Die Herrschaft des Ptolemaios II. Philadelphos. Zur Legitimation eines Machtwechsels


Essay, 2013
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Instrumentarien zur Legtimation der Herrschaft Ptolemaios II. Philadelphos

Kulturmanager – Sonnenkönig –Diplomat, wären wohl die modernen medialen Termini mit denen man deskriptiv die Person Ptolemaios II. Philadelphos skizzieren würde. Zumindest oberflächlich, denn diese dienen lediglich zur kategorischen Unterteilung einer komplexen Persönlichkeit, welche es verstand seine ihm verfügbaren Instrumentarien zu seinen Gunsten zu nutzen.

So schrieb Macchiavelli knapp 1800 Jahre später in seinem Kapitel „Von neuen Herrschaften, die durch eigene Waffen und Tapferkeit erworben werden“ im Kontext der Renaissance.

Denn der Neuordner hat alle die zu Feinden, die sich in der alten Ordnung wohlbefinden, und laue Mitstreiter in denen, welche bei der Neuordnung zu gewinnen hoffen.“[1]

Wäre man sich der Zeitspanne der Entstehung des Werkes „Der Fürst“ nicht gewahr, so würde man der Annahme verfallen, es wäre im Kontext der hellenistischen Königreiche verfasst worden. Denn ähnlich wie im Altertum, schienen sich Speergewonnene Reiche, auch Jahrhunderte später, mit der gleichen Problematik eines ungeordneten Herrscherwechsels konfrontiert zu sehen.

Würde man den Gedanken also weiter verfolgen, dürfte einem bewusst werden, dass die Legitimation und der darin enthaltenen Problematik nicht neu sind. Denn sowohl Stabilität des Reiches als auch der Fortbestand der Dynastie können durch mangelnde Legitimation und Anbindung an die Person des Königs bzw. dessen Nachfolger gefährdet werden. So war der König in den hellenistischen Königreichen nicht „allein Haupt bzw. Mitte des Staates, sondern geradezu dessen Konstitutens“[2].

Um die Gefahr der Instabilität durch innere & äußere Kräfte zu reduzieren oder gar zu bannen, sahen insbesondere die Ptolemäer in der „designierten Thronfolge“ bei Ptolemaios I. Soter und in der Endogamen Ehe bei Ptolemaios II. Philadelphos, die Möglichkeit von der auf rein Charisma basierenden Herrschaft auf eine dynastische Kontinuität zu lenken und damit das „Gentil- bzw. Erbcharisma“[3] auf einen Zweig zu verengen. Dies zu erreichen bediente sich insbesondere Ptolemaios II. diverser Instrumentarien, welche nicht nur seine eigene Legitimation als Epigone, sondern die Legitimation seiner Dynastie festigen sollte und um damit die „Erinnerungen“ an das Speergewonnene Reich zu negieren.

Diese Instrumentarien und deren Wirkungen sowie der Charakter Ptolemaios II. Philadelphos sind Gegenstand dieses Essay, welches unter dem Aspekt herrschaftssoziologischer Thesen den Übergang einer charismatischen Herrschaft zu einer Herrschaft mit traditionellen und bürokratischen Elementen untersuchen wird.

Ptolemaios Philadelphos wurde wahrscheinlich 308 v. Chr. auf der Insel Kos geboren[4], welche nicht nur als Geburtsort für Ptolemaios eine Rolle spielte, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass sich gleichermaßen der Haupttempel des Dionysos dort befand, den Hauptgott der Ptolemäer.

In Kos genoss Ptolemaios eine Ausbildung in Philosophie und der Naturwissenschaften, wobei sein besonderes Interesse der Geographie und der Zoologie gegolten haben soll[5]. Dies könnte man annehmen, wenn man seine Erfolge während seiner Regierungszeit betrachtet, die Ägypten nicht nur kulturell und ökonomisch zu einer Blütezeit führten, sondern auch zu einem der reichsten Länder der damals bekannten Welt machten. Darüber hinaus verstand es Ptolemaios die ägyptische und gräko-makedonische Kultur miteinander zu verbinden, wahrscheinlich auch die jüdische miteinzubinden, wenn man davon ausgehen mag, dass Ptolemaios die Thora ins griechische übersetzen ließ[6], inwieweit es zu einer kulturellen Gleichsetzung der jüdischen Bevölkerung kam, ist nicht genau belegt.

