Vermittlung von Geschichte im Spielfilm. Der Film "Thirteen Days" als gelungene Umsetzung


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Geschichte im Spielfilm: Chancen und Risiken

2 Die Kuba-Krise 1962

3 Der Film „Thirteen Days“
3.1 Produktionsbedingungen
3.2 Der Inhalt des Films

4 Geschichte im Film „Thirteen Days“
4.1 Die Rede Adlai Stevensons vor der UN-Vollversammlung
4.2 Keneth O’Donnell und John F. Kennedy vor dessen Rede an die Nation
4.3 Erste Krisensitzung

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis.

Einleitung

Spielfilme, die ein historisches Thema als Hauptgegenstand haben, haben es schwer. Einerseits verlangt der Historiker maximale Genauigkeit und erwartet vom Film, dass dieser so nah wie möglich an den tatsächlichen Ereignissen bleibt, andererseits dient ein Spielfilm immer einem kommerziellen Zweck und soll möglichst viele Menschen ins Kino oder vor die Fernsehschirme locken. Damit dies gelingt, muss sich ein Spielfilm zwangsläufig etwas ausdenken, was die Menschen fesselt. Er braucht also eine Handlung, muss Emotionen in den Film bringen und Figuren schaffen, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann. Diese Voraussetzung führt meistens dazu, dass das historische Ereignis nur noch im Hintergrund auftritt, und der Film sich im Hauptsächlichen um die erfundene Handlung dreht. Während dies dem normalen Zuschauer gefällt, wird der Historiker meistens eher enttäuscht. Es kann aber auch gelingen, einerseits die historische Wahrheit und Genauigkeit so genau wie möglich wiederzugeben, dem Zuschauer aber andererseits auch einen Film zu präsentieren, der spannend und unterhaltsam ist und einer klaren Handlung folgt. In der vorliegenden Arbeit soll ein Film dargestellt werden dem dies gelungen ist, nämlich „Thirteen Days“, welcher die Kuba-Krise zum Thema hat. Dazu sollen zunächst die Chancen und Risiken von Geschichte im Spielfilm dargestellt werden, anschließend die historischen Ereignisse der Kuba-Krise. Der Inhalt des Films soll als nächstes dargestellt werden, gefolgt von drei ausgewählten Szenen. Davon ist eine historisch so authentisch wie möglich, eine frei erfunden und die Dritte stellt einen Mittelweg dar.

Die Literatur zum Thema Spielfilm und Geschichte ist größtenteils beschränkt auf Aufsätze und Beiträge in Handbüchern. Als Literatur zu Geschichte im Spielfilm wurden hauptsächlich der Aufsatz von Arnold Sywottek zum Thema Film und Geschichte, Rainer Rothers Beitrag im Handbuch der Geschichtsdidaktik, Katharina Weigands Aufsatz über Geschichte im Spielfilm am Beispiel von Sissi, „Geschichte und Film – Film und Geschichte“ von Hilde Hoffmann, „Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen...“ von Natalie Zemon Davis sowie der Aufsatz Geschichte als Ereignis von Thomas Fischer verwendet. Für den Film an sich wurde vor allem die audiokommentierte Fassung der DVD verwendet, da sie einen guten Einblick in die Motive der Beteiligten und Produzenten bietet. Rezensionen des Filmes fanden ebenfalls Verwendung, vor allem http://www.ofdb.de/review/4871,195168,Thirteen-Days, sowie eine Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.03.2001. Für die historischen Abläufe der Kuba-Krise wurden die Werke von Bernd Greiner und Christof Münger verwendet.

