismus bezeichnet wurde. Für die Impressionisten stand bei ihrer Arbeit der Reiz des Augenblicks, Subjektivität und Flüchtigkeit im Vordergrund. Sie strebten danach, das konstruktive Denken aufzugeben. Diese Ansichten waren mit denen Seurats unvereinbar. Sein Bemühen galt einer auf „naturwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Kunst“ (Budde, S.9) und stand somit im Kontrast zu der subjektiv-willkürlichen Arbeitsweise der impressionistischen Künstler.

(Wotte, S.33-39)

3.3 Kunst und Naturwissenschaft

„Es wäre eine Beleidigung der Kunst wie der Wissenschaft, zu glauben, dass die eine notwendigerweise die andere ausschließe.“ (Wotte, S.36) Georg Seurat bezog die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse wie kaum ein anderer in seine künstlerische Tätigkeit ein. Der obige Ausspruch David Sutters bestärkte seine Vorstellung vom Zusammenhang der Kunst mit der Wissenschaft. Freunde Seurats entdeckten nach dessen Tod einige Ausschnitte aus der Zeitschrift „L’Art“ in seinem Besitz. Darunter war auch der Artikel „Die Phänomene des Sehens“ von Sutter, in welchem Seurat für ihn wichtige Passagen markierte. David Sutter besprach darin, dass man „die Natur mit dem geistigen Auge sehen“ müsse „und nicht allein mit den Augen des Leibes“ (ebenda, S.35). Gesetze zur Gestaltung der Farbe, des Lichts und der Linie seien unumgänglich. Keinesfalls sieht Sutter eine Beeinträchtigung der „Spontaneität der Erfindung oder der Ausführung“ (ebenda, S.36) als drohende Konsequenz von Regeln, die die Kunst betreffen. Weiterhin betont er, dass in der Kunst nichts ungewollt geschehen, sondern bewusst angewendet werden soll. Diese Gedanken bekräftigten Seurat in seinem Streben nach einer wissenschaftlichen Malerei.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Georges Seurat. Un dimanche apres-midi a la Grande-Jatte
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar "Künstlerische Knotenpunkte der klassischen Moderne"
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V30873
ISBN (eBook)
9783638320467
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde von der Professorin als sprachlich ausgewogen und inhaltlich breit angelegt beschrieben. Die Werkanalyse zu "Un dimanche après-midi à la Grande-Jatte" ist sehr umfassend.
Schlagworte
Georges, Seurat, Grande-Jatte, Proseminar, Künstlerische, Knotenpunkte, Moderne, Bildanalyse
Arbeit zitieren
Susann Ficker (Autor), 2004, Georges Seurat. Un dimanche apres-midi a la Grande-Jatte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30873

Kommentare

  • Gast am 5.6.2005

    Übersichtlichkeit.

    Die vorliegende Arbeit über Seurats "Un dimanche après-midi à la Grande-Jatte" zeichnet sich ganz besonders durch ihre Übersichtlichkeit und ihren hohen Informationsgehalt aus; man gewinnt einen Einblick, der eine Vertiefung des Themas ohne weiteres ermöglicht, die dazu nötigen Vorraussetzungen werden in dieser Seminararbeit geliefert - sehr empfehlenswert.

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