Dieses Jahr befinden sich 200 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, welche sonst nur im New Yorker Museum of Modern Art bewundert werden können, in der Neuen Nationalgalerie Berlin. Bei meinem Besuch in der Ausstellung „Das MoMA in Berlin“ hatte ich die Möglichkeit, Werke von Magritte, van Gogh und Matisse neben vielen weiteren Arbeiten großer Künstler aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. Besonders aufmerksam wurde ich auf zwei Exponate des französischen Zeichners und Malers Georges Seurat, denn seine einzigartige Technik wirkt am Original noch viel beeindruckender, als ich es nach dem Betrachten seiner Werke in Büchern erwartet hatte. Für die Besucher zu sehen waren seine Ölgemälde „Entrée de l’avant-port, Port-en-Bessin“ (1888) sowie „Le chenal de Gravelines, un soir“ (1890), welche beide relativ kleine Formate besitzen. Wie beeindruckend muss dann erst Seurats Gemälde „Un dimanche après-midi à la Grande Jatte“ sein. In meiner Ausarbeitung über Georges Seurat möchte ich zum einen beleuchten, mit welcher Ausdauer er versucht, in seinen Werken die Wissenschaft mit der Kunst zu verbinden, wie er den Pointillismus entwickelt und zum anderen eine Werkanalyse zum eben genanntem Gemälde durchführen. Dabei soll jedoch nicht allein die Technik im Vordergrund stehen, sondern ebenso auf die Aussage des Bildes eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 George Seurat - Der Sohn, Student und Künstler
3 Die Wissenschaft in der Kunst
3.1 Der Pointillismus
3.2 Seurats Weg zum Pointillismus
3.3 Kunst und Naturwissenschaft
4 Werkanalyse – Un dimanche après-midi à la Grande Jatte
4.1 Erster Werkeindruck
4.2 Differenzierte Formanalyse
4.3 Zeitgeschehen – Das Jahr 1885
4.4 Ansätze einer Interpretation
4.4.1 Schauplatz La Grande-Jatte
4.4.2 Moderner Symbolismus
4.4.3 Deutungsversuch
5 Auswirkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken des französischen Malers Georges Seurat und beleuchtet insbesondere dessen Bestreben, wissenschaftliche Erkenntnisse mit künstlerischen Ausdrucksformen zu vereinen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Entwicklung des Pointillismus sowie einer detaillierten Analyse seines Hauptwerkes „Un dimanche après-midi à la Grande Jatte“ unter Berücksichtigung historischer und symbolischer Aspekte.
- Biographischer Werdegang von Georges Seurat
- Wissenschaftliche Grundlagen und Theorie des Pointillismus
- Detaillierte formale und inhaltliche Werkanalyse von „Un dimanche après-midi à la Grande Jatte“
- Kontextualisierung des Werkes im Zeitgeschehen des Jahres 1885
- Wirkungsgeschichte und Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Moderner Symbolismus
Georges Seurat lässt auf seinem Gemälde Personen verschiedenster Schichten auftreten. Zur Arbeiterklasse lassen sich zweifelsohne die Amme, am linken Baum sitzend, die beiden Soldaten und die hutlosen jungen Frauen vor ihnen zählen. Bourgeoise muten die gutgekleideten Männer und Frauen an, welche Hüte tragen. Seurat bediente sich beim Charakterisieren seiner Figuren Symbolen, die der breiten Öffentlichkeit durch billige Zeitungen, Illustrationen und Karikaturen geläufig waren. Ein Beispiel für diesen modernen Symbolismus ist die Amme, welche in der Presse häufig vorkam und belacht wurde.
Bertall zeigte sie in „La Comédie de notre temps“ (siehe Anlage 3), wie sie ein Kind wohlhabender Eltern stillt und somit zu den Bediensteten einer bourgeoisen Familie gehört. Auch der Soldat wird hier einer gesellschaftlich niedrigen Klasse zugeordnet. Ebenso kann man auffällige Symbole der höheren Schichten, mit welchen Seurat den Personen in seinem Bild ihren Status zuordnet, in Karikaturen finden. So karikiert Henri Gray 1883 einen wohlhabenden Pariser Mann mit Hut, Monokel, hohem Kragen und Spazierstock (siehe Anlage 4).
