Diese Arbeit untersucht das Rollenbild der Frau in ihrer Frauwerdung kritisch und geht dabei gesondert auf die Situtation in Japan ein. Emerging Adulthood, ein Begriff der durch Jeffrey Jensen Arnett begründet wurde, beschreibt eine verlängerte Übergangszeit von der Adoleszenz bis zum Erwachsenenalter. Der Term bezieht sich auf eine Altersgruppe von 18-25 Jahren, die vor allem durch Merkmale wie Unabhängigkeit, unverheiratet oder finanziell ungebunden zu sein charakterisiert ist. So lässt sich feststellen, dass heutzutage das Durchschnittsalter für die Heirat bei fast 30 Jahren liegt. Aus diesem Umstand folgert Arnett den Begriff Emerging Adulthood.
Doch wodurch lässt sich dieses Phänomen erklären? Arnett begründet die Höhe des Heiratsalters dadurch, dass verschiedene Erfahrungen gesammelt werden oder ein postsekundärer Bildungsweg angestrebt wird. Hierbei ist jedoch kritisch anzumerken, dass Arnett in seiner Statistik ausschließlich die beiden Jahre 1980 und 2000 verglichen hat, die Entwicklung vor 1980 wurde jedoch nicht beleuchtet. Darüber hinaus nimmt Arnett keine zeitlich kontinuierliche Analyse des Heiratsalters vor. Somit lassen sich besondere Tendenzen des Ehezeitpunktes zwischen 1980 und 2000 nicht feststellen (vgl. Arnett 2006, S.112).
Der Term Emerging Adulthood kann zwar als eine universelle Entwicklungsphase beschrieben werden, da sich Emerging Adulthood nicht nur auf Deutschland anwenden lässt, sondern ebenso auf Europa, Amerika, China sowie Japan. Jedoch müssen bei dieser Entwicklungsphase Ausnahmen beachtet werden, so ist der Grund für das späte Heiratsalter ja nach Land zu differenzieren. Denn so heiraten die Jugendlichen in Spanien später, weil die finanziellen Mittel nicht vorhanden sind und die hohe Arbeitslosigkeit persönliche Unsicherheiten für die Existenzsicherung der Individuen erzeugt (vgl. Douglass 2005, S.188-199). In den nordeuropäischen Staaten hingegen lässt sich das Heiratsalter aber durch die immaterielle „Capital Accumulation“ (Bynner 2005, S.369), also die Anhäufung von Wissen und Erfahrung erklären. Demzufolge kann aus dem Ergebnis des späten Heiratsalters nicht allgemein auf eine Emerging Adulthood Phase geschlussfolgert werden, da die Gründe für den verzögerten Heiratsentschluss von unterschiedlichen nationalen Sturkturen bedingt werden. Im weiteren Verlauf möchte dieses Essay dies kritisch in Japan beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Untersuchungen
3. Politischer und kultureller Wandel in Japan
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Frauenbildes in Japan nach 1945 und setzt diesen in den Kontext des theoretischen Konzepts des "Emerging Adulthood". Dabei wird analysiert, inwiefern politisch-gesellschaftliche Umbrüche und veränderte Sozialisationsprozesse den Trend zum längeren Ledigbleiben bei japanischen Frauen beeinflusst haben und ob das Konzept des "Emerging Adulthood" auf die japanische Gesellschaft übertragbar ist.
- Grundlagen des Konzepts "Emerging Adulthood" nach Jeffrey Jensen Arnett
- Die Rolle der traditionellen Familienstruktur und deren Wandel in der Nachkriegszeit
- Einfluss der US-amerikanischen Besatzung auf Demokratisierung und Werteverschiebung in Japan
- Analyse des "Parasite Singles"-Phänomens als Ausdruck gesellschaftlicher Spannungen
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit westlicher entwicklungspsychologischer Theorien auf den japanischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Politischer und kultureller Wandel in Japan
Ein entscheidender Punkt auf der Suche nach Gründen, für Emerging Adulthood in Japan findet sich in den veränderten politisch-gesellschaftlichen Strukturen nach 1945 wieder. Hier lässt sich bei genauer Betrachtung ein deutlicher Bruch mit den bis dahin bestehenden Identitäten in Japan feststellen. So dominierte vor dem Ende des II. Weltkrieges in Japan vor allem der Gemeinschaftssinn die persönlichen Identitäten der Japaner (vgl. Timmermann 2000, S.118). Zudem erhielt das westliche Ideal der Individualität eine zunehmend negative Assoziation. Eine Assoziation, die auf einem „fehlenden Gemeinschaftsgeist“ (Timmermann 2000, S. 115) gegründet war. Darüber hinaus spielte die soziale Hierarchie eine herausragende Rolle bei der Aufrechterhaltung dieser Staatsvorstellung. Wie in der Meiji Verfassung von 1868-1889 festgehalten, konzentrierte sich die Staatsstruktur dabei von der höchsten Instanz des japanischen Kaisers (Tenno) hierarchisch bis zu den unteren sozialen Schichten der Gesellschaft (vgl. Timmermann 2000, S. 119). Ein Prinzip, welches ebenso für die japanische Frau Geltung besaß. So war die Ehefrau in der japanischen Hierarchie dem Ehemann untergeordnet.
