Das Problem der Nachfolge bei Tiberius und das Wirken des Sejan


Hausarbeit, 2009
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1)Einleitung

2)Das Prinzipat Augusteischer Prägung

3)Tiberius

4)Sejan

5)Der Tod des Drusus

6)Die Beseitigung der Agrippina

7)Kann ein Ritter Princeps werden?

8)Das Jahr

9)Fazit

10)Literatur- und Quellenverzeichnis

1) Einleitung

Nach dem Sieg gegen Antonius und dessen Selbstmord im Jahre 30 vor Christus1 lies Oktavian die Tore des Janustempels auf dem Forum Romanum schließen, ein Zeichen dafür dass im römischen Reich von nun an Frieden herrschen sollte. Trotz einer triumphalen Rückkehr nach Rom stand er vor einem großen Problem. Einerseits musste er eine Staatsordnung schaffen die für das römische Volk akzeptabel war, die andererseits aber auch der Tatsache gerecht wurde, dass sich die Machtverhältnisse in der jüngeren Geschichte zugunsten der Befehlshaber der Legionen verschoben hatten. Eine offizielle Alleinherrschaft kam für ihn nicht in Frage, da dies das Volk gegen ihn aufgebracht hätte. Seine Lösung sollte eine ganze Epoche römischer Geschichte prägen: Das Prinzipat. In diesem gelang es ihm, sowohl republikanische als auch monarchische Elemente zu vereinigen und gleichzeitig den Anschein zu erwecken die Republik wäre wieder hergestellt worden. Ein großes Problem des Prinzipats war allerdings die Frage der Nachfolgeregelung. Im Folgenden soll zunächst das Prinzipat augusteischer Prägung dargestellt werden, danach soll das Leben des Tiberius, Nachfolger von Oktavian2, dargestellt werden. Um das Nachfolgeproblem bei Tiberius darzustellen, wird anschließend kurz auf den Aufstieg und das Wirken des Prätorianerpräfekten Sejan eingegangen, den Abschluss soll die Frage bilden ob ein römischer Ritter Princeps werden kann.

2) Das Prinzipat Augusteischer Prägung

Nach dem Sieg über die Cäsarmörder kehrte Augustus nach Rom zurück. Ihm stellte sich nun die Frage wie der römische Staat in Zukunft aussehen sollte. Eine offene Alleinherrschaft kam für ihn nicht in Frage, der Mord an Cäsar war ihm ein warnendes Beispiel gewesen, auch hätte das römische Volk ihn kaum als Diktator geduldet. Die weite Ausdehnung des römischen Reiches erforderte zudem eine große Anzahl an Legionen, was deren Befehlshaber immer wieder in die Lage versetzt hätte, sich zum Imperator ausrufen zu lassen. Augustus musste also den größten Teil des römischen Heeres unter den Oberbefehl eines einzigen stellen. Das wiederum hätte bedeutet, dem römischen Volk das Gefühl zu geben von einem Diktator oder einem König beherrscht zu werden. Augustus fand die Lösung darin, dass er seine Befugnisse wieder an den Senat gab um sich anschließend vom Senat die Befugnisse wieder geben zu lassen, die er brauchte um alleine zu herrschen, ohne gleichzeitig beim Volk den Anschein zu erwecken er sei ein Diktator, da seine Befugnisse ja offiziell vom Senat übergeben wurden und er nach öffentlicher Darstellung nur auf Bitten des Senats die Vollmachten angenommen hätte. Das sogenannte imperium proconsulare gab Augustus die Möglichkeit, in allen Provinzen die dem Kaiser formell unterstellt wurden, den Oberbefehl über die Truppen zu übernehmen. Faktisch hatte Augustus also den Oberbefehl über den Großteil des Heeres, da die meisten Truppen in Provinzen an der Grenze stationiert waren und diese dem Kaiser unterstellt waren.3 Der zweite enorm wichtige Teil des Prinzipats war die tribunicia potestas. Sie verlieh dem Träger die Amtsgewalt und die Befugnisse eines Volkstribunen, so dass dieser einerseits Gesetze unterbinden konnte, andererseits konnte er aber auch den Senat und die Volksversammlung einberufen und diesen Gesetze vorschlagen.4 Augustus war es somit gelungen, formal die Republik wieder herzustellen, während er und seine Nachfolger faktisch jedoch als Alleinherrscher die Macht in den Händen hielten.