1 Geschichte im Spielfilm: Chancen und Risiken

Viele Kinobesucher und Fernsehzuschauer vergessen beim Anschauen eines historischen Filmes leicht, dass es sich dabei niemals um die genaue Abbildung einer vergangenen Realität handelt. Ein Film ist immer vielen Einflüssen unterworfen: „Wer hatte die Idee, einen solchen Film zu drehen? Wer schrieb das Drehbuch, wer ist der Regisseur? Hatten diese Personen bereits zuvor Erfahrung gesammelt mit der Verfilmung von historischen Themen? [...] Allein der Umstand, von wem bzw. welcher Institution ein Film finanziert wurde, lässt wichtige Rückschlüsse auf die Zielrichtung des fertigen Produktes zu. In diesem Zusammenhang muss natürlich auch geklärt werden, wie die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zur Zeit der Herstellung aussahen [...].“[1] Der Historienfilm versucht natürlich immer, etwas so realistisch wie möglich darzustellen: „Beim historischen Film wird uns fortlaufend vermittelt, es läge kein filmischer Code vor, der Geschichte nach Bild- und Erzählkonventionen gestaltet, sondern die Leinwand böte uns ein Fenster, durch das wir auf die Vergangenheit blicken könnten.“[2] An dieser Stelle tritt häufig harsche Kritik von Historikern auf, die befürchten, der Laie im Kino könnte die Geschichte auf der Leinwand für bare Münze nehmen und habe fortan im Kopf gespeichert, dass die historischen Abläufe tatsächlich so waren, wie im Film gezeigt. Dabei sind Kino und Fernsehen längst als Vermittler von Geschichte etabliert und akzeptiert.[3] Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ein Kinofilm der ein geschichtliches Thema als Grundlage hat, keinesfalls den Anspruch erhebt, wissenschaftlich zu sein. Der Sinn und Zweck eines Filmes – sei es nun im Kino oder im Fernsehen – ist zunächst einmal, zu unterhalten und den Zuschauern etwas für ihr Geld zu bieten. Während der Antrieb des Historikers vor daher kommt, wissen zu wollen wie sich bestimmte Ereignisse zugetragen haben, oder warum bestimmte Personen so gehandelt haben wie sie es taten, ist dieser Drang bei einem Regisseur oder Drehbuchautors eines historischen Filmes wohl eher weniger vorhanden.[4]

Katharina Weigand beschreibt die Motive des Regisseurs treffend: „Einen Filmemacher wird wahrscheinlich viel mehr interessieren, ein bedeutendes historisches Ereignis von den Reflexionen der historiographischen Rekonstruktion geradezu zu befreien und dabei künstlerisch zu überformen. Gleichermaßen denkbar ist das Motiv, die Vergangenheit mit Deutungen aus der eigenen Gegenwart zu verbinden, die Schilderung historischer Begebenheiten somit in den Dienst zu nehmen für die Verbreitung eines aktuellen politischen Credos. Doch auch ein viel banaleres Motiv kann einem Filmprojekt zugrunde liegen: der Wunsch, das Publikum einfach nur gut zu unterhalten.“[5] Dennoch, auch wenn man sich bewusst macht, dass ein Film vor allem unterhalten will, eine kritische Beurteilung ist notwendig. So muss man sich bewusst sein, dass jeder Film eine geschlossene Erzählung darstellt „mit Anfang, Mitte und Schluss und einer moralischen Botschaft, die in der Regel von einer Veränderung zum Besseren und von menschlichem Fortschritt erzählt.“[6]

Hilde Hoffmann deckt noch ein weiteres Problem auf: „Filmische Geschichtsschreibung stellt sich häufig als Geschichte von Individuen dar [...]. Individuen stehen im Vordergrund des historischen Prozesses. Damit geht einher, dass persönliche Probleme für historische Problemlagen stehen und die Lösung der persönlichen Probleme auch als Lösung der historischen Konflikte erscheint.“[7] Durch diese Fokussierung auf Personen erreicht der Film beim Zuschauer eine hohe Emotionalität, man identifiziert sich mit der Person und fühlt mit ihr. Ein weiteres Problem ist, dass die Verfilmung der historischen Ereignisse nie zum gleichen Zeitpunkt stattfindet wie das eigentliche Geschehen. Somit ist ein historischer Film auch immer ein Konstrukt, welches Anspruch auf Authentizität erhebt. „Diese Kategorie <<Glaubwürdigkeit>> oder <<Authentizität>> ist also nicht von vornherein in dem verwendeten Archivmaterial enthalten, sondern sie stellt sich erst durch die formale Gestaltung eines Films, d.h. die Erzählstrategie und die auf spezielle Weise montierten Bilder und Töne her.“[8] Im Prinzip ist diese Vermittlung von Geschichte harmlos, sie dient, wie bereits erwähnt, vornehmlich der Unterhaltung. „Wirklich unseriös, ja gefährlich wird der Einsatz von Geschichte – auch im Film – freilich dann, wenn es um die Verbreitung ideologischer Grundsätze geht.“[9]

Auch beim Film ist somit eine kritische Betrachtung des Filmes an sich, sowie eine Sensibilisierung der Konsumenten für die Mittel und Methoden der Filmemacher absolut notwendig und erforderlich.[10] Eine große Chance des historischen Filmes liegt darin, dass sowohl viele Menschen innerhalb eines kurzen Zeitraumes erreicht werden können, und dadurch, dass der Spielfilm nicht nur eine trockene Abfolge von Ereignissen bietet, sondern die Zuschauer begeistert und fesselt, leichter Interesse für geschichtliche Themen geweckt wird bei Menschen, die bis dahin kein Interesse an Geschichte hatten.