Jedoch lässt sich ab 1945 ein eindeutiger Bruch mit den bisherigen japanischen Gesellschaftsidealen feststellen. So wurde Japan nach dem Ende des II. Weltkrieges durch US-amerikanische Truppen besetzt. Im Zuge der Errichtung einer stabilen Nachkriegsordnung waren die Amerikaner vorrangig an einer politischen Neustrukturierung des japanischen Staates interessiert. Insbesondere das bis dahin bestehenden Ideal der individuellen Unterordnung wurde als Auslöser des japanischen Kriegseintritts identifiziert. Vor diesem Hintergrund erscheint der Versuch unumgänglich, in Japan ein politisches System nach westlichen Gestaltungsmustern zu implementieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Konzept des Emerging Adulthood nach Arnett und die Fragestellung zur Anwendbarkeit dieses Modells auf die japanische Gesellschaft.
Theoretische Grundlagen und Untersuchungen: Erläuterung der fünf Hauptmerkmale von Emerging Adulthood und Diskussion der Studie von Nancy Rosenberger bezüglich des Wandels weiblicher Lebensentwürfe in Japan.
Politischer und kultureller Wandel in Japan: Analyse der politischen Nachkriegsordnung und deren Einfluss auf die Werteverschiebung von kollektivistischen Idealen hin zu Individualismus und Selbstverwirklichung.
Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, die eine Verbindung zwischen der japanischen Wertetransformation und dem geänderten Frauenbild zieht, sowie eine kritische Einordnung der Theorie in den japanischen Kontext.
Schlüsselwörter
Emerging Adulthood, Japan, Frauenbild, Individualisierung, Nachkriegszeit, Sozialisation, Parasite Singles, Geschlechterrolle, Wertewandel, Demokratisierung, Identitätsfindung, Familienstruktur, Gesellschaftlicher Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Geschlechterrollen und Lebensentwürfe japanischer Frauen in der Nachkriegszeit im Kontext des entwicklungspsychologischen Konzepts "Emerging Adulthood".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der japanischen Nachkriegsgesellschaft, soziologische Aspekte der Familienstruktur und die psychologische Theorie des Erwachsenwerdens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, warum das Heiratsalter in Japan gestiegen ist und ob das westlich geprägte Modell des "Emerging Adulthood" dieses Phänomen in Japan erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, um Zusammenhänge zwischen politischen Rahmenbedingungen und individuellen Lebensentscheidungen herzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Bruch mit traditionellen Werten nach 1945, die Rolle der US-Intervention und die daraus resultierende Veränderung des Frauenbildes bis hin zum Phänomen der "Parasite Singles".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Emerging Adulthood, Individualisierung, Japan, Frauenbild, gesellschaftlicher Wandel und Identitätsfindung.
Wie unterscheidet sich die Situation in Japan vom westlichen Verständnis des Erwachsenwerdens?
Während im Westen das Singledasein oft als Übergangsphase gesehen wird, deutet die Autorin an, dass es in Japan zunehmend als ein alternatives, permanentes Lebensideal wahrgenommen wird.
Welchen Einfluss hatten die USA auf die japanischen Geschlechterrollen?
Durch die Demokratisierung nach 1945 und die Implementierung neuer Erziehungsrichtlinien förderten die USA Werte wie Individualität und Egalität, welche die traditionelle Unterordnung der Frau aufbrachen.
- Citar trabajo
- Anne-Christine Hübner (Autor), 2014, Emerging Adulthood. Das Rollenbild der Frau in Japan von der Hausfrau zum Langzeitsingle, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308732