Im Gemälde ganz rechts, neben einem solchen Gentleman, spaziert eine Dame, der Seurat ein traditionell sehr bekanntes Symbol beifügt: den Affen. Dieses Tier stand symbolisch für Begierde, Lust, ungebundene Geschlechtsbeziehungen und Trieb. (Zimmermann, S.140) Ein weiteres Indiz dafür, dass der Künstler hier eine Prostituierte malte, ist, dass in der damaligen Umgangssprache für Freudenmädchen das Wort „singesse“ benutzt wurde, was wiederum einen weiblichen Affen bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Beschäftigung mit Georges Seurat ausgehend von einem Ausstellungsbesuch und formuliert die Ziele der Arbeit, die Technik und Aussage des Werkes zu beleuchten.
2 George Seurat - Der Sohn, Student und Künstler: Dieses Kapitel skizziert die biographischen Hintergründe des Künstlers, von seiner Kindheit in Paris bis zu seiner Ausbildung und den ersten künstlerischen Gehversuchen.
3 Die Wissenschaft in der Kunst: Es wird die Entstehung des Pointillismus erläutert, wobei insbesondere die theoretische Auseinandersetzung mit Optik und Farblehre im Fokus steht.
4 Werkanalyse – Un dimanche après-midi à la Grande Jatte: Dieses Kapitel liefert eine umfassende Untersuchung des Hauptwerkes hinsichtlich Form, historischem Kontext und symbolischer Deutung.
5 Auswirkungen: Der letzte Abschnitt beschreibt die Rezeption von Seurats Technik durch Zeitgenossen und nachfolgende Kunstrichtungen wie den Kubismus oder das Bauhaus.
Schlüsselwörter
Georges Seurat, Pointillismus, Neoimpressionismus, Un dimanche après-midi à la Grande Jatte, Farblehre, Simultankontrast, Werkanalyse, Kunstgeschichte, Symbolismus, Sozialgeschichte, 1885, Farbwissenschaft, Impressionismus, Malerei, Bildkomposition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Leben und Werk des Malers Georges Seurat mit einem speziellen Fokus auf die Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit künstlerischem Schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit biographischen Daten, der Entwicklung der pointillistischen Technik, der Analyse des Gemäldes „Un dimanche après-midi à la Grande Jatte“ sowie dessen kunsthistorischem Einfluss.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den wissenschaftlichen Ansatz Seurats zu beleuchten und eine tiefgehende Analyse seines berühmtesten Gemäldes vorzunehmen, ohne dabei die Aussagekraft des Bildes zu vernachlässigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunstwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, zeitgenössischen Theorien und der detaillierten Betrachtung des Bildes basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Malweise Seurats sowie eine detaillierte Werkanalyse, die formale Kriterien, zeithistorische Aspekte und Symbolik vereint.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pointillismus, Farbwissenschaft, Gesellschaftskritik, Symbolik und Neoimpressionismus geprägt.
Welche Bedeutung hatte das Jahr 1885 für das Gemälde?
Das Jahr 1885 ist zentral, da es in die Entstehungszeit des Werkes fällt und von kolonialpolitischen Bestrebungen und sozialen Umbrüchen in Frankreich geprägt war, die sich in den Motiven des Bildes widerspiegeln.
Wie deutet der Autor die Symbole im Werk?
Der Autor interpretiert die im Bild dargestellten Tiere und Figuren als Symbole für soziale Schichten und sexuelle Konnotationen, wie etwa die Anspielungen auf Prostitution.
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- Susann Ficker (Author), 2004, Georges Seurat. Un dimanche apres-midi a la Grande-Jatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30873