3) Tiberius

Tiberius wurde im Jahre 42 v.Chr. in Rom geboren, sein Vater, Tiberius Claudius Nero, war zunächst ein Anhänger Gaius Julius Cäsars, im Verlauf des Bürgerkrieges wandte er sich aber gegen ihn und schlug nach seiner Ermordung sogar dem Senat vor, die Mörder als Befreier zu betrachten und zu belohnen.5 Nach der Machtübernahme durch Augustus und als der Vater sein Amt als Prätor nach Ablauf der Amtszeit nicht niederlegte, musste die Familie nach Sizilien fliehen. Eine Rückkehr nach Italien wurde erst möglich, als Augustus, Marcus Antonius und Sextus Pompeius einen Friedensvertrag vereinbarten, der auch eine Amnestie für Flüchtlinge beinhaltete. Zurück in Italien erweckte Livia, Tiberius Mutter, das Interesse des Augustus und er zwang Tiberius Nero sich von ihr scheiden zu lassen um sie selbst heiraten zu können. Dadurch wurde Tiberius zu seinem Stiefsohn und lebte von nun an im Hause Augustus6, wo seine politische Karriere bereits im frühen Alter von Neun Jahren begann, als er die Leichenrede bei der Bestattung seines leiblichen Vaters hielt.7 Auch am Triumphzug Augustus nach dem Sieg über Marcus Antonius bei Actium durfte er teilnehmen, und als 19-jähriger wurde er als Quästor der für die Getreideversorgung zuständig war bereits in den Senatorenstand aufgenommen.

Auch auf dem Feld militärischer Erfolge gelang es Tiberius eine gewisse Anzahl an Ehren zu erreichen, so nahm er unter anderem als Militärtribun an einem Feldzug des Augustus nach Spanien teil, führte einen Feldzug gegen das armenische Königreich an und schaffte es durch Diplomatische Mittel die römischen Feldzeichen zurückzubringen, die Antonius, Crassus und Saxa an die Parther verloren hatten.8

Verheiratet war Tiberius zuerst mit Vipsania Agrippina, Tochter Marcus Vipsanius Agrippa, einem der engsten Vertrauten des Augustus. Aus dieser Ehe stammt auch Tiberius Sohn Drusus, von dem im Zusammenhang mit Sejan noch die Rede sein wird. Auf Anordnung von Augustus musste Tiberius sich allerdings später von Vipsania scheiden lassen und die Tochter des Princeps, Iulia, heiraten. Der Princeps hatte seine Tochter zunächst mit Agrippa verheiratet, der als Nachfolgekandidat für den oft schwerkranken Augustus, galt, zumal der Princeps ihn adoptierte und ihn durch die Verleihung des imperium proconsulare und der tribunicia potestas zu seinem Vertreter und damit erstem Anwärter auf die Nachfolge machte. Als Agrippa aber im Jahre 12 v. Chr. auf einem Feldzug in der Balkanregion starb9, stand Augustus vor dem Problem, dass die Nachfolge nun wieder offen war, da er mit den Söhnen des Agrippa10 Erben hatte, diese aber noch nicht alt genug waren um alleine zu regieren. Es musste ein Platzhalter gefunden werden, der die Amtsgeschäfte führte bis die Erben das erforderliche Alter erreicht hatten. Tiberius war die logische Wahl für diesen Posten, da er nach Agrippas Tod der führende General des Imperiums war und Augustus ihn bei der Nachfolgeregelung nicht übergehen konnte11. Über mögliche Schicksal des Tiberius als Regent für Gaius oder Lucius soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, seine Zukunft wäre auf jeden Fall sehr unsicher gewesen sobald einer der beiden vorgesehenen Erben das erforderliche Alter erreicht hätte.12 Da aber sowohl Lucius als auch Gaius bald danach starben13 waren die Pläne des Augustus über den Haufen geworfen und er sah sich letztendlich gezwungen, Tiberius zu adoptieren. Dieser wiederrum musste Germanicus, seinen Neffen, adoptieren, da dieser mit Agrippina, der Tochter von Agrippa und Julia verheiratet war. In Germanicus Söhnen würde also die Blutlinie des Augustus überdauern.14 Tiberius war vom Princeps nur als Übergangslösung vorgesehen, sollte dieser sterben bevor Germanicus alt genug war um zu herrschen.