2 Die Kuba-Krise 1962

Im Jahr 1959 gelang es einer kleinen Gruppe von Revolutionären um Fidel Castro, den kubanischen Diktator Fulgencio Batista zu stürzen, und auf Kuba ein kommunistisches Regime zu installieren.[11] Dass die Vereinigten Staaten von Amerika auf die Ausbreitung des Kommunismus unmittelbar vor ihrer Küste mit Unbehagen reagierten und drastische Maßnahmen ergriffen, von versuchten Anschlägen auf Fidel Castro bis hin zur gescheiterten Invasion der Schweinebucht, soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden.[12] Während die USA alles versuchten um Kuba vom Kommunismus zu befreien, sah der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow in dem kleinen Inselstaat eine einmalige Chance, um jederzeit ein Druckmittel gegen die Amerikaner in der Hand zu halten. „Damit war der Weg frei für Verträge, die im Laufe des folgenden Jahres im Monatsrhythmus unterschrieben wurden: ein Handels- und Kreditabkommen im Februar 1960, im März und April die Übereinkunft, dass Kuba 100 000 automatische Gewehre und 30 Panzer aus tschechischen Beständen zum Geschenk gemacht werden, im Mai die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, im Juni ein weiteres Militärhilfeprogramm, im Juli die Übernahme eines von den USA kurzfristig gekündigten Kontingents von 700 000 Zucker pro Jahr.“[13]

Um ein Gegengewicht zu den amerikanischen Raketen in der Türkei zu haben, begann die Sowjetunion nun ihrerseits damit, Kuba aufzurüsten.

Bernd Greiner beschreibt die Ausmaße der Operation Anadyr: „Auf Kuba wurden angelandet: eine aus fünf Regimentern bestehende Raketendivision; zwei Luftabwehrdivisionen mit sechs Regimentern, die neben 144 SA-2-Raketen auch über ein Geschwader von MiG-21-Jägern verfügten; vier motorisierte Schützenregimenter und zwei Panzerbataillone; drei mit konventionellen Kurzstreckenraketen ausgestattete Bataillone für den Küstenschutz; 98 Sprengköpfe für nukleare Gefechtsfeldwaffen; vier dieselgetriebene U-Boote der <<Foxtrot>>-Klasse mit je einem Atomtorpedo; 42 000 Soldaten, darunter eine 10 000 Mann starke Kampftruppe. Und vor allem: 36 nukleare Mittelstreckenraketen vom Typ R-12, die mit einer Reichweite von 1100 nautischen Meilen oder 2000 Kilometern Verwüstungen weit im inneren der USA hätten anrichten können.“[14]

Diese nukleare Aufrüstung Kubas entging den Amerikanern keineswegs. Aufklärungsflugzeuge vom Typ U-2 waren bereits mehrmals über Kuba geflogen und lieferten nun, am 15. Oktober 1962, die ersten, eindeutigen Beweise für die Existenz von Mittelstreckenraketen auf Kuba.[15]

Präsident John F. Kennedy wurde am nächsten Tag informiert und beschloß, sofort einen Krisenstab einzuberufen.[16] Um keine Möglichkeit außer Acht zu lassen, wurden in den Sitzungen des ExComm verschiedene Reaktionen auf die sowjetischen Raketen diskutiert. Diese reichten von einer Seeblockade Kubas, bis zu einer Invasion der Insel.[17] Während das ExComm in Hardliner und gemäßigte gespalten war, befürwortete Kennedy eine Blockade Kubas, da im Falle eines Angriffs mit einer sowjetischen Vergeltungsaktion in Berlin zu rechnen sei.[18] Aber selbst eine Seeblockade barg noch große Risiken, weshalb Kennedy ausdrücklich betonte, dass die Vereinigten Staaten nur beabsichtigten, Schiffe mit militärischer Ladung am Erreichen Kubas zu hindern. Frachter mit ziviler Ladung dürften passieren. Um den Eindruck einer militärischen Aktion weiter abzuschwächen wurde auch das zivile Synonym Quarantäne verwendet.[19] Die Blockade sollte am Morgen des 24. Oktober in Kraft treten, bereits zwei Tage zuvor hatte Kennedy eine Rede an die Nation gehalten, in der er die Sowjets als Betrüger und Lügner darstellt die die Welt getäuscht und in die Falle gelockt hätten.[20] Bernd Greiner beschreibt die Folgen der Rede: „Höher hätte Kennedy kaum pokern können.