Fakt ist aber, dass in der Bibliothek von Alexandria nicht nur die Übersetzung der jüdischen Lehre erfolgte, sondern auch diverser andere kultischer und philosophischer Schriften z.B. aus dem Demotischen ins Griechische übersetzt wurden. Das Kunst- und Kulturinteresse beschränkte sich nicht nur auf die bibliographische Kultur, sondern umfasste gleichsam andere Kunstrichtungen, die Ptolemaios nicht nur finanziell zu unterstützen suchte, sondern auch verschiedene Philosophen an seinen Hof in Alexandria berief.[7]

Nicht nur Kunst und Kultur wurden durch ihn gefördert, sondern auch ökonomische Interessen vertreten. Daher entsandte er diverse Expeditionen, insbesondere nach Äthiopien, in die arabische Halbinsel und Nubien[8] zur Erschließung neuer Einnahmequellen. Des Weiteren reformierte er die Administration, um eine effizientere Nutzung des „Beamtenapparates“ zu gewährleisten und folglich die enormen Kosten, die diese erzeugt, zu decken.

Den Grundstein für die Blütezeit in Ägypten legte bereits Ptolemaios I. Soter, der seinen Sohn schon frühzeitig 284 zum Nachfolger deklarierte mit dem Ziel, Rivalitäten innerhalb der Dynastie zu unterbinden und so die Stabilität innerhalb des Reiches und der griechischen Elite zu gewährleisten. Darüber hinaus erfolgte die Legitimation des Sohnes als Nachfolger durch die Ernennung zum Mitregenten.

Nach der Thronbesteigung und der Vorsorge des Vaters, sah sich Ptolemaios dennoch der Gefahr von Rivalitäten um mögliche Thronprätendenten und einer Gegenfraktion gegenüber. Allen voran durch seine Halbbrüder Ptolemaios Keraunos[9] und Melegaros sowie Magas, die zur Sicherung zum einen aufgrund ihrer persönlichen Ansprüche das Land verließen, um sich bei den philoi Unterstützer zu suchen und zum anderen ihre Positionen in ihren Provinzen zu stärken wussten[10]. Weitere mögliche Gefahren durch Gegnerparteien bedachte Ptolemaios mit Verbannungen oder der Anweisung zum Selbstmord[11].

Parallel zum Regierungsantritt erließ er eine Anordnung, die seine Regierungsjahre auf neue Weise zählen sollten.[12] Ziel dieses Mittels wird wohl gewesen sein, mit der vergangenen Regierungszeit zum einen abzuschließen und zum anderen die Entscheidung des Vaters, ihn zum Nachfolger und Mitregenten gemacht zu haben, zu legitimieren und damit alle Zweifel an der Legitimität seiner Herrschaft gegen mögliche Thronanwärter zu beseitigen. Demnach finden sich in den Quellen Zählungen, die das Datum seiner Mitregentschaft (285/84) als Ausgangspunkt beziehen[13].

Zur Konsolidierung seiner Herrschaft und damit verbunden zur Sicherung seiner Legitimation verhielt er sich aus militärischer Hinsicht heraus, eher passiv, selbst als Ptolemaios Keraunos zu seinem Schwiegervater Lysimachos floh, um dort eine Machtbasis gegen Ptolemaios II. zu organisieren. Jedoch verstrickte sich „Blitz“ in der Legitimationsfrage in Makedonien, indem er sich der Partei um Agathokles, Sohn des Lysimachos, anschloss und folglich damit in Gegnerschaft gegen Arsinoe[14] trat, deren Interessen in der Installation ihres und Lysimachos Sohn Ptolemaios[15] als Nachfolger lagen. Nachdem Agathokles durch Ptolemaios den Sohn ermordet wurde und damit die Partei um seine Nachfolge zerschlagen war, sah er nur die Möglichkeit sich zu Seleukos zu begeben. Die endgültige Niederlage Ptolemaios Keraunos erfolgte, nachdem Seleukos die Gebiete in Kleinasien seinem Reich einverleibte und Lysimachos bei der Schlacht in Kúru pedíon 281 fiel. Ptolemaios II. verhielt sich wohl während der Okkupation der kleinasiatischen Gebiete weitestgehend passiv, da weder Protestnoten, Drohungen oder militärische Aktionen gegen Seleukos durchgeführt wurden.[16]