Kurz vor dem Tod des Augustus wurden die Amtsgewalten des Tiberius, die tribunicia potestas und das imperium proconsulare maius um zehn Jahre verlängert, und als der Princeps im Jahre 14 schließlich starb ernannte der Senat Tiberius schließlich zu seinem Nachfolger.

4) Sejan

Sejan, der um das Jahr 20 v.Chr. in Etruskien geboren wurde15 war unter Tiberius Prätorianerpräfekt, zunächst noch zusammen mit seinem Vater Seius Strabo16. Nach dem Tod des Augustus wurde er von Tiberius beauftragt, mit dessen Sohn Drusus in Germanien den Aufstand der pannonischen Legionen zu beenden.17 Als es in Ägypten zu Aufständen gekommen war, wurde Strabo als praefectus Aegypti ernannt um die Provinz zur Ruhe zu bringen. Sejan blieb in Rom, er war nun der alleinige Befehlshaber der kaiserlichen Garde.18

Den weiteren Aufstieg Sejans beschreibt Erhard Meissner: „Im Jahre 21, als Tiberius in Capri weilte, führte Sejan praktisch die Staatsgeschäfte. Er löste die Aufgaben zur Zufriedenheit des Princeps, denn er erhielt daraufhin die ornamenta praetoria, in der Öffentlichkeit sprach sich Tiberius mehrfach lobend über ihn aus. […] Als Sejan beim Brand des Pompeiustheaters größere Schäden durch seine Umsicht verhütete, wurde dort seine Statue aufgestellt, […].“

Auf den weiteren Aufstieg oder die Absichten Sejans soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, da die Absichten in einem eigenen Kapitel behandelt werden und der Aufstieg nicht das Hauptthema der Hausarbeit ist.

5) Der Tod des Drusus

Sejans steiler Aufstieg in der Gunst des Tiberius verschaffte ihm natürlich Feinde, innerhalb des Senats, aber auch in der kaiserlichen Familie. Das Verhältnis zu Drusus, dem Sohn des Tiberius muss zu Anfang noch gut gewesen sein, Tiberius hätte seinem Sohn wohl kaum einen seiner Feinde als Unterstützung mitgegeben um die Meuterei in Pannonien zu beenden. Mit dem zunehmenden Einfluss Sejans auf Tiberius verschlechterte sich ihr Verhältnis allerdings zunehmend, Drusus beklagte sich, er fühlte sich gegenüber Sejan zurückgestuft und weniger beachtet. Die Verstimmungen gingen sogar soweit, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden kam.19

[...]


1 Im folgenden v.Chr. abgekürzt

2 Im folgenden bei seinem Ehrentitel genannt: Augustus

3 Lacey: Augustus, S.134ff.

4 Lacey: Augustus, S.154ff.

5 Suet. Tib. 4.1.

6 Seager: Tiberius, S.10f.

7 Suet. Tib. 6.4.

8 Seager: Tiberius, S.15ff.

9 Cass.Dio 54.28.

10 Gaius und Lucius Caesar

11 Seager: Tiberius, S.25.

12 Seager: Tiberius, S.33.

13 Seager: Tiberius, S.35.

14 Seager: Tiberius, S.36.

15 Meissner: Sejan, S.3.

16 Meissner: Sejan, S.4.

17 Meissner: Sejan, S.4.

18 Henning: Seianus, S.20.

19 Tac.ann. 4,3,2; Cass.Dio 57,22,1. Von wem die Aggression ausgeht ist schwer zu sagen, bei Cassius Dio schlägt Sejan den Drusus, bei Tacitus ist es genau umgekehrt. Die Version von Tacitus halte ich für wahrscheinlicher, Sejan hätte wohl kaum sein Ansehen bei Tiberius riskiert indem er dessen Sohn körperlich angreift.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Problem der Nachfolge bei Tiberius und das Wirken des Sejan
Hochschule
Universität Konstanz
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V308933
ISBN (eBook)
9783668073876
ISBN (Buch)
9783668073883
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problem, nachfolge, tiberius, wirken, sejan
Arbeit zitieren
Benjamin Waldraff (Autor), 2009, Das Problem der Nachfolge bei Tiberius und das Wirken des Sejan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308933

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