Krankenpflegekräfte bilden mit ca. 517 000 Beschäftigten die größte Berufsgruppe in deutschen Krankenhäusern. Der Pflegeberuf gilt als schwieriger Beruf, da der unmittelbare, fast tägliche Kontakt zu Sterbenden und kranken Menschen, der Schichtdienst sowie andere belastende Arbeitsbedingungen Krankenschwestern und -pflegern ein hohes Maß an Energie abfordern und diese gezwungen sind, enorme Regenerationsleistungen zu erbringen. Das Risiko, selbst zu erkranken und vorzeitig aus dem Beruf auszuscheiden, ist für Pflegekräfte hinlänglich bekannt, jedoch trifft dies erst seit Zeiten des Pflegenotstands, hervorgerufen durch den demografischen Wandel, wieder auf öffentliches Interesse.
Trotz gesundheitspolitischer Umstrukturierungen in den Krankenhäusern in den letzten Jahren gilt betriebliches Gesundheitsmanagement häufig als „Luxusthema“. Die Zahl der Krankenhäuser, in denen systematisch Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingeführt und umgesetzt wurden, ist im Vergleich zu anderen Branchen gering. Wie aus einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts von 2009 hervorgeht, ist die Umsetzungs- und Implementierungsquote von Systemen des betrieblichen Gesundheitsmanagements in deutschen Krankenhäusern als unbefriedigend zu bezeichnen. Nur 38% der befragten Häuser haben die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter in ihrem Leitbild verankert, messbare Ziele haben sogar nur 20% der befragten Krankenhäuser formuliert. Dies bedeutet, dass 80 % der Häuser keine konkrete strategische Ausrichtung hinsichtlich des betrieblichen Gesundheitsmanagements besitzen. Die oben genannten Fakten zeigen, dass dringender Bedarf besteht, Systeme und Strukturen in Krankenhäusern zu professionalisieren.
Die Motivation dieser Projektarbeit ist es, dem Leser zu veranschaulichen, welchen Belastungen Pflegekräfte im Krankenhaus ausgesetzt sind und herauszuarbeiten ob es möglich ist, Fehlzeiten von Pflegekräften im Krankenhaus mit Hilfe von Instrumenten des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu reduzieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Zielsetzung und Gliederung der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Gesundheit
2.2 Das Krankenhaus
2.3 Das betriebliche Gesundheitsmanagement
3. Arbeitsplatz Krankenhaus
3.1 Die Arbeitssituation im Krankenhaus
3.2 Arbeitsinhalt von Pflegekräften
3.3 Belastungen von Pflegekräften
3.4 Fehlzeiten
3.4.1 Fehlzeiten von Pflegekräften im Krankenhaus
3.4.2 Erkrankungsarten
3.4.3 Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten
4. Betriebliches Gesundheitsmanagement im Krankenhaus
4.1 Aufgaben des betrieblichen Gesundheitsmanagements
4.2 Nutzen für das Krankenhaus
4.3 Kosten für das Krankenhaus
4.4 Der Zusammenhang von Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement
4.5 Gesundheitsförderung von Pflegekräften
4.5.1 Ziele von betrieblicher Gesundheitsförderung
4.5.2 Maßnahmen
4.5.2.1 Gesundheitszirkel
4.5.2.2 Mitarbeiterbefragungen
4.5.2.3 Der betriebliche Gesundheitsbericht
4.5.2.4 Arbeitszeitgestaltung
4.5.2.5 Work-Life-Balance
4.5.2.6 Kinästhetik
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit untersucht die hohe Belastungssituation von Pflegekräften im Krankenhaus und analysiert, inwieweit Instrumente des betrieblichen Gesundheitsmanagements dazu beitragen können, Fehlzeiten zu reduzieren und die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.