Weshalb er sich gegenüber Seleukos ruhig verhielt ist nicht ganz geklärt, einzige Erklärung für sein Verhalten könnte unter anderem ein Abkommen zwischen beiden gewesen sein. Allerdings lässt sich das nur als Annahme aus dem Verhalten von Ptolemaios herleiten.[17] Da weder Quellen noch deutliche Hinweise auf die Annahme eines Abkommens existieren.

Ein ähnliches Verhalten wies Ptolemaios II. aus, als sich Pyrrhos im Jahr 281 an ihn wandte und um Unterstützung gegen Rom bat. Er entsandte lediglich Militärgerät und Truppen, hielt sich aber aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraus. Wobei man annehmen könnte, dass er diesbezüglich aus Staatsräson handelte.

Denn 264 versuchte Ptolemaios II. zwischen Rom und Karthago während der Punischen Kriege zu vermitteln, denn ihm schien bewusst zu sein, dass der Sieger aus diesem Krieg eine neue Vormachtstellung im Mittelmeerraum einnehmen würde. Hinzu kommen die guten Beziehungen zwischen Ägypten und Karthago sowie zwischen Ägypten und Rom, die Ptolemaios II. nicht aufgrund einer unüberlegten Handlung aufs Spiel setzen wollte.

[...]


[1] Niccoló Macchiavelli, Der Fürst, S. 35, übers. und hrsg. v. Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Frankfurt am Main/Leipzig 2001

[2] Hans-Joachim Gehrke, Der siegreiche König, in: AKG 64 (1982), S.247

[3] Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte. Nachlaß. Teilband 4: Herrschaft, hrsg. Edith Hanke in Zusammenarbeit mit Thomas Knoll, Tübingen 2009

[4] Bern-Jürgen Müller, Ptolemaeus II. Philadelphus als Gesetzgeber, Jur. Diss. Köln 1968, S. 1.

[5] Ebd.

[6] Vgl. Müller (Diss.) S. 2 sowie Werner Huß, Ägypten in hellenistischer Zeit : 332 - 30 v. Chr., München 2001, S. 319

[7] Ebd., S. 317-318

[8] Ebd., S. 313-317 sowie Vgl. Müller (Diss.) S. 2

[9] Beiname „Blitz“ in Anlehnung an Zeus, Vgl. Huß, S. 255

[10] Magas war Strategos der Provinz Kyrenaia und Melegaros wurde Keraunos Nachfolger in Makedonien.

[11] Vgl. Huß, S. 253, ein Parteigänger Ptolemaios Keraunos

[12] Ebd., S. 254

[13] Ebd.

[14] Ebd., S. 256

[15] „Ptolemaios der Sohn“

[16] Ebd., S. 260

[17] Vgl. Huß S. 257

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Herrschaft des Ptolemaios II. Philadelphos. Zur Legitimation eines Machtwechsels
Hochschule
Universität Mannheim  (Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Das hellenistische Königreich
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
10
Katalognummer
V309151
ISBN (eBook)
9783668076013
ISBN (Buch)
9783668076020
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herrschaft, ptolemaios, philadelphos, legitimation, machtwechsels
Arbeit zitieren
R. Jan Kalus-Kersten (Autor), 2013, Die Herrschaft des Ptolemaios II. Philadelphos. Zur Legitimation eines Machtwechsels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309151

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