Wie auch immer man seine Rede las, egal, welchen Nuancen man besondere Beachtung schenkte, am Ende überragte eine Eindruck: Eine Lösung würde es nur geben, wenn Nikita Chruschtschow sich unter dem Eindruck amerikanischer Übermacht beugte, ohne Wenn und Aber den Rückzug antrat.“[21] Aber auch wenn Kennedy nach außen hin eine harte und kompromißlose Linie fuhr, so war er doch zu Zugeständnissen bereit. Durch die Verlegung des Blockaderinges von 800 auf 500 Meilen vor der kubanischen Küste verschaffte er Chruschtschow wertvolle Zeit und vermied es, ihn in eine Lage ohne Ausweg zu manövrieren.[22] Eine eindeutige Schwächung der sowjetischen Position waren jedoch die Ereignisse des 25. Oktober. Während einer Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen behauptete Walerian Sorin, der UNO-Botschafter der Sowjetunion, es gäbe keine Atomraketen auf Kuba und beschuldigte die USA, die Welt belogen zu haben. Adlai Stevenson, der amerikanische Vertreter, nahm diese Vorlage dankend an und präsentierte die Luftaufnahmen der U-2 Aufklärungsflugzeuge, auf denen eindeutig die Raketenstellungen zu erkennen waren. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit gedemütigt verweigerte Sorin den Kommentar.[23] Am 26. Oktober erreichte Kennedy ein Schreiben von Chruschtschow, in dem dieser versicherte, die Raketen abzuziehen, sollten die USA garantieren Kuba niemals anzugreifen.[24] Allen Entspannungssignalen zum Trotz waren die Ereignisse des 27. Oktober 1962 diejenigen, die die Krise auf ihren Höhepunkt und die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachten. Christof Münger beschreibt die Ereignisse wie folgt: „[...], als Chruschtschow am 27. Oktober in einer zweiten Mitteilung, die über Radio Moskau ausgestrahlt wurde, zusätzlich forderte, dass die Jupiter-Raketen in der Türkei, deren nukleare Sprengköpfe amerikanischer Kontrolle unterstanden, abgebaut würden. [...] Die Krise spitzte sich noch weiter zu, als sich einerseits nur wenig später ein amerikanisches U2-Flugzeug im sowjetischen Luftraum verirrte, was von Moskau als letzte Aufklärungsmission vor einem nuklearen Erstschlag der USA hätte interpretiert werden können. Andererseits wurde wenig später über Kuba ein amerikanisches U2-Flugzeug abgeschossen, und vor allem das Pentagon erhob nun die Forderung, mit militärischen Mitteln gegen die Raketenstellungen auf Castros Insel vorzugehen.“[25] Besonders der Abschuss des Aufklärungsflugzeuges über Kuba deutete darauf hin, dass eine Eskalation nun nicht mehr zu umgehen war.

Kennedy hingegen entschied sich dazu, die zweite Nachricht Chruschtschows schlicht zu ignorieren, und nur das erste Angebot, nämlich dass die Sowjets ihre Raketen abziehen würden wenn die Amerikaner garantieren würden Kuba niemals anzugreifen, zu akzeptieren. Insgeheim war der amerikanische Präsident aber bereits zu der Entscheidung gelangt, dass die Raketen aus der Türkei ebenfalls abgezogen werden müssten, sonst sei eine Deeskalation der Lage kaum möglich.[26] Diese Entscheidung überbrachte Robert Kennedy, Justizminister und Bruder des Präsidenten, zusammen mit dem Antwortschreiben an Chruschtschow, dem sowjetischen Botschafter am Abend des 27. Oktober. Kennedy bestand vor allem darauf, dass es auf keinen Fall publik gemacht werden dürfe, dass die USA ihre Raketen aus der Türkei abziehen würden, da sonst die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten gegenüber der NATO leiden würde.[27] Diese Geheimdiplomatie Kennedys brachte schließlich den Durchbruch. Chruschtschow, der befürchtete die Kontrolle über die Situation zu verlieren, lenkte ein und gab den Befehl, die Raketen von Kuba abzuziehen.[28] Damit war die gefährlichste Phase der Kuba-Krise beendet und eine Eskalation der Situation konnte verhindert werden.

