Die Frage nach Gerechtigkeit, Fairness und Chancengleichheit innerhalb der Familie stellt sich nach vielen Jahren der Unterdrückung der Frau. Diese Unterdrückung wird deutlich, wenn man die Auffassung der meisten männlichen Theoretiker bis zu unserem Jahrhundert näher betrachtet. Diese Theoretiker gehen davon aus, dass die Frau unter dem Mann gestellt ist und sie sich auf die Familie beschränken soll. „Beschränkungen der bürgerlichen und politischen Rechte der Frauen wurden damit begründet, daß die Frauen von Natur aus für politische und wirtschaftliche Betätigungen außerhalb des Hauses ungeeignet seien.“ (Kymlicka 1996).
In diesem Zusammenhang ist auch die Erziehung in der Institution Familie ein wichtiges Thema. Andere Institutionen, wie zum Beispiel die Kindergärten oder Schulen haben bei der Erziehung des Kindes keinen so großen Einfluss wie die Familie. Deswegen ist die Familie und ihre Konstellation eine Thematik über die oft diskutiert wird, da den Kindern dort entscheidende Norme und Werte weitergegeben werden. Die Theoretiker beschäftigten sich hauptsächlich mit der Frage nach Gerechtigkeit in der Gesellschaft und betrachteten die Familie, die Kindererziehung und die Vernachlässigung der Frau nur am Rande.
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit der Theorie der Gerechtigkeit innerhalb der Basisinstitution Familie und ihrer Problematik. Ich möchte mich diesbezüglich mit der Frage beschäftigen, ob es möglich ist eine geschlechterneutrale Gesellschaft zu schaffen, in der das Gebären und Erziehen von Kindern als zwei voneinander getrennte Gebiete betrachtet werden können. Im Hinblick auf diese Fragestellung möchte ich zunächst auf den gerechtigkeitstheoretischen Rahmen von John Rawls eingehen und das Grundproblem der „Theorie der Gerechtigkeit“ herausarbeiten und seine Lösung durch einen vertragstheoretischen Rahmen näher betrachten. Ferner werde ich auf den Neuentwurf des Werkes von John Rawls eingehen, in dem er auf die Kritik an seinem Werk anknüpft. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Familie aufgegriffen und in John Rawls Werk „Gerechtigkeit als Fairneß - Ein Neuentwurf“ im Paragraphen 50 dargelegt. Des Weiteren werde ich die Kritik von Susan Moller Okin, die in ihrem Buch „Justice, Gender and the Family“ eine direkte Position zu Rawls Thesen nimmt, näher beleuchten. Abschließend möchte ich dann ein objektives Urteil über die Kernthese und die Lösungsansätze John Rawls fällen und meine Fragestellung beantworten.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- Einleitung
- Die,,Theorie der Gerechtigkeit\" nach John Rawls
- Der Hauptgedanke der Theorie der Gerechtigkeit
- Der Urzustand
- John Rawls: Die Familie als Basisinstitution
- Feministische Kritik von Susan Moller Okin an der Gerechtigkeitstheorie
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit der Theorie der Gerechtigkeit innerhalb der Basisinstitution Familie und ihrer Problematik. Sie untersucht, ob eine geschlechterneutrale Gesellschaft möglich ist, in der Gebären und Erziehen von Kindern als separate Bereiche betrachtet werden können. Dabei werden der gerechtigkeitstheoretische Rahmen von John Rawls, die Kritik an seinem Werk und die feministische Kritik von Susan Moller Okin analysiert.
- Gerechtigkeit in der Familie
- Geschlechterrollen und -gerechtigkeit
- John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit
- Feministische Kritik an Rawls' Theorie
- Die Familie als Basisinstitution
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
- Die Einleitung stellt die Fragestellung der Arbeit vor und beleuchtet die historische Unterdrückung der Frau im Kontext der Familie.
- Das zweite Kapitel präsentiert John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit und erklärt seine Konzeption des "Urzustands" mit dem Schleier des Nichtwissens.
- Das dritte Kapitel widmet sich John Rawls' Betrachtung der Familie als Basisinstitution und zeigt seine Auseinandersetzung mit der Kritik an seinem Werk.
- Das vierte Kapitel beleuchtet die feministische Kritik von Susan Moller Okin an John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit im Kontext der Familie.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die Arbeit befasst sich mit den zentralen Themen der Gerechtigkeitstheorie, der Familie als Basisinstitution, der Geschlechtergerechtigkeit, John Rawls' Werk, Susan Moller Okin's Kritik und der Frage nach einer geschlechterneutralen Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was kritisiert Susan Moller Okin an John Rawls?
Okin kritisiert, dass Rawls die Gerechtigkeit innerhalb der Familie vernachlässigt und die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung nicht ausreichend problematisiert.
Was versteht John Rawls unter dem „Urzustand“?
Ein Gedankenexperiment, bei dem Menschen hinter einem „Schleier des Nichtwissens“ über Gerechtigkeitsprinzipien entscheiden, ohne ihre eigene soziale Position zu kennen.
Warum wird die Familie als „Basisinstitution“ bezeichnet?
Weil in der Familie entscheidende Normen und Werte an Kinder weitergegeben werden, was einen großen Einfluss auf die gesamte gesellschaftliche Gerechtigkeit hat.
Ist eine geschlechterneutrale Gesellschaft laut der Arbeit möglich?
Die Arbeit untersucht diese Frage kritisch, insbesondere ob Gebären und Erziehen als voneinander getrennte Bereiche behandelt werden können.
Welche Rolle spielt die Kindererziehung in der Gerechtigkeitstheorie?
Sie ist zentral, da Ungerechtigkeiten innerhalb der Familie (z. B. ungleiche Lastenverteilung) die Chancengleichheit von Frauen und die moralische Entwicklung von Kindern beeinflussen.
Was bedeutet „Gerechtigkeit als Fairness“?
Es ist der Kern von Rawls' Theorie, wonach soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten nur dann zulässig sind, wenn sie den am wenigsten Begünstigten den größten Vorteil bringen.
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- Duygu Gecer (Author), 2013, Gerechtigkeit, Fairness, Chancengleichheit? Zur feministischen Kritik von Susan Moller Okins an der Gerechtigkeitstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308826