Gerechtigkeit, Fairness, Chancengleichheit? Zur feministischen Kritik von Susan Moller Okins an der Gerechtigkeitstheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
14 Seiten, Note: 2,0
Duygu Gecer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die „Theorie der Gerechtigkeit“ nach John Rawls

Der Hauptgedanke der Theorie der Gerechtigkeit

Der Urzustand

John Rawls: Die Familie als Basisinstitution

Feministische Kritik von Susan Moller Okin an der Gerechtigkeitstheorie

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Frage nach Gerechtigkeit, Fairness und Chancengleichheit innerhalb der Familie stellt sich nach vielen Jahren der Unterdrückung der Frau. Diese Unterdrückung wird deutlich, wenn man die Auffassung der meisten männlichen Theoretiker bis zu unserem Jahrhundert näher betrachtet. Diese Theoretiker gehen davon aus, dass die Frau unter dem Mann gestellt ist und sie sich auf die Familie beschränken soll. „Beschränkungen der bürgerlichen und politischen Rechte der Frauen wurden damit begründet, daß die Frauen von Natur aus für politische und wirtschaftliche Betätigungen außerhalb des Hauses ungeeignet seien.“ (Kymlicka 1996; S.201) In diesem Zusammenhang ist auch die Erziehung in der Institution Familie ein wichtiges Thema. Andere Institutionen, wie zum Beispiel die Kindergärten oder schulen haben bei der Erziehung des Kindes keinen so großen Einfluss wie die Familie. Deswegen ist die Familie und ihre Konstellation eine Thematik über die oft diskutiert wird, da den Kindern dort entscheidende Norme und Werte weitergegeben werden. Die Theoretiker beschäftigten sich hauptsächlich mit der Frage nach Gerechtigkeit in der Gesellschaft und betrachteten die Familie, die Kindererziehung und die Vernachlässigung der Frau nur am Rande.

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit der Theorie der Gerechtigkeit innerhalb der Basisinstitution Familie und ihrer Problematik. Ich möchte mich diesbezüglich mit der Frage beschäftigen, ob es möglich ist eine geschlechterneutrale Gesellschaft zu schaffen, in der das Gebären und Erziehen von Kindern als zwei voneinander getrennte Gebiete betrachtet werden können. Im Hinblick auf diese Fragestellung möchte ich zunächst auf den gerechtigkeitstheoretischen Rahmen von John Rawls eingehen und das Grundproblem der „Theorie der Gerechtigkeit“ herausarbeiten und seine Lösung durch einen vertragstheoretischen Rahmen näher betrachten. Ferner werde ich auf den Neuentwurf des Werkes von John Rawls eingehen, in dem er auf die Kritik an seinem Werk anknüpft. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Familie aufgegriffen und in John Rawls Werk „Gerechtigkeit als Fairneß- Ein Neuentwurf“ im Paragraphen 50 dargelegt. Des Weiteren werde ich die Kritik von Susan Moller Okin, die in ihrem Buch „Justice, Gender and the Family“ eine direkte Position zu Rawls Thesen nimmt, näher beleuchten. Abschließend möchte ich dann ein objektives Urteil über die Kernthese und die Lösungsansätze John Rawls fällen und meine Fragestellung beantworten.

Die „Theorie der Gerechtigkeit“ nach John Rawls

John Rawls (1921-2002) war nicht nur Professor der Philosophie an der Harvard University, sondern auch einer der bedeutendsten Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts. Er wendete sich den substantiellen Fragen der zeitgenössischen Gesellschaften zu, beschäftigte sich mit ihren politisch-sozialen Grundordnungen und entwickelte eine sachliche Alternative zum Utilitarismus. Zu dem entwickelte er zwei Prinzipien der Gerechtigkeit und wendete sie auf die Grundinstitutionen der Gesellschaft an. Er schließt mit seiner Theorie an die Tradition der Vertragstheorien von Locke, Rousseau und Kant an.