- Belastungsanalyse der Pflegeberufe
- Kosten-Nutzen-Faktoren von Fehlzeiten im Krankenhaus
- Strategien des betrieblichen Gesundheitsmanagements
- Instrumente der betrieblichen Gesundheitsförderung (z.B. Gesundheitszirkel)
- Optimierung von Arbeitsorganisation und Schichtsystemen
Auszug aus dem Buch
3.3 Belastungen von Pflegekräften
Aus den in Kapitel 3.1 genannten Tätigkeiten der Krankenpflege entstehen verschiedene Formen der Belastung für die Beschäftigten, welche im Folgenden näher betrachtet werden. Je nach individuellem Empfinden und der jeweiligen beruflichen Tätigkeit werden Belastungen am Arbeitsplatz als mehr oder weniger schwerwiegend empfunden.
Arbeitsbedingte Belastungen werden in körperliche und psychosoziale Belastungen unterschieden. Zu den körperlichen Belastungen der Krankenpflege gehören vor allem das Tragen von schweren Lasten, einseitiges Arbeiten im Stehen, grelles Licht am Arbeitsplatz und der Umgang mit gefährlichen Stoffen. Zu den häufigsten psychosozialen Belastungen der Krankenpflege zählen fehlendes Gemeinschaftsgefühl, schlechte Kommunikation untereinander, starker Leistungsdruck, Überforderung, mangelnde Führungsqualität, fehlende Handlungsspielräume, keine Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzen sowie unwürdige Behandlung und schlechte Bezahlung.
Da im Gesundheitswesen hauptsächlich weibliche Pflegekräfte tätig sind – laut statistischem Bundesamt waren sind 2010 etwa 86 % der Krankenpflegekräfte Frauen – haben sich Belastungen entwickelt, die als „frauentypisch“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die prekäre Personalsituation in deutschen Krankenhäusern und begründet die Notwendigkeit, Gesundheitsmanagement als strategisches Instrument einzuführen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Gesundheit, Krankenhaus und betriebliches Gesundheitsmanagement als Basis für die weitere Untersuchung.
3. Arbeitsplatz Krankenhaus: Hier wird die spezifische Arbeitssituation von Pflegekräften analysiert, wobei besonderes Augenmerk auf körperliche und psychosoziale Belastungen sowie die daraus resultierenden Fehlzeiten liegt.
4. Betriebliches Gesundheitsmanagement im Krankenhaus: Dieser Hauptteil widmet sich den Aufgaben und Umsetzungsmöglichkeiten des Gesundheitsmanagements sowie konkreten Fördermaßnahmen wie Gesundheitszirkeln und Kinästhetik.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen bei der Implementierung von Gesundheitsmanagement vor dem Hintergrund von Sparmaßnahmen im Krankenhaussektor.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, Krankenhaus, Pflegekräfte, Gesundheitsförderung, Fehlzeiten, Arbeitsbelastung, Präsentismus, Gesundheitszirkel, Mitarbeiterbefragung, Arbeitszeitgestaltung, Work-Life-Balance, Kinästhetik, Patientenwohl, Fachkräftemangel, Arbeitsschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Projektarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Implementierung und den Nutzen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, um die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte im Krankenhaus zu optimieren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der beruflichen Belastungen im Pflegealltag, den ökonomischen Folgen durch Fehlzeiten und der Vorstellung spezifischer Interventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch ein systematisches Gesundheitsmanagement die Fehlzeiten des Pflegepersonals gesenkt und die Gesundheit der Beschäftigten gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung von Studien, um den aktuellen Status Quo und Best-Practice-Ansätze zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Belastungssituation sowie die Erläuterung konkreter Instrumente des Gesundheitsmanagements wie Gesundheitszirkel oder Arbeitszeitmodelle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), Pflegeberufe, Fehlzeitenreduktion, Arbeitsbelastung und betriebliche Gesundheitsförderung.
Warum ist Kinästhetik für das Krankenhaus relevant?
Kinästhetik dient als gesundheitsfördernde Maßnahme, um Patienten körperschonend zu bewegen und somit physische Belastungen der Pflegekräfte durch Heben und Tragen zu mindern.
Was unterscheidet direkte von indirekten Kosten bei Fehlzeiten?
Direkte Kosten entstehen primär durch Lohnfortzahlungen, während indirekte Kosten durch Personalpuffer, Überstunden oder Produktivitätsverluste (Präsentismus) verursacht werden.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2013, Betriebliches Gesundheitsmanagement im Krankenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308806