In jüngster Zeit gewinnt die Frage nach der Bedeutung von Hochtechnologie (Hightech)-Industrien für die Prägung von Regionen an Bedeutung. Wenn man den Begriff Hightechregion hört, denkt man an erster Stelle meist an das kalifornische Silicon Valley, aber auch in anderen Erdteilen sind überaus hochentwickelte Gebiete zu finden, nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika. So zum Beispiel in Großbritannien im schottischen Silicon Glen. Nicht erst seit dem Klonen des Schafes Dolly am Roslin Institut gilt Schottland als aufstrebender Standort für Biotechnologie, aber gerade durch dieses Ereignis kam die Region in alle Medien.
Neue, erfolgreiche und rasch aufstrebende Hightech-Standorte sind in den letzten Dekaden oft in peripheren, bislang wenig bekannten Regionen, wie etwa in den schottischen Lowlands, zu finden. Dort ist bereits seit einigen Jahren ein enormes Wachstum im Bereich der Hoch- und Spitzentechnologie zu beobachten. Der Großteil der schottischen Hightech-Entwicklung findet im Grunde in einem schmalen Band im Süden des Landes statt, einem etwa 120 km langen und rund 50 km breiten Gürtel zwischen Edinburgh und Glasgow.
Dieses Gebiet, in dem rund 80 Prozent der schottischen Gesamtbevölkerung leben und arbeiten, erhielt seinen Namen in Anlehnung an das oben erwähnte kalifornische Silicon Valley. Glen ist der schottische Name für Tal, in welchem die Region liegt.
Die nachfolgende Arbeit wird aufzeigen, was man eigentlich unter dem Begriff Hightechindustrie zu verstehen hat, um daran anknüpfend Hightechregionen zu charakterisieren.
Anhand der Merkmale solcher Regionen werde ich aufzeigen, dass die Region Silicon Glen zu den Hightechregionen zählt. Über die Geschichte und Entwicklung dieser Region werde ich weiter darstellen, wie sich das Silicon Glen zu einer der führenden Hightechregionen etablieren konnte, um dabei auch die Probleme solcher Regionen aufzuzeigen, die eventuell zu einem Rückgang in der Bedeutung der schottischen Hightech-Industrie zukünftig führen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Was sind Hightech-Industrien
3. Was sind Hightech-Regionen
4. Die Technologieregion in den Lowlands
5. Von der Schwerindustrie zum Mikrochip
6. Regionale Wirtschaftspolitik
7. Der Arbeitsmarkt
8. Zusammenfassung – Ausblick
9. Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Strukturwandel des schottischen "Silicon Glen" von einer traditionellen Schwerindustrieregion hin zu einem bedeutenden Hightech-Standort. Dabei wird analysiert, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen diesen Prozess begünstigten und mit welchen Herausforderungen, insbesondere am Arbeitsmarkt und durch globale Konjunkturabhängigkeiten, die Region konfrontiert ist.
- Definition und Kriterien von Hightech-Industrien und -Regionen
- Historische Entwicklung des Silicon Glen im schottischen Kontext
- Rolle regionaler Wirtschaftspolitik und Innovationsförderung
- Herausforderungen des Arbeitsmarktes und Auswirkungen der Globalisierung
Auszug aus dem Buch
Der Arbeitsmarkt
„Die gezielte Förderung von Innovationen führt häufig zu unübersehbaren Problem für die Beschäftigten. Entlassungen von gering qualifizierten und älteren Beschäftigten, gespaltene Arbeitsmärkte und vor allem der Mangel an Fachkräften gehören zu häufig beobachteten Begleiterscheinungen.“ Eines der Hauptprobleme in Hightech-Regionen besteht meist darin, dass die Region keine große Anzahl an ausreichend qualifiziertem Personal vorweisen kann. Regionen wie Karlsruhe und Aachen in Deutschland beklagen daher eine hohe Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel. Wenn die Region nun versucht, Fachkräfte zu werben, kommen meist unqualifizierte Familienmitglieder mit, für die es wiederum kaum Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Durch die hohe Innovationstätigkeit kommt es zu Veränderungen vieler Arbeitsplätze, die Region ist jedoch selten in der Lage die somit ungeschulten Mitarbeiter auf die neuen Aufgaben umzuschulen, so dass eine Weiterbeschäftigung nicht immer möglich ist.