John Rawls beschäftigt sich grundlegend mit der Rolle der Gerechtigkeit im sozialen Zusammenleben. Nach Rawls ist „die Gesellschaft ein Unternehmen zur Förderung des gegenseitigen Vorteils, aber charakteristischerweise nicht nur von Interessenharmonie, sondern auch von Konflikt geprägt.“ (Rawls 1994; S.20) Eine Gesellschaft muss einerseits die gleichen Gerechtigkeitsgrundsätze anerkennen und andererseits müssen die gesellschaftlichen Institutionen diesen Grundsätzen genügen. (vgl. Rawls 1994; S.21) Er vertritt die Meinung, dass die Gerechtigkeit die wichtigste Grundlage von sozialen Institutionen ist. Um eine gerechte Gesellschaft zu schaffen müssen Gesetze verabschiedet werden, die die Vorstellung von Gerechtigkeit unterstützen. Es gibt jedoch viele Gesetze, die sich zwar in der Gesellschaft etabliert haben, aber das Wohl des Individuums verletzen. Diese Gesetze müssen aufgehoben werden und sind nach Rawls nur in Ausnahmefällen - und zwar wenn es keine andere Lösung gibt - tragbar. „Mit einer falschen Theorie darf man sich nur dann zufrieden geben, wenn es keine bessere gibt; ganz ähnlich ist eine Ungerechtigkeit nur tragbar, wenn sie zur Vermeidung einer noch größeren Ungerechtigkeit notwendig ist.“ (Rawls 1994; S.20) Tatsächlich ist die Frage, ob etwas wirklich Gerecht bzw. Ungerecht ist umstritten. Dennoch werden die Gesetze von der Gesellschaft größtenteils anerkannt und umgesetzt. Neben dem Grundproblem der Übereinstimmung der Gerechtigkeitsvorstellung greift Rawls auch die Koordination, die Effizienz und die Stabilität auf. Mit dem Begriff der Koordination meint Rawls die Tätigkeiten, die zusammen ausgeführt werden können ohne das bestimmte Erwartungen enttäuscht werden. Diese Tätigkeiten sollen zielführend sein und die Gesellschaft auf hohem Wirkungsgrad weiterbringen. Um dies zu gewährleisten müssen die Grundgesetze der Gesellschaft eingehalten werden, damit die Zusammenarbeit stetig bleibt. (vgl. Rawls 1994; S.22) Eine Gesellschaft braucht folglich neben der Vorstellung von Gerechtigkeit auch Koordination, Effizienz und Stabilität, die aufeinander abgestimmt sein müssen, um zu funktionieren. (vgl. ebd.)

Der Hauptgedanke der Theorie der Gerechtigkeit

„Die Gerechtigkeitstheoretiker haben eindrucksvolle Gebäude errichtet, indem sie die herkömmlichen Vorstellungen von Fairneß und Verantwortlichkeit verfeinerten.“ (Kymlicka 1996; S.250)

John Rawls ist einer dieser Theoretiker. Er verwendet den Begriff des Vertrages jedoch ausschließlich als ein Darstellungsmittel1, um mit dieser Metapher kenntlich zu machen, was unter dem Begriff „gerecht“ zu verstehen ist. „Er hat sein Gedankengebäude auf die Kurzformel „Gerechtigkeit als Fairneß“ gebracht.“ (Resse-Schäfer 2012, S.39) Nach Rawls sieht die Grundstruktur vor, dass freie und vernünftige Menschen aus eigenem Interesse die Gleichheit im Grundverhältnis innerhalb ihrer Verbindung unterstützen.

Wenn sich eine Gruppe von Menschen entschließt eine neue, faire und gerechte Gesellschaft zu gründen, dann liegt der Gedanke nahe, dass z.B. ein Arzt oder Richter seine Tätigkeit in dieser Gesellschaft als besonders wichtig betrachtet und deshalb auch mehr Macht binnen dieser Gesellschaft einfordern möchte. Die Ergebnisse der Gesellschaftskonzeption wären eher willkürlich und nicht gerecht und fair hierbei. Infolgedessen dieser Tatsache sagt Rawls, dass ein gerechtes Ergebnis nur durch gerechte Verfahren zustande kommen kann. Diese Verfahrensgerechtigkeit kann durch den „Schleier des Nichtwissens“ erreicht werden. D.h. der Einzelne in der Gesellschaft weiß nicht, welche Rolle er in der Gesellschaft einnimmt. Durch dieses Nichtwissen kann das Individuum eine Gesellschaft anstreben ohne sich unfair und ungerecht behandelt zu fühlen. Es sei eine Gewähr dafür, dass niemand seinen Status ausnutzt.

[...]


1Er hatte die Idee eines Gesellschaftsvertrages zu diesem Zeitpunkt aufgegeben. (vgl. Reese-Schäfer 2012; S.39)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gerechtigkeit, Fairness, Chancengleichheit? Zur feministischen Kritik von Susan Moller Okins an der Gerechtigkeitstheorie
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V308826
ISBN (eBook)
9783668071520
ISBN (Buch)
9783668071537
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feministische Kritik, Okin, Theorie der Gerechtigkeit, John Rawls, Familie als Basisinstitution, Urzustand
Arbeit zitieren
Duygu Gecer (Autor), 2013, Gerechtigkeit, Fairness, Chancengleichheit? Zur feministischen Kritik von Susan Moller Okins an der Gerechtigkeitstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308826

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