3 Der Film „Thirteen Days“

3.1 Produktionsbedingungen

„Thirteen Days“ ist eine Mischung aus Dokumentation und Thriller aus dem Jahr 2000.[29] Regisseur war der Australier Roger Donaldson, produziert wurde der Film von New Line Cinema, Beacon Communications und Tig Productions.[30] Das Drehbuch stammt von David Self, der Film hat mit geschätzten 80mio US-Dollar ein hohes Budget.[31] In den USA spielte er aber nur vergleichsweise enttäuschende 33,1Mio. US-Dollar ein.[32] Die offizielle Premiere des Films war am 19. Dezember 2000 in den USA, in Deutschland wurde der Film zuerst auf der Berlinale am 22.März 2001 gezeigt.[33]

Die Dreharbeiten für den Film waren sehr kurz, die Internet Movie Database gibt den Zeitraum vom 4.Oktober 1999-20.Januar 2000 als Produktionszeitraum an.[34] Die Hauptpersonen des Films sind der politische Berater von John F. Kennedy, Kenneth O’Donnell, gespielt von Kevin Costner, Präsident John F. Kennedy, gespielt von Bruce Greenwood, sowie der Justizminister und Bruder des Präsidenten, Robert Kennedy, dargestellt von Stephen Culp.[35] Gedreht wurde der Film vor allem in den USA, für die Bilder von Kuba wurde auf den Philippinen gedreht.[36] Insgesamt wurde der Film sehr posititiv bewertet, die Benutzer der Internet Movie Database geben dem Film ein Rating von 7.2/10[37], die Seite rottentomatoes.com bewertet den Film mit 83%.[38]

3.2 Der Inhalt des Films

Der Film dreht sich um die Ereignisse des Oktobers 1962, zu Beginn wird die Entdeckung der Raketen auf Kuba gezeigt. Die nächste Szene zeigt die eigentliche Hauptfigur, Kenneth O‘Donnell, Berater des Präsidenten beim Frühstück mit seiner Familie. Während O’Donnell danach zum Weißen Haus gefahren wird, wechselt der Schauplatz zur Ankunft der Bilder der über Kuba aufgenommenen Raketen bei der CIA.[39] Als nächstes ist der nationale Sicherheitsberater McGeorge Bundy zu sehen, der dringend mit dem Präsidenten sprechen will. Kennedy wird über die Raketen auf Kuba informiert und zieht O’Donnell hinzu, um von diesem zu erfahren wie er die Lage einschätzt.[40] Als nächstes trifft Justizminister Robert Kennedy im Weißen Haus ein, gemeinsam mit ihm und O‘Donnell bespricht John F. Kennedy die Lage.[41] Die nächste Szene zeigt eine Sitzung des Kabinetts, sowie der Vereinigten Stabschefs.[42] Diese sind um einen Tisch gruppiert und werden nun offiziell über die Installation von Mittelstreckenraketen auf Kuba unterrichtet. Während der Experte der CIA spricht, zeigt der Film die Raketen auf Kuba. Die Runde bespricht die Lage und mögliche, daraus resultierende Konsequenzen.