Dass es im Silicon Glen im Vergleich zu anderen europäischen Technologieregionen zu einer verhältnismäßig positiven Beschäftigungsentwicklung kam, wird zum einen durch das dichte Netz an Aus- und Weiterbildungseinrichtungen erklärt, zum anderen und nicht zuletzt aber auch durch das schottische Arbeitsrecht, welches zu den fortschrittlichsten in Europa zählt. Dieses enthält unter anderem: keine Einschränkungen beim Einsatz von Zeitarbeitern, keine gesetzlichen Regelungen zur wöchentlichen Arbeitszeit, keine Regelungen für Überstunden, keine Regelung zur Bildung von Betriebsräten.
Weiter gehören Sonntags- und Nachtarbeit oft zum betrieblichen Alltag. Bei einer Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 40 Stunden und 20 bis 25 Urlaubstagen besteht Kündigungsschutz erst nach zwei Jahren. Die Lohn- und Arbeitskosten liegen durchschnittlich um ein Drittel unter dem deutschen Niveau, die Lohnnebenkosten nur bei 40 Prozent, hingegen in Deutschland um 80 Prozent.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Silicon Glen als schottisches Hightech-Zentrum und Einbettung in den globalen Kontext der Hochtechnologie.
2. Was sind Hightech-Industrien: Erläuterung der Kriterien zur Klassifizierung von Hightech-Industrien anhand offizieller britischer Standards.
3. Was sind Hightech-Regionen: Analyse der methodischen Grundlagen zur Identifikation von Hightech-Regionen und deren Wachstumsindikatoren.
4. Die Technologieregion in den Lowlands: Darstellung der sektoralen Bedeutung und Konzentration der Elektronik- und Biotechnologie im Silicon Glen.
5. Von der Schwerindustrie zum Mikrochip: Dokumentation des historischen Strukturwandels von der traditionellen Industriebasis zur modernen Hightech-Produktion.
6. Regionale Wirtschaftspolitik: Untersuchung der staatlichen Fördermaßnahmen, Ansiedlungsagenturen und der Bedeutung von Wissenstransfer durch Universitäten.
7. Der Arbeitsmarkt: Analyse der Arbeitsbedingungen, der Auswirkungen von Globalisierung und der spezifischen Herausforderungen durch das schottische Arbeitsrecht.
8. Zusammenfassung – Ausblick: Fazit zum Strukturwandel und Einschätzung der zukünftigen Entwicklungschancen des Silicon Glen unter globalen Marktbedingungen.
9. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Silicon Glen, Hightech-Industrie, Strukturwandel, Wirtschaftsgeographie, Schottland, Mikrochip, Arbeitsmarkt, Globalisierung, Regionale Wirtschaftspolitik, Standortquotient, Innovationsförderung, Technologiecluster, Life-Science-Industrie, Arbeitsrecht, Industriegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wirtschaftsgeographischen Entwicklung der Region Silicon Glen in Schottland und deren Wandel von einer traditionellen Industrieregion zu einem bedeutenden Standort der Hochtechnologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind industrielle Transformation, regionale Wirtschaftspolitik, Arbeitsmarktbedingungen im Kontext der Globalisierung sowie die methodische Erfassung von Hightech-Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung des Silicon Glen zu analysieren, die Bedeutung staatlicher Eingriffe zu hinterfragen und die Probleme aufzuzeigen, die durch die internationale Verflechtung der ansässigen Unternehmen entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung statistischer Klassifikationen (SIC) und der Betrachtung regionaler Wirtschaftsdaten sowie Standortindikatoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Hightech-Industrien, dem historischen Wandel von der Schwerindustrie zum Mikrochip, den regionalpolitischen Instrumenten zur Förderung und den Arbeitsmarktstrukturen im Silicon Glen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Silicon Glen, Strukturwandel, Hightech-Industrie, Globalisierung und Wirtschaftsförderung charakterisiert.
Welche Rolle spielte IBM für die Region?
IBM gilt als entscheidender Pionier, der durch die Erschließung und Fabrikansiedlung in Greenock ab 1960 den Kern des Silicon Glen schuf und weitere internationale Elektronikkonzerne anzog.
Wie wirken sich globale Krisen auf das Silicon Glen aus?
Durch den hohen Anteil ausländischer Konzerne im Silicon Glen führen globale Rezessionen häufig zu massiven Beschäftigungsproblemen, da internationale Unternehmen bei Kosteneinsparungen zuerst Standorte außerhalb ihres Stammlandes schließen.
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- Nico Herzog (Author), 2003, Schottland - Hightech am Rande Europas - Silicon Glen - Aufstieg, Glanz und Krise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30875