Fliegen ist für die Meisten mehr als nur Fortbewegung. Eine Flugreise ist auch immer ein Erlebnis, im Positiven sowie im Negativen. Doch was macht ein Flugerlebnis eigentlich aus und an welchen Gesichtspunkten kann man die Angebote von unterschiedlichen Airlines eigentlich unterscheiden? Diese Hausarbeit zeigt auf, dass der Unterschied auf europäischen Flügen von weitaus mehr Faktoren als der Beinfreiheit und dem Catering abhängt.
Nach Informationen der internationalen Luftfahrtverbands IATA transportieren Airlines könnten weltweit im Jahr 2014 3,3 Milliarden Flugpassagiere transportiert worden sein, so viele wie noch nie. Trotz des ständig wachsenden internationalen Marktes ist der Wettbewerb zwischen den Airlines immer härter.
Viele Flughäfen sind überlastet, die Slots für Starts und Landungen knapp und die drei staatlich subventionierten Golf-Airlines (Emirates, Ethiad, Qatar) sowie Billiganbieter (Ryanair, EasyJet) machen die Situation für die Traditionsairlines (Lufthansa, KLM / Airfrance) noch schwieriger. Insbesondere bei den besonders rentablen Interkontinentalflügen zwingen die Golfairlines Lufthansa und Co. mit immer luxuriöseren Kabinenausstattungen und Serviceleistungen zum Nachziehen (Mouwad, 2015). Mit diesen Angeboten sollen vor allem die zahlungskräftigen Geschäftsreisenden gebunden werden. Umso wichtiger wird für viele Reisende ein Vergleich zwischen den Airlines, bevor sie einen Flug buchen.
Aber wodurch definiert sich eigentlich eine Flugreise und lassen sich unterschiedliche Angebote von verschiedenen Airlines überhaupt sinnvoll voneinander unterscheiden? Auf diese Frage soll in der vorliegenden Hausarbeit eingegangen werden.
An erster Stelle wird erläutert, woraus das Produkt „Flug“ überhaupt besteht und wer sich für die unterschiedlichen Angebote der Airlines interessiert. An zweiter Stelle soll erläutert werden, warum es sich bei Flügen um singuläre Produkte handelt, bevor an dritter Stelle auf die Vergleichsmöglichkeiten zwischen Airlines eingegangen wird. Für den letzten Punkt werden die Unterschiede zwischen der Ratingagentur „Skytrax“ und der Blog „One Mile at a Time“ untersucht, da die Unterschiede zwischen den beiden Anbietern symptomatisch für die Änderungen sind, die der Durchbruch des Social Web für Bewertungsregime bedeutet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Produkt- und Servicepolitik von Airlines
2.1. Unterschiedliche Passagiere, unterschiedliche Bedürfnisse
2.2. Die Klassensysteme an Bord von Flugzeugen
2.3. Die Servicekette im Luftverkehr
2.4. Unterteilung des Fluges in Hard- und Softproduct
3. Flüge als singuläres Produkt
3.1. Individualisierungsmöglichkeiten von Flügen
3.2. Strategische Ungewissheit, Qualitätsunsicherheit
3.3. Unvergleichbarkeit
4. Vergleichsmöglichkeiten von Flugprodukten
4.1. Persönliche Netzwerke
4.2. Skytrax – Der Guide Michellin der Lüfte
4.2.1. Das System von Skytrax
4.2.2. Schwachstellen von Skytrax
4.3. One Mile at a Time – Die Zukunft der Reisebewertung?
4.3.1. Testmethodik von One Mile at a Time
4.4. One Mile at a Time – Persönliche oder Unpersönliche Instanz?
5. Die Revolution von Bewertungsregimen durch das Internet
5.1. Warum das Social Web für die gesamte Medienwelt eine Wende bedeutet
5.2. Bedeutung vom Social Web für Flug- und Hotelbewertungen
5.3. Probleme der Hotelbewertung durch Nichtexperten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, warum Flugreisen als singuläre Produkte wahrgenommen werden und welche Konsequenzen dies für die Vergleichbarkeit von Airline-Angeboten hat. Dabei wird analysiert, wie sich traditionelle, unpersönliche Bewertungsinstanzen wie Skytrax durch den Aufstieg neuer, durch das Internet geprägter Bewertungsregime wie Blogs verändern.