Nach der Besprechung beraten sich die Kennedys und O‘Donnell in kleiner Gruppe über das weitere Vorgehen und beschließen, ein Executive Committee einzuberufen.[43] Während der ersten Sitzung des ExComm kristallisieren sich drei Optionen heraus: Ein präziser Luftangriff, der nur die Raketen ausschalten soll, ein massiver Schlag gegen die gesamte kubanische Luftverteidigung, sowie eine Invasion Kubas. Eine politische Lösung steht zunächst nicht zur Debatte, es scheint klar zu sein, dass nur militärische Maßnahmen in Frage kommen.[44] Nach der Besprechung, die ohne Entscheidung bleibt, unterhält sich eine kleine Gruppe um General Maxwell Taylor und McGeorge Bundy, die die Kennedys für zu zögerlich halten.[45] Der Präsident reist am Tag darauf nach Conneticut während sich Robert Kennedy mit dem ExComm berät. In dieser Sitzung wird deutlich, wer zu den Falken – also den Befürwortern einer militärischen Lösung – und den Tauben – den gemäßigten, die eher für eine friedliche Lösung sind – gehören. Verteidigungsminister Robert McNamara spricht zum ersten Mal die Möglichkeit einer Blockade Kubas an, der Zuspruch hält sich zunächst aber noch in Grenzen. Nach weiteren Aufklärungsflügen berät sich der Präsident erneut mit den Stabschefs, um einen Zeitplan für militärische Aktionen abmessen zu können.[46] Während die amerikanischen Streitkräfte sich im Manöver befinden,[47] trifft der sowjetische Botschafter Andrei Gromyko zu einem Besuch bei Kennedy ein. Von diesem auf die Raketen auf Kuba angesprochen, verneint Gomyko, dass es sich um offensive Waffen handele. In der folgenden Beratung von John und Robert Kennedy sowie O’Donnell geht es zunächst um eine Pattsituation im ExComm, anschließend um die Wahlkampfreise des Präsidenten nach Chicago. Als O‘Donnell in Chicago von James Reston, einem Journalisten, auf das Manöver der Army angesprochen wird, reagiert er sehr heftig und bedroht Reston, der daraufhin zustimmt, nichts über das Manöver zu drucken. In einem Telefonat mit Robert Kennedy wird O’Donnell von diesem informiert, dass sich das ExComm zwar auf eine Blockade geeinigt hat, diese Entscheidung aber nicht sehr tragfähig sei und der Präsident daher schnellstmöglich nach Washington D.C. zurückkehren müsse.[48]

Das ExComm zeigt sich in der Blockade-Frage aber auch trotz Anwesenheit des Präsidenten gespalten und einige Mitglieder sind nach wie vor nicht bereit, die Möglichkeit eines Militärschlages auszuschließen. Eine dritte Möglichkeit wird von Adlai Stevenson – dem amerikanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen – angesprochen: Er schlägt einen Tausch der sowjetischen Raketen auf Kuba gegen die amerikanischen Raketen in der Türkei vor. Kennedy lehnt diese Möglichkeit zunächst als nicht durchführbar ab und kündigt eine Fernsehansprache an, in der er den Kurs bekannt geben will.

Nachdem O‘Donnell erfahren hat, dass einige Zeitungen über die Krise informiert sind und planen, dies an die Öffentlichkeit zu bringen bevor Kennedy seine Fernsehansprache halten kann, bittet dieser darum, die Veröffentlichung zu verschieben.

Ein Militärschlag ist weiterhin ein Thema und Kennedy gibt den Befehl, die Streitkräfte in die Alarmstufe Defcon III zu versetzen.

[...]


[1] Weigand, Katharina: Geschichte im Spielfilm. „Sissi“ zwischen Wissenschaft und Zelluloid, in: Fenn, Monika (Hrsg.): Aus der Werkstatt des Historikers. Didaktik der Geschichte versus Didaktik des Geschichtsunterrichts, München 2008, S.101f.

[2] Hoffmann, Hilde: Geschichte und Film – Film und Geschichte, in: Horn, Sabine/ Sauer, Michael (Hrsg.): Geschichte und Öffentlichkeit. Orte – Medien – Institutionen, Göttingen 2009, S.139.

[3] Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.93.

[4] Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.96f.

[5] Weigand: Geschichte im Spielfilm. S.97.

[6] Hoffmann: Geschichte und Film, S.139.

[7] Hoffmann: Geschichte und Film, S.140.

[8] Fischer, Thomas: Geschichte als Ereignis. Das Format der Zeitgeschichte im Fernsehen, in: Crivellari, Fabio u.a. (Hrsg.): Die Medien der Geschichte, Konstanz 2004, S.520.

[9] Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.98.

[10] Weigand: Geschichte im Spielfilm, S.98f.

[11] Greiner, Bernd: Die Kuba-Krise, München 2010, S.15ff.

[12] Greiner: Kuba-Krise, S.17f.

[13] Greiner: Kuba-Krise, S.20.

[14] Greiner: Kuba-Krise, S.7.

[15] Greiner: Kuba-Krise, S.49.

[16] Offizielle Bezeichnung, die auch von nun an verwendet werden wird: ExComm.

[17] Münger, Christof: Kennedy, die Berliner Mauer und die Kubakrise. Die westliche Allianz in der Zerreißprobe 1961-1963, Paderborn 2003, S.206.

[18] Münger: Kennedy, S.206f.

[19] Münger: Kennedy, S.207f.

[20] Greiner: Kuba-Krise, S.68ff.

[21] Greiner: Kuba-Krise, S.70.

[22] Greiner: Kuba-Krise, S.75.

[23] Greiner: Kuba-Krise, S.83.

[24] Greiner: Kuba-Krise, S.83.

[25] Münger: Kennedy, S.219.

[26] Münger: Kennedy, S.223.

[27] Münger: Kennedy, S.223.

[28] Greiner: Kuba-Krise, S.102ff.

[29] http://www.imdb.com/title/tt0146309/?ref_=sr_1, 26.02.2013.

[30] http://www.imdb.com/title/tt0146309/companycredits?ref_=tt_dt_co, 21.02.2013.

[31] http://www.imdb.com/title/tt0146309/business?ref_=tt_dt_bus, 21.02.2013.

[32] http://www.rottentomatoes.com/m/thirteen_days/#contentReviews, 21.02.2013.

[33] http://www.imdb.com/title/tt0146309/releaseinfo, 21.02.2013.

[34] http://www.imdb.com/title/tt0146309/business?ref_=tt_dt_bus, 21.02.2013.

[35] http://www.imdb.com/title/tt0146309/fullcredits?ref_=tt_cl_sm#cast, 21.02.2013.

[36] siehe die audiokommentierte Version des Films.

[37] http://www.imdb.com/title/tt0146309/, 21.02.2013.

[38] http://www.rottentomatoes.com/m/thirteen_days/, 21.02.2013.

[39] Die Ankunft der Bilder geschah tatsächlich mit militärischen Sicherheitsmaßnahmen, siehe historischer Audiokommentar der DVD. Für die Geschehnisse innerhalb des Gebäudes gibt es aber keine genauen Berichte.

[40] Ein weiterer Beleg für die herausragende Rolle O‘ Donnells in diesem Film, wäre er bloß ein Berater Kennedys, so hätte dieser ihn wohl erst gegen später informiert und nicht direkt von Anfang an hinzugezogen.

[41] Die Begrüßung Robert Kennedys „Was soll das werden, Jungs?!“ verdeutlicht weiter, dass die Drei im Film quasi ein Team bilden und seit langer Zeit eng befreundet sind.

[42] Die Kommandeure der einzelnen US-Teilstreitkräfte, z.B. Navy, Army, Air Force.

[43] ExComm, bestehend aus vielen hochrangigen Politikern.

[44] Zum ersten Mal kommt an dieser Stelle auch ins Spiel, dass die Sowjets mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen Berlin vorgehen werden wenn die Amerikaner Kuba angreifen.

[45] Dean Acheson, Außenminister unter Harry Truman, bezichtigt die Kennedys des Appeasements und hält sie für schwach, da sie sich nicht sofort zu einem Militärschlag entschieden hatten. Das Argument, die Kennedys seien Appeaser erhält daher Sprengkraft, da Joseph P. Kennedy, der Vater von John und Robert, Botschafter der USA in London war und ein starker Befürworter der Appeasement-Politik gegenüber Hitler gewesen war.

[46] In dieser Szene wird besonders die gegenseitige Abneigung zwischen John F. Kennedy und General Curtis LeMay deutlich.

[47] Der Codename des Manövers ist ORTSAC, also CASTRO rückwärts geschrieben.

[48] Als Ausrede für den Abbruch der Reise wird eine Erkältung Kennedys vorgeschoben.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Vermittlung von Geschichte im Spielfilm. Der Film "Thirteen Days" als gelungene Umsetzung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V308916
ISBN (eBook)
9783668072022
ISBN (Buch)
9783668072039
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vermittlung, geschichte, spielfilm, film, thirteen, days, umsetzung
Arbeit zitieren
Benjamin Waldraff (Autor), 2013, Vermittlung von Geschichte im Spielfilm. Der Film "Thirteen Days" als gelungene Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308916

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