- Definition und Servicepolitik von Flugprodukten
- Theorie der singulären Produkte nach Karpik
- Vergleich klassischer vs. moderner Bewertungsinstanzen
- Einfluss des Social Web auf Transparenz und Qualitätssicherung
- Rolle von User Generated Content in der Tourismusbranche
Auszug aus dem Buch
3.1. Individualisierungsmöglichkeiten von Flügen
Vom Cockpit bis zur Galley: Alle Prozesse, die in einem Flugzeug verlaufen, sind genauen Regeln und Standards unterworfen. Die Speisen, die den Passagieren serviert werden, sind in jeder Kabinenklasse auf das Gramm genau abgewogen. Auch sämtliche sonstigen Produkte und Artikel, die bei einem Flug mitgeführt werden, werden aus organisatorischen Gründen bereits Monate bevor der Cateringtruck für das Flugzeug beladen wird, festgelegt (Spiegel-TV, 2014). Ein Linienflug kann aufgrund des Planungsaufwands also keine personalisierte Dienstleistung sein, auch nicht für First Class Passagiere.
Jedoch handelt es sich bei dem Softproduct der Airlines fast ausnahmslos um individualisierbare Produkte und das im Rahmen einer großen Mehrdimensionalität. Je nach Airline und Kabinenklasse kann der Grad der Individualisierungsoptionen stark variieren. So kann bei den meisten Airlines jeder Passagier, unabhängig von der Kabinenklasse, eine spezielle Mahlzeit zu wählen, die beispielsweise für Allergiker geeignet ist. In den höheren Kabinenklassen werden immer umfassendere Individualisierungsmöglichkeiten angeboten. Während man in der Economy bei der Verpflegung an Bord ohne vorherigen Sonderwunsch meist nur die Wahl zwischen einem Pasta oder Hähnchen hat, werden in der Business- und First Class meistens à la Carte Menüs angeboten, die sich der Reisende an Bord individuell zusammenstellen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den harten Wettbewerb unter Airlines und stellt die Forschungsfrage nach der Vergleichbarkeit von Flugreisen als singuläre Produkte.
2. Produkt- und Servicepolitik von Airlines: Dieses Kapitel definiert das Flugprodukt über die Differenzierung in Passagierbedürfnisse, Klassensysteme sowie Hard- und Softproduct.
3. Flüge als singuläres Produkt: Hier wird theoretisch hergeleitet, warum Flugreisen trotz Standardisierung durch ihre hohe Komplexität und Individualisierbarkeit als schwer vergleichbare Produkte gelten.
4. Vergleichsmöglichkeiten von Flugprodukten: Dieser Abschnitt analysiert verschiedene Instanzen der Urteilsbildung, insbesondere den Vergleich zwischen der Ratingagentur Skytrax und dem Blog One Mile at a Time.
5. Die Revolution von Bewertungsregimen durch das Internet: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss von Social Web und User Generated Content auf die Reisebranche und die damit verbundenen Herausforderungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und prognostiziert, dass durch das Internet etablierte Bewertungsregime in Zukunft neu definiert werden müssen.
Schlüsselwörter
Flugreisen, Airlines, Singuläre Produkte, Hardproduct, Softproduct, Skytrax, One Mile at a Time, Bewertungsregime, Social Web, User Generated Content, Reisebewertung, Kundenzufriedenheit, Produktvergleich, Tourismusökonomie, Expertenmeinung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Flugreisen als sogenannte singuläre Produkte und untersucht die Herausforderungen, vor denen Reisende bei der Auswahl und Bewertung dieser komplexen Angebote stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Servicepolitik von Airlines, die ökonomische Theorie des Einzigartigen nach Lucien Karpik sowie die Transformation von Bewertungsmechanismen durch das Internet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Vergleichbarkeit von Flugprodukten kritisch zu hinterfragen und zu zeigen, wie sich die Instanzen der Urteilsbildung durch neue digitale Akteure wandeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die soziologische Konzepte (Karpik) mit aktuellen betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen aus der Luftverkehrsbranche verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Flugprodukten, die Unvergleichbarkeit der Angebote sowie einen detaillierten Vergleich zwischen klassischen Ratingagenturen und modernen Blogs als Bewertungsinstanzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Singuläre Produkte, Bewertungsregime, Social Web, Flugreisen, Skytrax und User Generated Content.
Wie unterscheidet sich Benjamin Schlappigs Ansatz von dem von Skytrax?
Während Skytrax ein eher unpersönliches, sternebasiertes System nutzt, fokussiert sich Schlappig auf detaillierte, persönliche Reiseberichte, die auf individueller Erfahrung basieren und den Blog zu einer hybriden Mischform machen.
Warum sind Flugreisen laut dem Autor schwer vergleichbar?
Aufgrund der Vielzahl von Faktoren – von der Hardware des Flugzeugs bis hin zur menschlichen Interaktion während des Service – und der subjektiven Prioritäten der Passagiere gibt es keinen einheitlichen objektiven Maßstab für einen „guten Flug“.
- Arbeit zitieren
- Raphael Zingen (Autor:in), 2015, Flüge als singuläre Produkte. Lassen sich die Angebote verschiedener Airlines vergleichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308832